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Landesgeschichte

Abseits der großen Namen - der "big five": Andreas von Regensburg, Ebran, Füetrer, Arnpeck und Aventin - gibt es auf dem Feld der Erforschung der spätmittelalterlichen bayerischen Geschichtsschreibung mitunter erhebliche Forschungslücken. Auch hat man manchmal den Eindruck, dass im 19. Jahrhundert eher Unwichtiges ediert wurde, während Wichtiges unbeachtet blieb. So verhält es sich im Fall des Wittelsbacher-Hausstifts Indersdorf, eines im 12. Jahrhundert gegründeten regulierten Chorherrenstifts, das nach dem Anschluss an die Raudnitzer Reform ( um1417?) zu einem Mittelpunkt der Ordensreform in Bayern wurde. [1]

Da es mir nicht möglich war, die Indersdorfer Amtsbücher im Bayerischen Hauptstaatsarchiv einzusehen, kann ich nicht für mich in Anspruch zu nehmen, dass meine aus der mir online oder gedruckt zugänglichen Literatur erstellten Notizen ein zuverlässiges Bild der Indersdorfer Geschichtsschreibung präsentieren. Sie sollen dazu ermuntern, die historiographischen Primärquellen endlich einmal genauer zu untersuchen. Eine Anfrage bei dem wohl besten Kenner der Stiftsgeschichte, Professor Wilhelm Liebhart, blieb erfolglos. [2]

1. München, Hauptstaatsarchiv, Klosterliteralien Indersdorf 1

Eine moderne Beschreibung dieser wichtigen Handschrift existiert nicht. Wenig ergiebig ist der Eintrag in: Die Zeit der frühen Herzöge. Katalog (1980), S. 42 Nr. 49: Lit. 1, Pergamenths., im 15. Jh. angelegt: “Den Kern bilden Beiträge zu einer Stiftschronik, Verzeichnisse von Schenkungen und Nekrologe”. Dagegen datiert Müller [3]: 13.-15. Jh. Etwas ausführlicher charakterisierte den Band Graf Hundt [4].

Historiographische Notizen aus dem Band edierte Philipp Jaffé 1861 als "Annales et Notae Undersdorfenses" (MGH SS 17, S. 332f.) [5]. Von zwei Händen des 15. Jahrhunderts auf den Hinterdeckel geschrieben, betreffen die "Annales" die Jahre 1180-1322, 1472. Als "Notae" wurde eine Auswahl von lokalgeschichtlichen Notizen am Rand des Nekrologs abgedruckt: 1173, 1430-1483. Die "Geschichtsquellen" dekretieren (ohne dass dies ihre Aufgabe wäre): "inhaltlich wenig bedeutend" [6].

Interessanter erscheint jedenfalls die lateinische Fundatio ab Bl. 72v, die Moeglin 1985 im Kontext seiner Studien zur Wittelbacher- Genealogie analysierte und in die 1430er Jahre datierte [7]: "sciendum de fundatore nostri monasterii Undensdorff sicut quod in diversis principum cronicum legitur" (zitiert nach Moeglin S. 101).

Im Cgm 735, einer 1472/82 entstandenen Handschrift des Augsburger Berufsschreibers Konrad Bollstatter, fand Moeglin eine deutschsprachige Version der Indersdorfer Fundatio, eine "Tafel von Oberwittelsbach", die er als Quelle für Veit Arnpeck erweisen konnte. [8]

Erwähnt sei noch, dass nach Hundt die Reihe der Pröpste "cum eorum gestis" mit dem Tod Ulrichs IV. Schirm 1479 endet. Virgil Redlich hat die Indersdorfer Chronik in dieser Handschrift für die Vita des nach Tegernsee übergetrenen Bernhard Waging herangezogen (Bl. 62r und folgende) [9].

2. München, Hauptstaatsarchiv, Klosterliteralien Indersdorf 4

In dieser Handschrift befindet sich nach Fürbeth [10] um Blatt 10 eine auf drei Blättern eingetragene kurze lateinische Chronik über die Rolle Indersdorfs in den Klosterreformen Herzog Albrechts III.

Wilhelm Liebhart druckte aus KL 4 in der Heimatzeitschrift Amperland 1982 einen kurzen, von ihm um 1460 datierten deutschsprachigen Bericht über die Anfänge der Wallfahrtskapelle Rothschwaige ab [11].

3. München, Hauptstaatsarchiv, Klosterliteralien Indersdorf 7

Aus dieser Handschrift Bl. 18v-20r stammt der kostbare deutsche Bericht über den Reformer Johannes von Indersdorf (gestorben 1470 [12]), den Bernhard Haage 1969 edierte (Wiederabdruck danach bei Haberkern 1997, S. 214-217) [13]. Beide haben nicht im mindesten beachtet, was damals bereits als selbstverständlich gelten musste: Dass man eine Quelle, aus der man einen Auszug veröffentlicht, mit ihren Grunddaten präsentiert. Liebhart spricht in seinem bereits genannten Heimatzeitschriften-Aufsatz mit Blick auf KL 7 von einer 1516 vollendeten Klosterchronik (Anm. 14). Gern wüsste man Näheres über den Überlieferungszusammenhang des Berichts.

Die von einem Vertrauten Johanns verfasste Vita ist als deutschsprachiger literarischer Reflex der Ordensreform wertvoll, wurde aber bisher nur als Faktensteinbruch zum Leben Johanns genutzt. Ihre quasi-hagiographische Stilisierung wurde bislang nicht beachtet.

4. Weitere Klosterliteralien

1982 nannte Liebhart in einem Übersichtsartikel im Amperland [14] als Quellen zur Geschichtsschreibung des Klosters die Klosterliteralien 1, 4, 6, 7, 11, 12, 13 - ohne weitere Angaben. In seinem kaum aufgrund von Autopsie gearbeiteten, wenig erhellenden Artikel zu den lateinischen Indersdorfer Handschriften nennt Haberkern auch fünf Klosterliteralien als "Handschriften" (die römische Ziffer bezeichnet offenkundig die Datierung) [15]:

1 XIII/XVI
2 Kalendar XIV
4 Chronik XV
5 Kalendar XV
146 Statuta XV

5. Indersdorfer Kopialbuch, München, Staatsbibliothek, Cgm 1515

Die kurzen historischen Notizen aus dem in das zweite Viertel des 15. Jahrhundert zu datierenden Amtsbuch Bl. 6v-9ra hat Karin Schneider 1991 knapp charakterisiert. [16] Von ihr erfährt man, anders als bei den bisher genannten Autoren, tatsächlich, was es sich über die Handschrift zu wissen lohnt. Nicht anders ist eine Beschreibung der archivisch verwahrten Amtsbücher zu wünschen.

6. Sammelband, München, Staatsbibliothek, Cgm 5482

Eine umsichtige Beschreibung legte 2009 Elisabeth Wunderle vor [17]. Der Codex, der hinsichtlich des Indersdorfer Teils aus dem dritten Viertel des 15. Jahrhunderts stammt, ist online (Link verweist auf den Beginn des Indersdorfer Teils):

http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00008862/image_54

Die Fundationes der Klöster stehen der Chronik Veit Arnpecks nahe [18]. Sie fehlen im Aufsatz zu den Fundationes monasteriorum Bavariae, den Alois Schmid 1987 vorlegte. Allerdings nicht ganz, denn der von Hundt 1862 erwähnte Sammelband im Reichsarchiv, den Schmid für "nicht auffindbar" hielt [19], ist kein anderer als der früher im Reichsarchiv befindliche Cgm 5482!

***

ANMERKUNGEN

[1] Siehe den geschichtlichen Überblick

http://www.hdbg.eu/kloster/web/index.php/detail?id=KS0153

und den Abriss der Klostergeschichte bei Ernst Haberkern: Funken aus alter Glut. Johannes von Indersdorf: Von dreierlei Wesen der Menschen (1997), S. 235-273.

Kritisch zum Datum 1417 siehe Horst Miekisch: Das Augustinerchorherrenstift Neunkirchen am Brand. Diss. Bamberg 2006, S. 165 Anm. 851.

http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn:nbn:de:bvb:473-opus-929

Online ist die barocke Darstellung der Stiftsgeschichte von Gelasius Morhart 1762:

http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb11083252-5

[2] Mit Mail vom 7. August 2014 teilte Liebhart, dem ich meine kleine Sammlung übermittelt hatte, mit, seine Forschungen lägen auf Eis. Er machte nur auf die für die Geschichtsschreibung durchaus irrelevanten Titel von Brinkhus und Haberkern (Monographie 1997 und Auszug daraus im Katalog Das Augustinerchorherrenstift Indersdorf, 2000) aufmerksam. Vor allem die Empfehlung des von mir käuflich erworbenen Buchs von Haberkern hätte er sich sparen können. Haberkern trägt kaum etwas Substantielles zur Forschung über Johannes von Indersdorf bei und arbeitet zu gern aus zweiter Hand.

[3] Michael Müller: Die Annalen und Chroniken im Herzogtum Bayern 1250-1314 (1983), S. 244.

[4] Urkunden des Klosters Indersdorf 1 (1863), S. XXf.

http://books.google.de/books?id=qSA3AAAAYAAJ&pg=PR20

und etwas ausführlicher in der Schrift über das Kloster Scheyern 1862, S. 48f.

http://books.google.de/books?id=Vj9UAAAAcAAJ&pg=PA48

[5] http://www.mgh.de/dmgh/resolving/MGH_SS_17_S._332

[6] http://www.geschichtsquellen.de/repOpus_00437.html

[7] Jean-Marie Moeglin: Les Ancêtres du Prince (1985), S. 101-105, 268

[8] Beschreibung Karin Schneiders:

http://www.manuscripta-mediaevalia.de/hs/katalogseiten/HSK0046_a189_JPG.htm

http://www.handschriftencensus.de/6357

[9] Virgil Redlich: Tegernsee und die deutsche Geistesgeschichte im 15. Jahrhundert (1931), S. 113, 137.

[10] Frank Fürbeth: Johannes Hartlieb (1992), S. 17. Auszug:

http://books.google.de/books?id=X-AZmEqwvdoC&pg=PA17

Haberkern 1997, S. 255 Anm. 702 bezieht sich auf Bl. 10-11 (fälschlich als "Urkunde" bezeichnet) von KL 4. Meist zitiert er Primärquellen aus zweiter Hand, so wohl auch hier, aber an der angegebenen Stelle bei Riezler Bd. 3, S. 828 steht nichts, was Haberkerns Angaben zu KL 4 belegen könnte:

https://archive.org/stream/RiezlerGeschichteBaiernsBd3/Riezler%20Geschichte_Baierns_Bd_3#page/n823/mode/2up

[11] http://www.zeitschrift-amperland.de/download_pdf.php?id=620

[12] GND:

http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=119441721

[13] Bernhard Haage: Johannes von Indersdorf in der zeitgenössischen Chronik seines Klosters. In: Leuvense Bijdragen 58 (1969), S. 169-174. Der gemeinfreie Text S. 170-174 steht online zur Verfügung:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Haage_indersdorf_gekuerzt.pdf

Miekisch S. 164 gibt ein längeres Zitat aus der Handschrift leicht abweichend wieder.

Bernhard Haage: Der Traktat 'Von dreierlei Wesen der Menschen', Diss. Heidelberg 1968, S. 101 erwähnte die Lebensbeschreibung unter Bezugnahme auf die mir gerade nicht zugängliche Freiburger Dissertation von Eugen Gehr (Die Fürstenlehren ... 1926, S. 49).

[14] http://www.zeitschrift-amperland.de/download_pdf.php?id=595

[15] Ernst Haberkern: Die lateinischen Handschriften des Augustiner-Chorherrenstifts Indersdorf. Ein Gang durch eine mittelalterliche Bibliothek. In: Mittellateinisches Jahrbuch 38 (2003), S. 51-88, hier S. 66 Anm. 20.

[16] http://www.manuscripta-mediaevalia.de/hs/katalogseiten/HSK0189_a193_JPG.htm

[17] http://www.manuscripta-mediaevalia.de/hs/projekt-BSB-cgm-pdfs/Cgm%205482.pdf

[18] Veit Arnpeck: Sämtliche Chroniken. Hrsg. von Georg Leidinger (1915), S. 195 zu Indersdorf:

https://archive.org/stream/VeitArnpeckSaemtlicheChroniken#page/n335/mode/2up

[19] In: Geschichtsschreibung und Geschichtsbewußtsein im späten Mittelalter (1987), S. 591 mit Anm. 74.

#forschung


Eine virtuelle Ausstellung des Stadtarchivs Mainz zusammen mit Studierenden des Historischen Seminars der Johannes Gutenberg-Universität Mainz:

http://www.mainz.de/WGAPublisher/online/html/default/MBEH-9BNDSF.DE.0

Zu Fälschungen in Archivalia:
http://archiv.twoday.net/stories/96987511/

Von Bodmann erfundene Familie von Ageduch

http://www.bym.de/forum/sehen/475600-mord-aussicht-dritte-staffel-ab-dienstag-3.html

Dietmar Donatus Schäffer ist der volle Name des leicht trotteligen Dorfpolizisten im fiktiiven Hengasch in der Eifel in der Nähe von Münstereifel (ARD-Serie "Mord mit Aussicht"). Der Vorname Donatus verweist darauf, dass Schäffer katholisch ist und sein Namenspatron der in Münstereifel verehrte Donatus, Schutzpatron gegen den Blitzschlag.

Aus meinem Vortrag 2003:
http://www.aedph-old.uni-bayreuth.de/2003/0329.html

"Im 17. und 18. Jahrhundert hat man menschliche Überreste
aus den Katakomben Roms als
frühchristliche Märtyrer angesehen, getauft, also mit einem
wohlklingenden römischen Namen
versehen und dann in den Norden exportiert, die sogenannten
Katakombenheiligen. Viele
katholische Stadtpfarrkirchen des deutschsprachigen Raums
haben solche Heiligenleiber
erhalten, aber nur in einem Teil dieser Städte spricht man
von ihnen als Stadtpatronen. So wurde
zwar der heilige Pankratius der dritte Patron der Schweizer
Stadt Wil - dieses Jahr erschien eine
Monographie über seinen Kult - aber der hl. Donatus
keineswegs der dritte Patron der Stadt
Münstereifel nach den Stiftspatronen Chrysantus und Daria,
die damals schon als Stadtpatrone
galten. An mangelnder volksfrommer Verehrung kann das
nicht gelegen haben, denn Donatus
wurde im Rheinland insbesondere als Wetterpatron intensiv
verehrt. Allerdings hat die Stadt
Linz am Rhein den Münstereifeler Katakombenheiligen Donatus
nach dem Zweiten Weltkrieg
zeitweilig als Stadtpatron verehrt. Sicher ein
Katakombenheiliger ist auch der Stadtpatron von
Monschau, der hl. Liberatus, dessen Gebeine seit 1760 in
der Eifelstadt ruhen. Ein
Katakombenheiliger ist der hl. Faustus, Stadtpatron in
Dillingen an der Donau, und der hl.
Prosper, Stadtpatron in Erding. Auch etwa der hl.
Vincentius in Eger und die hl. Paulina in
Olmütz sowie der hl. Placidus im österreichischen Retz
zählen zu dieser Gruppe von
Stadtpatronen. "

Zu ergänzen: Bräunlingen

http://archiv.twoday.net/stories/887361348/

Der hl. Donatus, Schutzpatron von Roden (Saar)

http://www.roden-saar.de/startseite/der-hl-donatus-schutzpatron-von-roden/

Zu St. Donatus

https://de.wikipedia.org/wiki/Donatus_von_M%C3%BCnstereifel

Mehr zu Stadtpatronen:

http://archiv.twoday.net/search?q=stadtpatron


Dass der 1585 zum Schwäbisch Gmünder Stadtschreiber bestellte Mann nicht Johann Florinwerck hieß, wie man in der Edition dieser Bestallung durch den ehemaligen Schwäbisch Gmünder Stadtarchivar Klaus Jürgen Herrmann: Schwäbisch Gmünder Stadtschreiber im Mittelalter und der frühen Neuzeit. In: Gmünder Studien 1 (1976), S. 95-102, hier S. 100f. - Seite auf Commons:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bestallung_werll.jpg

und im Findmittel des Landesarchivs Baden-Württemberg zur Ausfertigung dieser Bestallung Staatsarchiv Ludwigsburg B 177 S Bü 563

http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-2427904

lesen kann, war mir schon 1978/79 klar, als ich den neuen Siebmacher Bd. V Teil 3 (1873), S. 48 mit Tafel 80 durchsah und dort auf das Wappen des Joh. Florian Werll, Stadtschreibers zu Schwäbisch Gmünd 1589, stieß.

http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb11135775_00064.html

Später begegnete ich ihm als Koblenzer Stadtschreiber, und mir wurde bewusst, dass der Vorname Florin nicht mit Florian, sondern mit dem in Koblenz verehrten Florinus zusammenhängt.

Zur Person verweise ich zusammenfassend nur auf

Jäger, Berthold: Zur Geschichte der Hexenprozesse im Stift Fulda. Forschungsstand - Kritik - Perspektiven,
in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/935/

Es heißt dort in dem ursprünglich 1997 veröffentlichten Artikel in Anmerkung 109:

"Unklar sind die verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Eberhard Werll und Johann Florin Werll, welcher in Siena studiert hatte (1579), in den ersten Jahren der Regierung Fürstabt Johann Friedrichs von Schwalbach Kanzleiverwandter zu Fulda war (StAM 96/828), 1612 Stadtschreiber in seiner Heimatstadt Koblenz und 1616 als erster Stadtschreiber in den Rat der Stadt gewählt wurde (EILER, Koblenz [wie oben], S. 160, s. auch S. 377). Er war 1619 Sekretär des kurtrierischen Hofgerichts zu Koblenz; damals wandte er sich an seinen alten Dienstherrn in Fulda und bat um Übertragung eines Benefiziums an einem Kollegiatstift an seinen etwa 22jährigen Sohn Johannes Fulbertus, in Mainz im Konvikt studiert und in Trier bereits die niederen Weihen empfangen hatte (StAM 96/828)." (Schwalbach trat sein Amt in Fulda 1606 an.)

Von 1585 bis mindestens 1589 war Werll Stadtschreiber in Schwäbisch Gmünd, bevor er ab. ca. 1606 in Fulda wirkte und ab 1612 in Koblenz Stadtschreiber war.

Einzuschieben ist seine Tätigkeit als Sekretär der Deutschordensballei Franken in Ellingen, wie sie sich aus Findmitteln des Staatsarchivs Nürnberg in der DDB/Archivportal-D ergibt (Suche nach Florian Werll).

https://www.archivportal-d.de/objekte?query=florian+werll&rows=20 (45 Treffer)

Er ist in den Dokumenten von 1592 Mai 17 bis 1604 November 11 belegt.

Eine schlüssige Berufsbezeichnung für Personen mit ähnlicher Vita (Stadtschreiber, Kanzleimitarbeiter, Kanzleiverwandter, Kanzlist, Sekretär usw.) hat sich meines Wissens nicht etabliert.

#forschung


Das gerade erschienene Buch des Autorenehepaars Kusch "Versiegelte Unterwelt" über unterirdische Gangsysteme in Österreich ist offenkundig Esoterik-Mist. Eine sehr ausführliche Widerlegung (von Josef Weichenberger) des Kusch-Ansatzes aus Sicht der wissenschaftlichen Erdstall-Forschung von 2013 ist online verfügbar (Danke an Sebastian Wolf, clara-Liste):

http://www.erdstallforschung.at/?p=797

Aus dieser Besprechung geht gut hervor, wie die Kuschs Sagen über unterirdische Gänge unkritisch für bare Münze nehmen:

"Zu den Erdställen sind unterschiedliche Sagen bekannt. Allgemein geläufig sind Sagen über unendlich lange unterirdische Gängen, die von A nach B führen sollen. Dies ist ein weit verbreiteter Sagentyp, der oft im Bereich alter Burgen, Klöster oder Kirchen anzutreffen ist. Diese Sagen können auf die Existenz von Erdställen hindeuten, die unglaublichen Ganglängen sind aber reine Phantasie und auf die Angst vor dem Betreten zurückzuführen. Bis heute hat sich nirgendwo in Mitteleuropa eine entsprechende Sage bestätigt."

Eine etwas ältere Rezension von 2010:

http://science.naturkundemuseum-bw.de/files/Ueber_Erdstaelle-aus47.pdf

Siehe auch
http://archiv.twoday.net/stories/34638751/

http://www.ebersberger-historie.de/hv/jahrbuch.htm

"Die vergriffenen Bände 1,2 und 6 bieten wir Ihnen im PDF-Format zum Download an."

#histverein

UB Freiburg Hs. 483.30

http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hs483-30

Die Darstellung ist von Johann Michael Büchler 1698 signiert. Das Wappen (drei Wolfsangeln im Sinne von Wolfsankern

http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/wolfsangel.htm ) ist in Ermangelung einer farbigen Darstellung nicht eindeutig zuzuweisen, könnte insbesondere einem von Stadion angehören.

Ich habe vor, die Geschichte und künstlerische Produktion der Linzer/Schwäbisch Gmünder/Augsburger Familie Püchler/Büchler darzustellen und wäre für alle sachdienlichen Hinweise, die über die derzeit maßgebliche Darstellung von Polleroß 2009

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/1804/1/Polleross_Schrift_Bilder_2009.pdf

hinausgehen, dankbar.

Bereits jetzt merke ich an, dass die von Schemmel (FS Otto Schäfer, 1987, S. 150) unter Berufung auf Carl Wagenblast gegebenen Lebensdaten Johann Michael Püchlers nicht stimmen können.

Der am 19. August 1679 in Schwäbisch Gmünd getaufte Johann Michael, Sohn des Jakob und der Maria Magdalena, gehört offenkundig einer der anderen Büchler/Biechler-Familien an. Eine Deszendenz von Johann aus Linz oder allenfalls dessen Bruder Michael zu Linz kommt für Jakob nicht in Betracht, Jakob war Witwer, laut Dolls Familienregister ist er die erste Ehe vermutlich 1655 eingegangen. 1623 wurde z.B. ein Johann Jakob geboren.

Bisher nicht berücksichtigt wurde die kleine Stammtafel bei Gerhard Mewald: Barbiere, Chirurgen und Bader-Familien in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd (bis 1802). Diss. med. dent. Tübingen 1962, S. 21, der den Barbier und Kupfersticher Michael B. als 1682 geborenen Sohn von Johann Philipp ansetzt, der nachweislich ein 1653 in Augsburg getaufter Sohn des Stammvaters der Mikrographen, des Linzers Johann B. (nach Wallner evangelisch getauft am 22. Mai 1612 in Linz) war.

Das würde gut passen, da auch Johann Philipp Mikrographien schuf. Aber mit dem Einsetzen des Oeuvres Johann Michaels schon vor 1687 ist das eigentlich nicht vereinbar. Die übliche Signaturformel gewährt keinen Anhaltspunkte, einen älteren und einen jüngeren Johann Michael Püchler zu unterscheiden. Siehe etwa zu einem Kelheimer Bild 1689

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Puechler_eugen_2.png

Nach 1706 bricht die datierte Produktion, soweit bekannt, ab. Von daher mag das Sterbedatum 27. Dezember 1709 für den mit dem Übernamen Rotmantel (diesen trug schon Johann Philipp) bezeichneten Johann Michael Biechler zutreffen. Aber am 24. Juni 1710 starb ein gleichnamiger Barbier in Gmünd.

Johann Michael nennt sich auch einmal in einer undatierten, dem Schlehdorfer Propst gewidmeten Arbeit von Augsburg.

http://www.liveauctioneers.com/item/8151847

Denkbar wäre also auch, dass er gar nicht in Schwäbisch Gmünd gestorben ist. Ehrlicherweise müssen also die Lebensdaten Püchlers wieder als ungesichert gelten.

Zur Geschichte der Mikrographen Püchler siehe auch

Nägele 1927
http://dx.doi.org/10.5169/seals-160751

Klaus 1896
https://archive.org/stream/wrttembergische02unkngoog#page/n342/mode/2up


http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsform/sn/shwb

Nur die Lemmata, aber nicht der Volltext durchsuchbar!

http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/browse/sn/qhg

Wieso keine Faksimiles beigegeben wurden, erschließt sich mir nicht. Das sollte inzwischen Standard sein!

http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hs483-21-3

Die dort verlinkte Handschriftenbeschreibung hätte erwähnen müssen, dass eigentlich nur die Kirche St. Blasius (heute in Unterglottertal nach dem Land Baden-Württemberg Bd. 6, S. 157 im 14. Jahrhundert noch in Oberglottertal) in Betracht kommt.

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/krieger1904bd1/0385 (Krieger)
http://www.an-der-glotter.de/html/lage_und_geschichte.html

 

twoday.net AGB

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