wga meinte am 2007/07/30 18:41:
Wir bleiben dran
Vorbemerkung: Der Blogeintrag erreicht mich zufällig, als ich gerade in den USA bin und Gelegenheit habe, mit sehr prominenten Fachvertretern zu
sprechen (solche, deren Arbeit in den Standard-Lehrbüchern vorkommt und
die bei ISI als "highly cited" geführt werden). Diese zum Teil schon
betagten Koryphäen hätten bzw. hatten kein Problem mit dem
traditionellen Publikationswesen. Erstaunt hat mich die Vehemenz, mit
der sich gerade dieser Kreis für Open Access einsetzt. Die Aufgabe des
Publikationswesens sei, wissenschaftliche Ergebnisse zu kommunizieren,
und zwar ohne Barrieren und rasch. Man werde durch eigenes Verhalten Zeichen setzen
(Abbestellen teurer Zeitschriften, Beitragseinreichung bei offenen
Zeitschriften, Verweigerung der umfangreichen Herausgeber- bzw. Reviewtätigkeit für überteuerte Produkte).
Diese leidenschaftlichen Statements machen klar, daß die Open
Access-Bewegung keine Eintagsfliege ist und daß das Verhalten solch
prominenter Autoren Auswirkungen auf das Fach haben wird. Was das ZPID
betrifft, so ist seine Aufgabe, die wissenschaftliche Kommunikation in
der Psychologie zu fördern. Es hat sich der digitalen Welt früh angepaßt
und weist mit dem Web-Katalog PsychLinker und der Suchmaschine
PsychSpider fachlich relevante digitale Ressourcen kostenfrei nach.
Es geht in der (klassischen) Fachinformation um nichts anderes, als alle
zu einer gegebenen Fragestellung gehörigen (wissenschaftlichen)
Dokumente nachzuweisen. Wenn im Zuge der Open-Access-Bewegung immer mehr
wissenschaftliche Informationen frei im Internet verfügbar sind, müssen
die Fachinformationswerkzeuge dem angepaßt werden.
Hier ist das ZPID mit nicht unerheblichem Ressourceneinsatz auf einem guten Weg. Weitere
Maßnahmen zur Unterstützung der Publikationstätigkeit von
Wissenschaftlern sind in Vorbereitung, ebenso wie die kostenfreie
Bereitstellung der eigenen Publikationen (zur Not als Pre- oder
Postprint bzw.nach der Embargophase). Die Nutzungsbedingungen des elektronischen Testarchivs schränken den Gebrauch durch Fachleute zum Zwecke der Forschung und Lehre nicht ein; allerdings sind psychologische Tests diagnostische Instrumente und bedürfen einer geschulten Handhabung. Ein Wermutstropfen für Open Access
bleibt die Gebühr für die Fachdatenbank PSYNDEX. Wir haben zwar eine
günstige Zugangsvariante für den Preis eines Mensaessens geschaffen,
aber einen kostenfreien PSYNDEX wird es kurzfristig nicht geben. Insofern ist Open Access vom puristischen Standpunkt tatsächlich "noch längst nicht befriedigend umgesetzt".
Erich Weichselgartner
University of California at Irvine