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Eichstätt (EK) Von einer "zweiten Säkularisation" und von einem "Augiasstall" (der Wissenschaftler Reinhard Haupenthal) an der Bibliothek der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt ist und war die Rede: Die tonnenweise "Entsorgung" von mindestens 100 000 Bänden – darunter ein Großteil aus der Bibliothek der bayerischen Kapuziner –, sorgt für Zündstoff.
Der ehemalige Leiter der Universitätsbibliothek, Dr. Hermann Holzbauer, der die Kapuzinersammlung schon vor dem Transport nach Eichstätt in Altötting "handverlesen" aussortiert hat, und durch dessen Hände so gut wie jeder der mehr als 300 000 Bände gegangen ist, hat bereits Anfang des Jahres auf die Vernichtung von Kulturgut durch die Unibibliothek hingewiesen, wie er auf Anfrage gegenüber dem EICHSTÄTTER KURIER erklärte.

Nach einem Hinweis des Musikverlegers und Mäzens der Universität, Professor Hans Schneider (Tutzing), ging es unter anderem auch um die Veräußerung von 3000 Schallplatten aus der der Bibliothek überlassenen Sammlung des Musikprofessors Heinrich Sievers. Doch der Erfolg blieb aus – auch dann, nachdem bekannt geworden war, dass eine weitere Schallplattensammlung , die der ehemaligen Leiterin von Bayern 4 Klassik, Helene Steffan, veräußert worden war. Der Präsident der Katholischen Universität, Professor Ruprecht Wimmer, ließ mitteilen, er sehe "keinen Tatbestand, der mich zum Eingreifen veranlassen könnte".

Anlass zum Einschreiten sah auch der Kanzler der Universität Gottfried Freiherr von der Heydte, zunächst nicht. Es seien keine Bücher, schon gar nicht aus Beständen der bayerischen Kapuziner, entsorgt worden, ließ er Anfang des Jahres auf Anfrage des EK wissen. Bei Bänden, die in Antiquariaten aufgetaucht waren, erklärte er, dass es sich dabei wohl um Dubletten handeln dürfte, die von der Bibliothek entsprechend den vertraglichen Regelungen mit den Kapuzinern auch hätten veräußert werden dürfen. Dies alles allerdings erst nach sorgfältiger Überprüfung mit den eigenen Beständen. Auch den Vorwurf, dass Bücher mit dem Erscheinungsjahr vor 1802, also vor der Säkularisation, die laut Vertrag mit den Kapuzinern nach wie vor Eigentum des Freistaats sind, wies er energisch zurück. Es seien "mit Sicherheit keine Altbestände vor 1802" entsorgt oder abgegeben worden, erklärte von der Heydte.

Erst nachdem der EICHSTÄTTER KURIER weitere deutliche Hinweise gegeben hatte, wurde er hellhörig. Und nachdem allein in einem Zeitraum von zwei Monaten in fünf Containern etwa 50 000 Bände im Altpapier entschwanden, griff er ein, stellte eine Untersuchung an und veranlasste, dass Bibliotheksleiterin Angelika Reich bis zur Klärung die Hände von der Kapuzinerbibliothek lassen muss. Eine lückenlose Aufklärung ist auch erforderlich. Denn es geht um das Ansehen der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
[...]

http://www.donaukurier.de/news/eichstaett/art575,1609496.html?fCMS=02b8cf09535db7e5672d883c10cf7e09

Haupteintrag mit Hintergrundinformationen:
http://archiv.twoday.net/stories/3143469/

UPDATE:

http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=609545&kat=27

"Etwa 350 000 Bände sollten von der Universität Eichstätt-Ingolstadt auf ihren Zustand überprüft und mit dem Bestand der Universität abgeglichen werden. Die Kapuzinerbibliothek setzt sich aus dem Eigentum des Freistaats und des Ordens zusammen. Alle Werke vor 1802 gehören Bayern, der Rest stammt aus dem Besitz der Ordensleute.

Auf den Vorfall wurde die Universität durch den Eichstätter Kurier aufmerksam. Der legte dem Kanzler der Universität Fotos vor. Darauf abgebildet waren fünf Bücher, die ein Leser der Zeitung aus Altpapiercontainern herausgefischt hatte. «Vom Zustand her hätten die dort nicht sein dürfen», gab von der Heydte zu verstehen. Daraufhin forschte er nach und entdeckte, dass zwischen Juni und September 2005 allein 50 Tonnen Altpapier, weitere 30 Tonnen im Jahr 2006 von der Bibliothek entsorgt worden seien. Er hält es für möglich, dass die Sichtung der Bestände nicht mit der nötigen Sorgfalt erfolgt ist. Der Fall wird jetzt weiter untersucht. Die Mitarbeiter sollen befragt werden, ein externes Gutachten wird folgen."

Update:

"Kapuziner-Bücher landen im Altpapier

Eichstätt - An der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU)
sind von der Bibliothek tonnenweise Bücher als Altpapier entsorgt
worden. Schätzungsweise sind 100 000 Bücher betroffen. Sie waren
Bestandteil der Bibliothek der bayerischen Kapuziner mit etwa 350 000
Bänden, die von der KU gesichtet und erschlossen werden sollten. Der
verantwortlichen Direktorin der Bibliothek wurde am Donnerstag vom
Stiftungsvorstand der Universität die Aufarbeitung der Bestände der
Kapuziner verboten. "Dies ist aber keine Vorverurteilung", sagte
KU-Sprecher Constantin Schulte-Strathaus. Allerdings bestehe der
Verdacht, dass die Sichtung der Bestände nicht mit der nötigen
Sorgfalt erfolgt sei. Dies werde nun intern untersucht. Die sogenannte
Kapuzinerbibliothek setzt sich aus Eigentum des Freistaats und des
Ordens zusammen. Alle Werke vor 1802 gehören Bayern, der Rest stammt
aus dem Besitz der Ordensleute. Darunter sei auch Trivialliteratur
gewesen, erklärte Schulte-Strathaus.


Bereits bei der Übernahme 1999 in Altötting hätten nicht mehr
restaurierbare Bücher vernichtet werden müssen. Durch die Aufarbeitung
in Eichstätt sollten die Bände auf ihren Zustand überprüft sowie mit
dem Bestand der Universität abgeglichen werden. Doubletten sollten der
Staatsbibliothek angeboten oder verkauft werden. Die Büchervernichtung
wurde publik, weil ein Bürger aus Altpapiercontainern Bücher
herausgefischt, "die vom Zustand her dort nicht hätten sein dürfen".
Bei weiteren internen Überprüfungen sei zudem aufgefallen, dass
zwischen Juni und September 2005 allein 50 Tonnen Altpapier, weitere
30 Tonnen im Jahr 2006 von der Bibliothek entsorgt worden seien. KNA"

(SZ vom 17.2.2007, Bayern-Ausgabe)
 

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