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MaxStempfhuber meinte am 2007/07/20 11:59:
Kommentar des Arbeitskreises Open Access der Leibniz-Gemeinschaft
Zu Klaus Grafs Blog-Eintrag „Leibniz-Gemeinschaft ignoriert Berliner Erklärung über Open Access für Kulturgut“ (13. Juli 2007)

Mit den anderen Wissenschaftsorganisationen gehört die Leibniz-Gemeinschaft zu den Erstunterzeichnern der Berliner Erklärung. Dieses Signal zeigt deutlich, dass die Leibniz-Gemeinschaft die Wichtigkeit des Themas Open Access (OA) erkannt hat und bestrebt ist, zu seiner Umsetzung im Sinne der Erklärung zu gelangen. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Allianz-Organisationen trifft sich regelmäßig, um sich über aktuelle Entwicklungen zu unterrichten und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Eine Frucht dieser Zusammenarbeit ist das gemeinsam konzipierte Sonderheft der Zeitschrift „Wissenschaftsmanagement“ zum Thema OA (http://www.lemmens.de/verlag/zeitschriften/wima_special_archiv/2006/special1_06_archiv.pdf).

Der Eindruck, das Engagement der Leibniz-Gemeinschaft für Open Access sei „deutlich verhaltener als das der anderen Wissenschaftsorganisationen“, entspricht nicht der Wirklichkeit. Der seit 2005 bestehende Arbeitskreis OA hat vom Präsidium der Leibniz-Gemeinschaft eine doppelte Aufgabe erhalten. Zum einen den Informations- und Meinungsbildungsprozess unter den Mitgliedseinrichtungen voranzutreiben, zum anderen eine einheitliche Politik der Leibniz-Gemeinschaft hinsichtlich OA dahingehend vorzubereiten, dass die Gremien der Gemeinschaft sich auf eine OA-Richtlinie verständigen und diese verabschieden können. Dieser Selbstverständigungsprozess läuft derzeit und soll mit der Verabschiedung einer OA-Richtlinie durch die Mitgliederversammlung möglichst im November 2007 zu einem Abschluss kommen, an den sich der Prozess der Umsetzung von OA in allen Mitgliedsinstituten anschließen soll.

Die Leibniz-Gemeinschaft ist als gemeinnütziger Verein ein Zusammenschluss wissenschaftlich, rechtlich und wirtschaftlich unabhängiger Wissenschaftseinrichtungen. Ein Thema wie OA ist daher auch nur über Diskussions- und Überzeugungsprozesse entlang der demokratischen Vereinsstrukturen umzusetzen; Ungleichzeitigkeiten sind bei der Vielzahl von Einrichtungen, Forschungsfeldern und Interessen unvermeidbar. Es ist daher zum jetzigen Zeitpunkt müßig, die einzelnen Leibniz-Mitgliedseinrichtungen auf ihren individuellen Grad der Umsetzung von OA hin zu befragen oder zu untersuchen: Das Ergebnis muss naturgemäß von Institution zu Institution unterschiedlich ausfallen, wie es die bisherigen Stichproben im Blog ja auch bestätigen.

Dass es Desiderate gibt, z.B. in der Frage, wie es mit dem offenen Zugang zu Archivalien, Bildmaterial etc. steht, ist unbestritten. Momentan liegt aber der Fokus der Leibniz-Gemeinschaft hinsichtlich OA vor allem auf wissenschaftlichen Publikationen und natur- oder sozialwissenschaftlichen Primärdaten, da diese für den Großteil der Leibniz-Institute von Belang sind und eine Umsetzung der OA-Richtlinie dort am schnellsten möglich scheint.

Ein kritischer Blick von außen – wie hier im Blog – ist hilfreich und kann zu einer Verbesserung der jeweiligen Angebote führen. Der laufende Prozess der Selbstverständigung und anschließenden Implementierung von OA in der gesamten Leibniz-Gemeinschaft wird davon sicherlich profitieren können. Sobald die Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft ihre gemeinsame OA-Richtlinie verabschiedet und mit ihrer Umsetzung begonnen haben sind dann auch die Voraussetzungen gegeben, dass sich die Leibniz-Gemeinschaft in Aktivitäten wie open-access.net einbringt. 
Ladislaus antwortete am 2007/07/20 12:40:
Weniger wohlwollend könnte man das auch so interpretieren, dass man durch Gründung immer neuer Kommissionen und Forderung immer neuer Richtlinen und Politiken Open Access so lange wie möglich auf die lange Bank schieben will. Es gibt ja kein besseres Mittel, eine bereits verabschiedete Erklärung auf Eis zu legen als erst mal eine Kommission zu gründen, die diese Erklärung dann interpretiert... 
KlausGraf antwortete am 2007/07/20 14:36:
Die Leibniz-Gemeinschaft tut nicht genug für OA
Für die Stellungnahme ist zu danken, auch wenn sie wenig mehr als unverbindliches Gewäsch bietet.

Festzuhalten ist: Die LG ist in der OA-Community so gut wie unsichtbar im Gegensatz zur MPG, Fraunhofer-G und Helmholtz-G, die eigene anspruchsvolle Webangebote realisiert haben.

Die Berliner Erklärung datiert von 2003. Vier Jahre später wird man - angesichts der stürmischen Entwicklung von OA in anderen Bereichen - nicht verlangen dürfen, dass man deutliche Zeichen der Unterstützung registriert?

Es ist offenkundig, dass OA von "oben diktiert" wird und in den Instituten der Sektion Geisteswissenschaften (und um die und insbesondere um die Museen geht es mir primär) selbst kaum Rückhalt hat, sieht man von der löblichen Ausnahme DIE ab.

Gerade das DIE zeigt doch, was man auch in den anderen Instituten hätte realisieren können, denn die in meinem Beitrag zum DIE geübte Kritik an den OA-Aktivitäten ist vergleichsweise marginal. 
Xarax antwortete am 2007/07/22 13:29:
"Für die Stellungnahme ist zu danken, auch wenn sie wenig mehr als unverbindliches Gewäsch bietet."

Dem kann ich nur zustimmen. Oktober 2003 wird die Berliner Erklärung abgegeben. September 2005 wird man sich bewusst, dass man die Erklärung nicht stillschweigend übergehen kann und gründet einen AK. November 2006 werden die "Ergebnisse" einer Onlinebefragung veröffentlicht in der nach knapp einem Jahr AK-Arbeit neun Thesen aufgestellt werden und eine Kennzahl veröffentlicht wird: "93 % der Befragten halten Open Access für wünschenswert". Für sich genommen eine interessante Zahl, wenn man von der "Unsicherheit bezüglich Verfahren und Konsequenzen" absieht, die sicherlich durch die Arbeit der AK ausgeräumt und geklärt wurden und berücksichtigt das diese Zahl einfach nur dahingeschmiert wurde und die eigentlichen Umstände der "Befragung" für Außenstehende nicht nachvollziehbar sind. Da sich aber bis heute nicht sonderlich viel getan hat und die Arbeit der AK leider im großen und ganzen im Dunkel bleibt, stelle ich die These auf, dass OA für die Institute der LG nur dann von Interesse ist, wenn der daraus folgende Wissenstransfer in die eigene Tasche geht und die eigenen Verwertungsinteressen nicht gefährdet werden.

Und noch eins, schon Ende 2006 hat meine Lieblingsthese mir ein Grinsen abgerungen: "Open Access ist als Medium des Publizierens zu wenig bekannt". Danke. 

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