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Landesgeschichte

Von Martin Zürn:

http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45652

Wie üblich, sind Digitalisate nicht nachgewiesen. Siehe auch

http://archiv.twoday.net/search?q=historisch+lexikon+bayern

Vochezers dreibändige grundlegende Hausgeschichte ist online im Internet Archive:

https://de.wikisource.org/wiki/Joseph_Vochezer

Franz Quarthals Dissertation ist ebenfalls online:

http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2009/4656/

Ob der Rundfunkbeitrag Pörnbachers im JHVD

http://periodika.digitale-sammlungen.de/dillingen/Blatt_bsb00007627,00169.html

unbedingt in die Literatur gehört? Gerhard Wolfs Studie zur Pappenheim-Chronik, die leider nur unter den Quellen erwähnt wird, wäre nicht weniger wichtig gewesen.

Wieso erscheint bei "Pappenheim" nur der zweite Band, der ja nun ganz und gar nicht von Pappenheim stammen kann? Digitalisate der Kemptener Ausgabe und der Donaueschinger Handschrift der Truchsessen-Chronik der Renaissance weist nach:

https://de.wikisource.org/wiki/Matth%C3%A4us_von_Pappenheim

Zürn ist offenkundig nur beschlagen, was die spätere frühe Neuzeit und das 19. Jahrhundert angeht, und er bevorzugt die Linie Zeil.

Man kann den Artikel in der Wikipedia

https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Waldburg

oder den von Hengerer 2012 mit umfangreicher Bibliographie (nicht zitiert!)

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:352-202489

neben den von Zürn legen: Sowohl Inhalte als auch Nachweise sind für die Zeit bis zum 17. Jahrhundert deutlich besser.

Sowohl Hengerer als auch Zürn übergehen leider den Artikel von Dieter Stievermann im Handbuch der baden-württembergischen Geschichte 2 (1995), S. 350-359 und Stammtafeln 5 (2007), S. 391-393. Wie immer man inhaltlich zu ihm steht (ich finde, er ist solide) - es geht nicht an, dass man diese Behandlung der Familie im "offiziösen" Nachschlagewerk zur baden-württembergischen Landesgeschichte im offiziösen Nachschlagewerk zur bayerischen Landesgeschichte ignoriert!

Man kann ihn natürlich ohne weiteres in der baden-württembergischen Landesbibliographie finden, die natürlich vom bayerischen Lexikon nicht verlinkt wird:

http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/LABI/LABI.asp?K3=7&T3=Waldburg%23+Truchsessen+von

In einem Handbuch-Artikel über die Truchsessen von Waldburg muss klar ausgesprochen werden, dass die ursprünglich welfischen Ministerialen in die staufische Ministerialität übertraten und der seit 1197 bezeugte Truchsessen-Titel sich auf ein staufisches (Schwaben?, Reich?) Hofamt bezieht. Und es muss zur Ständegeschichte vermerkt werden, dass die einstigen Ministerialen schon vor dem Erwerb von Grafschaften im 15. Jahrhundert und der Erhebung in den Freiherrenstand in der Zeit Maximilians I. Zugang zur Gruppe der schwäbischen Grafen und Herren fanden. Was Zürn dazu schreibt, ist ungenügend.

Inakzepabel ist auch, dass die unter Fideikommiss gestellte Kunstsammlung von Max Willibald von Wolfegg keine Erwähnung findet, siehe nur

http://archiv.twoday.net/stories/4690486/#4693604

Gewohnt ärmlich ist die Bebilderung. Wieso zwei Bilder aus der Weißenauer Bauernkriegschronik und dann auch noch nicht nach der maßgeblichen Fakisimileausgabe?


Eigentlich wollte ich etwas über Münchner Historiographie schreiben und dabei auf den Augenzeugenbericht von Herzog Georgs des Reichen Begräbnis 1503 eingehen, aber der von Westenrieder edierte Text hat wohl nichts mit München zu tun. Trotzdem sollte er nicht übersehen werden.

Als § VI druckte Lorenz von Westenrieder in seinen Beiträgen zur vaterländischen Historie usw. 2 (1786), S. 222-238 "Des H. Georg Leichenbegängniß von einem Augenzeugen beschrieben 1503"

http://ds.ub.uni-bielefeld.de/viewer/image/2233743_002/230/LOG_0015/
http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10915015_00246.html

Aber nur der erste Teil S. 222-231 entspricht der Überschrift. S. 231 unten steht eine kurze Notiz über den Tod Pfalzgraf Georgs zu Amberg 1504, bevor S. 232 Tod und Begräbnis Pfalzgraf Ruprechts am 24. August 1504 (richtig: 20. August) kurz dargestellt werden. Eine Notiz über den Tod von Ruprechts Ehefrau Elisabeth am 15. September 1504 (das Datum trifft zu) ist kürzer gehalten, bevor kurz über die Huldigung der Räte und Landshuter Einwohner am 21. September 1504 berichtet wird. Am 8. November sei dann Pfalzgraf Friedrich ungerüstet in Landshut eingetritten "und mit ihme ein Künigischer Pott" (S. 233). "Ein Sprüch von Bayrischen Krieg" (S. 233-238) schließt diesen Teil des Zeitschriftenbandes ab.

Helga Czerny: Der Tod der bayerischen Herzöge im Spätmittelalter ... (2005), die auch sonst nicht immer zuverlässig ist

http://archiv.twoday.net/stories/790549607/

behauptet ohne Begründung S. 176 Anm. 264, es handle sich um die Aufzeichnung eines Augenzeugen aus München. Dafür spricht im Text überhaupt nichts, alles deutet vielmehr darauf hin, dass die Aufzeichnung in Landshut niedergeschrieben wurde. dafür spricht auch S. 230f. die Liste der zum Opfer am 30. Jahrtag des Todes abgeordneten Männer und Frauen aus Landshut.

Der Verfasser aus Landshuter Bürger- und Hofkreisen hat zunächst detailliert die Begräbnisfeierlichkeiten Herzog Georg des Reichen dargestellt, aber da dieser Todesfall den Ausgangspunkt des Landshuter Erbfolgekrieges bildete, kam es zur späteren Ergänzung von weiteren Todesfällen und zwei Notizen zur Herrschaftsnachfolge (Huldigung und Einritt) aus dem Jahr 1504. "Landshuter Aufzeichnungen 1503/04 vor allem zum Begräbnis Herzog Georg des Reichen 1503" scheint mir als Titel des Gesamttextes geeignet, den man als bescheidenen Versuch Landshuter Historiographie um 1500 einordnen darf.

Czerny gibt als archivalische Vorlage Westenrieders nur die Hausurkunde 2110 des Geheimen Hausarchivs an, aber das bleibt zu überprüfen, da es noch weitere Überlieferungen des Gesamttexts gibt.

https://books.google.de/books?id=OxZoAAAAMAAJ&q=%22augenzeugen+beschrieben+1503%22 nennt auch BSB München Cgm 1955, Bl. 21-27 und Cgm 1956, Bl. 23-29.

Zu beiden Handschriften ist der alte Katalog zu vergleichen:

http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00008214/image_253

Zu Cgm 1955 ist der Reimspruch dort vermerkt, während er bei Cgm 1956 zu Bl. 28v handschriftlich im digitalisierten Exemplar nachgetragen wurde.

Dass Westenrieder eine bestehende Überlieferungsgemeinschaft, zu der auch ein Text zur Landshuter Hochzeit gehörte, wiedergegeben hat, bezeugt auch Karl Franz Joetze: Veit Aernpekch, ein Vorläufer Aventins, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern 29 (1893), S. 45-128, hier S. 95

https://archive.org/stream/bub_gb_XPMOAAAAYAAJ#page/n421/mode/2up

Danach enthält Cgm 1955 außer der Beschreibung der Hochzeit und des Begräbnisses Georgs auch den Bericht zur Bestattung Ruprechts und den Reimspruch.

Den Reimspruch weist er auch für Cgm 5009 nach, Augustin Kölners Geschichte des Landshuter Erbfolgekriegs.

Liliencron druckte den Reimspruch als Nr. 232 nach dem Cgm 1586:

https://books.google.de/books?id=sJcTAAAAQAAJ&pg=PA495

Seine falsche Blattangabe 390 hat Frieder Schanze in seinem Artikel zum Landshuter Erbfolgekrieg (²VL 5, 1985, Sp. 551) in die Irre geführt. Er vermutete, der Text befinde sich nicht mehr in der Handschrift, obwohl er (was er in Bd. 11 des ²VL nachtrug) sehr wohl in dieser Tegernseer Nachrichtensammlung

http://www.handschriftencensus.de/10044

vorhanden ist. Siehe die Beschreibung von Karin Schneider zu Bl. 390rv

http://www.manuscripta-mediaevalia.de/hs/katalogseiten/HSK0189_a277_JPG.htm

und schon Chmel 1850

https://books.google.de/books?id=01URAQAAMAAJ&pg=PA618

Weder stimme ich Schanze zu, dass sich der Spruch bei Liliencron Nr. 232 gegen das Ständeregiment wendet, noch finde ich es vertretbar, den Datierungshinweis "1504 in novo anno" (am Ende des Cgm 1586. in den Noten bei Liliencron) unter den Tisch fallen zu lassen. Der Text ist wohl um den 1. Januar 1504 herum entstanden.

Zu spekulativ erscheint mir, aus dem königlichen "Potten", der Pfalzgraf Friedrich begleitete, einen Poeten zu machen, denn der Einritt im November 1504 erfolgte ja beinahe ein Jahr nach der Entstehungszeit des Reimspruchs. Aber der Text ergreift durchaus die Partei König Maximilians.

Außer Cgm 1586 überliefern auch die Cgm 1955, 1956 und 5009 den Reimspruch. Vermutlich gibt es noch weitere Handschriften.

Zur Publizistik des Landshuter Erbfolgekriegs siehe hier auch: Ein unbeachtetes historisches Ereignislied aus dem Landshuter Erbfolgekrieg
http://archiv.twoday.net/stories/1022216187/

[und http://archiv.twoday.net/stories/1022415382/ ]

#forschung

#fnzhss


Leider sind die biographischen Artikel im Marburger Frühhumanismus-Repertorium nicht selten schlecht recherchiert.

http://mrfh.de/0039

Über Wilhelm von Hirnkofen, der 1478 Enea Silvio Piccolominis 'De miseriis curialium' ins Deutsche übertrug und im gleichen Jahr seine erfolgreiche Schrift "von bewarung und beraitung der wein", eine Kompilation des 'Liber de vinis' Arnolds de Villanova und des 'Tractatus de vino et eius proprietate' Gottfrieds von Franken, dem Nürnberger Rat widmete, liest man dort:

"Geboren wurde Wilhelm um die Mitte des 15. Jahrhunderts und wuchs nach eigenen Angaben in Ulm auf. Um 1478 war er als Berittener im Dienst der Stadt Nürnberg tätig, 1479-88 ist er eben dort als Jurist urkundlich bezeugt. Seine Anstellung als Stadthauptmann ist hingegen nach Worstbrock nicht ausreichend belegt. Zwischen 1488 und 1491 war Wilhelm Landvogt in Höchstadt/Aisch, wo er auch starb."

Von der genannten Literatur sind kostenfrei online:

Joachimsohn: Frühhumanismus in Schwaben, WVjh 1896, S. 114-116
http://www.mgh-bibliothek.de/etc/zeitschriftenmagazin/WVLG_NF_05_1896.pdf

Herrmann: Reception des Humanismus in Nürnberg, 1898, S. 54-58 (im MRFH mit zwei bibliographischen Fehlern: Hermann und Rezeption)
https://archive.org/stream/diereceptiondes00herrgoog#page/n70/mode/2up

Hamm, MVGN 1989, S. 111
http://periodika.digitale-sammlungen.de/mvgn/Blatt_bsb00000992,00000.html

Schneider, Deichsler 1991, S. 31
http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn:nbn:de:bvb:20-opus-35483

In der Vorrede seiner Villanova-Bearbeitung nennt sich Wilhelm von Hirn(n)kofen genannt Renwart. Als seinen verstorbenen Vater nennt er Jorig von Hirnkofen, der seinen Beinamen "Rennwart" bei Eroberung der Nürnberger Burg empfangen habe (also wohl beim Überfall durch Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt 1420). Er habe etwa 30 Jahre der Stadt Ulm gedient und sei dort auch gestorben.

Digitalisat der Esslinger Erstausgabe:
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00035103/image_7

Der Artikel über Wilhelm von Hirnkofen im Nürnberger Künstlerlexcikon 2 (2007), S. 662 hätte nicht übergangen werden dürfen.

https://books.google.de/books?id=hoRcf4LFZUcC&pg=PA662

Der dort genannte Aufsatz Ursula Timann: Ruprecht Heller, Bürgermeister von Wasserburg und seine Frau Barbara. Die Familien Heller und von Hirnkoffen und die "Schlacht bei Pavia" in Stockholm. In: Heimat am Inn (Wasserburg) 14/15 (1994/95), S. 107-148 liegt mir nicht vor.

Wilhelm erscheint nach dieser Quelle erstmals 1468 als Siegler von Lauinger Urfehdeurkunden, war Landvogt von Höchstädt (nicht: Höchstadt!) und starb 1494/1502.

Wilhelms Vater finde ich in Burgermeisters Thesaurus
https://books.google.de/books?id=RfpdAAAAcAAJ&pg=PA549
als "von Hirnkhofen, oder Herikofer, genannt Rennwart, Jörg zu Ulm gesessen" zu 1433/44. 1456 ist Georg von Hirnkofen Vogt zu Leipheim:
http://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Sueviae:_Leipheim

Im gleichen Jahr erklärte er Dinkelsbühl die Fehde:
https://books.google.de/books?id=XowNAAAAQAAJ&pg=PA36

1462 September 6 siegelt er in einer Lauinger Urfehdeurkunde als "Jörg Hirnkouer", JHVD 1968
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003557-0124-8
Letztmals 1468 August 29 (ebd., Nr. 330)

Beleg in den RTA:
Google Books

Primbs teilte in der Archivalischen Zeitschrift NF 8 (1899), S. 263 als Siegel eines Hans Hirnkofer 1409 ein "Ochsengewaff mit Grind" mit. Das gleiche Siegel habe 1425 ein Georg genannt Rennewart geführt.
https://archive.org/stream/archivalischeze05haupgoog#page/n540/mode/2up

Eine ansprechende Vermutung stammt von Paul Joachimsohn: Der Ulmer Städtehauptmann ca. 1440 Jörg Rennwart sei mit dem Vater von Wilhelm von Hirnkofen identisch.

https://www.google.de/search?tbm=bks&hl=de&q=%22j%C3%B6rg+rennwart%22

Nach welchem Ort Hirnkofen sich die Familie nannte, ist unklar. Weder die niederbayerischen Hirnkofen noch Irnkofen bei Regensburg sind aus meiner Sicht angesichts der schwäbischen Belege wahrscheinlich.

Belege für Wilhelm

1468 Mai 16 siegelt erstmals in Lauinger Urfehde, JHVD 1968
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003557-0126-0
nochmals 1474 Mai 12 (ebd., Nr. 363).

1474 Wilhalm von Hirnkoven genannt Rennwart, zu Lauingen gesessen
https://books.google.de/books?id=phFTAAAAcAAJ&pg=PA494

1487 Februar 15 Wilhalm von Hyrnkhoven, Landvogt zu Höchstädt, bei Oblinger, Höchstädter Urkunden im JHVD 1901
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003514-0015-6
Letzter Beleg ebd. 1493 Juni 28 (ebd. Nr. 180).

1489 Januar 8 Statthalter für Herzog Georg von Bayern und Graf Joachim von Öttingen RTA Mittl. Reihe 3 (1972), S. 577.

1494 wird als Höchstädter Landvogt mit dem Schloss Baumgarten belehnt, Lausser im JHVD 1992
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003581-0161-7

1494 Mai 5 Schwager der Elisabeth Raminn (wg. Gütern zu Merdingen)
http://www.regesta-imperii.de/id/1494-05-05_2_0_14_1_0_3011_3004
ebenso 1495 Sept. 28
http://www.regesta-imperii.de/id/1495-09-28_7_0_14_1_0_2489_2484

1495 kauft Güter zu Rieder, Lausser im JHVD 1986
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003575-0028-5

1495 kauft Güter zu Windhausen, die sein Sohn 1533 an Raimund Fugger verkaufte (ebd.)
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003575-0029-3
1533 trifft zu (nicht 1553, wie Lausser 1992 schrieb)
https://books.google.de/books?id=lg4rAQAAIAAJ&q=windhausen+hirnkofen

1495 war Wilhelm also noch am Leben.

Den jüngeren Wilhelm (siehe unten) betreffen die folgenden Belege:

1540 Darlehen von 6000 Gulden an Ottheinrich, JHVD 1903
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003516-0116-8

1545/46 Geldgeber JHVD 1902
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003515-0103-9

Georg der Jüngere

1491 der Jüngere genannt Rennwart
https://books.google.de/books?id=Aq1KAAAAcAAJ&pg=PA604
Diener 1501
https://books.google.de/books?id=Mhs3AAAAYAAJ&pg=PA83
Müllners Annalen
https://books.google.de/books?id=5fXiAAAAMAAJ&q=%22genannt+rennwarth%22
Pfleger zu Hilpoltstein, gestorben 1530, verheiratet mit Margaretha Spengler
https://books.google.de/books?id=zoP9ScDM0KUC&pg=PA387
https://books.google.de/books?id=-RtBAAAAcAAJ&pg=PA24
1510 März 11 Jorig von Hirnkofen gen. Reuwart Pfleger zum Hiltpoltstein
nach http://www.gda.bayern.de/findmitteldatenbank/
1527
https://books.google.de/books?id=BGQLAAAAQAAJ&pg=PA305

Dr. Diepolt/Theobald genannt Rennwart
markgräflicher Kanzler, Stadtpfarrer von Hof, Jurist der Reichsstadt Regensburg
https://books.google.de/books?id=7-k6AQAAIAAJ&pg=PA367 (Gefangennahme als Kanzler 1508)
https://books.google.de/books?id=G3YKAAAAIAAJ&pg=PA180 (1509 Kanzler)
https://books.google.de/books?id=q_c8u1QhMvcC&pg=PA115&lpg=PA115 (1517)
https://books.google.de/books?id=-I9mAAAAMAAJ&q=%22gen+rennwart%22 (Heimkofen)
https://books.google.de/books?id=twiJAAAAMAAJ&q=heimkofen (Heimkofen)
https://books.google.de/books?id=zBvZAAAAMAAJ&q=%22genannt+rennwart%22 (Gutachten)
https://books.google.de/books?id=hxloAAAAMAAJ&q=%22genannt+rennwart%22 (Kist zur Pfarrei Hof)
http://www.hospitalkirche-hof.de/Download/Pfarrbeschreibung1915.pdf (Pfarrer Hof)
https://books.google.de/books?id=ButDAAAAcAAJ&pg=PA419 (ca. 1521 in Regensburg)

Dr. jur. Johannes
Seine Schwester heiratete Georg von Hornstein, er selbst eine uneheliche Tochter des Grafen Hugo von Montfort. Er wurde von der Stadt Lauingen gefoltert. Im Rahmen des deswegen geführten Prozesses 1536/43 tritt auch sein Bruder Wilhelm (ca. 53 Jahre), Hofmeister der Grafen von Ortenberg in Österreich auf.
https://archive.org/stream/DieVonHornsteinUndVonHertensteinErlebnisse#page/n313/mode/2up
1493 imm. Ingolstadt
https://books.google.de/books?id=lqRbAAAAcAAJ&pg=PA53

Zur Herrschaft derer von Hirnkofen in der Markgrafschaft Burgau:
"Die Brüder Hirnkofen appellieren gegen das Urteil, da ihnen in den Ortschaften Rieder, Windhausen und Baumgarten die Obrigkeit und die hohe und niedere Gerichtsbarkeit zustehen würden" (Münchner RKG-Akten
https://www.google.de/search?q=hirnkofen+rieder+windhausen&tbm=bks )

Urfehde des Michael Hirnkover (ca. 1537?)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg171/0108

Aufgrund des auf Jörg zurückgehenden Beinamens Rennwart darf man wohl Jörg d. J., Wilhelm d. J. und die Doktoren Johann und Theobald als Söhne des Übersetzers Wilhelm ansetzen.

Die ständische Einordnung der Familie ist angesichts der fehlenden Belege vor 1400 schwierig. Sie gehört eher an den unteren Rand des niederen Adels.

Nachtrag 8. März 2015: Frau Timann hat mir liebenswürdigerweise ein Exemplar des Jahrbuchs Heimat am Inn 1994/95 übersandt. Wie zu erwarten ergeben sich aus ihrem gründlichen Beitrag etliche Ergänzungen.

Timann geht vom Allianzwappen auf dem Gemälde der Schlacht von Pavia im Nationalmuseum aus. Barbara Hirnkoffer (Wappen: Hirnschale mit Hörnern) war mit dem noch in der Objektdatenbank

http://collection.nationalmuseum.se/eMuseumPlus?service=ExternalInterface&module=collection&objectId=17222&viewType=detailView

irrtümlich als Maler angesehenen Rupert Heller dem Jüngeren zu Wasserburg, der zeitweilig auch als Bürgermeister amtierte, verheiratet und starb am 24. November 1553. Eine Einordnung ins Stemma der Familie gelingt jedoch nicht.

Timann kann weitere Belege zu Wilhelms von Hirnkofen Tätigkeit als Anwalt bzw. Rechtsberater in Nürnberg 1478-1483 beibringen (S. 123-125). Am 16. November 1502 war er bereits tot.

Nach dem Stemma S. 134 waren die von mir genannten Geschwister Dr. jur. Theobald (gestorben 1522), Dr, jur. Johannes (gestorben nicht vor 1537) und Wilhelm der Jüngere Söhne des Übersetzers Wilhelm.

1502 vertrat Dr. Theobald auch seine Brüder Christoph, Hans, Wilhelm, Sebald und Sigmund (S. 125). Daher ist es schlüssig, Georg nicht als Sohn Wilhelm des Älteren anzusehen. Den jüngeren Georg sieht Timann in dem 1477 in Ingolstadt immatrikulierten "Georg Hirnkofer de Hirnkofen alias Renbart", der 1490 in Nürnberg und später in Hilpoltstein erscheint (S. 129).

Die Lauinger Belege eines Jörg 1462/69 bezieht Timann auf einen älteren Bruder Wilhelms, während ich mir auch vorstellen könnte, dass sich die Belege für einen Jörg von 1420 bis 1469 auf Wilhelms Vater beziehen. Der wohl um 1460 geborene Jörg der Jüngere müsste dann aber im hohen Alter gezeugt worden sein. Um diese Konsequenz zu vermeiden, könnte man die Belege bis 1444 auf Jörgs/Wilhelms Vater, die ab 1456 auf einen Bruder Jörg (II) zu beziehen. 1490 bat Georg von Hirnkoffen den Nürnberger Rat in einer Fürschrift für seinen gleichnamigen Sohn. 1493 setzte sich der Abt von Königsbronn Elias Seng für den Sohn Georg seiner Schwester ein (S. 143 Anm. 94). Diese Belege erweisen, dass zwischen dem Jörg I. (spätestens 1478 tot) und Jörg III. (gestorben 1530) ein weiterer Jörg II. einzuschieben ist, der 1490 noch lebte.

Laut Totenschild im Martinsmünster zu Lauingen starb am 2. Juni 1559 Wilhelm von Hirnkofen als letzter seines Geschlechts (Abbildung Timann S. 131). Da das Wappenargument Timanns gegen die Identifizierung mit Wilhelm dem Jüngeren (oben bis 1546 im Raum Lauingen belegt) nicht zwingend ist, tendiere ich nicht dazu, in diesem Familienmitglied den Sohn Georgs (III.) zu sehen.

#forschung


Das Goldene Jahrhundert der Reichen Herzöge (= Schriften aus den Museen der Stadt Landshut 34). Landshut: Museen der Stadt Landshut 2014. 352 S. mit zahlreichen, überwiegend farbigen Abbildungen.

Inhaltsverzeichnis
http://d-nb.info/1065395655/04

Am 1. März 2015 endete in Landshut eine bemerkenswerte Ausstellung über die Kultur in Bayern im 15. Jahrhundert. Flyer:

http://www.landshuter-hochzeit.de/fileadmin/pdf/Das-Goldene-Jahrhundert-der-Reichen-Herzoege.pdf

Gewohnt opulent dokumentiert ein Aufsatzband mit ausgezeichneten Reproduktionen den wissenschaftlichen Ertrag der Ausstellung. S. 341-347 steht ein allzu dürres Verzeichnis der Exponate, das noch nicht einmal Abbildungen im Band nachweist. Es ist eine Unsitte, solche Listen an die Stelle eines Katalogs mit Beschreibung der Objekte und Literaturangaben zu setzen:

http://archiv.twoday.net/stories/1022401066/

Der thematisch verwandte Katalog "Ritterwelten im Spätmittelalter" (Landshut 2009) war dagegen ausgesprochen ertragreich gerade in seinem Katalogteil.

Neben einigen historischen Beiträgen (Klaus Wolf über Ludwig den Bayern, Stefan Dicker über bayerisches Landesbewusstsein, Claudia Märtl über Herzog Ludwig den Reichen, Dr. Martin Mair und Eneas Silvius Piccolomini, Dorit-Maria Krenn zu Straubing als Residenz, Beatrix Schönewald zu Bayern-Landshut und Bayern-Ingolstadt) steht die Sachüberlieferung und die Kunstgeschichte im Vordergrund. Herausgreifen möchte ich die Ausführungen von Gerd Riedel/Claus Vetterling über eine archäologisch nachweisbare Ingolstädter Hafnerei, die durch ihre profanen Themen auffällt (S. 124-132). Mehrere Aufsätze widmen sich der berühmten Landshuter Hochzeit 1475 und ihrem Umfeld.

Zwei Personen aus dem 15. Jahrhundert werden detailliert porträtiert. Thomas Stangler bearbeitet den Kleriker Caspar Westendorfer (gestorben 1480/81), der unter anderem als Pfarrherr in Landshut amtierte. Max Tewes: "Ritter - Pilger - Fürstendiener" gilt dem Marschall Ulrich von Breitenstein (gestorben 1487), dessen Testament aus dem Jahr 1483 erhalten blieb.

Zu kurz kommt die literarische Überlieferung. Auch wenn Jakob Püterich von dem Landshuter Museumsleiter Franz Niehoff in seinem Vergleich zwischen Landshut und München S. 265 erwähnt wird, zeigt das unkritisch verwendete Etikett "Ritterromantik", dass dieser Themenbereich eher stiefmütterlich bearbeitet wurde.

Siehe dazu
http://archiv.twoday.net/stories/1022403078/
http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:hebis:30-1137944

Verena Linseis bespricht kurz einen Reimspruch des Nürnbergers Hans Rosenplüt "Auf Herzog Ludwig von Bayern" aus dem Jahr 1460, der als Vorlage für das "Huldigungslied der Zünfte" der revitalisierten Landshuter Hochzeit diente (S. 329-331). Auf das Digitalisat der einzigen Dresdener Handschrift

http://digital.slub-dresden.de/id276819853/249

hätte sie hinweisen sollen.

Aus der Abrechnung des Landshuter Kammermeisters Hans Regeldorfer ediert Max Tewes S. 319-321 die Einträge zu den Musikern auf der Landshuter Hochzeit 1475 (Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Herzogtum Bayern, Ämterrechnungen bis 1506, Nr. 509, Bl. 31v-33v). Die Heinemeyer'schen (=Schultze'schen) Editionsrichtlinien sind alles andere als "state of the art"!

S. 321 heißt es "Item Elsosser herolt geben das er weiter in die land wanndern wil ex iussu domini 6 gld r". Hingewiesen wird zu dem Herold Elsässer [den ich nicht mehr für Rüxner halte] auf meinen Beitrag zum Katalog "Ritterwelten", aber Tewes hat leider übersehen, dass ich dieser Person (bzw. weiteren Namensträgern) am 13. April 2012 einen eigenen Forschungsbeitrag gewidmet hatte:

http://archiv.twoday.net/stories/96992064/

Schließlich noch eine Kleinigkeit: Redakteure sollten darauf achten, dass bei Internetadressen nur die vorgesehenen Permanentlinks Verwendung finden. Es ist eher peinlich, wenn S. 93 Anm. 26 und S. 191 Anm. 72 völlig überflüssiger URL-Müll in der Anmerkung steht, obwohl das MDZ dauerhafte Zitierlinks anbietet. Siehe dazu

http://archiv.twoday.net/stories/706566279/

Ein Register ist leider nicht vorhanden!


Es gibt Nachträge zu

http://archiv.twoday.net/stories/1022223008/


Reinhards Buch (mit Ausgabe der Chronik des Matthäus Marschalk von Pappenheim) ist nun auch in Düsseldorf verfügbar:

http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/id/8175944

Siehe auch
Klaus Graf: Hohengeroldsecker Akten. Ein Beitrag zur badischen
Archivgeschichte, in: Die Ortenau. Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden 70 (1990), S. 101-127
Online (Scan mit OCR):
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau1990/0101
Online (E-Text, Preprint-Fassung)
http://web.archive.org/web/20040601054009/http://www.badische-heimat.de/archiv/graf.pdf

Die ULB Düsseldorf hat das Urkundenbuch digitalisiert

http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/id/7969704

http://www.swp.de/reutlingen/lokales/reutlingen/Namen-des-alten-Stadtpatrons-gewaehlt;art1158528,3068201

"Die bisherigen katholischen Pfarreien Bruder Klaus und Heilig Geist - samt deren Filialgemeinden St. Johannes und St. Michael - wurden zum Jahresbeginn offiziell aufgelöst und finden sich nun als gemeinsame St.-Lukas-Gemeinde wieder. [...]

Und wie kam es zur Namensgebung? Über 50 Teilnehmer diskutierten darüber. Beinahe wäre es Mutter Teresa geworden. Doch am Ende einer Predigtreihe erhielt der Evangelist Lukas den Zuschlag, ein Votum der Kirchgänger, also auch nicht etwa "von oben" verordnet. "Lukas ist ja nun auch der Mutige, der das Grenzenlose propagiert", so Dangel. "Und er ist ein Mann der Ökumene." Was viele Leute nicht mehr wüssten: Lukas ist auch der alte Stadtpatron Reutlingens."

Das ist ersichtlich aus der Luft gegriffen, denn auch dem Stadtarchiv Reutlingen ist nach freundlicher Auskunft von Roland Deigendesch kein ensprechender Anhaltspunkt in den Quellen bekannt.

Vermutlich war wieder einmal das Internet schuld:

https://www.heiligenlexikon.de/BiographienL/Lukas.html
http://www.kathpedia.com/index.php?title=Lukas_%28Evangelist%29

(ebenso im Lexikon der christlichen Ikonographie). Quelle ist das Buch von Kerler, das für seine erfundenen Ortspatronate berüchtigt ist:

https://archive.org/stream/diepatronatederh00kerluoft#page/240/mode/2up

Lukas soll Ortspatron von Bologna, Padua, Reutlingen und Spanien sein.

Zu Bologna (San Petronio)
http://www.mpasceri.it/sito/patroni/zb_patroni.asp

Zu Padua (andere Heilige):
http://www.mpasceri.it/sito/patroni/zp_patroni.asp

Zu Spanien:
https://es.wikipedia.org/wiki/Anexo:Santos_patronos_de_localidades

Also keinerlei Bestätigung für Kerlers Angaben!

Bei Broc de Segange (II, 1887) steht zu St. Lukas nichts von den genannten Ortspatronaten:

https://archive.org/stream/lessaintspatrons02dubr#page/360/mode/2up

Immer wieder narren Kerlers unbelegte und aus der Luft gegriffene Ortspatronate Öffentlichkeit und Forschung. Die Devise kann bei den dort genannten Patronaten nur lauten: Finger weg!

Annelen Ottermann fragte in der ML Provenienz nach dem Exlibris

http://archivalia.tumblr.com/post/111656779260/exlibris-saec-xix
http://www.museuminzicht.be/public/collecties/obj_detail/index.cfm?id=smsnEC.1994.71.4385

Aus meiner Antwort:

Bei Prov.-Einträgen in die GND sollte die Nummer bei Warnecke angegeben werden, hier:

http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00004657/image_205

Ernsthafte Zweifel, dass sich das Exlibris nur auf den westfälischen Historiker Suitbert Seibertz bezieht, hege ich nicht.

http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=119473674

So auch das Stadtarchiv Geseke in seiner Archivgeschichte S. 22

http://www.lwl.org/waa-download/publikationen/TUA_17.pdf

Das Exlibris ist erst ab dem Erwerb von Schloss Wildenberg durch Seibertz im Jahr 1817 möglich und nicht nach seinem Umzug nach Arnsberg ca. 1837, bei dem er Sammlungen und Bibliothek mitnahm:

http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Suibert_Seibertz

Nach seinem Tod wurde die Bibliothek 1874 in Köln öffentlich versteigert:

https://books.google.de/books?id=jC9oAAAAMAAJ&q=Johann+Suibert+Seibertz+"bibliothek"

Universitäts- und Stadtbibliothek Köln: Auktionskatalog der Seibertz-Bibliothek (Druck, aber nicht im OPAC):

https://books.google.de/books?id=eR9oAAAAMAAJ&q=lempertz

Soweit der Auszug aus meiner Antwort. Über Archivalienentfremdungen durch Seibertz unterrichtet das angegebene PDF von Evelyn Richter (2004) insbes. S. 94.

Die Reproduktion in Tumblr entstammt dem Verkaufskatalog

http://www.ex-libris-jacques-laget.fr/fr/catalogue/

der eine riesige Auswahl an Exlibris ohne Wasserzeichen und in brauchbarer Größe abbildet.


Das Gewann »Hundsfeld« unweit des Kulturwehrs bei Marlen gehört zu Eckartsweier (bei Kehl bzw. Straßburg) und erinnert an ein einstiges Dorf, das im 16. Jahrhundert aufgegeben wurde.

Ein Artikel in Baden Online
http://www.bo.de/lokales/kehl/kein-hinweis-mehr-aufs-dorf
zitiert aus einer heimatgeschichtlichen Darstellung: "Die verarmten Einwohner trieben lichtscheues Handwerk, überfielen Warenzüge und Rheinschiffe, so dass über 30 Bürger 1540 und 1541 von den Straßburgern und den Grafen von Hanau hingerichtet wurden"

Historische Namensabelege bietet Kriegers Topographisches Wörterbuch:

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/krieger1904bd1/0556

Zur Ortsgeschichte erfährt man etwas in der umfangreichen namenkundlichen Untersuchung, die Erwin Dittler in der Ortenau 1988 Hundsfeld widmete.

http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau1988/0070

Heute wäre man womöglich stolz, dass Wilhelm Genazinos, der spätere Büchnerpreisträger, in der FAZ 1967 einen angeblich haarsträubenden Artikel "Landschaft für Morde" publiziert hatte. Vielleicht wusste Genazino von der Tradition rund um Hundsfeld/Hundsfelden.

Schon Johann Andreas Silbermanns Straßburger Geschichte 1775 nannte das Dorf eine "weit und breit verschreyte Mörder-Grube".

https://books.google.de/books?id=mOVBAQAAMAAJ&pg=PA222

1855 bezog sich Joseph Schaible auf die Chronik Sebald Bühlers (die 1870 untergehen sollte) und zitierte wörtlich aus ihr über Hinrichtungen der Gefangenen der geheimen Hundsfelder (Mörder-)Gesellschaft 1540. (Bei Monika Spicker-Beck, Räuber, Mordbrenner, umschweifendes Gesind, 1995, finde ich dazu nichts, aber diese Arbeit ist natürlich für den größeren Kontext zentral.)

https://books.google.de/books?id=a6w_AAAAYAAJ&pg=PA58

Alle Einwohner zu Hundsfelden seien Mörder gewesen bis auf den Priester und den Mesner (Siegerist), schreibt der Chronist.

Diverse Exzerrpte aus heute verlorenen Straßburger Chroniken wurden publiziert.

Straßburger Jahrgeschichten bei Mone, ganz kurz zu 1541
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/mone1854-2/0147

Ruppert S. 305f.
http://access.bl.uk/item/pdf/lsidyv36870c06

Specklins Sammlungen Nr. 2359
https://archive.org/stream/pourlaconser2v14soci/#page/354/mode/2up

Weiteres Exzerpt zu 1540 im gleichen Bulletin 1911
http://hdl.handle.net/2027/mdp.39015068474827?urlappend=%3Bseq=374 (US-Proxy!)

Auch in einer lateinischen Chronik des Klosters Schuttern erscheint Hundsfelden als wegen der Räubereien berüchtigt, ed. May, ZGO 1893, S. 288
https://archive.org/stream/zeitschriftfrdi14langoog#page/n347/mode/2up

Aus Straßburg oder dem Offenburger Raum gelangte die Nachricht zu 1540 auch zu Martin Crusius:

https://books.google.de/books?id=8SdLAAAAcAAJ&pg=RA1-PA77

Sprichwörtlich war - zwei Belegen bei Fischart zufolge - der Schultheiss von Hundsfelden, der mithetschen musste (also den anderen bei der Hinrichtung nachfolgen). Er wurde nach den obigen Quellen in Lahr hingerichtet.

https://books.google.de/books?id=4jc1AQAAMAAJ&pg=PA679 (Wanders Sprichwörterlexikon)
https://archive.org/stream/neudruckedeutsc03opitgoog#page/n43/mode/2up (Stelle in der Geschichtklitterung ed. Alsleben 1891)
https://books.google.de/books?id=kD0bAAAAYAAJ&q=hundsfelden+m%C3%B6rder (Ulrich Seelbach)
https://archive.org/stream/narrenschiff00bran#page/420/mode/2up/search/bennfeldt

Auch der Schwankautor Valentin Schumann kannte in der Mitte des 16. Jahrhunderts die Überlieferung vom Dorf Hundsfelden, in dem alle außer dem Pfaffen und Mesner Schelmen und Mörder gewesen seien.

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=File%3ABLV_197_Valentin_Schumann_Nachtbuechlein.pdf&page=63

Was sich auf die Ereignisse um 1540 zu beziehen scheint, ist aber keine Beschreibung des Tatsächlichen, sondern literarisches Traditionsgut, das schon um 1500 bei Ladislaus Sunthaim begegnet.

http://archiv.twoday.net/stories/1022396976/

Sunthaim überrascht immer wieder mit unterhaltsamen Anekdoten oder Details. Bis zu Uhdes mehr schlechter als rechter Transkription 1993 waren nur Auszüge gedruckt, daher konnte man bisher nicht auf den früheren Beleg stoßen, der in der um 1500 entstandenen Landesbeschreibung Bl. 20v bei der Ortenau/Mortenau steht (bei Uhde S. 241).

http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz382057457/page/42

Früher habe die Landschaft Ortenau geheißen, aber wegen der vielen Mörder nun "Mortnaw". Vorzeiten seien in einem Dorf Hundsfelden am Rhein alles Mörder gewesen, Frauen und Männer, jung und alt, nur der Pfarrer und Mesner nicht. Und wenn sie einen oder mehrere gemordet hatten, so sind sie zum Wein gegangen und einer hat zum anderen gesagt: Wieviele Eier hast du heute ausgesoffen? Der andere sagte: eines und habe die Schalen in den Rhein geworfen, ein dritter: ich habe zwei oder drei ausgesoffen.

Der grausige Dialog, der das Ermorden von Menschen mit dem Austrinken von Eiern gleichsetzt, will durch den Euphemismus das Ungeheuerliche der Verbrechen unterstreichen.

Man beachte, dass Sunthaim sich auf einen vergangenen Zustand bezieht, während die Quellen um 1540 die Stigmatisierung der Einwohner aktualisieren und auf gegenwärtige Verbrechen beziehen. Ob der schlechte Ruf der Einwohner ein fundamentum in re hatte, muss offen bleiben. Es war vielleicht, ausgehend von Einzelfällen, nur eine üble "Ortsneckerei" (ähnlich wie die Stigmatisierung des unterelsässischen Dalhunden als Schnapphahnnest

http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/ortenau1988/0070 ).

https://de.wikipedia.org/wiki/Ortsneckname

#forschung
#erzählforschung

Hundsfeld auf der Elsasskarte 1576

 

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