BCK meinte am 2006/11/10 08:14:
Jäger des verlorenen Schatzes
Dieter Mertens lehrt das Haus Baden das Fürchten und hilft dem Land Millionen sparen.Ein Porträt des Gelehrten zeichnet der
Südkurier, 09.11.2006, Die Dritte Seite / von Uli Fricker
http://www.suedkurier.de/nachrichten/seite3/art1798,2292748.html
Dieter Mertens ist ein unauffälliger Mensch. Gut mittelgroß, weiße Haare, 66 Jahre alt, dazu eine randlose Brille, durch die er mit freundlichen Augen schaut. Der gebürtige Niedersachse gehört zu den Zeitgenossen, die in ihrer Arbeit aufgehen - er ist der unauffällige Forscher aus dem Bilderbuch, der lateinische Texte des Humanismus zerlegt und analysiert, der alte Bibliothekskataloge studiert und gescheite Aufsätze über die Zähringer verfasst hat. Nun ist der Professor für Mittelalterliche Geschichte aus dem Dämmer der Gelehrtenstube herausgetreten und hat eine schläfrige Landespolitik aufgeweckt: Mertens hat aufgrund von dokumentarischen Funden nachgewiesen, dass wichtige Stücke auf der Verkaufsliste des Hauses Baden bereits dem Land gehören. Baden-Württemberg würde Dinge erwerben, die sein Eigentum sind.
(...)
Das markgräfliche Haus ist über die Funde des Gelehrten wenig erfreut. Erbprinz Bernhard, der Geschäftsführer der Familie, sprach bereits von einer "Kampagne der FAZ". Die Fakten liegen anders: Die kritisierte Zeitung kann sich vor Zuschriften, Gutachten, Dokumenten nicht retten. Engagierte Leser, Fachleute und Kulturschaffende wenden sich an die FAZ als dem zuverlässigen Forum für ihr Anliegen. In diesen Kreisen geht Sorge um, dass die Familie Baden eine Kampagne führen - zur Sanierung ihrer selbst.
Dieter Mertens selbst bleibt nüchtern. Im Gegensatz zum Markgrafenhaus freilich verfolgt er keine persönlichen und materiellen Interessen. Er wirft sein beträchtliches Gewicht als Fachmann in die Waagschale - nicht mehr und nicht weniger. Im Übrigen ist er als Professor zugleich Landesbeamter und deshalb zur Loyalität verpflichtet. Dieser Pflicht ist er nun tausendfach nachgekommen, indem er dem Bundesland und seinen braven Steuerzahlern eventuell Millionen sparen hilft. Zu Zeiten der Monarchie hätte man diesen Mann geadelt. Heute müsste ihm Finanzminister Stratthaus mindestens um den Hals fallen. Das hat er nicht getan. Bleibt die Frage: Warum eigentlich?