Stefan Jaeggi meinte am 2007/03/12 15:48:
Archiv(ar)stereotypen
In der "Neuen Zürcher Zeitung" Nr. 17 1995 (21./22. Januar) war folgendes Gedicht eines gewissen Peter Frey zu lesen:Der Archivar
Tief nachts oft sass der Archivar
Im Kerzenschein beim Samowar
Aus dem noch Rum mit Schwartee tropfte
Der dumpf ihm in den Schläfen klopfte
Die Augen, müde schmale Schlitze
Entzifferten die alte Skizze
An der entschlüsselnd schon der Vater
Gescheitert war samt manchem Kater
Der Wind schlug hart ans Butzenfenster
Und weckte eins der Hausgespenster
Das durch des Samowares Hahn
In Tropfenform gequollen kam
Und auf dem Dokument zerfloss
Die Zeichen so zu Sinn vergoss
Du bist ein grüblerisches Wesen
War da in Urschrift schwach zu lesen
Dies Rätsel hast du nun gelöst
Derweil du wähnst, im Bette döst
Dein Weib, ob's wohl noch dorten ist?
Das du verloren erst vermisst!
Der Archivar stand zitternd auf
Und kriegte einen Schluck-Schluckauf
Der ihm auch blieb seit jener Nacht
Vom Weib verlassen und verlacht
Nun, Kunst oder Literatur ist das nicht, aber als Stereotyp einigermassen amüsant.