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BCK meinte am 26. Dez, 02:02:
Salem. Vom Kloster zum Fürstensitz 1770-1830

[Ausstellung zur Säkularisation veranstaltet von Schloß Salem und dem Generallandesarchiv Karlsruhe in Schloss Salem - Bibliothek, 22.6.-22.9.2002] / Förderverein des Generallandesarchivs Karlsruhe. Hrsg. von Rainer Brüning ... - Karlsruhe, 2002. - 204 S. : zahlr. Ill.

Eine Rezension von Martin Burkhardt erschien in: Der Archivar. - 56. 2003. - S. 359 - 360 (Martin Burkhardt) (link)

Der Wechsel irdischer Güter aus weltlichem in kirchliches Eigentum und umgekehrt durchzieht die gesamte abendländischchristliche Geschichte. Zunehmend zahlreiche Veranstaltungen nun gedachten und gedenken jener Ereignisse vor 200 Jahren, die als die Säkularisation in unsere Geschichtsbücher eingingen. Der anzuzeigende Begleitband mit einem Aufsatz- und einem Katalogteil dokumentiert die Ausstellung des Generallandesarchivs Karlsruhe und der Verwaltung von Schloss Salem, die, schon vor dem großen Säkularisations-»Boom«, vom 22. Juni bis 22. September 2002 in der historischen Salemer Schlossbibliothek zu sehen war.

Mit dem 60 Jahre umgreifenden Zeitraum kann die Säkularisation der Reichsabtei im engeren Sinne, die Rainer Brüning anschaulich nachzeichnet, in einen historischen Kontext eingebunden werden: Volker Rödel und Ulrich Knapp zeigen in ihren rechts- beziehungsweise personengeschichtlichen Beiträgen, wie sich die Entwicklung gegen Ende des Alten Reiches anbahnte. Hansmartin Schwarzmaier erzählt im besten, zugleich unterhaltenden und erhellenden Sinne vom Stellenwert des ehemaligen Klosters für die weitere Geschichte Badens, indem er verfolgt, wie der von Napoleon abservierte Ludwig von Baden als Standesherr seine neue abgelegene Herrschaft persönlich beziehen musste.

Das Beispiel Salem ist für eine Darstellung der südwestdeutschen Säkularisation von 1802/03 gleichermaßen hervorragend geeignet wie untypisch: Gebäude und mobile Ausstattung waren, so beschreibt Ulrich Knapp, unzerstört verblieben beziehungsweise nach der Flüchtung zurückgebracht worden. Selbst die Bibliothek überstand, wie Armin Schlechter darlegt, zwar zerstreut, aber physisch weitgehend erhalten und aufgrund ausgezeichneter Katalogisierung als Ensemble immerhin rekonstruierbar, die umstürzenden Jahre außerordentlich unbeschadet. Konrad Krimm stellt das größte Klosterarchiv im Großherzogtum vor, das in mustergültiger Ordnung von den badischen Archivaren nach Karlsruhe geholt werden konnte, und bietet damit einen spannenden Exkurs auch in die allgemeine Archivgeschichte. Eine Sentenz an der Wand des sogenannten „Inneren Archivs“ erläutert den Zweck des Raums; doch wir könnten sie auch als generelle Legitimation des Archivarsberufs auffassen: „ET DOCUMENTA DAMUS QUA SIMUS ORIGINE NATI“, „und wir liefern die Beweise, welchen Ursprungs wir sind“.

Unter den zahlreichen, durchweg interessanten Abbildungen im Katalogteil seien exemplarisch herausgegriffen die Pläne und Ansichten der Klosteranlage (S. 87–92), das erhaltene Interieur der Archivräume in Salem aus dem 18. Jahrhundert (S. 28, 33), der Eintrag des Abts Anselm auf dem Vorsatzblatt eines 1765 in Paris erworbenen aufklärerischen Buches als „liber pestilens“ (S. 142) und die Abrechnung über badische Bestechungszahlungen 1803 an französische und russische Regierungsvertreter (S. 69). Die Erläuterungen zu den Exponaten erscheinen knapp, doch kenntnis- und aufschlussreich.

In dem auch formal ansprechend gestalteten Band stört einzig ein wenig, dass einige der abgedruckten Archivalien (v. a. S. 15, 88, 107) etwas blass und klein wiedergegeben sind. Solche Schriftstücke sollten – gerade, wenn ein Archiv verantwortlich zeichnet – weniger als Dekoration abgebildet werden, sondern auch im Katalog als Erkenntnisträger gleichberechtigt neben den Texten stehen.

Der Begleitband zur Ausstellung, weit mehr als ein bloßer Katalog, belegt einmal mehr, dass Archivare nicht nur zu den profundesten Kennern, sondern zugleich zu den engagiertesten Vermittlern der Landesgeschichte gehören.

Stuttgart, Martin Burkhardt

 

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