Mitleser (Gast) meinte am 2009/03/03 20:56:
Boden doch weggesackt!
Eben mitten in den WDR-Bericht reinreicht wurde eine Meldung, in der bestätigt wurde, dass es im Untergrund vorher ein Erd-und Wassereinbruch gegeben habe, wohl verursacht durch eine geplatzte Wasserleitung. Damit ist auch für die Kellerbestände mit dem schlimmsten zu rechnen. Dazu ist ab morgen auch noch Regen angesagt. Ich hoffe, man schafft es neben der Suche nach Vermissten noch, auch die Trümmer irgendwie abzudecken um weitere Schäden an hoffentlich noch rettendem Material zu verhindern.
Martin Heuser (Gast) antwortete am 2009/03/04 01:12:
Kulturelle Werte vs. Menschenleben
Nachdem zwei Vermisste gemeldet sind, wird zunächst der gesamte Untergrund ohne Rücksicht auf weitere Verluste mit Beton vollgepumpt, damit schweres Gerät zur Suche und evtl. Rettung auffahren kann. Spätestens das wird den Dokumenten den Rest geben, da braucht man nicht mehr über fehlende Plastikplanen und Regen zu lamentieren. Wer würde aber anders entscheiden wollen.
500km weit weg (Gast) antwortete am 2009/03/04 08:36:
Es hätte sicherlich Alternativen zum Beton gegeben
Mir fiel als erstes ein, dass man zum Absichern doch womöglich auch hätte diesen Backsand nehmen können, den man auch bei Sandskulpturen verwendet und die oberirdisch sogar ziemlich Wind und Wasserbeständig sind zumindest so, dass ich mir vorstellen könnte, dass es zum Auffüllen unter Druck ausreicht. Aber wenn da auch ein Wasserrohr geplatzt ist, dann ist es für die Urkunden im Keller wohl eh vorbei ;-(
Doch wenn ich mir vorstell, dass in dem Loch irgendwo noch Menschen liegen, und womöglich doch noch nicht tot sind.....
Die Oberirdisch gelegenen Magazine des "Kölner Modells" sehen auch recht platt aus, obwohl ich nirgendwo Papier hab liegen sehen auf den Pressebildern, das ließ mich hoffen, dass bei einem Gebäude aus der besten Zeit des kalten Krieges und noch dazu so nah an Bonn womöglich ein Erdbeben- und Bombensicherer Massiver Magazinraum vorhanden war, der von den Bahnbuddlern als MAsse nicht richtig eingeschätzt wurde.
Aber das scheint ja nicht so zu sein.
Ich kann das nur mit Bildern aus dem Krieg vergleichen, da kenn ich ein paar von dem zerstörten Magazinbau der hiesigen Unibibliothek, doch da konnte man massig Papiere im Krater sehen.
Also kann man doch noch hoffen?
Ich war letztes Jahr in Köln in der Ausstellung zu den Ausgrabungen im Zuge der U-BAhnbauten und war enttäuscht, wie wenig Fläche vom Gesamtprojekt wirklich untersucht wurde. Dabei wurde mir im Studium erzählt, man könne in Köln nichtmal einen Baum pflanzen ohne Besuch von der Bodendenkmalpflege zu bekommen. Aber bei so einem Mammutprojekt gabs dann nur auf massiven Druck ein paar kleine Rettungsmassnahmen. Und nun ist nicht nur das Bodenarchiv zerstört, sondern auch noch die schriftliche Überlieferung.
Soll die U-Bahn eigentlich auch noch unterm Dom durchlaufen?
Spätestens dann wird Köln eine Stadt ohne Geschichte sein. Denn was nützen die alten Gebäude und Denkmäler wenn die dazugehörige Überlieferung fehlt.
Sebastian K (Gast) antwortete am 2009/03/04 09:52:
Kulturelle Werte vs. Menschenleben
>Wer würde aber anders entscheiden wollen. Auf CNN wurde heute morgen festgestellt: "Dokumente, die zwei Weltkriege überstanden haben, sind verloren gegangen."
Natürlich ist der Verlust jedes Einzelnen Menschen zu beklagen. Doch welches Zeugnis stellen wir uns selbst aus, wenn wir die Wurzeln unserer Kultur angesichts eines Unfalls so schnell wie möglich zubetonieren?
Bereits das letzte Jahrhundert ist uns mit Hinblick auf den Verlust kultureller Güter teuer zu stehen gekommen. Wie viel einem der Erhalt des Verbliebenen Wert ist, kann nicht allgemein beantwortet werden. So ist die Frage: Kulturelle Werte vs. Menschenleben rein rhetorisch und bestenfalls politisch korrekt zu beantworten.