"Wegwerfmentalität ist zum Heulen : Zur Büchervernichtung an der Universitätsbibliothek:" (EK, 27.02.2007)
Es ist widerwärtig. Was hätte mit diesen Büchern noch Gutes gemacht werden können. Seit Jahren übernehme ich zum Beispiel ehrenamtlich im Erzbistum Berlin alte Bestände oder Doubletten von Ordensgemeinschaften, Einzelpersonen, Archiven et cetera.
Es gibt immer wieder kirchliche Straßenfeste, größere Gemeindefeiern oder auch Termine zum Beispiel bei den evangelischen Theologen an der Humboldt-Uni, wo solche Bestände gegen Spenden abgegeben werden können. Jeder so viel, wie er mag oder kann. Das Geld wandert dann an das Berliner Dominikanerkloster, zum Beispiel für die Obdachlosenküche. Das einzige Problem ist oft das Zwischenlagern. Aber auch hier sortiere ich nicht einmal vor. Bei diesen Gelegenheiten habe ich als Theologe zahllose gute Einzelgespräche über christliche Literatur und Spiritualität führen können.
Es wäre den Dilettanten der Unibibliothek ein Einfaches gewesen, an Tagen der Offenen Tür und bei Terminen für Antiquariate tausende, wenn auch nicht alle von diesen Büchern für durchaus nennenswerte Summen loszuwerden. Und wenn man sie als Kiloware abgibt. Irgendjemand hat immer was davon. Problemlos hätte man mit einem großen Antiquariat einen Pauschaldeal machen können. Aber vielleicht hat man an dieser Uni noch zu viel Geld?
Es ist zum Heulen. Welch Geistes Kind steckt hinter so einer Wegwerfmentalität? Jedenfalls nicht der Geist von Menschen, die sich Bücher als Berufsfeld gewählt haben.
Olaf Lezinsky, BerlinHoffen auf „Holzbauer-Kurs“ (EK, 24./25.2.2007, S. 31)
Zu den Vorgängen der Universitätsbibliothek:
Die Berichte über die „Entsorgung“ wertvoller Bücher an der Katholischen Universität Eichstätt machen mir zweifache Sorge und tun zusätzlich weh.
Sie machen mir Sorge, weil ich die Eichstätter Universitätsbibliothek bislang als eine mustergültige Herberge für wertvolles, wichtiges und notwendiges Schriftgut kennen und schätzen gelernt habe und mir diese Qualität nach den gemeldeten Vorkommnissen nicht mehr ganz garantiert scheint.
Sie bereiten mir Kopfzerbrechen, weil ich mich fragen muss, ob ich etwaige Zueignungen von Büchern auch weiterhin guten Gewissens empfehlen beziehungsweise auch selber ins Auge fassen kann. Bei Dr. Hermann Holzbauer hatte ich nicht nur das sichere Gefühl, dass er sich über jedes der Universitätsbibliothek gestiftete Buch aufrichtig freut, sondern war ich mir auch gewiss, dass es bei ihm in bester Obhut ist.
Wie ich überhaupt aus langjähriger Erfahrung nachdrücklich bestätigen kann, was eine überregionale Zeitung vor Jahren über ihn schrieb: „Hermann Holzbauer, ein wahrer Glücksfall für die Katholische Universität Eichstätt und ihre Bibliothek. Nicht nur, dass er als Direktor ganz für seine Bibliothek lebt, sich weder auf Bürostunden noch Dienstzeiten beschränkt, sondern auch noch spät nach Arbeitsschluss anzutreffen ist; noch mehr, dass er mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln ein Optimum an Neu-Erwerbungen erzielt und zwar nicht allein in der Auswahl wichtiger Erstausgaben, sondern auch durch preiswerte Übernahme bibliophiler Nachlässe und schnäppchenhafte Gelegenheitskäufe in Antiquariaten. Da ist sich der promovierte Bibliothekschef nicht zu gut, selber in den Läden zu stöbern und beim Abtransport höchstpersönlich Hand anzulegen“.
Mit Blick auf die Übernahme der 420 000 Bände der Zentralbibliothek der Bayerischen Kapuziner in Altötting um die Jahrhundertwende (1999/2000) nimmt sich diese Darstellung wie eine „Live-Reportage“ der Tätigkeit Hermann Holzbauers aus.
Dass von diesem „Jahrhundert-Erwerb“ dann nur noch die Hälfte in Eichstätt und der andere Teil „entsorgt“ beziehungsweise verramscht sein soll, tut weh – und muss den ehemaligen Bibliotheksdirektor besonders schmerzen. Man möchte hoffen und der Katholischen Universität Eichstätt wünschen, dass ihre Bibliothek bald wieder auf „Holzbauer-Kurs“ geht.
Dr. Alfred Schickel, Dunsdorf"Bei Uni-Berichterstattung bitte mehr Fairness" (EK, 24./25.2.2007, S. 31)
Zur Aufarbeitung der Kapuzinerbibliothek durch die Universitätsbibliothek möchte ich gerne folgende Anmerkungen erwähnt sehen:
„Skandal: UB Eichstätt verhökert Kapuzinerbücher“ schreibt der inzwischen öfter erwähnte streitbare Archivar Klaus Graf – am 1. 10. 2002 (!), nachzulesen im Internet unter
http://www.ub.uni-dortmund.de/Listenarchive/INETBIB/200210/20021001.html ,
während sich der EK bei der Kritik an der Universitätsbibliothek allein gegen Bibliotheksleiterin Dr. Angelika Reich wendet, was auch in Formulierungen zum Ausdruck kommt wie etwa der, dass sie jetzt „die Hände von der Kapuzinerbibliothek lassen muss“ (EK 16. Februar 2007).
Ein ganz anderer Ton als gegenüber ihrem Vorgänger, den der EK wohlwollend zu Wort kommen lässt und von dem er (17./18. Februar) schreibt: „Der ehemalige Leiter der Universitätsbibliothek, Dr. Hermann Holzbauer, der die Kapuzinersammlung schon vor dem Transport nach Eichstätt in Altötting ,handverlesen' aussortiert hat, und durch dessen Hände so gut wie jeder der mehr als 300 000 Bände gegangen ist (...)“. Was mich doch rechnen lässt: Für die Prüfung pro Buch 30 Sekunden angenommen, macht das, einen 8-Stunden Arbeitstag bei ununterbrochener Sichtung angesetzt, knappe 1000 Bände pro Tag, das sind also für 300 000 handverlesene Bücher...?!
In einer gestrigen dpa-Meldung, unter anderem auch in „Spiegel-online“ wiedergegeben, steht nun zu meiner Überraschung: „Josef Mittermaier, Provinzial der bayerischen Kapuziner, betonte dagegen in einem internen Rundschreiben, dass das Vorgehen der Bibliotheksleitung 'von unserer Seite mitgetragen' wurde. Die Äußerung Holzbauers, dass es sich bei den vernichteten Büchern großteils um völlig unbeschädigte Werke des 17. und 18. Jahrhunderts handelte, sei ,rational nicht nachvollziehbar'. Diese Einschätzung sei wohl im ,Tumult der schon länger andauernden Privatfehde' Holzbauers mit Reich erfolgt.“
Einen anderen Gedanken, den ich leider auch nicht im EICHSTÄTTER KURIER lesen konnte, bringt die katholische „Tagespost“ am 20. Februar ins Spiel, die in ihrem Artikel über die Eichstätter Vorkommnisse folgendes zu bedenken gibt: „Beobachtern zufolge sind die Vorgänge der Katholischen Universität auch vor dem Hintergrund der langen Sedisvakanz in Eichstätt zu sehen: Nach dem Wechsel von Bischof Walter Mixa nach Augsburg hatte es ein gutes Jahr gedauert, ehe Abt Gregor Maria Hanke OSB im Dezember 2006 zum Bischof geweiht wurde. Während der Sedisvakanz wurden an der Katholischen Universität Eichstätt Entscheidungen getroffen, die durchaus nicht den Gepflogenheiten des Hochschulbetriebs entsprechen, etwa die Ernennung des Kanzlers zum Kanzler auf Lebenszeit.“
Da ja für gewöhnlich immer nur das passiert, was in der Zeitung zu lesen steht, wünsche ich mir als Leser des EK weiterhin eine ausführliche Berichterstattung über „unsere“ Universität, aber: bitte mit mehr Fairness!
Christof Cebulla, EichstättHermann Holzbauer legte gestern unabhängig von diesem Leserbrief gegenüber dem EICHSTÄTTER KURIER Wert auf die Feststellung, dass er das hier genannte bundesweit verbreitete Zitat nie gesagt habe.
Die Redaktion"Schlechter Verwalter" (EK, 22.02.2007)
Zu „Stiftung geht gegen Bibliothekschefin vor" (EK vom 16. Februar):
Es schmerzt bibliophile Seelen und sicher auch die ehemaligen Besitzer der Kapuziner-Bibliotheken, wie kulturbarbarisch mit alten Büchern umgegangen wird.
Wenn auch gegen die Leiterin der Unibibliothek lediglich Verdachtgründe für die Vernichtung eines Teils der Kapuziner-Buchbestände vorliegen, stimmt mich ihr Kommentar zur „Schallplattenaffäre“ nicht zuversichtlich: „Geschenkt ist geschenkt, und mit Geschenken kann die Bibliothek machen, was sie will.“
Als Besitzer einiger alter wertvoller Bücher kann ich da nur resümieren: „Von mir würdet ihr nichts kriegen“.
Vertrauensbrüche gegen Mäzene der Unibibliothek sind wirksame Wege, auch potenzielle Mäzene abzuschrecken. Sollte die Büchervernichtung tatsächlich stattgefunden haben, ist es gerade für eine kirchliche Einrichtung angebracht, an den schlechten Verwalter im Evangelium zu erinnern. Dieser wurde ja zur Rechenschaft herangezogen, weil er mit dem ihm anvertrauten Gut seines Herrn unverantwortlich umgegangen ist.
Wenn einem unqualifizierten Bibliothekar nichts besseres einfällt, als ihm anvertraute, wertvolle Bücher zu vernichten, hat er seine Eignung verspielt. Etwaige Ausreden, dass vom gleichen Exemplar mehrere Ausgaben vorhanden sind, sprechen für sich. In solchen Fällen wäre es selbstverständlich, mit den ehemaligen Besitzern eine Lösung zu suchen, die einen Vertrauensvorschuss erbracht haben.
Desweitern gibt es Möglichkeiten, Versteigerungs- und Flohmarktsverkäufe, Abgaben an Interessierte und Antiquariate zu machen.
Mögen die Vernichtungsaktionen gegen die Kapuzinerbücher doch nicht wahr sein; ansonsten wären die dafür Verantwortlichen angemessen zu behandeln. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei groß angelegten Büchervernichtungen nur ein Verantwortlicher in Aktion getreten ist.
Günter Erret, Obereichstätt"Kulturschande für Bayern" (DK, 20.02.2007)
Zur Büchervernichtung an der Uni Eichstätt:
Dies empfinde ich als eine Kulturschande höchsten Ausmaßes - vergleichbar mit den Geschehnissen während der Säkularisation 1803. Ich muss im Buchhandel für jedes antiquarische Buch aus diesem Jahrhundert 30 bis 60 Euro bezahlen und in Eichstätt werden 80 Tonnen Bücher als Altpapier vernichtet! Ich frage mich, ob es keine strafrechtlichen Konsequenzen für die Vernichtung fremden Eigentums (Bayerischer Staat) gibt? Oder sind hier vielleicht absichtlich Bücher vernichtet worden, weil sie nicht in eine "katholische" Universität passten? Man darf gespannt sein auf die Ergebnisse der "genauen Untersuchung" des nach meiner Ansicht mitverantwortlichen Kanzlers von der Heydte.
Klaus Lewandowski, Mauching