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FeliNo meinte am 2006/12/10 21:01:
Neue Qualitäten
Klaus Grafs Aufruf wie auch die Nachricht über das Gerichtsbuch bei Ebay zeigen zwei neue Qualitäten des Handels mit alten Schriften und Drucken auf dem Online-Marktplatz:

1. Während der "klassische" Handel konstatiert (.B. auf den Messen wie Tefaf etc.), gehen zu Höchstpreisen nicht mehr die sog. "Cuttings", sondern nur noch die kompletten Schriften weg. Bei Ebay schreitet indes das Zerlegen, wie es scheint, voran!

2. Während der "klassische" Handel Archivalien nur am Rande berücksichtigte (er richtete sich an Sammler, zuvörderst denen von ma. bunten [Bilder-]Büchern oder Inkunabeln und seltenen Drucken, archivalische Funde wurden in der Regel nicht beachtet oder den Orten gegen Entgelt wieder zugeführt), hat gerade bei Ebay das Angebot von eigentlich nur lokal oder den Historiker interessierenden Schriften deutlich zugenommen!

Ohne dies näher interpretieren zu wollen (der "klassische" Handel ist wahrscheinlich nicht Anbieter, aber gewiss Käufer auf dem Online-Marktplatz): in jedem Fall werden den Beständen an "kulturellem Erbe" in Europa dadurch schwere Schäden zugefügt, die a la longue größer sein dürften als der Brand in einer Bibliothek! Eine "Ächtung" kann womöglich nur erfolgen, wenn dem Geschäft mit alten Schriften und Drucken ein ähnlich spektaktakulärer Fall nachgewiesen werden kann wie der des Getty-Museums mit seinen Antiken. Ein internationales, öffentliches Bündnis der Wissenschaft, der Bibliotheken und der Archive sollte eigentlich eine erhellende Wirkung haben. 
FeliNo antwortete am 2006/12/14 18:17:
Weiteres Beispiel für die Praxis des Buchzerlegens im Handel
Bei Zisska und Kistner (München) wurde bei der Auktion 17. - 19. Oktober 2006 ein "Hortus sanitatis", gedruckt von Michael Furter 1488 in Basel, als Lot 185 (Nennwert: 1000 Euro) für 3800 Euro verkauft; Furters Druck, ein Nachdruck der Ausgabe von Grüninger 1486) gilt als äußerst selten; das Exemplar war unvollständig:
http://www.zisska.de/kataloge/3/185.html

Insgesamt vier einzelne Blätter des "Hortus sanitatis" von Furter werden zur Zeit bei eBay hier angeboten (in der Liste des Anbieters verteilt):
http://stores.ebay.de/Writing-and-the-Mind-of-Man

Es ist absolut unwahrscheinlich, dass zur Zeit zwei Exemplare dieses seltenen Drucks gleichzeitig im Handel kursieren; ich kann dafür auch keinen Nachweis finden. Wahrscheinlich ist, dass das bei Zisske verkaufte, bereits gefledderte Exemplar nunmehr vollständig auseinander genommen und nach und nach in Einzelblättern vertickt wird.

Die Praxis, unvollständige Manuskripte und seltene Drucke vollständig zu zerlegen, wird vom Handel als gängig eingeräumt; Bibliothekare und Wissenschaftler lehnen sie strikt ab. Dass sich diese Praxis nur bei Einzelstücken und Raritäten lohnt, liegt auf der Hand. Verschiedentlich wurde bereits der Verdacht geäußert, dass man noch intakte Schriften vandaliere, um unvollständige Exemplare in den Handel zu bringen, wo man sich hernach mit dem Verkauf von Einzelblättern einen höheren Gewinn verspreche; bewiesen ist das nicht. Ein Blick in die Ergebnislisten von Auktionshäusern oder auch bei eBay zeigt allerdings, dass diese Kalkulation unter Umständen auch völlig schwachsinnig ist. 

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