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BCK meinte am 2007/02/24 16:40:
1986: Holzbauer rettet 80 Tonnen alte Doktorarbeiten aus einem Kuhstall b. Oslo nach Eichstätt

darunter eine echte Rarität: Einstein's schmale Dissertation von 1905 (17 S.), die das "annus mirabilis" einleiten sollte. Darauf stießen die Eichstätter aber erst, als sie mit der mühevollen Katalogisierung begannen.

Die Nationalbibliothek wollte 600 000 Dissertationen verschenken. Die Arbeiten waren nicht katalogisiert und erschienen den Norwegern nur unnötiger Ballast zu sein. Wer die Schriften haben wollte, musste sie selbst verpacken und transportieren. Der damalige Leiter der Eichstätter Uni-Bibliothek, Hermann Holzbauer, ließ sich nicht zweimal bitten und reiste sofort nach Oslo. "Ich wurde in einen Kuhstall auf einem alten Gehöft geführt. Dort lagerten die Dissertationen", erinnert sich Holzbauer. Schnell wurden Schachteln und Kisten organisiert, und drei Wochen später hielt in Eichstätt ein ziemlich überladener Lastwagen mit 80 Tonnen Doktorarbeiten auf der Ladefläche. Genug Material für zweieinhalb Regalkilometer. Nun begann die wirklich mühsame Arbeit: das Katalogisieren der Arbeiten in mehr als 20 verschiedenen Sprachen. Dabei stießen die Eichstätter unter anderem auf das Werk Einsteins. Es war offenbar auf dem Wege des Schriftentauschs von der Schweiz nach Norwegen gelangt.

Heute werden laut Holzbauer jeden Monat rund 1000 Dissertationen aus dem reichhaltigen Fundus an Wissenschaftler in der ganzen Welt verliehen. Norweger werden allerdings bevorzugt behandelt. Als nämlich durch Medienberichte in Oslo bekannt wurde, welche Schätze die Nationalbibliothek nach Deutschland verschenkt hatte, gab es im Norweger Parlament eine heftige Debatte.

Nachzulesen in: Wunderwerk auf wundersamen Wegen : Einsteins Doktorarbeit in Eichstätt / Christian Klenk, radio pegasus ONLINE, Sendung vom 14. Juni 2005
Text: http://www1.ku-eichstaett.de/StudGrup/pegasus/online/einstein.htm
Audio: http://www1.ku-eichstaett.de/StudGrup/pegasus/online/data/einstein.mp3

Man kann nur hoffen, dass die Einarbeitung der Dissertationen-Sammlung in Eichstätt weitgehend abgeschlossen ist und die damals von Holzbauer erworbene Sammlung nicht auch gerade in den Altpapiercontainern landet, denn bei Dissertationen grassiert die Wegwerfwut in deutschen Bibliotheken besonders ungehemmt. Nur weil im Zuge zunehmender Bereitstellung von E-Dissertationen die alten Tauschbeziehungen zunehmend obsolet werden, lässt man zu, dass ohne jegliche fachwissenschaftliche Diskussion das 1990 von der Sektion 4 des DBV etablierte System der Regionalen Sammelschwerpunkte für bundesdeutsche Dissertationen zunehmend unterlaufen wird; es gibt Aussonderungen in großem Umfang, auch bei den Sammelschwerpunkten; bestehende Sammelschwerpunkte werden z.T. aufgelöst oder nicht mehr bedient; auf eine Fortschreibung und die Einbeziehung von Bibliotheken in den neuen Bundesländern wurde in den letzten Jahren gänzlich verzichtet.

 
BCK antwortete am 2007/02/24 17:47:
2005/06: "Alles muß raus": Die UB Eichstätt "entsorgt" 80 Tonnen Bücher aus Kapuzinerbibliotheken im Altpapier

(Zum 20. Jubiläum der KUE, 2002 ...*) 1980, im Gründungsjahr der KUE, ging der auf 15 Jahre angelegte Grund- und Aufbauetat der Universitätsbibliothek von rund 65 Milllionen Mark bereits ins vierte Jahr. Die Universitätsbibliothek zählte zu diesem Zeitpunkt mehr als 200.000 Bände. Als der Aufbauetat 1991 endete, war der Bestand auf rund 1,15 Millionen Bände angewachsen. Heute ist die Bibliothek mit 1,6 Millionen Bänden, knapp 4.500 Zeitschriftensabonnements und etwa 430.000 weiteren Materialien bestens für umfangreiche Literaturrecherchen gerüstet.

Die größten Zugänge verzeichnete die Universitätsbibliothek in den Jahren 1981 mit der Bibliothek des von der Deutschen Bischofskonferenz getragenen und ein Jahr zuvor aufgelösten Deutschen Instituts für Wissenschaftliche Pädagogik Münster - circa 60.000 Bände, 1986, vermittelt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, mit der Übernahme von 140.000 Dissertationen des 18. bis 20. Jahrhunderts, die die Universitätsbibliothek Oslo im internationalen Schriftentausch gesammelt hatte, und schließlich 1999 mit über 300.000 Bänden der ehemaligen Zentralbibliothek der bayerischen Kapuziner in Altötting. Letztere umfasste Drucke von der Inkunabelzeit bis heute.

(-- Vgl. hierzu auch den farbig bebilderten Report aus der Passauer Neuen Presse Nr. 79, 3. April 2004, Der Schatz der Kapuziner: 400000 Bücher aus dem Bestand der Altöttinger Ordensbrüder werden seit 1999 in Eichstätt katalogisiert und restauriert / Johanna Krauskopf. --*)

Eine wesentliche Ergänzung für die Hochschulbibliothek bedeuten besonders die Staatliche Bibliothek Eichstätt und die Bibliothek des Bischöflichen Seminars - eine wichtige Ergänzung auch in personeller Hinsicht. Diesen und einigen anderen Bibliotheken, deren Bestände seit der Aufhebung der Staatlichen Bibliothek 1982 von der Universitätsbibliothek mitverwaltet werden, verdankt die junge Universität, dass sie auch über einen reichhaltigen und vielgestaltigen Altbestand, Bücher, Handschriften und andere Medien, verfügt.

Der katalogisierte Gesamtbestand umfasst heute rund 1,6 Millionen Bände. Hinzu kommen etwa 450.000 unkatalogisierte Bände. Bei 6.350 eingeschriebenen Benutzern sind das über 250 verfügbare Bücher pro Kopf, im Vergleich zu anderen deutschen Hochschulen ein sehr günstiges Verhältnis. Da auch die Fernleihe in der Regel rasch arbeitet, genießt die Universitätsbibliothek bei Dozenten und Studierenden in Eichstätt, aber auch darüber hinaus einen guten Ruf.

(Die Universitätsbibliothek: Streifzug durch ihre Geschichte. In: "KUE - Gestern und heute. 20 Jahre KUE." Agora: Magazin der Katholischen Universität Eichstätt 16. Jg., H. 2/2002, S. 10)

(3 Jahre später, unter der Ägide der neuen Direktorin ...*)
Buchdubletten-Verkauf: "Alles muss raus" / von Inka Lezius, Radio Pegasus ONLINE, Sendung vom 24. Mai 2005,
http://www1.ku-eichstaett.de/StudGrup/pegasus/download/data/240505/buch.mp3

Ein 78 cm dicker Stapel mit Büchern für einen Preis von 19.50 € - solche Schnäppchen konnte man bis heute beim Buchdublettenverkauf in den Kellergewölben des Bibliotheksgebäudes Ulmer Hof machen. Bei so manchen Lesebegeisterten traten regelrechte Schatzsucherinstinkte zutage. (Ein Benutzer:) "... Das sind ... Edward Bulwer-Lytten, engl. Schriftsteller, und das sind die deutschen Übersetzungen von 1840 bzw. 1845 ... das andere sind mehrere "Schundromane", zusammengebunden - also der älteste (...) von 1855 (...) das ist so krank, das muß man mitnehmen..." Doch nicht nur alte Schmöker, sondern auch neuere Bücher gab es zu erwerben: doppelte Exemplare, geschenkte Bücher, die nicht ins Sortiment passen und alte Handapparate von emeritierten Professoren wurden den Studenten zum Kauf angeboten.

(... Neue Besen kehren gut? *)

Seit Februar ist die neue Direktorin der Universitätsbibliothek, Dr. Angelika Reich, im Amt, und sie hat beschlossen, einiges anders zu machen als zuvor:

Ich horte nicht die alten Bücher, sondern ich werd die Bücher, von denen ich überzeugt bin, dass sie niemals mehr ein Benutzer der Universitätsbibliothek braucht, ganz einfach verkaufen, um 1. Platz zu gewinnen, und b) um bei dieser schlechten Finanzlage, wie sie derzeit ist, ganz einfach zusätzliches Geld einzunehmen, wo wir hier neue aktuelle Bücher damit kaufen können.

Diejenigen, die also den diessemestrigen Dublettenverkauf verpasst haben, können getrost sein: es war sicherlich nicht der letzte: Denn die Bib platzt aus allen Nähten.

Angelika Reich:

Was eines meiner größten Probleme ist, ist der mangelnde Platz im Magazin - von daher bieten sich solche Aktionen wie die hier an; und wir haben noch Ausweichmagazine mit Beständen, z.B. ungefähr 300-400.000 Bände aus den Kapuzinerklöstern Bayerns, und die sind in Umzugskisten verpackt und z.T. 5x übereinander gestapelt. Da muß ich mal noch irgendwas ganz besonderes überlegen, damit die Bücher abfließen, denn ich könnte 400.000 Bände nirgends mehr hier aufstellen.
(Zitat Ende. *Einschübe des Contributors. O-Ton-Transkriptionen, Emphase: Archivalia.) 

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