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Nachdem Professor Dr. Zielinski als zuständiger Vizepräsident des Hessischen Landessportbunds die Teilnehmer an der diesjährigen Tagung zum überregionalen Erfahrungsaustausch im Bereich der Sportüberlieferungen begrüßt hatte, beschäftigten sich die einzelnen Referenten mit unterschiedlichen Aspekten des Tagungsthemas.

Den Rahmen bildeten dabei die Referate von Professor Dr. Wedemeyer-Kolwe (Hannover) über die Arbeit des Nieder-sächsischen Instituts für Sportgeschichte (NISH) und von Asmus Kaufmann (Kaiserslautern) über die Sicherung von Sportüber-lieferungen im Sportbund Pfalz. Dr. Peter Engels (Darmstadt) beschrieb als Stadtarchivar das aus seiner Sicht gravierende Missverhältnis zwischen der Fülle von Sportüberlieferungen und der unzureichenden Nutzung dieser Materialien durch interessierte Nutzer.

Immerhin gibt es hier mit Kuno Schuch (Deutsches Golfarchiv), der sich nach einem kurzen Überblick zur hessischen Golfgeschichte auf die Golfentwicklung im Großherzogtum Darmstadt konzentrierte, zumindest eine prominente Ausnahme. Roland Frischkorn leitete als Sportkreisvorsitzender mit einem Impulsreferat über die sport-historischen Aktivitäten des Sportkreises Frankfurt die Phase der Gruppenarbeit ein.

Professor Wedemeyer-Kolwe gab zunächst einen Überblick über die Aufgaben und Bestände des NISH, das 1981 in Hoya als Verein gegründet wurde und seit 2011 seinen Standort in Hannover hat. Die Mitarbeiter widmen sich der Sichtung, Bewahrung und Archivierung von Materialien zur niedersächsischen Sport-geschichte. Dies schließt Forschungsarbeiten und Publikationen ein, für die auch auf mehrere internationale Spezialsammlungen zugegriffen werden kann. Anschließend ging der Referent auf das Nutzerprofil des NISH ein.

In diesem Zusammenhang verwies er auf eine beeindruckende Fülle von Anfragen zu sporthistorischen Themen an das Institut. Ein Teil dieser Anfragen ist dabei auf die fachlichen Schwerpunkte des NISH zurückzuführen, dessen Leiter sich insbesondere mit der Geschichte des Behindertensports, der Körperkultur und des Bodybuilding beschäftigt. Die Bandbreite der Anfragen macht aber auch deutlich, dass der Bekanntheitsgrad des bereits seit vielen Jahrzehnten bestehenden Instituts eine große Rolle spielt.

Asmus Kaufmann schilderte die einzelnen Schritte beim Aufbau eines Gesamtsystems zur Sicherung von Sportüberlieferungen in der Pfalz. Ausgangspunkt war dabei 2009 die Gründung des Vereins „Pfälzische Sportgeschichte“ auf Initiative des Sportbundes Pfalz. Der Verein bietet die Möglichkeit zum Meinungsaustausch für alle an der Sportgeschichte in der Pfalz Interessierten sowie zur Präsentation von Sammlungen und Forschungsergebnissen. Seit 2009 werden in Kooperation mit dem Landesarchiv und mit dem Stadtarchiv Speyer auch Seminare für Sportvereine zur Archivierung von Schriftgut und Fotos angeboten.

Im Juni 2011 konnte dann im Deutschen Schuhmuseum Hauenstein das Pfälzische Sportmuseum eröffnet werden. Damit wurde ein pragmatischer Ansatz realisiert, während zum Beispiel die Exponate des Sportmuseums Frankfurt bis heute nicht einer interessierten Allgemeinheit zugänglich gemacht werden konnten. Ein Ergebnis der engen Kooperation mit dem Historischen Verein der Pfalz war die Tagung zur Pfälzer Sportgeschichte im Oktober 2013.

Dr. Peter Engels erläuterte anschaulich, dass gerade die süd-hessische Metropole Darmstadt auf eine äußerst interessante sporthistorische Vergangenheit zurückblicken kann. So gab es hier eine früh einsetzende Turnbewegung und erste Bemühungen um die Etablierung der „englischen“ Sportarten Fußball, Golf und Rugby. In der NS-Zeit folgte dann der Versuch, „Stadt des Sports“ zu werden. Dazu kommt noch, dass die Technische Universität eine ent-scheidende Rolle für die Entwicklung der Darmstädter Sport-landschaft gespielt hat.

Trotz der Verluste durch die Zerstörungen im letzten Krieg verfügt das Stadtarchiv Darmstadt über zahlreiche Überlieferungen zur Geschichte des Sports. Außerdem gibt es auch in der zeitge-schichtlichen Sammlung einen Schwerpunkt, der sich mit dem Sport beschäftigt. Allerdings ist es bisher nicht gelungen, diese Archiv-bestände potentiellen Nutzern bekannt zu machen und Sportvereine zur Sicherung oder Abgabe von Archivbeständen zu veranlassen.

Kuno Schuch konnte direkt an die Ausführungen von Dr. Engels anschließen und konzentrierte sich nach einem kurzen Exkurs zur hessischen Golfgeschichte auf den 1892 gegründeten Großher-zoglichen Golfclub in Darmstadt, dessen Schutzherr Großherzog Ludwig IV. war. Als Spielfeld wird in den verfügbaren Unterlagen der „Exerzierplatz“ genannt. Dies war damit der erste in Deutsch-and gegründete Golfclub, der allerdings nur kurze Zeit bestand und 1911 neu gegründet wurde.

Großherzog Ernst Ludwig übernahm ab 1911 das Protektorat und genehmigte 1913 die Bezeichnung „Großherzoglicher Golf-Klub“. In den Kriegsjahren 1914 bis 1918 musste der Spielbetrieb allerdings schon wieder ausgesetzt werden. 1922 wurde das Klubhaus dann an den Tennis- und Eis-Club Darmstadt verpachtet. Nach einer posi-tiven Entwicklung in den Jahren nach dem Krieg nahm die Zahl der Mitglieder seit 1925 kontinuierlich wieder ab. Am 27. Februar 1942 wurde der Golf-Klub Darmstadt aufgelöst.

Roland Frischkorn hob in seinem Impulsreferat zu der folgenden Gruppenarbeit die Bedeutung der Sportkreise für Initiativen zur Förderung regionaler Sportgeschichte hervor. So wurde auf Anre-gung des Sportkreisvorstands eine Veranstaltungsreihe zur Frank-furter Sportgeschichte vorbereitet.

Daran war maßgeblich ein eigener Arbeitskreis beteiligt, in dem die einschlägigen Institutionen wie das Institut für Stadtgeschichte, das Historische Museum Frankfurt und das Sportmuseum Frankfurt sowie Experten des Sportkreises zusammenwirkten. Zu erwähnen sind außerdem Aktivitäten im Rahmen des Stadtteilprojekts „Gallus“ und die Beteiligung an der Stadtlabor-Reihe des Histo-rischen Museums Frankfurt.

Bei der sich anschließenden Gruppenarbeit gab es zwei unterschied-
liche Schwerpunkte, da sich die von Waldemar Krug (Offenbach) moderierte Arbeitsgruppe insbesondere mit der Frage beschäftigte, welchen Stellenwert die verfügbaren Archivalien haben. Die von Peter Schermer (Frankfurt) betreute Arbeitsgruppe widmete sich dagegen sehr intensiv den Möglichkeiten einer Motivierung für sporthistorische Arbeiten. In diesem Zusammenhang hob Asmus Kaufmann die inspirierende Bedeutung des Sportmuseums Hauenstein hervor.

Die Tagungsteilnehmer waren sich darüber einig, dass es ein müh-samer Weg sein wird, möglichst viele Beteiligten für die Bedeutung von Sportüberlieferungen zu sensibilisieren. Dabei muss jeweils im Vorfeld entschieden werden, ob man den Weg über einen syste-matischen Ausbau der erforderlichen Infrastruktur wählt, oder aber sich auf die motivierende Wirkung einer Einzelfallberatung verlässt.

Peter Schermer
 

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