vom hofe meinte am 2009/12/11 11:21:
Wichtige Erkenntnisse: Adolf Fürst zu Schaumburg Lippe, vermögenslos, aber Mitglied des Aufsichtsrates der Dresdner Bank
Habe den schriftlichen Nachweis darüber erhalten, dass Adolf Fürst zu Schaumburg Lippe Mitglied des Aufsichtsrates der Dresdner Bank war. Am heutigen Tag habe ich den Leiter des Historischen Archivs der Dresdner Bank gebeten, darüber Genaueres mitzuteilen.Kurios ist, dass sich im Frühjahr 1935 das Reichsfinanzministerium mit der Dresdner Bank auf das Prozedere bei der Vergabe von Konsortialverträgen einigte. Zwischen 1934 und 1936 ermittelte die Gestapa gegen Adolf Fürst zu Schaumburg Lippe, das Landesfinanzamt in Hannover ermittelte wegen Devisenvergehen, die Zollfahnundgsstelle wegen Verstosses gegen das "Volksverratsgesetz" (Nichtanzeige von im Ausland befindlichem Vermögen). Nach Adolfs Tod liefen diverse Verfahren gegen den Testamentsvollstrecker Valentin Graf Henckel von Donnersmarck wegen Beihilfe zu Delikten des Fürsten Adolf. 1936 wurden von der Dresdner Bank Kunstobjekte gepfändet die dann nach Berlin kamen. Bin gespannt ob die Commerzbank AG einem Miterbeserben Informationen über ein ehemaliges Aufsichtsratsmitglied der Dresdner Bank erteilen wird.
Der Rechtsanwalt von Valentin Graf Henckel von Donnersmarck, Dr. Walter Schulz, Georgstrasse 20, Haus Continental, schrieb an das Landgericht Hannover am 8 März 1937:
"Der Kläger ist Mitte November 1936 wegen angeblicher Steuerhinterziehung verhaftet worden. Es handelt sich nicht, wie die Beklagten (Wolrad) angeben, um die dritte sondern um die zweite Verhaftung. Der Kläger ist der Überzeugung, dass die verschiedenen Strafverfahren, nämlich wegen angeblichen Devisenvergehens, wegen Steuerhinterziehung und wegen Untreue, gegen ihn durch Mitglieder des Fürstlichen Huses oder in deren Auftrage verlanlasst worden sind, um die mit ihm geschlossenen Verträge zur Auflösung bringen zu können. Der Haftbefehl wegen angeblicher Beteiligung an einem Devisenvergehen des Fürsten Adolf war unhaltbar und wurde vom Landgericht Bückeburg aufgehoben. Aus diesem Verfahren heraus hat dann die Zollfahndungsstelle in Hannover in Verbindung mit dem Finanzamt weiter ein Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung eingeleitet und zwar hat der bearbeitende Referent in Bückeburg erklärt, dieses Verfahren sei eingeleitet worden, weil man bei der Durchsuchung der Briefschaften und Geschäftspapiere des Klägers Spendenscheine festgestellt hätte. Daraus habe man geschlossen, dass demnach die Steuererklärungen nicht in Ordnung sein könnten. Mit dieser und mit keiner anderen Begründung wurde das Verfahren gegen den Kläger (Henckel von Donnersmarck) fortgeführt. Seine Verhaftung erfolgte dann wegen angeblicher Verdunkelungsgefahr. Der Kläger ist dann von Wolrad Prinz zu Schaumburg Lippe fristlos mit der Begründung entlassen worden, dass die wiederholten Verhaftungen wegen Volksverrat pp. ihn zu dieser Massnahmen zwingen..."
Fürst Adolf war Mitglied des Aufsichtsrates der Dresdner Bank.
Valentin Graf Henckel von Donnersmarck wurde auf Empfehlung der Dresdner Bank (durch Herrn Henry Nathan) von Adolf Fürst zu Schaumburg Lippe 1921 eingestellt.
Lost art database erwähnt Henry Nathan mit folgenden Worten:
Gründer der Dresdner Bank AG. Die Dresdner Bank wurde 1872 aus dem jüdischen Privatbankhaus Michael Kaske in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Sie galt schon im Kaiserreich als eine "jüdisch" geprägte Bank, da nicht nur ihr Gründer und sein Nachfolger Henry Nathan sondern auch ein großer Teil des Aufsichtsrats jüdischer Herkunft war.
Eugen Gutmann schied Ende des Jahres aus dem Vorstand aus und wurde 1921 Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats. Henry Nathan trat an seine Stelle als primus inter pares.
Valentin Henckel von Donnersmarcks RA schrieb 1937:
Es ist leicht verständlich, dass der Fürst der Empfehlung der Dresdner Bank folgte und den Kläger (Valentin HvD) als Generalbevollmächtigten einstellte. Dass der Kläger mit dem Direktor Nathan der Dresdner Bank bekannt war, wird nicht bestritten. Es gehört aber in das Gebiet der Fantasie, wenn die "Hofkammer" jetzt behauptet, eine Anstellung sei unter Ausübung eines Drucks der Dresdner Bank erfolgt.
Auch Henckel Graf von Donnersmarck war Mitglied des Aufsichtsrates der Dresdner Bank bis 1931 gewesen. Adolf Fürst zu Schaumburg Lippe erstattete ihm jährlich die entgangenen Tantiemen für den aufgegebenen Posten.
Es ist von enormer Bedeutung für das Verständnis dieser Vorgänge, dass Valentin Henckel Graf von Donnersmarck eben nicht Mitglied der "Hofkammer" war, sondern Generalbevollmachtigter von Adolf Fürst zu Schaumburg Lippe. Er konnte die "Hofkammer" anweisen. Valentin hob diesen Aspekt heraus, in dem er sagte, dass er nicht ein verbeamteter Träger von goldenen Knöpfen sei, der sich auf die Ableistung von Unterschriften beschränkte, sondern weit darüber stand. Er war wenn man einen modernen Begriff verwenden darf, "Vice-President" und nicht "back-office" ("Hofkammer"). Er war CEO und eben nicht Finanzchef. Diese Erkenntnis ist deshalb so wichtig, weil sie die simultanen Verfahren gegen Adolf und Valentin als Verfahren gegen den "Kopf" enttarnen. Deshalb wird Valentin Beihilfe zu Delikten Adolfs vorgeworfen. Somit haben die Nazis das "Oberhaupt" mit einem gezielten Schlag "enthauptet" und Wolrad sofort als "Oberhaupt" eingesetzt. Wäre Valentin nur "back office" gewesen, wäre er nicht in U-Haft gekommen.
Mich wundert überhaupt nicht, dass niemand den verfolgungsbedingten Vermögensentzug geltend gemacht hat. Wer sollte auch. Wohl kaum Wolrad Prinz zu Schaumburg Lippe der ja Nutzniesser und Verfolger war. Wolrad war Miterbe Adolfs, dann könnte ja sein Nachfare einen Anspruch aus Paragraf 1 Abs. 6 VermG geltend machen. Warum tut er das wohl nicht ? Weil die Aufklärung der Vorgänge sehr gefährlich werden kann. Lieber auf Boldebuck verzichten, als Steyerling zu gefährden. Nur ein Narr würde 9000 hektar (Adolfs Gut in Steyerling) für 840 hektar Land in Mecklenburg Vorpommern aufs Spiel setzen.
So retuschiert man einen Grundbesitzbogen:
http://www.politikkritik.info/Gut%20Steyerling%20in%20Oesterreich%20Grundbesitzbogen.pdf
Zwischenfragen:
Wen wundert es, dass 5 richterliche Durchsuchungsanordnungen (Hauptstaatsarchiv Hannover und Staatsarchiv Bückeburg und ...) nicht umgesetzt wurden ? Mich nicht. Durchsuchungen sollen nicht belegen, wie schnell durchsucht wird, wenn es dem Staat in den Kram passt. Die Nachlasunterlagen Adolfs beschlagnahmte im November 1936 ausgerechnet die Staatsanwaltschaft in Bückeburg.
Wen wundert, dass der Staat der eine grosse Rolle in der Beraubung Adolfs gespielt hat, heute vertuscht und wegschaut ? Mich nicht, weil der Staat Profiteur ist.
Wen wundert, dass das Historische Archiv der Dresdner Bank den Miterben von Adolf fürst zu Schaumburg Lippe erst schriftlich mitteilte, dass sie selbstverständlich die Bestände zu dieser vermeintlich vermögenslosen Persönlichkeit einsehen dürfen um dann in einer Drehung mitzuteilen, dass dies wegen "Bankgeheimnisses" nicht möglich sei ? Mich nicht, weil zu viele Stellen an einer rechtswidrigen Wegnahme beteiligt waren.
Wen wundert, dass das Landesamt zur Regelung offener Vermögensfragen in Schwerin eine Beteiligung des Astes Heinrich Prinz zu Schaumburg Lippe ablehnt, Akteneinsicht verweigert und erst NACH "Abschöpfung" von Information behauptet, dass der Antrag verfristet sei ? Mich nicht, weil es für das BMF tätig wird. Das Landesamt wollte nur erfahren, wieviel ich weiss oder nicht weiss.
Wen wundert es, dass das Verwaltungsgericht Greifswald eine Beiladung zum Verfahren 1175/07 bislang nicht gewährt ? Mich nicht, weil die deutsche Justiz noch nie Licht in diese dunkle Geschichte hat eindringen lassen. Egal, Licht wird eindringen, ob sie wollen oder nicht.
Wen wundert es, dass die "Lokalhistoriker" ausser "Verschwörungstheorie und närrischer Randbereich" absolut gar nichts an Information bieten wollen ? Ich sage wollen, weil Herr Frank Werner aus den "Memoiren Dreiers" nichts referiert hat, was Wolrad Prinz zu Schaumburg Lippe belasten könnte. Die "Memoiren" mit einem grossen Titelbild von Adolf Hitler wurden vom Staatsarchiv Bückeburg angekauft, auf Vermittlung von Herrn Frank Werner.
Frau Dr. Lu Seegers hat in ihrem Beitrag zum Steinbruch in Steinbergen absolut nichts zur Familie Schaumburg-Lippe referiert.
Mich wundert es nicht, weil es immer Menschen geben wird, die sich an die Seite der "Starken" stellen. Langfristig werden sie aber kaum Vorteile von so einem Verhalten erlangen.
Wie so oft gesagt: alles eine Frage der Machtverhältnisse.
http://vierprinzen.blogspot.com/