Allgemeines
Architekturarchive
Archivbau
Archivbibliotheken
Archive von unten
Archivgeschichte
Archivpaedagogik
Archivrecht
Ausbildungsfragen
Bestandserhaltung
Bewertung
Bibliothekswesen
Bildquellen
Datenschutz
Digitale Bibliotheken
Digitale Unterlagen
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
null

 
vom hofe meinte am 2008/03/31 23:29:
Palais Schaumburg in Preussen: Haus der Demokratie ?
zuerst: http://archiv.twoday.net/stories/4879981/

Das Bonner Palais Schaumburg befindet sich im ehemaligen Preussen. Es handelte sich um freies (ungebundenes) Vermögen der Prinzessin Viktoria von Preussen. Freies Vermögen ist dem Zivilrecht unterworfen. Fürst Adolf zu Schaumburg Lippe kaufte als Privatperson am 29.12.1919 (nach seiner Abdankung und Abschaffung der Monarchie) das Palais Schaumburg in Bonn von Viktoria von Preussen (nachzulesen in der Grundakte Bonn 11535, Grundbuch Bonn Band 150 Blatt Nr. 5976 mit dazugehörigem Kaufvertrag). Fürst Adolf wurde am 9.3.1920 in das Grundbuch als Eigentümer eingetragen. Somit handelte es sich beim Palais Schaumburg um Privatvermögen des Fürsten Adolf, nicht um Hausvermögen oder gar Fideikommiss.

http://www.politikkritik.info/Schaumburg-Lippe.html


In der Vereinbarung vom 19 September 1927 (Preussische Gesetzessammlung vom 22.Oktober 1927 S.194) zwischen dem Freistaat Preussen und dem Freistaat Schaumburg Lippe heisst es in Paragraf 3:"Die in Preussen belegenen Bestandteile des Fürst Schaumburg-Lippischen Hausguts werden mit dem 8. Dezember 1923 von der Hausguteigenschaft für frei erklärt." Das Palais Schaumburg in Bonn war nie Hausvermögen gewesen und selbst wenn dies so gewesen wäre, so wäre dies seit dem 8.12.1923 nicht mehr der Fall. So ist es verkündet worden. 1936 verstarb Fürst Adolf kinderlos bei einem Flugzeugabsturz in Mexiko. Ausweislich eines damals unterdrückten Erbscheines wurde er von seinen Geschwistern beerbt. Somit stand das Palais Schaumburg seit 1936 im Wahrheit im Eigentum der Geschwister des Fürsten Adolf. Wie konnte dann das Eigentum am Palais Schaumburg an "Fürst Wolrad" fallen ? Wie konnte dann "Fürst Wolrad" das Palais Schaumburg allein ohne Mitwirkung der Miterben an die Wehrmacht verkaufen ? Es fällt auf, dass "Fürst Wolrad" am 11.7.1942 bei gleichzeitiger Unterdrückung des Erbscheines nach Adolf in das Grundbuch eingetragen wurde. Es fällt auf, dass "Fürst Wolrad schon 1939, drei Jahre früher, das Palais Schaumburg in Bonn an die Wehrmacht verkaufte. Es fällt auf, dass das Verkaufsangebot des "Fürstlichen Hauses" an die Wehrmacht am 31.1.1939 abgegeben wurde. Weiter fällt auf, dass Stabzahlmeister August Schön, Vorsteher der Heeresstandortverwalung in Minden für den Reichsfiskus das Verkaufsangebot des Fürstlichen Hauses unter dem Aktenzeichen II 1/39 des Amtsgerichtes Minden am 24.3.1939 annahm. Genau sechs Tage später wird die auf Schaumburg Lippe zugeschnittene rückwirkende Vorschrift des Paragrafen 86 der DVO zum Fideikommissauflösungsgesetz erlassen. Privatvermögen wird rückwirkend zu Hausvermögen deklariert , soll dann aufgelöst werden und dem "Fürsten Wolrad" zugeschrieben werden. Aber schon vorher hatte "Fürst Wolrad" den Verkauf beschlossen und getätigt.

Robert Figge, OLGRat aus Celle, Vorsitzender Richter des Fideikommisssenates in der "schaumburg-lippischen Hausgutsache" schrieb 1947: "Der Richter, der den Nationalsozialismus unterstützte, konnte (...) u. U. des Glaubens sein, einer Humanität zu dienen. (...) Sollte man es dem deutschen Richter wirklich verübeln, wenn er glaubte, in politischen Prozessen einer guten Sache, einer höheren Humanität zu dienen ?" (zitiert in Joachim Perels, Das juristische Erbe des "Dritten Reiches", Beschädigungen der demokratischen Rechtsordnung, S. 89, Campus Verlag, Frankfurt am Main, 1999).

Die gemeinsame Interessenlage erklärt die Kollaboration des Hochadels mit den Nationalsozialisten. Ähnliche Zusammenhänge hat auch Frau Anke Schmeling herausgearbeitet für Josias Prinz zu Waldeck und Pyrmont (Josias Erbprinz zu Waldeck und Pyrmont, der politische Weg eines hohen SS-Führers, Schriftenreihe Nationalsozialismus in Nordhessen Heft 16, Gesamthochschul-Bibliothek, Kassel 1993 S. 70-73 online https://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/handle/urn:nbn:de:hebis:34-2008032620872 . Dort heisst es: "Am 2.12.1938 wurde der fürstliche Besitz als Erbhof anerkannt. Dem Erbprinzen boten diese Regelungen eine Reihe wirtschaftlicher Vorteile, da die Umwandlung zum Erbhof die einzige Möglichkeit darstellte, den Besitz ungeteilt an eine Person zu binden. Gleichzeitig wurde er von allen Pflichtteilansprüchen von seiten seiner Geschwister, besonders seiner zwei Brüder entbunden, da ein Erbhof laut gesetzlicher Festlegung nur Alleineigentum sein konnte, das ungeschmälert an den Anerben überzugehen hatte. Darüberhinaus entfiel bei der Umschreibung des Besitzes und der darauf folgenden Umwandlung in einen Reichserbhof die sonst üblicherweise zu zahlende Erbschaftssteuer". Hierauf weist auch Jonathan Petropoulos in "Royals and the Reich" hin, Oxford University Press 2006, S. 264. Genau diese Zusammenhänge treffen auf "Fürst Wolrad" zu. Die rückwirkende Umwandlung von freiem Vermögen zu Fideikommiss (die einhergeht mit der Rückdatierung des Aufnahmeantrages in die NSDAP) ermöglichte den Übergang des Alleineigentums an denjenigen der sich als besonders "hilfswilliger Nationalsozialist" ausgezeichnet hatte.
Es ist somit eine Ironie, dass das Palais Schaumburg möglicherweise eine der (fremden) Münzen war, mit denen die Nazis bestochen wurden, um Recht (in Bereicherungsabsicht) zu brechen.

Ist es von der Politik zu viel verlangt, diese Aspekte aufzuarbeiten bzw. aufarbeiten zu lassen ? Im Vorwort zum oben zitierten Buch von Joachim Perels schrieb Frau BMJ Dr. Herta Däubler-Gmelin: "Unsere demokratische Rechtskultur setzt voraus, dass Bürgerinnen und Bürger Vertrauen in die Justiz haben können: ...Vertrauen auch darauf, dass die Justiz bereit ist,sich mit iher Vergangenheit auseinanderzusetzen, also auch mit den dunklen Seiten ihrer eigenen Geschichte". Das Postulat ist deutlich. Wird es erfüllt ?


http://vierprinzen.blogspot.com/ 

Name

Url

Meine Eingaben merken?

Titel:

Text:


JCaptcha - du musst dieses Bild lesen können, um das Formular abschicken zu können
Neues Bild

 

 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma