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" ..... Durchaus ähnlich erging es Johannes Ullrich, der seit 1938 das Politische Archivdes Auswärtigen Amtes geleitet hatte. Obwohl er sich einem Beitritt der NSDAP verweigert hatte und mit einer Reihe von Veröffentlichungen beim Amt Rosenberg negativ aufgefallen war. wurde er 1939 zum Legationsrat ernannt und verbeamtet; allerdings wurde er nicht turnusgemäß weiter befördert. Seit 1943 hatte Ullrich wichtige Archivalien des Amtes in den Harz auslagern lassen. Im April 1945 war er in Berlin geblieben, weil er als Nichtparteimitglied und leidenschaftlicher Archivar seine persönliche Gefahrenlage offenbar als nicht sehr hoch einschätzte. Doch bereits am 28. April wurde er festgenommen und nach einigen Monaten NKWD-Haft nach Moskau ausgeflogen, wo er weitere 39 Monate in Internierungshaft verbrachte. Ein sowjetisches Militärtribunal verurteilte ihn im April 1948 schließlich zu zehn Jahren Zwangsarbeit, von denen er - bei völliger Abschottung nach außen - sieben Jahre im Arbeitslager Abes nördlich des Polarkreises verbrachte. Am 17. Februar 1955 entlassen, kam Ullrich erst im August desselben Jahres wieder in Berlin an. Diesen widerständigen, die nationalsozialistische Politik oft zynisch kommentierende Nicht-Pg. traf die sowjetische Internierungspolitik ungerechterweise besonders hart. ..."
aus: Eckart Conze/Norbert Frei/Peter Hayes/Moshe Zimmermann: Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik, München 2010, S. 326-327

Zur Person Ullrichs (1902-1965) siehe die Nachrufe von Hans Philippi in: Der Archivar 20 (1967), Sp. 97-100 und Ernst Posner in: The American Archivist 29 (1966), S. 405-408, die von Minister Schröder gez. Todesanzeige im Bonner General-Anzeiger am 28. 12. 1965; Niels Hansen, Ein wahrer Held jener Zeit. Zum dreißigsten Todestag von Johannes Ullrich, in: Historische Mitteilungen 9 (1996), S. 95-109, Martin Kröger/Roland Thimme: Das politische Archiv des Auswärtigen Amtes im Zweiten Weltkrige. Sicherung, Flucht, Verlust Rückführung, in Vierteljahresheft für Zeitgeschichte 47 (1999) und Astrid M. Eckert: Kampf um die Akten. Die Westalliierten und die Rückgabe von deutschem Archivgut nach dem Zweiten Weltkrieg (= Transatlantische Historische Studien; Bd. 20), Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2004.

Diese aktuelle biographische Skizze schreit förmlich nach einer ausführlichen Würdigung Ullrichs. Zwei Wesenszüge, die landläufig nicht sofort mit Archivierenden in Verbindung gebracht werden, verdienen m. E. eine besondere Beobachtung: Leidenschaft und Zynismus.
 

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