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http://www.handschriftencensus.de/8840

München, Staatsbibl., Cgm 9220
[früher Privatbesitz Antiquariat Dr. Jörn Günther, Hamburg, Nr. 1997/42; davor Los Angeles, The J. Paul Getty-Museum, Ms. Ludwig XV 10; davor Malibu, The J. Paul Getty-Museum, Ms. Ludwig XV 10; davor Köln, Sammlung Ludwig, Cod. XV 10; davor Heiligenkreuz, Stiftsbibl., Cod. 219]


Schon 2009 hatte ich darauf hingewiesen, dass Heiligenkreuz ein Irrtum ist. Die berühmte Ehrenbrief-Handschrift gehörte dem österreichischen Augustinerchorherrenstift Herzogenburg als Cod. 219 (im Verfasserlexikons-Artikel zu Johann Holland zu Herzogenbusch verballhornt), nicht Heiligenkreuz!

Dass der Band zunächst dem Augustinerchorherrenstift St. Andrä an der Traisen gehörte (was der ohnehin provenienzfeindliche Handschriftencensus unterschlägt) ergibt sich aus der Tatsache, dass Raimund Duellius, der 1725 den Ehrenbrief Püterichs und die Turnierreime Hollands daraus edierte, ihn dort vorfand:

http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/content/pageview/1555908

Nach der Aufhebung dieses Stifts 1783 kam der Band ins benachbarte Herzogenburg, wo er noch in einem Handschriftenkatalog von 1949 gelistet wird. Dann haben ihn die Herzogenburger Chorherren offenbar verscherbelt, 1964 tauchte er im Zürcher Kunsthandel auf, 1965 ging er in das Eigentum des Kunstsammler-Ehepaars Irene und Peter Ludwig (Aachen) über. Deren kostbare Handschriften-Sammlung wurde 1985 mit öffentlichen Geldern der Stadt Köln katalogisiert, aber der ins Auge gefasste sichere Hafen in Köln blieb dem Stück wie den anderen verwehrt. Sie gingen 1983 ans Getty-Museum (damals Malibu). Damit hätte man auch leben können, wenn der Bestand denn zusammengeblieben wäre, aber dieses verantwortungslose Museum musste unbedingt (leider nicht geschütztes) deutsches Kulturgut, das Stammheimer Missale aus dem Eigentum der westfälischen Fürstenberg, an sich raffen, was 1997 für die Ehrenbrief-Handschrift und 36 weitere den Übergang an den berüchtigten Händler Jörn Günther bedeutete. Außer einer Heidelberger Handschrift und der Ehrenbrief-Handschrift verschwanden anscheinend alle in Privatschatullen. Nachdem die Berliner Staatsbibliothek großzügig zugunsten von München verzichtet hatte, wurde mit Geldern der Kulturstiftung der Länder, des Freistaats Bayern und der Bayerischen Landesstiftung der Codex für sehr viel Geld nach Bayern 1997 "heimgeholt". (Angaben weitgehend aus dem Heft Patrimonia 154, 1999).

 

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