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KlausGraf meinte am 2007/01/21 04:32:
Entgegnung der Universität haltlos
Artikel vom 9.1.2007
http://www.donaukurier.de/news/eichstaett/art575,1579585.html

"Mit Vehemenz hat die Leitung der Katholischen Universität die Vorwürfe gegen die Bibliothek zurückgewiesen. Die Aussonderung von Beständen sei ein ganz normaler Vorgang, so Kanzler Gottfried von der Heydte. "Ich sehe keinerlei Veranlassung anzunehmen, dass aus bibliothekarischer oder universitärer Sicht inkorrekt durch die Leitung der Universitätsbibliothek vorgegangen wurde", erklärte der Kanzler der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und Dienstvorgesetzter von Bibliotheksdirektorin Angelika Reich, Gottfried Freiherr von der Heydte, gestern gegenüber dem EICHSTÄTTER KURIER.
Die Vorwürfe, die Bibliothekschefin habe, wie berichtet, eine wertvolle Tonträgersammlung an ein Antiquariat "verscherbelt", wies er damit als gegenstandslos und "schon aus Fürsorgepflicht" zurück.

Bei den durch Carola Schneider geschenkten Schallplatten ihres Vater, des Musikprofessors Heinrich Sievers, habe es um eine Sammlung gehandelt, die "keinerlei irgendwie gearteten bibliothekarischen Wert" gehabt habe. Dies habe eine sorgfältige Prüfung der Sammlung ergeben. Lediglich die etwa 80 Schellack-Platten aus der Sievers- Sammlung seien in den Schellack-Bestand der Universitätsbibliothek eingearbeitet worden. Der Rest der 3000 Platten sei an das sächsische Antiquariat in Leipzig verkauft worden.

Und die Universität könne froh sein, überhaupt einen Abnehmer gefunden zu haben, so von der Heydte, der von einem Verkaufspreis von 1100 Euro spricht. Dem gegenüber war der Wert der Sammlung bei der Überlassung an die Unibibliothek damals mit 30 000 Mark angegeben worden. Allerdings, so der Kanzler, sei die Zeit der Schallplatte einfach vorbei. Die Sammlung habe "sowohl für die Lehre und Forschung als auch für die Bibliothek schlichtweg keine Bedeutung" gehabt. Sicherlich, so von der Heydte, stelle die Sammlung für den verstorbenen Professor Sievers und dessen Tochter, Carola Schneider, einen ideellen Wert dar, "aber wir müssen nach bibliothekarischen Gesichtspunkten bewerten und sind kein Museum".

Außerdem habe der Mäzen und Ehrendoktor der Universität Eichstätt, der Musikantiquar und Verleger Hans Schneider, die Kontakte zur Bibliothek nicht erst nach den Vorgängen um die Schallplattensammlung seines Schwiegervaters abgebrochen, sondern bereits mit dem Ausscheiden von Hermann Holzbauer als Direktor der Bibliothek.

Dass "selbstverständlich Dubletten abgegeben werden", aber nur nach "sorgfältiger und gewissenhafter Prüfung" sei für eine Bibliothek ein ganz normaler Vorgang. Dies gelte auch für die Bestände der Provinz der bayerischen Kapuziner, die die Universitätsbibliothek im Jahr 1999 übernommen hatte. Auch hier werde "ganz in Übereinstimmung mit dem damals geschlossenen Überlassungsvertrag und in Absprache mit der Provinzleitung" verfahren. Das bedeute, dass sämtliche Bestände vor dem Jahr 1802 in die Bibliothek eingestellt würden – mit Ausnahmen von Dubletten. Bände nach dem Jahr 1802 würden dann eingearbeitet, wenn die Bibliotheksleitung dies für richtig halte. Weggeworfen oder abgegeben würden verschmutzte oder verschimmelte Literatur, Taschenlexika oder Krimis – alles selbstverständlich nach genauer Sichtung.

Damit setzt sich von der Heydte gegen Kritiker wie den Historiker Klaus Graf von der Universität Freiburg zur Wehr, der der Leitung der Eichstätter Unibibliothek "Vernichtung von Kulturgut" vorwirft."

Nein, die Aussonderung von Altbeständen ist eben kein normaler Vorgang, sondern für Bestände vor 1800 bzw. "historische Buchbestände" außerordentlich unüblich.

Mir ist per Mail eine Bestätigung der in meinem Beitrag gegebenen Darstellung zugespielt worden.

Von anderer Seite wurde mir mitgeteilt:
"Erst vor wenigen Tagen erwarb ich antiquarisch einen Titel, der aus dem Kapuzinerkloster Rosenheim stammt und mit größter Sicherheit aus den Eichstätter Beständen stammt, ohne daß die beiden Bücher eines Konvolutes im Katalog der UB nachgewiesen wären. Es läßt sich auch an anderen Beispielen aufzeigen, daß es gelogen ist, wenn behauptet wird, nur Doppelstücke seien ausgesondert worden."

Die Zurückweisung meiner Kritik bezieht sich auf einen Artikel vom 9.1.2007
http://www.donaukurier.de/news/eichstaett/art575,1579581.html?fCMS=06836328885f97eaec2e62b521b8e4dc

"Vernichtung von Kulturgut" angeprangert

Hermann Redl

Eichstätt (hr) Ausgelöst durch den Verkauf der Schallplattensammlung von Professor Heinrich Sievers durch die Bibliothek der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, sieht sich der Freiburger Historiker Dr. Klaus Graf in seiner Einschätzung bestätigt , dass die Leitung der Eichstätter Universitätsbibliothek "Kulturgut vernichtet".

Graf, der seit Jahren einen Feldzug gegen den Verkauf von Beständen aus in sich geschlossenen Sammlungen führt, hat die Eichstätter Bibliothek schon seit längerer Zeit im Visier, weil sie seiner Meinung nach nicht sorgfältig genug mit dem ihr anvertrauten Bestand der Bibliotheken der bayerischen Kapuziner umgeht. Denn immer wieder habe er selbst in Antiquariaten oder ähnlichen Einrichtungen Bestände entdeckt, die aus der Kapuzinersammlung aus Eichstätt stammen. Dabei handelte es sich nicht nur um Werke aus der Zeit nach 1802, sondern um mehrere Bände auch aus der Zeit des frühen 17. oder 18. Jahrhunderts.

Außerdem sollen – unbesehen und nicht katalogisiert –, hunderte von Büchern einfach per Container entsorgt worden sein. Der Umgang der UB Eichstätt mit den 300 000 Bände umfassenden Kapuzinerbeständen sei "absolut indiskutabel und für mich ein Verbrechen", schreibt Graf. "Kapuzinerbibliotheken sind ebenso wie andere Klosterbibliotheken Geschichtsquellen, die nicht undokumentiert im Handel verscherbelt werden dürfen", stellt Graf fest.

Auch einer der führenden Esperantologen und Erforscher der Plansprachen, Reinhard Haupenthal, übt scharfe Kritik an dem Verhalten der Unibibliothek und deren "Vernichtungsaktion". Haupenthal wollte der Bibliothek seine etwa 10 000 bibliografischen Einheiten umfassende Plansprachensammlung überlassen. Eine entsprechender Vertrag war bereits unterschrieben. Doch dann kam es zum Rückzieher. Kanzler Gottfried von der Heydte habe ihm, Haupenthal, im März 2005 mitgeteilt, dass man dabei sei, "containerweise "Bücher zu vernichten, da man keinen Platz mehr in den Magazinen habe. Der Überloassungsvertrag kam nicht mehr mit der Eichstätter Unibibliothek zustande, sondern mit der Bayerischen Staatsbibliothek. Haupenthal, der in einem Schreiben an den EICHSTÄTTER KURIER von einem "Augiasstall" in der Unibibliothek spricht: "Ich hoffe und wünsche, dass die Förderer und Freunde der Katholischen Universität von all diesen Vorkommnissen erfahren und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. Nur so ist größerer Schaden abzuwenden." Und: "Man sollte durchaus prüfen, ob ein Disziplinarverfahren einzuleiten ist." [...] 
BCK antwortete am 2007/01/21 11:17:
Leserbriefe von Hauschka und Arnold
EICHSTÄTTER KURIER, Redaktion Eichstätt, Lokales, LESERBRIEFE, 18.1.07
Zu den Berichten ,,Vorwurf: Tonträgersammlung verscherbelt" und ,,Vorwürfe gegenstandslos" (EK vom 3. und 10. Januar 2007):

Unerhörter Satz

"Mit Geschenken kann die Bibliothek machen, was sie will." Ein unerhörter Satz, den ich noch von keinem Bibliotheksleiter des In- und Auslands gehört habe. Da kann von "gewissenhafter Prüfung" gefaselt werden, aber wer außer der Leiterin der Bibliothek entscheidet denn definitiv, was behalten und was vernichtet wird? Nach welchen subjektiven Grundsätzen trifft sie ihre Entscheidung? Welchen jahrelangen Vertrauensverlust bei den Schenkern nimmt die Bibliothek hier in Kauf? Wenn "containerweise" vernichtet wird, wie selbst der Kanzler der Uni Eichstätt kleinlaut zugeben muss, was ging dabei an Werten unwiederbringlich verloren? Den Begriff ,,Platzmangel" kennt jeder, der einmal eine Bibliothek geleitet hat. Dagegen gibt es Maßnahmen, die sorgfältig geprüft und abgewogen werde müssen: Verschiebung der Bestände, Ausweichquartiere, Umbauten. Dazu gehört allerdings Geist und Mühe, die bei der jetzigen Bibliotheksleitung in Eichstätt nicht mehr ausreichend vorhanden zu sein scheinen. Wenn man international hoch geachtete Persönlichkeiten wie Hans Schneider, ohne Rückfrage zu halten, so vor den Kopf stößt und erhebliche Teile seiner Plattensammlung einfach ,,verscherbelt", so ist das unerhört. Dass der Kanzler diesen Vorgang als ,,gegenstandslos" abtut und seine ,,Fürsorgepflicht" gegenüber der Bibliotheksleiterin ins Spiel bringt, ist kaum zu fassen. Was wird hier für ein Spiel getrieben? Was ist aus dem Glanz des ehemaligen ,,Mekka der Bibliothekare", wie man Eichstätt einst nannte, geworden? Wie lange noch werden diese Ungeheuerlichkeiten, welche zu Recht ,,Vernichtung von Kulturgut" genannt werden, geduldet, ohne dass eingegriffen wird? Armes Eichstätt.

Dr. Ernst R. Hauschka Leitender Bibliotheksdirektor a.D. Regensburg

Dr. Ernst R. Hauschka (* 28.8.1926 in Aussig, Böhmen), der auch als Aphoristiker und Erzähler bekannt geworden ist (Mitglied der Sudetendeutschen Akademie der Wissenschaften und Künste in München und Träger zahlreicher literarischer Auszeichnungen und Preise), war von 1956 - 1988 im Bibliotheksdienst. 1959 Lt. der Bayerischen Bibliotheksschule in München, 1960-68 Vorsteher der StB Regensburg und nebenamtlicher Leiter der Staatlichen Provinzialbibliothek Amberg (1963-68), 1969-1977 stv. Bibl.Dir. der UB Regensburg, 1978-1988 Ltd. Bibl.Dir. in der Generaldirektion der Bayerischen Staatlichen Bibliotheken, Referat Öffentliche Bibliotheken.


EICHSTÄTTER KURIER, Redaktion Eichstätt, Lokales, LESERBRIEFE, 11.1.07
Zum Bericht: ,,Tonträgersammlung verscherbelt" (EK vom 3. Januar 2007)

Viel Lärm um Wenig: Eine ostdeutsche Stimme zum Schallplattenstreit

Die produktiven Arbeitsbeziehungen zwischen Bibliotheken und Antiquariaten sind etwa 300 Jahre alt. Antiquare lieferten den Bibliotheken Titel, die lange vergriffen waren, um die eigenen Bestände sinnvoll zu ergänzen. Die unmittelbare Gegenwart zeigt ein etwas verändertes Bild. Die immer geringer werdenden Ankaufsfonds veranlasste die Bibliotheken, sich in der Ankaufspolitik fast ausschließlich auf neue Titel zu konzentrieren. Die Magazine platzen aus allen Nähten. Wohlgemeinte Schenkungen von Sammlern und ehemaligen Professoren (die Titel sind oft schon vorhanden) lassen eine Vielzahl von Dubletten entstehen, für die die Bibliotheken oft auch aus Profilgründen keine Verwendung mehr haben. Antiquare nehmen diese ab. Für die vereinbarten Preise kann die Bibliothek vielleicht sogar den Ankaufsfonds aufbessern. Nach der Wiedervereinigung kam eine neue interessante Dimension in die Zusammenarbeit. Die Bestände der Bibliotheken und Antiquariate der ehemaligen beiden deutschen Staaten waren wechselseitig interessant und bereicherten die Angebote maßgeblich. Als Geschäftsführer des Zentralantiquariates Leipzig waren für mich die Bestände der bayrischen Antiquariate und Bibliotheken besonders interessant, da sie für uns bis dato kaum zugänglich waren. Mitte der 90er Jahre lernte ich auf diesem Wege den damaligen Direktor der Universitätsbibliothek Eichstätt, Dr. Holzbauer, und vor allem seine Mitarbeiter kennen. Über ein Jahrzehnt entwickelte sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Durch Schließungen von Bibliotheken im regionalen Umfeld hat die Eichstätter Bibliothek neben dem Erwerb und der Einarbeitung von Neuerscheinungen auch unzählige Altbestände zu sichten und einzustellen. Die Zahl der dabei entstehenden Mehrfachexemplare sind platzmäßig nicht zu verkraften. In der Regel werden diese Titel an Studenten und Antiquariate verkauft. Diese Methoden sind in fast allen Universitätsbibliotheken unseres Landes üblich. Wichtig ist: Es werden keine Bücher vernichtet. Es sei denn sie sind total beschädigt oder inhaltlich veraltet. (...) Die Sammlung von Professor Sievers beziehungsweise Herrn Schneider hat den Besitzer gewechselt, da sie heute offensichtlich in ihrer Qualität auch nicht mehr in das Profil der Bibliothek passte. Für den von mir geschätzten Musik-Antiquar Hans Schneider (Tutzing) mag die Sammlung seines Schwiegervaters Professor Sievers von außerordentlichem ideellen Wert sein. Sie stammt aus den 50er bis 80er Jahren, ist etwas lückenhaft und leider: das Medienzeitalter ist darüber hinweg gegangen (...) Gute, auch historische Aufnahmen bedeutender Dirigenten und Orchester erhält jeder Musikfreund in den Filialen der Wohlthat'schen Buchhandlung zum Preis von 3.99 Euro (vier CD's). (...) Nun könnte die Frage im Raum bleiben: Wenn dem so ist, wieso hat diese Kollektion in Leipzig antiquarische Abnehmer gefunden? Vor allem deshalb, da wir in Leipzig direkt gegenüber der Thomaskirche ein kleines Musik-Antiquariat betreiben und Schallplatten rund um die Bach-Familie von Plattenfirmen aus den alten Ländern für die wenigen Schallplattenfreaks nicht uninteressanter als für Gleichgesinnte in München oder Eichstätt sind. Insofern ist diese Sammlung, so lückenhaft und von durchschnittlicher Qualität sie auch war, wohl an keine schlechte Adresse geraten. Die ehemaligen Besitzer sollten damit wohl gut leben können, auch wenn die ursprüngliche Schenkungsabsicht eine andere war.

Hans Rainer Arnold Geschäftsführer Zentralantiquariat Leipzig

Dipl. cult. wiss. Hans-Rainer Arnold führt Deutschlands größtes Ladenantiquariat in unmittelbarer Nähe der wiederaufgebauten Frauenkirche, sowie ein Musikantiquariat am Thomaskirchhof in Leipzig. Beides sind Filialen des Zentralantiquariats Leipzig, 1959 als "Zentralantiquariat der DDR" gegründet, des größten Antiquariats der DDR mit weltweiten Geschäftsbeziehungen.

 
Matthias Scholz (Gast) antwortete am 2009/09/30 13:30:
Freispruch für Bibliothekdirektorin
Anzumerken ist nun noch, dass die Leitende Bibliotheksdirektorin, Frau Reich, am 23.09.2009 von den Vorwürfen freigesprochen wurde. 
KlausGraf antwortete am 2009/09/30 13:43:
Fehlurteil
http://archiv.twoday.net/stories/5960023/ 

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