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Herr Huth war so freundlich, die folgende Mitteilung zur Verfügung zu stellen:

"Interdisziplinäres Symposion Kaiser Maximilian I. (1459-1519) und die Hofkultur seiner Zeit

Brixen, 26.-30.9. 2007

Tischvorlage zum Vortrag am 26.9. 2007/Sektion Maximilian und sein Hof als politisches Entscheidungszentrum

Der ›Oberrheinische Revolutionär‹

Freigelegte Lebensspuren und Wirkungsfelder eines »theokratischen Terroristen« im Umfeld Kaiser Maximilians I.


Nichts denn die Gerechtigkeit Gottes ― diesem Appell Wyclifs, unter dem Jos Fritz erstmals 1502 seine Bundschuh-Verschwörer sammelte, konnten sich alle sprunghaften Reformschriften und Aufstandsbewegungen des 15. Jahrhunderts verpflichtet fühlen. Der göttlichen Gerechtigkeit auf Erden zum Durchbruch zu verhelfen, war auch das Anliegen jenes Autors, der gegen 1510 am Oberrhein dem Reformschrifttum des Spätmittelalters mit seinem buchli der hundert capiteln die bizarre Krone aufsetzte: »ein Dokument, das einige der charakteristischen Aspekte der modernen totalitären Bewegungen, ob nationalsozialistisch oder kommunistisch, mit aufrüttelnder Klarheit vorwegnimmt« (Norman Cohn).

Für den anonymen Autor ist zuletzt dessen Identifikation mit Mathias Wurm »von Geudertheim«, einem Sekretär Kaiser Maximilians I., favorisiert worden. Fixierte man damit bereits das nächste Umfeld des Herrschers, dem im buchli eine universalgeschichtliche Erlösungsrolle zugemessen (und späterhin verworfen) wurde, so ist es nunmehr im Zuge jüngster prosopographischer Forschungen gelungen, eine neue, auch quellenkritisch abzustützende Verfasseridentifikation vorzuschlagen. Sie erweist nicht nur die Wurm-von-Geudertheim-These als irrig, sondern lässt einen anderen, bislang nicht in den Blick genommenen unabhängigen Berater Maximilians auf überraschende Weise hervortreten:

Dr. Jakob Merswin aus Straßburg.

Die auf ihn verweisenden Forschungsergebnisse sollen hier erstmals der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgestellt werden.

*

Als Ausblick: Gedanklicher Hintergrund und methodischer Zusammenhalt der referierten Forschungen ist der Versuch, die tatsächliche Diskursivität theoretischer Reformschriften jener Zeit festzustellen. Er dient dem Anliegen, die beteiligten Netzwerke und die zugrundeliegenden ideellen Transferprozesse wie materiellen Traditionsvorgänge historisch genauer zu bestimmen, das heißt: eine sozialgeschichtliche und kommunikationstheoretische Rückbindung ihrer Modelle und Strategien zu erreichen. Darüber hinaus aber stellt sich die Frage nach dem utopischen Anliegen und dem historischen Standort utopischen Denkens, für dessen (Wieder-) Aufkommen sich die Regierungszeit Maximilians I. offenbar als wichtige Periode erweist: Was kennzeichnet jene „neue Phase des wirklichkeitstranszendierenden Denkens“, mit dem, so etwa Thomas Nipperdey, sich angeblich „der neuzeitliche Geist vom Mittelalter abgesetzt“ hat?

Volkhard Huth "

Meine eigene Kritik von 2002 an der Wurm-These:
http://www.aedph.uni-bayreuth.de/2002/0028.html
http://www.aedph-old.uni-bayreuth.de/2002/0028.html

Ich halte die mir von Herrn Huth in wiederholten privaten Gesprächen präsentierte Merswin-These für schlüssig. Wir dürfen auf die Druckfassung gespannt sein!

Es wäre zu wünschen, die MGH würden diese neuen Erkenntnisse in angemessener Weise in die von Klaus Lauterbach geplante Ausgabe des Werks einfließen lassen und dafür sorgen, dass die Wurm-Identifizierung dort nicht mehr vertreten wird.
 

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