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" .... Größere Einrichtungen leisten seit Langem mit Ausstellungen, Publikationen und Internet-Inventaren jede Menge Breitenarbeit. Die Forderung nach "Bürgerarchiven" ist albern, denn die Bürger sind ja die Nutzer der Archive - wer denn sonst?

Allerdings: Archive sind hoch spezialisierte Einrichtungen, die ein fachlich ausgebildetes Personal erfordern; sie bieten beileibe nicht das, was für einen Familienausflug taugt. Man findet dort in der Regel keine bunten Bildchen, und kein Archivar wird seine mittelalterlichen Kodizes wie in einer Stellage auf dem Wochenmarkt auslegen.

Jeder Vergleich mit äußerlich "erfahrbaren" Kunstschätzen oder Bauwerken lässt den Schluss zu, dass hier jemand keine Kenntnis davon hat, wie viel Aufwand, Energie und Grundwissen vonnöten sind, um die archivischen Quellen zum Sprechen zu bringen und sie zu erlebter Geschichte zu gestalten. Die Vorstellung, Archive zu Schaubuden eines vordergründigen Aktionismus zu machen, ist realitätsfern und abschreckend.
" so Dr. Peter Letkemann, Berlin, in einem Leserbrief in der Welt:
Dietmar Bartz meinte am 2010/03/14 21:43:
Ausflugsziele
Bedauerlich, dass der Leserbriefschreiber sich so gegen das Konzept Bürgerarchiv, das im Historischen Archiv der Stadt Köln entwickelt wurde, sträubt. Es besteht, in unvollständiger Aufzählung, aus

(1) Zugänglichkeit des Archives durch zentrale Lage, der Archivalien durch häufiges Ausheben, aus Benutzerfreundlichkeit über die Barrierefreiheit hinaus auch durch Online-Suchen, Digitalisate, keine oder niedrige Gebühren usw.,

(2) Bildungsarbeit (Schulen, Ausstellungen, Veranstaltungen) und

(3) einem Bekenntnis zur Benutzung durch Bürger, nicht nur durch Wissenschaftler, Verwaltungsmitarbeiter oder Genealogen.

Das mag von manchen Häusern eingelöst werden, aber von manchen eben nicht. Der Text, der den Leserbrief ausgelöst hat, benennt in der Tat nur sehr undeutlich, in welchem Maße sich das Stadtarchiv Köln unter den früheren Leitern in einer gewissen institutionellen Selbstzufriedenheit eingemauert hatte und sich zugleich von der Verwaltung gängeln ließ. Das hat sich ja auch im Personalverlust und der Service-Minderung niedergeschlagen.

Vielleicht kann man es so ausdrücken: Das Konzept ist nicht mehr, gnädig dem Steuerzahler einen Blick auf Zimelien zu gewähren, sondern sich eine selbstbewusste Bürgerschaft zu wünschen, die auch ihre eigenen Wünsche an das Archiv entwickelt, nachdem ihr das Archiv gezeigt hat, was es bietet. (Digitalisate, Online-Ausstellungen usw. stehen sicher an vorderer Stelle. Daher übrigens auch die große Enttäuschung, als nach dem Einsturz unter Verweis auf das Copyright rabiat der Versuch bekämpft wurde, im Internet ein DIgitales Archiv zu gründen; bis heute ist zumindest mir nicht klar, ob die Initiative dazu vom Rathaus ausgegangen ist oder vom Stadtarchiv, entweder à la "die Geister, die sie rief" oder "die Geister, die ich rief"...)

Das Konzept Bürgerarchiv ist keine Neuerfindung des Rades, sondern nur, aber immerhin Ausdruck eines gewandelten Selbstbewusstseins: sich den Anstrengungen einer Präsenz in der Öffentlichkeit zu stellen, weil, wie es neudeutsch heißt, eine "Gedächtnisorganisation" der Gesellschaft besonders verpflichtet ist. Das Konzept stellt auch eine Absetzbewegung von der Verwaltung dar, die das Archiv so schmählich behandelt hat. Allerdings konnte es nicht ausbleiben, dass insbesondere einige Kommunalarchive in Nordrhein-Westfalen das Konzept als Worthülse benutzen, um origineller zu scheinen, als sie sind.

Eine Frage in diesem Zusammenhang ist sicherlich, ob die Bezeichnung "Historisches Archiv der Stadt Köln" noch zeitgemäß ist. Als Ziel auch nur mäßigsten öffentlichen Interesses, geschweige denn von Familienausflügen kommt aber sicherlich kein Staatsarchiv in Frage, das im Titel noch immer den Zusatz "Geheim" führt und in dessen Haus diesbezüglich ein unrühmliches Kapitel deutsch-polnischer Archivgeschichte geschrieben wurde. 
KlausGraf antwortete am 2010/03/14 21:56:
Ich verweise dazu einmal mehr auf
http://archiv.twoday.net/stories/5584413/ 
ebertplatz.de antwortete am 2010/03/15 00:10:
Wo, bitte, ist das "das Konzept Bürgerarchiv", das die Kölner entwickelt haben sollen, dokumentiert?
Wenn sich das Archiv öffentlich äußert, ist ausschließlich von Wissenschaftlern die Rede! Ok, das Wort "Bürgerarchiv" wird dann auch mal eingestreut und macht sich gut, weil keiner nachfragt.
Ich denke ein wissenschaftliches Institut, ist nicht Aufgabe der Stadt und sollte der Uni angeboten werden.
Selbst wenn die 2 Euro für das selbstgemachte Bild abgeschafft würden, blieben noch die Nutzungsverträge für Urheberrechtsfreies. 
Dietmar Bartz antwortete am 2010/03/15 20:16:
Man sollte dann aber die Idee des Bürgerarchivs nicht als unerfüllbar (Leserbrief), sondern als unerfüllt betrachten. 
 

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