Christoph Graf Douglas äußerte sich in der gleichen Ausgabe der StZ erstmals im Gespräch mit Wolfgang Messner zur Hausbuchaffäre. Zu den Hintergründen der Veräußerung erfährt man dabei aber kaum etwas.
Graf Douglas gibt zu Protokoll, er finde es lächerlich, dass man ihn angreife, er würde die Kunst durch Verkauf verinternationalisieren. Wenn man die Hintergründe kenne, wisse man, wie sehr er sich stets bemüht habe, die Kunst im Land zu behalten. Er habe "furchtbar darum gekämpft, dass die Handschriften und die Graue Passion von Holbein dem Älteren der Fürstenbergischen Sammlung vom Land gekauft werden. Bei der Bibliothek ist es mir leider nicht gelungen."
Auf die Frage "Was waren die Gründe, warum das Land beim Hausbuch nicht zugegriffen hat?" antwortet Graf Douglas:
"Möglicherweise ein Mangel an Emotion und Leidenschaft. Für die Kunst und die Natur braucht man beides. Der jetzige Käufer hat für seine Entscheidung ungefähr vier Minuten gebraucht."
Messner versäumt es leider, Graf Douglas nach seinen Motiven für das skandalöse Tauschgeschäft zu fragen, dass er der Landesregierung vorgeschlagen hatte: Hausbuch gegen Handschriften aus den Beständen der Württembergischen Landesbibliothek, die das Adelshaus auf dem Kunstmarkt verkaufen könnte, ohne wie im Fall des Hausbuchs auf rechtliche Beschränkungen Rücksicht nehmen zu müssen, die aus dem staatlichen Kulturgüterschutz resultieren. Gerne würde man auch wissen, auf welche Handschriften der WLB der Kunsthändler eigentlich sein Auge geworfen hatte.
Den MP Oettinger, der sinngemäß gesagt haben soll, er käme alle paar Jahre angedackelt und wolle ihm irgendetwas vom Hochadel andrehen, bescheidet er kühl,
"Gut, wenn er es so will, dann komme ich eben nicht mehr. Ich verhandle ja nicht nur mit dem Ministerpräsidenten Oettinger. Wenn mir jemand etwas zu veräußern gibt, und das Objekt hat in irgendeiner Form mit der betreffenden Landesgeschichte zu tun, dann ist es meine Aufgabe, es zuerst dem Land anzubieten. Wenn ich Ministerpräsident eines solchen Landes wäre, würde ich mich darüber furchtbar freuen. Denn ich würde mein ganzes Ziel daran setzen, mein Land als Kulturland zu definieren."
In dieser Beziehung sehne er sich "ein bisschen nach dem Herrn Teufel zurück", der in seiner bescheidenen Art sehr viel von der Landesgeschichte kenne. Er wisse nicht, warum das Land keine Kunst und Kulturgüter des Adels mehr erwerben wolle. Das hänge immer davon ab, wie stark sich der Kultusminister engagiere und wie sehr der Ministerpräsident interessiert sei. Er werde dem Land aber trotzdem weiter Kunstwerke anbieten, "weil ich einfach die Verpflichtung dazu habe. Ich bin dem Land und der Kunst verpflichtet, nicht so sehr der Politik."
Douglas sieht sich selbst als "fanatischen Kunstliebhaber", dass er auch als "Berater, Vermittler und Veräußerer und Käufer von Kunst" agiere, sei kein Widerspruch:
Gewisse Deutschen haben die Ansicht, man dürfe mit Kunst kein Geld verdienen. Diese Haltung kommt aus einem verklemmten Puritanismus heraus. Wir hätten gar nichts, wenn es die Vermittler und Händler nicht gäbe und ab und zu einen irren oder fanatischen König wie Ludwig I. oder Ludwig II. von Bayern oder auch in Preußen Friedrich den Großen. Der hat teilweise Unsummen für Kunst ausgegeben, und zwar über Händler, sonst hätte er sie gar nicht bekommen.
Die Badischen Kulturgüter gehören nach Douglas' Ansicht "hundertprozentig dem markgräflichen Haus".
Das ist eine Erkenntnis, die ich nach langer Beschäftigung mit dem Thema gewonnen habe. Ich habe immer gesagt, dass diese Dinge in Karlsruhe bleiben müssen. Ich habe auch darauf gedrungen, dass der Besitzstand geklärt wird. Das markgräfliche Haus hat übrigens nie behauptet, man solle diese Dinge veräußern, sondern man solle das alles in einer Stiftung zusammenfassen, in die auch Salem hineingehört.
Zur Kritik, mit seiner Berufung in die "Zähringer-Stiftung" habe man "den Bock zum Gärtner gemacht":
Ich habe stets betont, dass ich dagegen bin, dass irgendeine Handschrift, ein Buch, ein Objekt, die irgendwann einmal als Bestandteil der Zähringer-Stiftung definiert wurden, veräußert werden sollen. Alleine die Vorstellung, dass eine frühmittelalterliche Handschrift aus der Reichenau aus der badischen Landesbibliothek Karlsruhe verschwinden könnte, ist furchtbar. In bin immer noch betrübt, dass diese Handschrift überhaupt die Reichenau verlassen hat. Viele dieser wunderbaren Bücher dämmern in tiefen Kellern dahin, werden nie das Tageslicht sehen und auch von niemand betrachtet werden, außer von einer kleinen Gruppe von Wissenschaftlern. Eine Bibliothek aber muss atmen und leben und Bücher müssen gesehen werden.
Kommentar: Die inneren Widersprüchen im Selbstbild des Christoph Graf Douglas sind unübersehbar - auf der einen Seite der emphatische Anspruch, dem Land und der Kunst verpflichtet zu sein, auf der anderen Seite der fanatische Kunstliebhaber und -händler, der es nicht ertragen kann, dass Handschriften "in tiefen Kellern dahindämmern" und der ganz offensichtlich den Kick braucht, den die eigene Kennerschaft im nebenbei auch lukrativen und publicityträchtigen Verkehr mit einer illustren Gemeinschaft von zahlungskräftigen Kennern und Liebhabern bringt.
Die systematischen Versuche, im Tausch gegen andere Kulturgüter Objekte aus staatlichen Sammlungen dem Markt zuzuführen, im Fall des Hausbuchs wie auch im Falle der Handschriften der Badischen Landesbibliothek und die Parallelität dieser Ereignisse jedenfalls sprechen für sich. Der Kunsthändler hat sich dadurch im Land gründlich diskreditiert, auch wenn er dies bestreitet und selbst nicht wahrhaben will.
Zu Christoph Graf Douglas vgl. auch"Graf Douglas als Roßtäuscher", http://archiv.twoday.net/stories/4026791/ ,
"Graf Douglas weist Vorwürfe zurück", http://archiv.twoday.net/stories/3332005/;
weiteres unter http://archiv.twoday.net/search?q=graf+douglas
Keine Sorge, Graf Douglas dürfte genügend eigene Millionen haben, gerade weil er vermittelt. Die handelsüblichen Provisionen betragen 24%. Die Expressionisten-Sammlung des Textilindustriellen Ahlers hat er zusammen mit David Nash (New York) für 100-120 Mio. DM aber "auf Vorrat" gekauft, nicht nur vermittelt (vgl. art. Das Kunstmagazin, Heft 4/2001), die Sammlung spätmittelalterlicher Gemälde aus dem Haus Fürstenberg ging für 50 Millionen EUR an den Industriellen Reinhold Würth, der damit sein eigenes Museum bestückte (ebd., Heft 1/2005). Da bleibt genug hängen.
Und dass er "von den Kulturguthütern wirklich nicht zu fürchten sei", ist wohl ein gefährlicher Irrtum, gerade in Hinblick auf adligen Kunst- und Buchbesitz und wohl auch hinreichend durch die Fakten widerlegt, vgl. die zitierte Dokumentation von Klaus Graf, insbesondere archiv.twoday.net/stories/4026791/ und archiv.twoday.net/stories/2835338/
Die Stuttgarter Zeitung illustriert den Artikel übrigens mit einem allerliebsten Charakter-Porträt des grimmig-verschlagen dreinblickenden Graf Douglas mit Trachtenhut und Trachtenanzug vor seinem Hofgut Dauenberg bei Stockach.
Licht ins Dunkel dieser mysteriösen Hausbuch-Affaire bringt jetzt eine Enthüllung der Südwestpresse (s.o., Artikel vom 23.02.), die erfahren hat, dass es gar keine Handschriften waren, auf die der Graf sein Auge geworfen hatte. Viel schlimmer:
Den früher von Graf Douglas, Ex-Deutschland-Chef des Auktionshauses Sothebys, geäußerten Vorschlag, das Hausbuch gegen veräußerungsfähige Akten des Landes zu tauschen, hatte das Wissenschaftsministerium abgelehnt."Jetzt will er schon unsere Akten verhökern !!!" - nein, diesmal war der geschäftstüchtige Graf eindeutig zu weit gegangen, da waren sich die Beamten im Wissenschafts- und Finanzministerium ausnahmsweise einig. Zwar versuchte Justizminister Ulrich Goll im Kabinett wieder sein Bonmot von dem "alten Papier, das im Keller liegt" anzubringen, aber Wissenschaftsminister Peter Frankenberg fand das diesmal überhaupt nicht witzig ...
Graf Douglas verwahrt sich gegen die "lächerlichen Anschuldigungen"; er wirft dem Ministerium einen "Mangel an Emotion und Leidenschaft" vor:
"Viele dieser wunderbaren Akten dämmern in tiefen Kellern dahin, werden nie das Tageslicht sehen und auch von niemand betrachtet werden, außer von einer kleinen Gruppe von Archivaren. Ein Archiv aber muss atmen und leben und Akten müssen gesehen werden."Eine Stellungnahme aus der Landesarchivdirektion Baden-Württemberg war bis Redaktionsschluss nicht zu erhalten.