WernerLengger meinte am 2006/09/22 11:24:
Archivarinnen und Archivare sind Menschen, also nicht unfehlbar. Aber sie sind aufgrund ihrer Ausbildung und Erfahrung, die einzigen, die kompetent Bewertungsentscheidungen treffen können! Natürlich dürfen grob fahrlässig getroffene Fehlentscheidungen nicht folgenlos bleiben, aber eine darüber hinaus gehende Kontrolle von archivarischen Bewertungsentscheidungen durch die Wissenschaft oder die Öffentlichkeit rüttelt nach meinem Verständnis an den Grundfesten unseres Berufsstandes. Es zählt doch zu den Voraussetzungen unserer täglichen Arbeit, dass wir uns an den als gültig anerkannten archivwissenschaftlichen Prinzipien orientieren, und uns eben gerade nicht von den vielen, widersprüchlichen und zeitbedingten Moden unterliegenden Meinungen und Wünschen, insbesondere der Wissenschaft, abhängig machen. Wenn wir der Wissenschaft und Öffentlichkeit eine Kontrollfunktion über unsere Bewertungsentscheidungen einräumen, degradieren wir uns doch letztlich zu deren Erfüllungsgehilfen. Außerdem bezweifle ich ganz ausdrücklich, dass die uns aufgetragene Überlieferungsbildung bessere Ergebnisse zeitigt, wenn wir es zulassen, dass von außen in unsere Bewertungsentscheidungen, also in den Kern der archivarischen Tätigkeit, eingegriffen wird.