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KlausGraf meinte am 2006/09/21 14:14:
Wird die gesamte Sammlung verkauft?
Aus der Süddeutschen von heute (Auszug)
" Die
Landesregierung will den Nachfahren der Markgrafen und Herzöge nun
erlauben, die in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe verwahrte
Handschriftensammlung zu verkaufen und mit dem geschätzten Erlös von 70
Millionen Euro die Kosten für die Renovierung des im Familienbesitz
befindlichen Schlosses Salem am Bodensee zu begleichen. Der Rest soll in
eine Stiftung fließen, mit der man den Unterhalt des zum Teil als Internat
genutzten Schlosses finanzieren will. In den nächsten Monaten muss der
Landtag der Einigung noch zustimmen.Peter Ehrle, der Direktor der Badischen
Landesbibliothek, sagt auf Anfrage, er habe bisher nur gerüchteweise von
der Einigung erfahren; mit ihm selber habe noch niemand gesprochen. Ein
Verkauf bedeute aber eine "Katastrophe für ganz Europa". Die betroffene
Sammlung von Handschriften umfasst etwa 3600 Einzelstücke, darunter das
älteste Zeugnis markgräflichen Buchbesitzes, das um 1490 in Paris
entstandene Stundenbuch des Markgrafen Christoph I. von Baden, und die
Schriften des Klosters Reichenau, die eigentlich in das Weltkulturerbe
hätten aufgenommen werden müssen. Sie gehen bis ins 9. Jahrhundert zurück
und illustrieren in ganzen Bilderzyklen das Neue Testament, das Leben Jesu
und die Evangelien. Ehrle hält sie für unersetzlich. "Sie verkaufen doch
auch nicht den Kölner Dom, lassen ihn in Japan wieder aufbauen und sagen,
wir haben ja noch Fotos davon."Die großherzogliche Hofbibliothek, aus der
die Handschriften stammen, wurde 1872 aus der Hofverwaltung herausgelöst
und dem badischen Innenministerium unterstellt. Rechtsnachfolger ist nun
das Land Baden-Württemberg. Die Besitzverhältnisse wurden aber offenbar nie
abschließend geklärt. Vor einigen Jahren drohte das Haus Baden einen
Verkauf gerichtlich durchsetzen zu wollen. Weil sich das Land nach einigen
Rechtsgutachten seiner juristischen Position offenbar nicht sicher war,
arbeitete man an einem Kompromiss, dem nun die Handschriften zum Opfer
fallen könnten. Die Politik sieht darin wahrscheinlich den Weg des
geringsten Widerstandes: Schriften lagern in Magazinen, sind der
Öffentlichkeit weitgehend entzogen und erbringen keinen Erlös aus
Eintrittsgeldern.Im Gegenzug sollen andere Kunstgegenstände, auf die das
Haus Baden ebenfalls Ansprüche erhoben hatte, in den Besitz des Landes
übergehen." 

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