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Landesgeschichte

Mäzene, Sammler, Chronisten. Die Grafen von Zimmern und die Kultur des schwäbischen Adels. Hrsg. von Casimir Bumiller/Bernhard Rüth/Edwin Ernst Weber. Stuttgart: Belser (Kommissionsverlag) 2012. 351 S. mit zahlreichen, überwiegend farbigen Abbildungen

Inhaltsverzeichnis:
http://d-nb.info/1022175092/04

Der opulente, herausragend illustrierte Katalog der 2002 in Meßkirch und Rottweil gezeigten großen Ausstellung über die Herren und späteren Grafen von Zimmern kann als aktuelles Standardwerk zu dieser bemerkenswerten Adelsfamilie gelten. An einen Aufsatzteil mit 16 Beiträgen schließt sich ein Katalog mit 70 Exponaten an. Höchst erfreulich ist die Existenz eines Registers.

Die Aufsätze behandeln einerseits Themen der Territorial- und Herrschaftsgeschichte, andererseits beschäftigen sich aber nicht weniger als vier Beiträge mit der berühmten Zimmerischen Chronik und einer mit dem überwiegend historiographischen Werk Graf Wilhelm Werners von Zimmern.

Nach einem Überblick zur Geschichte der Familie von Casimir Bumiller erörtert Hans Harter die ersten Belege vom 10. bis 12. Jahrhundert. Weitere Beiträge nehmen die Stammherrschaft am Oberen Neckar (von Carsten Kohlmann), die Herrschaften Oberndorf und Schramberg (Bernhard Rüth), das Verhältnis zur Reichsstadt Rottweil (Winfried Hecht), die Geschichte Meßkirchs (Volker Trugenberger) sowie Herrschaft, Besitz und Einkünfte der Grafen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (Edwin Ernst Weber) in den Blick. Am Ende des Aufsatzteils behandeln Stefan Uhl die Zimmerischen Burg- und Schlossbauten im 15. und 16. Jahrhundert und Karl Kimmisch/Werner Wittmann das Schicksal der Burg Herrenzimmern vom 16. bis 20. Jahrhundert. Das Lebensbild einer weiblichen Familienangehörigen, der letzten Zürcher Fraumünster-Äbtissin Katharina von Zimmern (gestorben 1547/48), zeichnet Peter Niederhäuser.

Nicht zum ersten Mal porträtiert Gerhard Wolf die Zimmerische Chronik als literarischen Text, während Clemens Joos ("Die Chronik als adliges Herkommen") natürlich Pflichtlektüre für jeden an aristokratischer Historiographie in der Frühen Neuzeit sein sollte. Wie schon in früheren Studien (siehe etwa
http://www.hohenzollerischer-geschichtsverein.de/userfiles/files/ZHG46_2010.pdf S. 193)
findet er mein Begriffspaar Herkommen und Exemplum fruchtbar (S. 142f.). S. 148f. kann Joos Neues zu dem Freiburger Professor Caspar Baldung (* um 1480 in Schwäbisch Gmünd), Genealogie-Experte und Bruder des Malers Hans Baldung Grien, beibringen. S. 321 Anm. 97 wird Archivalia mit

http://archiv.twoday.net/stories/38723979/

zitiert. Während Joos S. 155 meine Rüxner-Studie selbstverständlich zur Kenntnis nimmt, ignoriert Bumiller diese im Katalog S. 242f. Nr. 15. Das Register leistet sich die Dummheit, die gleiche Person sowohl unter Rixner als auch unter Rüxner aufzuführen.

Lesenswert sind aber auch die weiteren Arbeiten zur Zimmerischen Chronik: Elmar L. Kuhn über den schwäbischen Adel, Bernd M. Mayer über die Truchsessen von Waldburg. Zur Truchsessen-Chronik (Handschrift in Wolfegg, S. 293 Nr. 66) siehe auch meinen Artikel im Verfasserlexikon Humanismus:
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8759/

Unterstreichen möchte ich, was Kuhn S. 158 schreibt: "Vorrangiger Erfahrungs-, Denk- und Kommunikationsraum des Autors jenseits seiner Herrschaften ist das 'Land zu Schwaben'". Die Zimmerische Chronik war also auch als schwäbische Landeschronik konzipiert.

Unverständlich ist, dass die Erfassung der Barack'schen Ausgabe (2. Auflage) der Zimmerischen Chronik durch Wikisource im ganzen Band mit keiner Silbe erwähnt wird.

https://de.wikisource.org/wiki/Zimmerische_Chronik

Vor allem die historiographische Produktion Graf Wilhelm Werners von Zimmern (also an erster Stelle seine vielbändige Bistumschronik) steht im Mittelpunkt des Aufsatzes von Andreas Bihrer.

Zu den genealogischen Studien Wilhelm Werners hätte Bihrer die Arbeit des zu früh verstorbenen Rolf Götz zur Kenntnis nehmen müssen. Joos schreibt S. 150 mit vollem Recht, Götz habe "mit großer Akribie" den Inhalt eines "Heiratenbuchs" der Herzöge von Teck erschlossen (Wege und Irrwege frühneuzeitlicher Historiographie, 2007, S. 67-94).

Wie hielt es Wilhelm Werner mit dem Fälschen bzw. historischen Fiktionen? Bei Froben Christoph kleistern Wolfs ambitionierte Aussagen "zum Verhältnis von Fiktion und Wahrheit" (S. 138f.) ein wenig den nüchternen Befund zu, dass nicht überprüfbare Aussagen des Zimmern-Chronisten zum frühen und hohen Mittelalter weitgehend erfunden scheinen. Froben Christophs "Erfindungen" hat sich - nach wie vor lesenswert - schon Beat Rudolf Jenny (Graf Froben Christoph von Zimmern, 1959, S. 165) anzunähern versucht. Zu den Quellenfiktionen habe ich mich in meinem Aufsatz über Codexmythen und Codexphantasien (2010) geäußert:

http://archiv.twoday.net/stories/326528152/

Dass der angebliche Alpirsbacher Bildteppich mit Darstellungen aus der Geschichte des ersten Kreuzzugs eine Erfindung des Zimmern-Chronisten ist, hatte ich schon früher ausgesprochen

http://books.google.de/books?id=ANJxR14vsgwC&pg=PA200
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/527/1/Graf_Nachruhm_2002.pdf (S. 323)

Alan V. Murray hat in mehreren sich kaum unterscheidenden Aufsätzen mit der Quellenkritik der Kreuzzugs-Geschichtsklitterung in der Zimmern-Chronik befasst. Titelnachweise:

http://archiv.twoday.net/stories/444870012/

Online ist Murrays älterer Aufsatz von 1992

http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/article/rbph_0035-0818_1992_num_70_2_3824

Es ist das Verdienst von Rolf Götz, der mir seinen ausführlichen Brief an Murray vom 17. November 1995 zugänglich gemacht hat (kürzer die Monographie von Götz 2007, S. 73f., 81f.; im Zusammenhang dargestellt: Rolf Götz: Die Herzöge von Teck, 2009, S. 105-107), dass wir eindeutig wissen, dass sich schon der gelehrte Historiker Wilhelm Werner von Zimmern an diesem Kreuzzugs-Fälschungs-Komplex (ad maiorem gloriam familiae) mit eigenen Erfindungen beteiligt hat bzw. den Weg für die Fiktionen Froben Christophs gebahnt hat.

Schon im wohl um 1540 entstandenen Heiratenbuch Wilhelm Werners (ed. Götz, S. 69) erscheint jener anachronistische deutsche Heerführer Walter von Teck, als dessen Vorbild Murray den Franzosen Walter Sans-Avoir erweisen konnte. Dass viele treffliche Fürsten und Herren aus Deutschland am Ersten Kreuzzug teilnahmen sagt Wilhelm Werner in der Churer Bistumschronik (WLB Stuttgart HB V 33, Autograph, Bl. 50r). Erfunden hat Wilhelm Werner den in Alpirsbach begrabenen Gottfried von Zimmern und dessen angebliche Ehefrau Elisabeth von Teck (Götz 2007, S. 74).

Wilhelm Werner schreckte sogar nicht davor zurück, ein Erinnerungszeugnis zu fälschen. Die in einem Altar der Pfarrkirche Herrenzimmern aufgefundene Papierurkunde Wilhelm Werners vom 8. Januar 1546 regestierte Glatz in seiner Alpirsbacher Klostergeschichte:

http://archive.org/stream/geschichtedesklo00glatuoft#page/388/mode/2up

Friedrich von Zimmern habe - genannt wird das Datum 1100 - aus dem Heiligen Land vom Kreuzzug eine Reliquientafel mitgebracht, auf der links und rechts die Wappen Zimmern und Teck angebracht waren, die er seiner Schwägerin (Elisabeth von Teck) verehrt habe. Wilhelm Werner beurkundete, er habe dieses "verwurmte" Reliquiar restaurieren lassen. Da es damals noch keine Wappen gab (und natürlich auch nicht die genannten Personen), kann es kein solches hochmittelalterliche Reliquiar gegeben haben. Die als Restaurierung getarnte Fabrikation des Sachzeugnisses ist eine zweifelsfreie Fälschung Wilhelm Werners zugunsten des Familien-Herkommens. Solche frühneuzeitlichen genealogischen Fälschungen (wie sie auch dem berühmten Schweizer Historiker Ägidius Tschudi zur Last zu legen sind) gelten heute nicht mehr als sonderlich ehrenrührig. Aber der von Götz dokumentierte Fall wirft doch ein bezeichnendes Licht auf die von Bihrer positiv dargestellte Arbeitsweise Wilhelm Werners von Zimmern.

Erwähnt wird von Bihrer S. 111 mit S. 314 Anm. 30 (die Trennung der Endnoten von den Aufsätzen ist denkbar unpraktisch!) auch die Sigmaringer Handschrift 64 (mit der Zweitüberlieferung des sogenannten Rudolf von Schlettstadt). Diese Anmerkung hat mir dank ungenauer Lektüre eine Anfrage nach meiner Magisterarbeit eingetragen, während doch von der Magisterarbeit von Stefan Georges die Rede ist (anscheinend hat nicht einmal die Hofbibliothek Sigmaringen ein Exemplar - ich verfüge persönlich über eine Kopie). Zu zitieren gewesen wäre:

http://web.archive.org/web/20120530055321/http://www.histsem.uni-freiburg.de/mertens/graf/hsslink.htm (2012 noch in Freiburg online)

Als Hauptwerks Wilhelm Werners gilt die 1550 beendete "Geschichte des Erzbistums Mainz und seiner Suffraganbistümer", an der der Graf zwölf Jahre gearbeitet haben will (in Wirklichkeit sicher länger). Sie ist, da nur handschriftlich überliefert, kaum bekannt. Gedruckt liegen nach Bihrer nur die Bistumschroniken von Würzburg (Ausgabe von Wilhelm Engel 1952) und Eichstätt (Wilhelm Kraft 1956) vor. Hinzu kommt Udo Stanelle: Die Hildesheimer Bischofschronik des Hans Wildefuer, 1986, denn diese nach der Leithandschrift Wolfenbüttel Cod. Guelf. 42.5 Aug. 2° edierte Chronik liegt nur in der Bearbeitung Zimmerns vor (so auch Bernhard Rüth in seiner Rezension der Ausgabe Stanelles im Niedersächsischen Jahrbuch für Landesgeschichte 59, 1987, S. 328-330, hier S. 329
http://www.historische-kommission.niedersachsen.de/download/77543 ).

Die Erben Wilhelm Werners von Zimmern sollten die fünf Bände der Bischofschronik nach dem Willen Wilhelm Werners zusammenhalten - ein vergeblicher Wunsch! Siehe den bei Barack zitierten Eintrag des Grafen

http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10800056_00422.html

Die Handschriften-Heuristik der Bischofschronik wurde in den letzten Jahren vor allem von Markus Müller gefördert (Die spätmittelalterliche Bistumsgeschichtsschreibung, 1998, S. 15 und jeweils bei den einzelnen Bistümern). Eine Würdigung des Werks versuchte - vor allem anhand von Studien zur Konstanzer Bischofschronik - Andreas Bihrer im Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 26 (2007), S. 233-248.

Barack nannte 1882 die autographen Reinschriften in Donaueschingen, Stuttgart und Weimar

http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zimmern1882-4/0331

Theodor Ludwig stellte 1897 die Gießener Handschrift 469 mit den Chroniken von Halberstadt, Konstanz und Augsburg vor,

https://archive.org/stream/zeitschriftfrdi11langoog#page/n291/mode/2up

während Engel 1952 die Handschrift C 1 Nr. 202 )heute Nr. 82) des Staatsarchivs Darmstadt (Würzburg, Eichstätt, Straßburg, Speyer) in die Forschung einbrachte und Stanelle (Würzburger Diözesangeschichtsblätter 45, 1983, S. 93-103) schließlich die Verdener Bistumschronik in Hannover (XXIII 1138) und Freiburg (UB Hs. 455) wiederfand.

Der Autor signierte seine fünf Bände mit A bis E.

A: Erzstift Mainz
B: Worms, Würzburg und Eichstätt
C. Speyer, Straßburg, Verden
D: Chur, Hildesheim, Paderborn
E: Halberstadt, Konstanz, Augsburg

Bihrer 2007, S. 239 unterscheidet Konzeptfassungen, eigenhändig durchgearbeitete Entwürfe und autographe Schlussfassungen.

Konzeptfassungen
Darmstadt, Staatsarchiv, C 1 Nr. 82 (Mainz, Worms, Würzburg, Eichstätt, Speyer, Straßburg)
Freiburg, UB, Hs. 455 (Hildesheim, Paderborn, Verden, Halberstadt) = Abschrift Johannes Basilius Herold, siehe dazu Heinzer
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/4485/pdf/Heinzer_Handschrift_und_Druck.pdf S. 143

Eigenhändig durchgearbeitete Entwürfe
Gießen, UB, Hs. 469 (Konstanz, Halberstadt, Augsburg)
Hannover, LB, XXIII 1138 (Verden, Hildesheim, Paderborn, Chur [Anfang])
Beide vom gleichen Schreiber.

Autographe Schlussfassungen
A Weimar, HAAB, Cod. Fol. 98 (Mainz)
B Stuttgart, WLB, Cod. Don. 575 (Worms, Würzburg, Eichstätt)
D Stuttgart, WLB, Cod. HB V 33 (Chur, Hildesheim, Paderborn)

Konsequent unbeachtet blieb von Bihrer und anderen der schon 2001 von Thomas Heiler (Die Würzburger Bischofschronik des Lorenz Fries, S. 423f. Anm. 34) gegebene Hinweis auf eine angeblich vollständige Abschrift aller von Zimmern gefertigter Bischofschroniken in der SUB Bremen. In Wirklichkeit fehlt das Bistum Chur. Das sehr preisgünstige Angebot eines Digitalisats vom schlechten Mikrofilm ermöglichte mir den Erwerb der Reproduktion. Die Handschriften stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und sind als autornah einzustufen, aber keine Autographen. Teilweise tragen sie - ähnlich wie die Freiburger Handschrift (Datum 1548) - große Datierungen am Titel (1547 oder 1548). Die Wappenschilde blieben weitgehend leer.

Bremen, msa 36
Konstanz, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa36#page/n1/mode/2up
Augsburg, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa36#page/n159/mode/2up
Würzburg, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa36#page/n279/mode/2up
Eichstätt, 1547
https://archive.org/stream/BremenSub_msa36#page/n447/mode/2up

Bremen, msa 37
Straßburg, 1547
https://archive.org/stream/BremenSub_msa37#page/n1/mode/2up
In der Darmstädter Handschrift (weitere sind Müller nicht bekannt) reicht die Bischofschronik nur bis 1441, hier bis Wilhelm von Hohnstein (regierte 1506-1541)!
Speyer, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa37#page/n149/mode/2up
Worms, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa37#page/n315/mode/2up
Mainz, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa37#page/n467/mode/2up

Bremen, msa 38
Hildesheim, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa38#page/n1/mode/2up
Paderborn, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa38#page/n203/mode/2up
Verden, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa38#page/n315/mode/2up
Halberstadt, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa38#page/n385/mode/2up

Auch wenn das Digitalisat eine Zumutung ist, ermöglichen die Dateien des Internet Archive erstmals jedem Forscher die Lektüre fast aller Bischofschroniken Wilhelm Werners von Zimmern. Wünschenswert bleibt natürlich eine digitale Gesamtausgabe der verschiedenen Fassungen, beginnend mit dem Stuttgarter HB V 33, der ja die in Bremen fehlender Churer Chronik enthält.

Zurück zum Katalogband! Bernd Konrad würdigt die Grafen von Zimmern als "Kunstmäzene" und hat auch zum Meister von Meßkirch (und der Malerfamilie Weis) einen Exkurs im Katalog beigesteuert (S. 282f.)

Zu kurz kommt die berühmte Zimmern'sche Bibliothek und die Kunstsammlung der Familie (zur Wunderkammer Wilhelm Werners vgl. den Hinweis S. 315 Anm. 59). Die in Wien erhaltenen Reste der Bibliothek hätten einige Aufmerksamkeit verdient. Im Literaturverzeichnis vermisst wird beispielsweise die S. 314 von Bihrer zitierte Studie Jacob Klingners über die ehemals in Lana und nun in Berlin befindliche (inzwischen auch online einsehbare) literarische Sammelhandschrift der Grafen von Zimmern. Siehe auch

http://www.handschriftencensus.de/3720
http://archiv.twoday.net/stories/8474674/
http://www.handschriftencensus.de/forschungsliteratur (Suche nach Zimmern)

Im Katalogteil findet man auch unveröffentlichte Stücke, etwa das schön illuminierte Lagerbuch der Herrschaft Meßkirch 1561 (S. 248f. Nr. 23) oder die Vorfahrentafel (Ahnenprobe zu 64 Ahnen) Johann Werners von Zimmern um 1540 im Fürstenbergischen Archiv Donaueschingen (S. 274f. Nr. 45).

Bei der Herzkapsel des Grafen Wilhelm Werner auf Schloss Heiligenberg S. 268 Nr. 41 hat der Bearbeiter leider die entsprechende Gedenktafel mit lateinischer Inschrift (1575) übersehen, die sich früher im Park des Schlosses Monrepos in Ludwigsburg befand (Die Inschriften des Landkreises Ludwigsburg, 1987, S. 219-221 Nr. 357 mit weiteren Hinweisen).

#forschung

#fnzhss


http://idw-online.de/pages/de/news603081

Open-Access:
http://webdoc.sub.gwdg.de/univerlag/2014/reitemeier_ringvorlesung_978-3-86395-173-3.pdf

Audio-Mitschnitte der Rinvorlesung
http://www.univerlag.uni-goettingen.de/ring13-14/


Einige kleinere Änderungen/Nachträge habe ich eingetragen in:

http://ordensgeschichte.hypotheses.org/5502

Birgit Kata M.A. vom Stadtarchiv Kempten hat den folgenden Text freundlicherweise zu dem in

http://archiv.twoday.net/stories/985928629/

erwähnten Syndikus Simon zur Verfügung gestellt.

Johann Christian Simon, Syndikus in der Reichsstadt Kempten

Geboren am 16. Oktober 1676 in Straßburg
Gestorben am 27. Februar 1755 in Kempten

Als Simons Vater ist in den Kemptener Quellen Johann Conrad Simon genannt, der Chirurg in Straßburg war. Wann Johann Christian Simon nach Kempten kam, ist nicht festzustellen.

Simon erhielt am 26. November 1717 seine Bestallung als 2. Syndicus der Reichsstadt und wurde dadurch Stellvertreter des Stadtsyndikus Bartholomäus König, geb. um 1650, gest. am 5.11.1719. Nach dessen Tod stieg er zum Stadtsyndikus auf und verblieb wohl bis 1744, eventuell noch länger, in diesem Amt. Er wohnte bis zu seinem Tod mit seiner Frau im „Syndikus-Haus“, dessen Lokalisierung unsicher ist (eventuell das heutige „Schlössle“ an der Fischerstraße).

Simon heiratete am 10. Mai 1728 in Kempten die Tochter seines Amtsvorgängers Elisabetha Catharina König, die am 20.09.1707 in Kempten geboren worden ist. Das Ehepaar hatte eine Tochter, die aber früh starb: Elisabeth Magdalena Simon, geb. am 21.9.1740, gest. am 8.5.1743.

Bis 1731 war Simon längere Zeit immer wieder Abgesandter auf den Kreiskonventen in Memmingen und Ulm. Er beriet 1721 stiftkemptische Untertanen in juristischen Fragen bei Streitigkeiten mit ihrem Herrn, dem Fürstabt von Kempten. Das Stift verwahrte sich gegen seine Einmischung in die „Bauernhändel“.

Nach Simons Tod im Februar 1755 stellte seine Frau über ihre gerichtlichen Vertreter, einer davon war ihr Bruder,
am 2. Mai 1755 den Antrag auf Testamentseröffnung. Die folgenden wörtlichen Zitate stammen aus den Ratsprotokollen der Reichsstadt Kempten, die im Stadtarchiv aufbewahrt werden. Zitiert werden können sie unter dem jeweils genannten Sitzungsdatum.

Am 23. Mai überreichten ihre Vertreter dem Rat ein „Memoriale“ über den „Herrn Christian Simon vieljährig wohl meritiert gewesten Syndici allhier“. In derselben Sitzung wird die Versorgung der Witwe geregelt: Sie erhält „wöchentlich 1 Gulden Geldt und alle vierzehen Tag ein halb Viertel Kern und ein halb Viertel Rocken“.
Außerdem soll ihr in Würdigung der Verdienste ihrer „Königischen Voreltern wochentlich noch weiters ein Gulden gereicht werden […] in Hoffnung, dass nach dem eigenen Offerto nach glücklicher Veralienierung der Bibliotheken, Mobilien und Medallien (!) und sich damit aequirierten Capitals die verwittibte Frau Simonin diestes (!) Wittibgehalts halber sich selber zu beschaiden wissen werde“.
Daran schließt direkt ein Satz zu ihrem Auszug aus der Dienstwohnung an: „Wobey der Frau Simonin von Magistrats wegen anbefohlen wirst, innerhalb 14 Tagen auszuziehen und das bishero bewohnte Haus zu räumen, damit der Herr Syndicus Betz bey seiner Retour vom Creyß-Convent einziehen könne, worzu man ihro mit denen Stattfuhren anhanden zu gehen anerbietig sei“.
Ihre Vertreter „erstatten wegen hochgeneigter Willfahr ratione des wochentlichen Gehalts gefl. Danck, ratione des Ausziehens wollen sie der Frau Simonin referieren und die Sache so viel möglich beschleunigen, sie seye dermahlen kranck, und bitten, sie über Möglichkeit nicht zu treiben“.

Einige Wochen später, am 6. Juni, bringt Hr. Lt. König vor, „daß seine Frau Schwester zwar ein Hauß bestanden, wegen der großen Bibliothen (!) und anderen Hindernissen aber von io in 14 Tagen das Schloss noch nicht räumen könne, alß bitte ernoch umb eine kleine Gedult“; seiner Bitte wird stattgegeben.

Elisabetha Catharina König, verwitwete Simon, stirbt nur wenige Wochen später am 1. Juli 1755.

Es scheint gelungen zu sein, die Bücher aus der Syndikus-Wohnung zu räumen, weil in den Ratsprotokollen dieses Thema nach dem Juni 1755 nicht wieder behandelt wird.

Es ist zu vermuten, dass ihr Bruder und Vertreter Johann Friedrich König sich um den Nachlass gekümmert hat.

Forschungsgeschichtlich noch interessant dürfte sein, dass die erste Anfrage zu Johann Christian Simon ans Stadtarchiv Kempten aus dem Jahre 1888 von Johann (von) Kelle (1828-1909) stammt, der damals Professor in Prag war. Ob er eine Antwort erhielt, ist nicht festzustellen.

Die zweite Anfrage zu Simon kam 1965 an den bereits emeritierten Stadtarchivar Zollhöfer von dem Allgäuer Historiker Klaus Freiherr von Andrian-Werburg, der damals am Staatsarchiv Coburg tätig war.
Beide Anfragen hatten den Verbleib der Schilterschen Bücher und Manuskripte im Besitz von Simon zum Thema. In seiner Antwort nach Coburg vermutete der ehemalige Stadtarchivar Zollhöfer zum einen verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Simon und Schilter, zum anderen meinte er, Simon habe eine näher nicht bezeichnete Rechtshandschrift, um die es Andrian von Werburg geht, von Schilters Kindern aus dem Nachlass gekauft.

#forschung

http://www.ulm.de/sixcms/media.php/29/0408_Selentrost.pdf

"Diß Buoch Gehört In die gemain Teutsch Liberey, in das
Gotzhauß [ausradiert: Lützhaussen]“. Der Druck von 1478 trägt ein meines Wissens exklusives Provenienzmerkmal von Inzigkofen: "gehört in die gemain teutsch liberey". Nun hat Bernd Breitenbruch: Die Inkunabeln der Stadtbibliothek Ulm 1987 in der Nr. 484 auf die Nummern 77 und 301 aus Luizhausen verwiesen. Es dürfte sich um eine Verlesung von Üntzkouffen o.ä. handeln. Auf meine Bitte war Bernhard Appenzeller von der Stadtbibliothek Ulm so freundlich, zusammen mit Herrn Dr. Breitenbruch den Eintrag nochmals genau unter die Lupe zu nehmen: "Es ist nicht eindeutig zu klären, wie der Eintrag lautete. Wir sind zu dem Schluß gekommen, dass Ihre Vermutung durchaus auch ihre Berechtigung hat".

https://www.academia.edu/8087163/Der_Einfall_der_Bundner_ins_Montafon_1622

http://www.pfarrerbuch-online.de/

http://ordensgeschichte.hypotheses.org/7909

Mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers durfte ich

https://archive.org/details/bauerreiss_andechser_missale

ins Netz stellen = Romuald Bauerreiß: Die geschichtlichen Einträge des “Andechser Missale” (Clm. 3005) . Texte und Untersuchung. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens 47 (1929), S. 52-90, 433-447.

Clm 3005 ist online. Man kann also jetzt die Edition von Bauerreiß kontrollieren.


"vermutlich sind Sie auf den Beitrag Meckenloher in unserer Website www.lech-isar-land-heimatverband.de aufmerksam geworden. Wie Sie in der Rubrik Mitteilungen entnehmen können, versenden wir aber keine Kopien aus aktuellen oder früheren Jahrbuchausgaben.

Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Wöll

Vorsitzender Heimatverband Lech-Isar-Land e.V. "

Wäre Kreisarchivar Wöll im 21. Jahrhundert angekommen, könnte er einfach ein PDF aus dem Jahrgang 2013 (!) versenden.

#histverein

Carolin Weichselgartner, Klarissen, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45798 (11.08.2014)

Die unendliche Geschichte: Das Historische Lexikon Bayerns lehnt es konsequent ab zu begreifen, dass retrodigitalisierte Literatur zumal aus dem eigenen Haus (BSB) oder aus bayerischen Bibliotheken KONSEQUENT zu verlinken ist. Das wurde hier schon oft moniert, aber die Redaktion (Sepp) schert sich einen feuchten Kehricht um dieses Monitum.

Karl Busch, Kapellen- und Klosterbauten "beim nackten Herrgott" in Regensburg. Beiträge zur Geschichte des Klarissenklosters, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg 84 (1934), 142-159 ist online
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:355-ubr02228-0148-7

Wilhelm G. Neukam (Bearb.), Das Necrologium des St.-Claraklosters zu Bamberg vom Jahre 1496, in: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 11/12 (1953), 143-153 ist online
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00048768/image_148

Auch inhaltlich ist der Artikel mäßig. Nichts zur Sozial- und Literaturgeschichte der Konvente.

 

twoday.net AGB

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