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Wolf Thomas (Gast) meinte am 2009/09/29 13:20:
Habers 6 Stichworte für eine Digitale Geschichtswissenschaft
sind auf seine Weblog ( http://weblog.histnet.ch/archives/3131 ) publiziert. M. E. interessant für Archivierende:
" ......Zweites Stichwort: Quellenkritik
Die Quellenkritik sieht sich im digitalen Kontext ganz neuen Herausforderungen gegenüber. Noch ist eine „Quellenkritik des Digitalen“ ein Desiderat. Offensichtlich ist nur, dass Handlungsbedarf besteht, sowohl auf der curricularen Ebene als auch forschungsmässig. In den 1960er und 1970er Jahren gab es Versuche, eine neue historische Hilfswissenschaft zu begründen, die sich mit der elektronischen Datenverarbeitung in der Geschichtswissenschaft hätte beschäftigen sollen.
Die Versuche scheiterten, eine solche Hilfswissenschaft ist nie entstanden. Heute, mehrere Jahrezehnte und zahlreiche technologische Entwicklungen später, stellt sich die Frage, ob die Geschichtswissenschaft eine „Hilfswissenschaft des Digitalen“ braucht.
Ganz abwegig scheint mir diese Frage nicht: Die im Nachgang zu Droysen entstandenen historischen Hilfswissenschaften wie die Paläographie, die Heraldik, die Diplomatik, die Sphragistik oder die Numismatik haben ihre Legitimation aus der Anwendung der Quellenkritik auf einzelne Quellengattungen bezogen und sich dabei auf die je eigenen Medialitäten ihrer Objekte konzentriert.
Im Hinblick auf das digitale Zeitalter bedeutet dies, dass es eine neue, den digitalen Medialitäten angepasste Hilfswissenschaft braucht, in deren Zentrum die Quellenkritik stehen muss.
.....
Viertes Stichwort: Collaboratory
Gemeint ist damit der Umstand, dass in der Digitalen Geschichtswissenschaft nicht mehr ausschliesslich individuell geforscht und monoauktorial geschrieben wird, sondern dass immer mehr Arbeitsprozesse mit digitalen Netztechnologien und in Teams erledigt werden.
Ich meine damit nicht, dass das monoauktoriale Buch verschwinden wird. Und auch nicht, dass in Zukunft keine Aufsätze und Berichte mehr von einem Autor alleine verantwortet werden. Aber es wird immer mehr Situationen geben, in denen in kleinen Teams oder in Netzwerken an Texten geschrieben wird. Das können Zwischenberichte sein, Anträge oder Kursunterlagen, aber auch Sammelbände und andere Publikationsformen.
Und diese Arbeitsprozesse werde nur möglich sein, wenn entsprechende Tools im Netz zur Verfügung stehen werden.
Heute müssen wir auf private Angebote wie Google Docs ausweichen, wo weder die rechtlichen Fragen über Datenschutz und Urheberrecht befriedigend geklärt sind, noch die Langzeitverfügbarkeit der Daten und Dienste gewährleistet ist.
Hier besteht eine offensichtliche Lücke, die von den Universitäten bald geschlossen werden muss. So wie es heute selbstverständlich ist, dass jeder Universitätsangehörige – Dozierende ebenso wie Studierende – ein E-Mail-Konto erhält, sollte dies auch bei Online-Speicher und kollaborativen Arbeitsinstrumenten der Fall sein.
Es scheint mir unumgänglich, dass für solche Dienste „trusted resources“ verwendet werden, die für Stabilität, Sicherheit und rechtlichen Schutz der eigenen Daten garantieren. Mit Google Docs lässt sich wunderbar experimentieren, doch für den ernsthaften Einsatz solcher Tools müssen die anerkannten Wissenschaftsinstitutionen einen Beitrag leisten. ..... 

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