Leider hat sich auf meine Anfrage nur Herr Wolf geäußert, obwohl sich das Problem in jedem Archiv stellen dürfte:
http://archiv.twoday.net/stories/16605093/
Also habe ich mich zum Umgang mit Klarsichthüllen sowie Post-its und angetackerten kleinen Zettelchen etwas umgehört.
Bundesarchiv Koblenz - Referat 2 Herr Ganser: Das Bundesarchiv ist von der aufwändigen Klebebindung für Akten abgekommen, Akten werden lose in alterungsbeständigen Mappen aufbewahrt. Solche Akten werden v.a. bei der Verfilmung foliiert. Die meistbenutzten Bestände werden ohnehin nur als Film bei der Benutzung vorgelegt. Post-It würde er durch alterungsbeständige Kopie ersetzen, angetackerte Zettel mit säurefreiem Klebeband ankleben. Das Archiv verwendet Filmoplast von Neschen.
Das Universitätsarchiv Bonn (Thomas Becker) ist mit der auch in Aachen praktizierten Schlauchheftung sehr zufrieden. Bei Klarsichthüllen wird die Siegener robuste Variante gewählt: Herausnehmen und Lochen. Post-Its bleiben in den Akten, angetackerte Zettelchen werden lose eingelegt.
Aus der Sicht eines Restaurators gab der Leiter der Restaurierungswerkstätten der "Grundsätze der Bestandserhaltung – Technisches Zentrum" des Landesarchivs (Münster), Matthias Frankenstein, Auskunft. Ihm sei auch für die Übersendung von Fotos für die Veröffentlichung gedankt, Frau Horn und Frau Schwaffertz vom Hochschularchiv Aachen für die Anonymisierung der auf den Fotos (Kassanda) erkennbaren Namen.
Er ist ein erklärter Gegner der Schlauchheftung. Die Papiere brechen aufgrund der mechanischen Belastung aus. Allerdings konzedierte er, die Archivwelt sei gespalten: Bestandserhaltung vs. Verunordnung. Nicht in der Benutzung, sondern intern in der Restaurierungswerkstatt helfe ein von einem Schreiner selbstgebauter "Aktenbock", damit die Blätter akkurat aufeinander liegen.


Ganz sicher besteht ein erhöhtes Risiko bei der Benutzung: Benutzer können auch ohne böse Absicht die Reihenfolge der Blätter durcheinanderbringen. Sind diese nicht foliiert, kann die richtige Reihenfolge nicht mehr hergestellt werden.
Das Foliieren soll am besten im Vieraugenprinzip und automatisch (z.B. "Numeroteur") erfolgen, so Frankenstein.
Das in Siegen und Bonn praktizierte Lochen vormals nicht gelochter, in Plastikhüllen untergebrachter Unterlagen findet Frankenstein "absolut fatal". Dem schließe ich mich an: Insbesondere bei privaten Nachlässen besteht die Gefahr des Textverlustes, wenn kein ausreichender Heftrand (z.B. bei "platzsparend" kopierten Fotokopien) gegeben ist.
Post-It: Eine pragmatische Lösung könnte darin bestehen, den gefährlichen Klebestreifen durch Bekleben mit einem Stück alterungsbeständigen Papiers unschädlich zu machen und das Post-It mit einem archivtauglichen Kleber z.B. der Fa. Klug Tylose MH 300 zu befestigen.
Angetackertes: Von Filmoplast rät Frankenstein ab, stattdessen könne man beidseitig beschriebene Zettelchen mit einem Flügelfalz mit Archibond Tissuestreifen befestigen, was die folgenden Fotos veranschaulichen.



(E)
http://archiv.twoday.net/stories/16605093/
Also habe ich mich zum Umgang mit Klarsichthüllen sowie Post-its und angetackerten kleinen Zettelchen etwas umgehört.
Bundesarchiv Koblenz - Referat 2 Herr Ganser: Das Bundesarchiv ist von der aufwändigen Klebebindung für Akten abgekommen, Akten werden lose in alterungsbeständigen Mappen aufbewahrt. Solche Akten werden v.a. bei der Verfilmung foliiert. Die meistbenutzten Bestände werden ohnehin nur als Film bei der Benutzung vorgelegt. Post-It würde er durch alterungsbeständige Kopie ersetzen, angetackerte Zettel mit säurefreiem Klebeband ankleben. Das Archiv verwendet Filmoplast von Neschen.
Das Universitätsarchiv Bonn (Thomas Becker) ist mit der auch in Aachen praktizierten Schlauchheftung sehr zufrieden. Bei Klarsichthüllen wird die Siegener robuste Variante gewählt: Herausnehmen und Lochen. Post-Its bleiben in den Akten, angetackerte Zettelchen werden lose eingelegt.
Aus der Sicht eines Restaurators gab der Leiter der Restaurierungswerkstätten der "Grundsätze der Bestandserhaltung – Technisches Zentrum" des Landesarchivs (Münster), Matthias Frankenstein, Auskunft. Ihm sei auch für die Übersendung von Fotos für die Veröffentlichung gedankt, Frau Horn und Frau Schwaffertz vom Hochschularchiv Aachen für die Anonymisierung der auf den Fotos (Kassanda) erkennbaren Namen.
Er ist ein erklärter Gegner der Schlauchheftung. Die Papiere brechen aufgrund der mechanischen Belastung aus. Allerdings konzedierte er, die Archivwelt sei gespalten: Bestandserhaltung vs. Verunordnung. Nicht in der Benutzung, sondern intern in der Restaurierungswerkstatt helfe ein von einem Schreiner selbstgebauter "Aktenbock", damit die Blätter akkurat aufeinander liegen.


Ganz sicher besteht ein erhöhtes Risiko bei der Benutzung: Benutzer können auch ohne böse Absicht die Reihenfolge der Blätter durcheinanderbringen. Sind diese nicht foliiert, kann die richtige Reihenfolge nicht mehr hergestellt werden.
Das Foliieren soll am besten im Vieraugenprinzip und automatisch (z.B. "Numeroteur") erfolgen, so Frankenstein.
Das in Siegen und Bonn praktizierte Lochen vormals nicht gelochter, in Plastikhüllen untergebrachter Unterlagen findet Frankenstein "absolut fatal". Dem schließe ich mich an: Insbesondere bei privaten Nachlässen besteht die Gefahr des Textverlustes, wenn kein ausreichender Heftrand (z.B. bei "platzsparend" kopierten Fotokopien) gegeben ist.
Post-It: Eine pragmatische Lösung könnte darin bestehen, den gefährlichen Klebestreifen durch Bekleben mit einem Stück alterungsbeständigen Papiers unschädlich zu machen und das Post-It mit einem archivtauglichen Kleber z.B. der Fa. Klug Tylose MH 300 zu befestigen.
Angetackertes: Von Filmoplast rät Frankenstein ab, stattdessen könne man beidseitig beschriebene Zettelchen mit einem Flügelfalz mit Archibond Tissuestreifen befestigen, was die folgenden Fotos veranschaulichen.




(E)
KlausGraf - am Sonntag, 15. Mai 2011, 18:09 - Rubrik: Bestandserhaltung
Wolf Thomas meinte am 2011/05/15 19:55:
"Absolut fataler" Textverlust?
Meine Angaben war zwar extrem knapp, aber eigentlich sollte klar sein, dass beim "Ersatz"lochen tatsächlich auch Archivare darauf achten, Textverlust zu vermeiden.Die Schlauchheftung ist sicher nicht optimal, aber - leider - ist die Foliierung zeitlich aufwändiger und dies bei ohnenhin knappen Ressourchen.
Schönen Gruß aus den kommunalen Niederungen in die staatlichen Höhen!
KlausGraf antwortete am 2011/05/15 20:15:
Wenn man aber Textverlust nicht vermeiden kann?
Wenn an der Stelle, wo das Loch sitzen könnte, Text ist?
Wolf Thomas antwortete am 2011/05/15 21:23:
"Entnehmen und in Archivmappen lagern"Wahlweise in restauratorisch geeignete Papierbögen bzw. -hüllen. Diese Vorgehensweise schlägt übrigens die Restauratorin des ISG Frankfurt in der Facebook-Gruppe "Archivfragen" vor.
Gilt hier auch 2 Restauratren 4 Meinungen ...? ;-)
Jana Moczarski (Gast) antwortete am 2011/05/15 21:58:
Sind ja gar keine 4 Meinungen...nur Alternativen, zum Klebstreifen allerdings ein klares NEIN!
Jana Moczarski (Gast) antwortete am 2011/05/15 22:03:
Und Lochen, sowie das hinund herbewegen in der Schlauchheftung auch ganz klar eine mechanische Belastung. Lagerung in alterungsbeständigen Papierumschläge in kleineren Konvoluten...da dürft die Ordnung relativ gut gewährleistet sein.
jw (Gast) meinte am 2011/05/15 21:44:
badische Aktenheftung?
Was spräche denn gegen badische Aktenheftung, ist zwar ein wenig aufwendig, aber Textverlust tritt wohl kaum auf und Ordnung könnte man so auch halten.
Jana Moczarski (Gast) antwortete am 2011/05/15 22:23:
"Ein wenig" ist leider eine große Untertreibung bei den Massen an Schriftgut...halte ich für utopisch, leider.
jw (Gast) antwortete am 2011/05/16 16:27:
würde mich mal interessieren, ob das außerhalb der badischen Archive und der badischen Justiz (OLG-Bezirk Karlsruhe) und wahrscheinlich einigen badischen Kommunalarchiven noch anderswo praktiziert wird.Die badische Justiz scheint ja von der bad. Aktenheftung so begeistert zu sein, dass die Aktenlocher mittlerweile in der JVA Mannheim produziert werden, nachdem der letzte Badische-Aktenlocherfabrikant (ein wunderbares Wort) seine Werkstatt aufgegeben hat: http://de.wikipedia.org/wiki/Badische_Aktenheftung
Janus (Gast) meinte am 2011/05/16 09:29:
Es sollte doch klar sein, dass hier von Fall zu Fall entschieden werden sollte. Bei durchgänig gelochten und in Aktenordnern abgegebenen Unterlagen bietet es sich nur an, diese auf Archivklammern abzuheften. Wenn die jew. Einheit nicht gelocht ist, sollten die Papierbögen lose in Archivmappen eingelegt und paginiert werden. Eine Lochung ist doch fatal, erstens brechen die Löcher bei jeder noch so vorsichtigen Benutzung aus und zweitens sind vernünftige Reproduktionen verunstaltet (wer kennt Urkunden in deren Ecken etliche Nadeleinstiche von früheren Reprofotografien zu sehen ist? Das machte man doch tatsächlich z.T. ...)