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http://de.zisska.de/nr-12-freiburg-im-breisgau-wolleber-chronik/600022

12 FREIBURG IM BREISGAU – WOLLEBER – CHRONIK

des Hauses Zähringen. Deutsche Handschrift auf Papier. Freiburg i. Br. um 1625/30. Fol. (32,5 x 20,2 cm). Mit 16 Wappenminiaturen in Deckfarben, 180 Portrs. (Halb – und Standfiguren) mit Wappen in Deckfarben (1 unausgeführt in Vorzeichnung) sowie 3 (statt 8?) Stammbäumen in Deckfarben und Tinte auf gefalt. Tafeln. 252 (8 weiße) tls. pag. Bl. Tls. regliert. Blindgepr. Schweinsldr. d. Zt. (Schließbänder fehlen, Bezug an den Kanten aufgeplatzt, stärker fleckig, beschabt und bestoßen). (40)

Schätzpreis / Estimate: 30.000,- €

Umfangreiche, der Stadt Freiburg dedizierte Chronik, prachtvoll illuminiert in der Art der Wappen – und Geschlechterbücher des 16. Jahrhunderts. In gleichmäßiger Kanzleikursive und Kalligraphie angefertigte Abschrift der Geschichte der Zähringer von David Wolleber, der sich "Württembergischer Historicus" und "kayserlicher Publicus Notarius" nannte. Die heute im Freiburger Stadtarchiv (B1, Nr. 11) aufbewahrte Urschrift wurde zwischen dem 10. August 1597 alten Kalenders (d. i. 20. August gregorianischen Kalenders) und dem 6. September 1597 neuen Kalenders niedergeschrieben. – Wolleber, geboren um 1555 in Grunbach im Remstal, ist kurz nach Abfassung der Chronik am 8. September 1597 einem Raubmord zum Opfer gefallen (zusammenfassend zu Wollebers Leben und Wirken: P. P. Albert, Geschichtsschreibung der Stadt Freiburg in alter und neuer Zeit, Sonderabdruck, Karlsruhe 1901, S. 51-60, und K. Graf, Gmünder Chroniken im 16. Jahrhundert, Schwäbisch Gmünd 1984, S. 77-94).

Die niemals gedruckte Chronik wurde vom frühen 17. bis zum späten 18. Jahrhundert in Kopien verbreitet (darunter Exemplare in der Hofbibliothek von Donaueschingen und der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, in der Kollation und Illuminiation mit dem Original weitgehend übereinstimmend). Meist wurden derartige Abschriften vom Adel oder Patriziat in Auftrag gegeben oder als Geschenke angefertigt (vgl. Albert S. 54, Anm. 1). Entsprechend sorgfältig und qualitätvoll fallen Illumination und Kalligraphie gewöhnlich aus, in unserem Fall dem von dem Freiburger Maler David Schmidlin ausgemalten Original kaum nachstehend. Bei unserer Abschrift dürfte es sich zudem um eine der frühesten handeln: nach den Wasserzeichen zu schließen, ist von einer Datierung um 1625/30 auszugehen (siehe unten).

Wie im Original und in der früheren der beiden Karlsruher Abschriften (Signatur: Hinterlegung 7, datiert "17. Jahrhundert") setzt die Paginierung mit Seite 201 ein, "da Wolleber die Zählung der am 12. 2. 1593 der Stadt Freiburg überreichten mappam und genealogiam der graven von Habspurg, herzogen von Zehringen und graven von Freyburg als stifter diser statt berücksichtigt hat" (Katalog der Handschriften in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe, Bd. XIII, Wiesbaden 2000, S. 494 ff., und Albert S. 56). Auch der Paginierungssprung von S. 439 auf 486 findet sich in unserer Abschrift.

Kollation: 2 weiße Bl. (ein weiteres ohne Wasserzeichen = Buchbindervorsatz, daher nicht gezählt), 13 nn. Bl., S. 201-228, 1 Bl. mit dem Porträt des Würzburger Bischofs Echter von Mespelbrunn zwischengebunden, S. (229)-254, Stammbaum, ausgehend von Herzogin Agnes von Rheinfelden (= S. 255-258), S. 259-276, Stammbaum, ausgehend von Gräfin Margarethe von Zähringen, Gattin Hartmanns von Kyburg (= S. 277-280), S. 281-296, Stammbaum, ausgehend von Gräfin Mechthild von Rheinfelden (= S. 297-300), S. 301-414 (S. 415-417 fehlt, wohl ein Stammbau, Paginierung geht auf recto gerade weiter:) S. 418-425, (S. 426/27 fehlt, wohl Stammbaum), S. 428-433, 1 weißes Bl., 2 nn. Bl. (entsprechend S. 434-439, dann Paginierungssprung:) 486-618, 16 nn. Bl., 2 weiße Bl., 40 nn. Bl., 3 weiße Bl. mit Wasserzeichen (und ein Bl. ohne Wasserzeichen = Vorsatz). Die Größe des Freiburger Originals ist mit 215 x 320 mm (Buchblock) angegeben, entspricht also fast der vorliegenden Kopie.

Inhalt: Titelseite ("Weilannd der durchleuchtigen Hoch – unnd Wolgebornen Grave[n], Marggraffen und Hertzogen des hochlöblichen Hauß zue Zäringen Stiffter und Anfanger der auch hochloblichen und Weitbergeruempten Statt Fryburg im Preyßgaw ...", fol. 3r), der Brief Wollebers an den Bürgermeister der Stadt Freiburg (fol. 4/5, datiert, Stuttgart, 10. August 1597), "Register der Vornembsten Handlungen" (fol. 6-15), "Von der Nutzbarkait der Historien" (fol. 16-25 = S. 201-220), das Wappen der Zähringer (fol. 26), die Vorrede (fol. 27-29 = 223-228), das Porträt des Würzburger Bischofs Julius Echter (fol. 30) und die Abschrift von dessen Dankschreiben an Wolleber für die Übersendung der Würzburger Chronik (fol. 31), die Historie der Herzöge von Zähringen (fol. 32-125, letztes weiß, entspricht S. 231-435), "Der Andere Thaill Ordenliche Unnd Gründtliche Beschreibung aller Hertzogen von Teeckh in Schwabe[n]" (fol. 126-194 = S. 486-618), "Warhafftiger Bericht welchermassen Der Alte Marckat Fleeckh Heiningen Im Fürstenthumb Teeckh Und Württemberg gelegen, Von Kayser Rudolpho dem Ersten ... Privilegiert, befreyet Und begabet worden" (fol. 195-212, letzte beide weiß), "Histori und Legent von allerhandt vor etlich hundert Jaren geschehenen Geschichten, Als nämlich von den Hertzoge Zue Zeringen, Graven von Freyburgg undt andern seltsamen Sachen" (fol. 213-252, auf Papier mit anderem Wasserzeichen). – Die Geschichte der Gründung Freiburgs ist auf S. 327 ff. abgehandelt.

Der "Historicus" Wolleber besserte sein karges Gehalt als Winkeladvokat damit auf, Herrschaften selbstverfaßte Chroniken zu widmen und ihnen entsprechend, teils auch über Gebühr, zu schmeicheln. "Infolge der Art, wie Wolleber seine Werke zusammenschweisste und ausstattete, um sie möglichst gut an den Mann zu bringen, stand er in keinem guten Rufe; er galt als Schmarotzer und Bettelliterat" (Albert, S. 56 f.). Die Besonderheit dieser Dedikationen ist Wollebers Zusammenarbeit mit den Illustratoren: "Zum Erfolg von Wollebers Werken trug auch ihre aufwendige Ausstattung mit farbigen Illustrationen, hauptsächlich Wappenmalereien, bei, für die er ausgebildete Maler heranzog" (Graf, S. 80). – In der vorliegenden Abschrift sind die Wappenmalereien und Herrscherporträts von einem handwerklich sehr versierten Maler sauber und gekonnt nach den Originalen gearbeitet, in frischen und leuchtenden Farben, die der Vorlage nicht nachstehen, teils auch unter Verwendung von Eiweißhöhung. Von den Stammbäumen sind nur die drei kleineren der Nebenlinien vorhanden, die fünf großen Hauptstammbäume fehlen dagegen. Auch einzelne Wappenminiaturen wurden trotz ausgesparter Räume nicht ausgeführt (so auf. S. 325, Kloster St. Peter im Schwarzwald).

Auf die Entstehung der Handschrift in Freiburg i. Br. und eine Datierung in die Zeit um 1630 deuten die Wasserzeichen hin: Der erste Teil weist ein im südwestdeutschen Raum am Beginn des 17. Jahrhunderts in zahlreichen Varianten nachweisbares Wasserzeichen auf (Vogelkopf im Wappenschild, darüber die Buchstaben S und R, an der unteren Spitze F), das seine engste Übereinstimmung in dem bei Piccard unter der Nummer 42034 verzeichneten Wasserzeichen findet, dieses datiert Freiburg 1637. Das Papier des letzten Abschnitts zeigt einen Adler über Dreiberg (Kleeblatt) und die Buchstaben F und B (Piccard 152629, datiert Freiburg 1625). Wahrscheinlich ist die Abschrift der Chronik noch vor 1632 entstanden, dem Beginn der schwedischen Besatzung.

Innengelenke gebrochen, einzelne Spuren alter Restaurierung, geringe Randläsuren, etw. fingerfl. und gebräunt, der letzte Abschnitt papierbedingt etw. mehr. – Auf dem vorderen Spiegel das gestoch. Exlibris der Reichsgrafen von Sonnenberg in Luzern (Gerster, Schweizer Exlibris, 2123 und 2680), wohl 17. Jhdt., im oberen Teil (Spruchband) ausgekratzt, sowie Exlibris von Oswald Carl Friedrich, Graf von Seilern und Aspang (1900-1967); ferner Spuren eines entfernten großen Exlibris. – Einbanddeckel mit kleinem, gepr. Supralibros zweier Eichhörnchen am Fuße eines Kelchs mit Rosen und Vögeln.


2003 ging das Stück für gut 10.000 britische Pfund bei Christie's weg:

http://www.christies.com/Lotfinder/lot_details.aspx?sid=&intObjectID=4068824

Two days after Wolleber dated the conclusion of the Chronik der Zäringer, 8 September 1597, he was robbed and murdered. The presentation of the work to Freiburg must have been handled by his long-suffering widow. It would seem that the Chronicle's illumination was largely complete at Wolleber's death. In his dedicatory letter to the town council of Freiburg, Wolleber says that he has had all the portraits and coats of arms newly done and illuminated by a painter. Wolleber had already presented large single-sheet Zähringer family trees to Freiburg im Breisgau in 1593, Bern and Zürich in 1594 (although Zürich responded with a very small payment since they did not recognise the Zähringer as their founders) and Freiburg im Üchtland (see Die Zähringer, nos 280.1-2). The Freiburg im Breisgau genealogy survives in the Augustinermuseum there, Inv.260, and its half-length figures relate so closely to those in the bound chronicle that they have been attributed to the same artist, David Schmidlin. Schmidlin signed the second page of the Chronicle, illuminated with the arms of Freiburg and Austria and dated 1605, which is not repeated in this copy. Otherwise, these pictures appear to follow Schmidlin's, which were also incomplete. Schmidlin drew on earlier portraits to clothe his imaginary figures but in an erratic and unchronological way. No costume is earlier than the 15th century and much dates only from the first decades of the 16th century; some fantastic elements derive from the standard repertoire for exotic costume intended to signal bygone ages.

Like all Wolleber's works, the Chronik der Zäringer was never printed, perhaps because the necessary illustration would have been prohibitively expensive, but it did achieve some circulation in manuscript. The place of the Zähringer as ancestors of the Habsburgs may have added to its appeal. This manuscript would seem earlier than the copy formerly in the Fürstliche Fürstenbergische Hofbibliothek, Donaueschingen, 607a, dated to the second half of the 17th century, which retains all the family trees; a second copy formerly in the same collection, 607b, dating from the early 18th century, has none of the prefatory material and has lost all the trees. These manuscripts are now in the Badische Landesbibliothek, Karlsruhe, Donaueschingen Hs 607a and b (F. Heinzer in Scriptorium, 1995, pp.312-319). A complete 18th-century copy is in the Archiv Benediktinerabtei St. Paul im Lavantal, Hs 73/2, and a partial copy was made by Joseph Felizian Geissingen at the end of that century, Freiburg im Breisgau, Universitätsbibliothek, Hs 497/2+4. All these approximate to the dimensions of the original, 305 x 200mm (see Die Zähringer, p.324).


Die Geissinger-Abschrift der UB Freiburg liegt digitalisiert vor:

http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hs497-2

Zu Wolleber
http://archiv.twoday.net/search?q=wolleber

Update: Ging für 18.000 Euro weg.

http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:David_Wolleber
 

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