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Sportarchive

Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wurde auch in Deutschland der aus England übernommene „Sport“ immer populärer. Häufig wird dabei vor allem an die Sportarten Rugby bzw. Fußball gedacht, die großen Anklang fanden. Aber unter anderem auch Golf, Hockey und Tennis gehören zum „Englischen Sport“, der immer stärker mit dem herkömmlichen (deutschen) „Turnen“ konkurrierte.

Während es viele sportgeschichtliche Beiträge gibt, die sich mit dem Fußballsport beschäftigen, wurden andere „englische“ Sportarten bisher eher zurückhaltend behandelt. Dies gilt insbesondere auch für den Golf-Sport.

Gerade in Hessen breitete sich dieses Spiel jedoch recht schnell aus. So verfügt Bad Homburg über den ältesten Golfplatz Deutschlands, auf dem seit 1889 Spiele ausgetragen wurden. Außerdem gab es in Darmstadt, Wiesbaden und Bad Nauheim schon sehr früh Aktivitäten zur Einführung des Golfsports.

Golf in Bad Homburg

„Obwohl nur klein, bietet der Homburger Golfplatz den Spielern nicht geringe Schwierigkeiten. Hohe Bäume und dichtes Gebüsch, langes Gras und eigens aufgestellte Hürden müssen überwunden werden, ehe der kleine weiße Ball glücklich ins Loch fällt.“

So beurteilt ein Chronist zu Anfang des 20. Jahrhunderts die Anlage. Über 100 Jahre später sind im Kurpark noch sechs Spielbahnen erhalten. Der „Old Course“ ist öffentlich – d.h. dort kann auch ohne die Mitgliedschaft in einem Golfclub gespielt werden.

Die Historie des Homburger Golf-Clubs ist ebenfalls einzigartig. Überwiegend von angloamerikanischen Kurgästen 1899 gegründet, sind 1901 schon gut 1.150 Mitglieder registriert. Die „Damen und Herren der Gesellschaft“ pflegen ein reges Clubleben, und für den Sommer 1902 wird die Ergänzung weiterer Spielbahnen anvisiert.

Schon in der Gründerzeit sind z.B. Leila von Meister und Alfred Merton in der Mitgliederliste zu finden. Frau von Meister ist gebürtige Amerikanerin, mit einem „königlichen“ Landrat verheiratet und übernimmt nach dem 1. Weltkrieg den Vorsitz des Homburger Golf-Clubs (HGC). Alfred Merton aus Frankfurt gehört 1913 zu den Initiatoren des Frankfurter Golf-Clubs, und der am 26. Mai 1907 gegründete Deutsche Golf Verband (DGV) wählt ihn 1932 zu seinem Präsidenten.

1911 gehören über 2.000 Personen zum HGC; darunter aber auch eine große Zahl passiver Mitglieder. Mit 26 „Herren der Gesellschaft“ und „Seiner Kaiserlichen Hoheit Prinz Heinrich von Preußen“ ist der Vorstand sehr nobel besetzt. Bis 1914 steigt die Zahl der Mitglieder auf über 3.000.

Auf das 125-jährige Jubiläum ist man in Homburg gut vorbereit. Im Mai 2011 konnte der Ausbau des „New Course“ am Stadtrand von Bad Homburg auf 18 Löcher beendet werden. Der Club wurde im April 2013 als erster Club in Deutschland von Queen Elisabeth II. zum „Royal Golf-Club“ ernannt.

Golf in Darmstadt, Wiesbaden und Bad Nauheim

Bereits im Februar 1892 wurde auch in Darmstadt ein Golf-Club gegründet, dessen Schutzherr Großherzog Ludwig IV. war. Dieser regierte seit 1877 und starb am 13. März desselben Jahres. Dieser Umstand ist wahrscheinlich die Erklärung dafür, dass bis zur Neugründung im Jahre 1911 keine weiteren Belege für Golfaktivitäten in Darmstadt existieren.

An der Eröffnung von Platz und Clubhaus im Jahr 1913 nahm Prinz Heinrich von Preußen teil. Großherzog Ernst Ludwig genehmigte kurz darauf die Bezeichnung als „Großherzoglicher Golf-Klub Darmstadt“.

Zeitungsberichte und persönliche Erinnerungen belegen von 1893 an auch das Golfspiel in Wiesbaden. Als eingetragener Verein ist der Wiesbadener Golf-Club ab 1911 in hessischen Archiven zu finden.

Mit Bad Nauheim gibt es in Hessen schon vor der DGV-Gründung im Jahr 1907 einen weiteren Spielort für den „grünen Sport“. Im Juni 1903 bildete sich ein Komitee zur Anlage eines Platzes – auch hier vorzugsweise für die angloamerikanischen Kurgäste. Das stilvolle Clubhaus aus den Anfangstagen existiert bis heute. 1996 erwarb der Club das gesamte Areal vom Hessischen Staatsbad.

Kuno Schuch (Golfarchiv Köln)

Zollen wir also auch unseren Tribut ...

Carola Westermeier: Rezension zu: Rinke, Stefan; Schiller, Kay (Hrsg.): The FIFA World Cup 1930–2010. Politics, Commerce, Spectacle and Identities. Göttingen 2014, in: H-Soz-u-Kult, 10.07.2014, http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2014-3-028


Nachdem Professor Dr. Zielinski als zuständiger Vizepräsident des Hessischen Landessportbunds die Teilnehmer an der diesjährigen Tagung zum überregionalen Erfahrungsaustausch im Bereich der Sportüberlieferungen begrüßt hatte, beschäftigten sich die einzelnen Referenten mit unterschiedlichen Aspekten des Tagungsthemas.

Den Rahmen bildeten dabei die Referate von Professor Dr. Wedemeyer-Kolwe (Hannover) über die Arbeit des Nieder-sächsischen Instituts für Sportgeschichte (NISH) und von Asmus Kaufmann (Kaiserslautern) über die Sicherung von Sportüber-lieferungen im Sportbund Pfalz. Dr. Peter Engels (Darmstadt) beschrieb als Stadtarchivar das aus seiner Sicht gravierende Missverhältnis zwischen der Fülle von Sportüberlieferungen und der unzureichenden Nutzung dieser Materialien durch interessierte Nutzer.

Immerhin gibt es hier mit Kuno Schuch (Deutsches Golfarchiv), der sich nach einem kurzen Überblick zur hessischen Golfgeschichte auf die Golfentwicklung im Großherzogtum Darmstadt konzentrierte, zumindest eine prominente Ausnahme. Roland Frischkorn leitete als Sportkreisvorsitzender mit einem Impulsreferat über die sport-historischen Aktivitäten des Sportkreises Frankfurt die Phase der Gruppenarbeit ein.

Professor Wedemeyer-Kolwe gab zunächst einen Überblick über die Aufgaben und Bestände des NISH, das 1981 in Hoya als Verein gegründet wurde und seit 2011 seinen Standort in Hannover hat. Die Mitarbeiter widmen sich der Sichtung, Bewahrung und Archivierung von Materialien zur niedersächsischen Sport-geschichte. Dies schließt Forschungsarbeiten und Publikationen ein, für die auch auf mehrere internationale Spezialsammlungen zugegriffen werden kann. Anschließend ging der Referent auf das Nutzerprofil des NISH ein.

In diesem Zusammenhang verwies er auf eine beeindruckende Fülle von Anfragen zu sporthistorischen Themen an das Institut. Ein Teil dieser Anfragen ist dabei auf die fachlichen Schwerpunkte des NISH zurückzuführen, dessen Leiter sich insbesondere mit der Geschichte des Behindertensports, der Körperkultur und des Bodybuilding beschäftigt. Die Bandbreite der Anfragen macht aber auch deutlich, dass der Bekanntheitsgrad des bereits seit vielen Jahrzehnten bestehenden Instituts eine große Rolle spielt.

Asmus Kaufmann schilderte die einzelnen Schritte beim Aufbau eines Gesamtsystems zur Sicherung von Sportüberlieferungen in der Pfalz. Ausgangspunkt war dabei 2009 die Gründung des Vereins „Pfälzische Sportgeschichte“ auf Initiative des Sportbundes Pfalz. Der Verein bietet die Möglichkeit zum Meinungsaustausch für alle an der Sportgeschichte in der Pfalz Interessierten sowie zur Präsentation von Sammlungen und Forschungsergebnissen. Seit 2009 werden in Kooperation mit dem Landesarchiv und mit dem Stadtarchiv Speyer auch Seminare für Sportvereine zur Archivierung von Schriftgut und Fotos angeboten.

Im Juni 2011 konnte dann im Deutschen Schuhmuseum Hauenstein das Pfälzische Sportmuseum eröffnet werden. Damit wurde ein pragmatischer Ansatz realisiert, während zum Beispiel die Exponate des Sportmuseums Frankfurt bis heute nicht einer interessierten Allgemeinheit zugänglich gemacht werden konnten. Ein Ergebnis der engen Kooperation mit dem Historischen Verein der Pfalz war die Tagung zur Pfälzer Sportgeschichte im Oktober 2013.

Dr. Peter Engels erläuterte anschaulich, dass gerade die süd-hessische Metropole Darmstadt auf eine äußerst interessante sporthistorische Vergangenheit zurückblicken kann. So gab es hier eine früh einsetzende Turnbewegung und erste Bemühungen um die Etablierung der „englischen“ Sportarten Fußball, Golf und Rugby. In der NS-Zeit folgte dann der Versuch, „Stadt des Sports“ zu werden. Dazu kommt noch, dass die Technische Universität eine ent-scheidende Rolle für die Entwicklung der Darmstädter Sport-landschaft gespielt hat.

Trotz der Verluste durch die Zerstörungen im letzten Krieg verfügt das Stadtarchiv Darmstadt über zahlreiche Überlieferungen zur Geschichte des Sports. Außerdem gibt es auch in der zeitge-schichtlichen Sammlung einen Schwerpunkt, der sich mit dem Sport beschäftigt. Allerdings ist es bisher nicht gelungen, diese Archiv-bestände potentiellen Nutzern bekannt zu machen und Sportvereine zur Sicherung oder Abgabe von Archivbeständen zu veranlassen.

Kuno Schuch konnte direkt an die Ausführungen von Dr. Engels anschließen und konzentrierte sich nach einem kurzen Exkurs zur hessischen Golfgeschichte auf den 1892 gegründeten Großher-zoglichen Golfclub in Darmstadt, dessen Schutzherr Großherzog Ludwig IV. war. Als Spielfeld wird in den verfügbaren Unterlagen der „Exerzierplatz“ genannt. Dies war damit der erste in Deutsch-and gegründete Golfclub, der allerdings nur kurze Zeit bestand und 1911 neu gegründet wurde.

Großherzog Ernst Ludwig übernahm ab 1911 das Protektorat und genehmigte 1913 die Bezeichnung „Großherzoglicher Golf-Klub“. In den Kriegsjahren 1914 bis 1918 musste der Spielbetrieb allerdings schon wieder ausgesetzt werden. 1922 wurde das Klubhaus dann an den Tennis- und Eis-Club Darmstadt verpachtet. Nach einer posi-tiven Entwicklung in den Jahren nach dem Krieg nahm die Zahl der Mitglieder seit 1925 kontinuierlich wieder ab. Am 27. Februar 1942 wurde der Golf-Klub Darmstadt aufgelöst.

Roland Frischkorn hob in seinem Impulsreferat zu der folgenden Gruppenarbeit die Bedeutung der Sportkreise für Initiativen zur Förderung regionaler Sportgeschichte hervor. So wurde auf Anre-gung des Sportkreisvorstands eine Veranstaltungsreihe zur Frank-furter Sportgeschichte vorbereitet.

Daran war maßgeblich ein eigener Arbeitskreis beteiligt, in dem die einschlägigen Institutionen wie das Institut für Stadtgeschichte, das Historische Museum Frankfurt und das Sportmuseum Frankfurt sowie Experten des Sportkreises zusammenwirkten. Zu erwähnen sind außerdem Aktivitäten im Rahmen des Stadtteilprojekts „Gallus“ und die Beteiligung an der Stadtlabor-Reihe des Histo-rischen Museums Frankfurt.

Bei der sich anschließenden Gruppenarbeit gab es zwei unterschied-
liche Schwerpunkte, da sich die von Waldemar Krug (Offenbach) moderierte Arbeitsgruppe insbesondere mit der Frage beschäftigte, welchen Stellenwert die verfügbaren Archivalien haben. Die von Peter Schermer (Frankfurt) betreute Arbeitsgruppe widmete sich dagegen sehr intensiv den Möglichkeiten einer Motivierung für sporthistorische Arbeiten. In diesem Zusammenhang hob Asmus Kaufmann die inspirierende Bedeutung des Sportmuseums Hauenstein hervor.

Die Tagungsteilnehmer waren sich darüber einig, dass es ein müh-samer Weg sein wird, möglichst viele Beteiligten für die Bedeutung von Sportüberlieferungen zu sensibilisieren. Dabei muss jeweils im Vorfeld entschieden werden, ob man den Weg über einen syste-matischen Ausbau der erforderlichen Infrastruktur wählt, oder aber sich auf die motivierende Wirkung einer Einzelfallberatung verlässt.

Peter Schermer

Der lsb h – Arbeitskreis „Sport und Geschichte“ bemüht sich bereits seit längerer Zeit um eine Regionalisierung der Ansätze für eine Sicherung von Sportüberlieferungen. Diese Zielsetzung wurde auch in einem Gespräch mit Ulrich Manthei, dem Vorsitzenden des lsb h - Beirats der Sportkreise, verfolgt, das bereits Ende des letzten Jahres stattgefunden hat. Manthei zeigte sich äußerst aufgeschlossen und bewies durch zahlreiche konstruktive Vorschläge sein Interesse an tragfähigen Lösungen.

So sprach er sich beispielsweise dafür aus, Fortbildungsangebote zur Archivarbeit stärker zu regionalisieren und mit den Verantwortlichen in den Sportkreisen frühzeitig abzustimmen. Darüber hinaus machte er darauf aufmerksam, dass die künftig jährlich erforderlichen Ver-einsvertreterversammlungen ebenfalls dafür genutzt werden sollten, Sportvereine für die Archivarbeit und für die Bewahrung von Sportüberlieferungen zu sensibilisieren. Weiterhin schlug er vor, nicht nur im Rahmen von „Sport in Hessen“, sondern auch mit Hilfe des lsb h – Newsletter über die Tätigkeit des Arbeitskreises „Sport und Geschichte“ zu informieren.

Darüber hinaus bestand bei den Gesprächsteilnehmern Einigkeit, dass „Archivarbeit“ zumindest in den Satzungen der Sportkreise als Pflichtaufgabe verankert werden sollte, wie dies im Sportkreis Schwalm-Eder bereits geschehen ist. Schließlich sagte Manthei auch noch seine Unterstützung zu, wenn es darum geht, Basisdaten über den Stand der Archivarbeit in den hessischen Sportvereinen zu erheben. Diese Themen sollen auf einer für den 9. März 2014 in der Landessportschule Frankfurt geplanten Tagung mit den Archivbeauftragten der Sportkreise vertiefend erörtert werden.

Die Regionalisierung der Ansätze zur Sicherung von Sportüberlieferungen steht darüber hinaus auch bei der schon traditionellen Tagung des lsb h – Arbeitskreises „Sport und Geschichte“ zum überregionalen Erfahrungsaustausch am 15. Mai 2014 in Frankfurt im Mittelpunkt der Beratungen. Dr. Peter Engels (Darmstadt) wird dann als Stadtarchivar über das Thema „Sportüberlieferungen als Gegenstand der Arbeit von Stadtarchiven und Geschichtsvereinen“ sprechen.

Erstmals hat mit Roland Frischkorn (Frankfurt) auch der Vorsitzende eines Sportkreises seine aktive Mitwirkung zugesagt. Frischkorn wird über „Sportkreis-Initiativen zur Sensibilisierung für sportgeschichtliche Themen“ informieren und soll damit zugleich Impulse für den umfassenden Informationsaustausch der Tagungsteilnehmer geben. Das abschließende Referat zum Thema „Sicherung von Sportüberlieferungen im Sportbund Pfalz“ hat Asmus Kaufmann (Kaiserslautern) übernommen.

Kaufmann kann unter anderem über positive Erfahrungen mit dem Sportmuseum der Pfalz in Hauenstein berichten. Eröffnet wird die Tagung mit einem Referat von Prof. Dr. Dr. Bernd Wedemeyer-Kolwe (Hannover), das sich mit der „Arbeit des Niedersächsischen Instituts für Sportgeschichte – NISH“ beschäftigt. Ihm folgt Kuno Schuch (Köln) mit einem Beitrag zur „Spurensuche des Deutschen Golfarchivs im Großherzogtum Hessen“. Mit Blick auf diese Referenten und Themen kann auch 2014 erneut mit einer interessanten Tagung gerechnet werden.

Zwei Veranstaltungen im Herbst 2014 befassen sich wieder mit der Fortbildung von ehrenamtlichen Archivaren im Sport. Am 13. September 2014 sollen in der Landessportschule Frankfurt Grundlagen der Archivarbeit behandelt und dabei auch Probleme der Bestandserhaltung sowie der Archivierung von Fotos angesprochen werden. Bei einer Tagung am 18. Oktober in der Sport- und Bildungsstätte Wetzlar wird die Erstellung von Jubiläumsschriften im Mittelpunkt stehen.

Weitere Auskünfte zu diesen Tagungen erteilt Herr Heiner Richter als zuständiger Mitarbeiter des Landessportbunds Hessen. Sie erreichen Herrn Richter, der auch Adressat für Anmeldungen zu den Tagungen ist, telefonisch (0 69 / 6789 - 496 o. 623) per Fax (0 69 / 6789 - 427) oder per E-Mail (hrichter@lsbh.de).

Peter Schermer

Hardy Grüne beschwert sich:

"2006 habe ich für „Mit dem Ring auf der Brust. Die Geschichte des VfB Stuttgart“ mehrere Wochen in Stuttgart verbracht und mich durch diverse Archive gewühlt, um Ergebnisse, Spielerkader und Anekdoten aus der Zeit zwischen 1893 und 1963 zu eruieren. Mein Buch war seinerzeit die erste Veröffentlichung, in der alle Pflichtspiele, Spielerkader und Tabellen der Klubgeschichte aufgeführt wurden – mit ein paar kleinen Lücken, die einfach nicht zu stopfen waren.

Erstaunlicherweise weist der erwähnte dritte Band der offiziellen Klubchronik nicht nur exakt dieselben Lücken auf, sondern folgt auch sonst deckungsgleich meinen Angaben – wo mir ein Ergebnis fehlte, fehlt es auch hier, wo ich keinen Vornamen herausfand, fehlt er auch hier, wo ich einen Kommentar unter eine Tabelle setzte, steht er nahezu wortgleich auch hier. Im Klartext: was den statistischen Teil betrifft, grub sich das Autorenteam keineswegs „tief ins Stuttgarter Stadtarchiv“ ein, sondern steckte seine Nase eher tief in „Mit dem Ring auf der Brust“. Nebenbei sei gesagt, dass viele Informationen ohnehin gar nicht im - ausgezeichnet sortierten! - Stadtarchiv zu finden waren, sondern in der Landesbibliothek.

Bedauerlicherweise vergisst das VfB-Autorenteam, die Quelle seiner Informationen zu nennen – „Mit dem Ring auf der Brust“ taucht noch nicht einmal im ohnehin eher übersichtlichen Literaturverzeichnis auf. http://www.werkstatt-verlag.de/?q=9783895335938

Ich bin es gewohnt, dass meine mühsam eruierten Daten aufgegriffen werden und rege mich selten darüber auf. Auch ich profitiere in meiner Arbeit immer wieder von der Arbeit anderer. Was die immerhin stolze 88 Euro kostende VfB-Trilogie (Amazon, im Fan-Shop 79 €) betrifft, bin ich nun aber schon etwas erzürnt. Deshalb dieser eher ungewöhnliche Hinweis, verbunden mit der Hoffnung, das Plagiat ein wenig bekannter zu machen."

http://fussballglobus.blogspot.de/2013/10/zur-veroffentlichung-der-dreibandigen.html

Überwiegend ältere italienische Sportzeitschriften, aber auch ein altes lateinisches Werk aus dem 16. Jahrhundert, gedruckt in Ingolstadt, zur Kunst des Schwimmens.

http://dlib.coninet.it/?q=node/9&id=36

Via
http://filstoria.hypotheses.org/10548

Die bereits traditionellen Jahrestagungen des Landessportbunds Hessen zum länderweiten Austausch von Ergebnissen unterschiedlicher Möglichkeiten der Sicherung von Sportüberlieferungen haben gezeigt, dass die einzelnen Landessportbünde in diesem Aufgabenbereich ganz unterschiedlich engagiert sind. Vorteile haben zweifellos die Landessportbünde Baden-Württemberg und Niedersachsen, welche über eigene Institute zur Sportgeschichte verfügen. Das Saarländische Sportarchiv wurde dagegen infrastrukturell in das Landesarchiv Saarbrücken eingebunden

Andere Sportbünde arbeiten zumindest intensiv mit staatlichen Archiven zusammen. Dies gilt beispielsweise für den Sportbund Pfalz und den Landessportbund Hessen. In beiden Fällen finden Veranstaltungen zur Fortbildung von ehrenamtlichen Archivaren in Sportvereinen nicht ohne Beteiligung hauptberuflicher Archivare statt. Dem lsb h – Arbeitskreis „Sport und Geschichte“ ist es darüber hinaus gelungen, differenzierte Fortbildungsangebote zu organisieren, die zur Lösung von Praxisproblemen beitragen sollen. Außerdem wurden von den Sportkreisen Archivbeauftragte benannt.

Der Sportbund Pfalz hat dagegen Aufgaben, die in Hessen vom Arbeitskreis „Sport und Geschichte“ wahrgenommen werden, dem Verein Pfälzische Sportgeschichte übertragen. Trotz dieses Unterschieds bei der Organisation gibt es aber viele Gemeinsamkeiten, die auch für die Zukunft eine engere Kooperation nahe legen. Diese nahm vor zwei Jahren mit einem Besuch des Sportmuseums der Pfalz in Hauenstein durch den lsb h – Arbeitskreis „Sport und Geschichte“ ihren Anfang.

Der Sportbund der Pfalz hat hier durch die Zusammenarbeit mit dem Schuhmuseum Hauenstein einen pragmatischen Ansatz gewählt, während zum Beispiel die Exponate des Sportmuseums Frankfurt bisher noch immer nicht einer interessierten Allgemeinheit zugänglich gemacht werden konnten. Bemerkenswert erscheint außerdem die große Bereitschaft Pfälzer Sportler, dem Museum in Hauenstein weitere Exponate zur Verfügung zu stellen.

Zu den zahlreichen Beweisen für die relativ geringe Neigung von Historikern, sich mit Themen der Sportgeschichte zu befassen, gehört die Tatsache, dass regionale Geschichtsvereine diesen Bereich in der Regel nicht im Blick haben. Umso bemerkenswerter ist es, dass der Sportbund Pfalz auch auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein der Pfalz verweisen kann. Ein Ergebnis dieser Kooperation ist zum Beispiel eine Tagung zur Pfälzer Sportgeschichte, die am 18. und 19. Okt. 2013 in der Sportschule Edenkoben stattfinden wird.

Neben dem Sportbund der Pfalz ist an der Vorbereitung dieser Tagung der bereits erwähnte Verein Pfälzische Sportgeschichte beteiligt. Dieser Verein wurde im Jahr 2009 auf Initiative des Sportbundes Pfalz gegründet und bietet die Möglichkeit zum Meinungsaustausch für alle an der Sportgeschichte in der Pfalz Interessierten sowie zur Präsentation von Sammlungen und Forschungsergebnissen. Das Sammeln und Bewahren von alten Dokumenten und Sportgeräten wie auch die Unterstützung pfälzischer Sportmuseen sind ebenfalls Aufgaben des Vereins.

Die hier skizzierten Aktivitäten machen deutlich, dass es beim Gegenbesuch von Vertretern des Sportbunds Pfalz in der Landessportschule Frankfurt, die im August dieses Jahres dort an einer Sitzung des lsb h – Arbeitskreises „Sport und Geschichte“ teilnahmen, viel Gesprächsstoff gab. Zunächst hatten Geschäftsführer Martin Schwarzweller und Referent Asmus Kauf-mann zusammenfassend die Ansätze des Sportbunds Pfalz zur Förderung der Bewahrung von Sportüberlieferungen vorgestellt. Die Pfälzer Gäste besuchten zum Abschluss ihres Besuchs dann auch noch das Museum von Eintracht Frankfurt, wo sie von Museumsleiter Matthias Thoma empfangen wurden.

Aus hessischer Sicht waren die Gespräche mit den Gästen aus der Pfalz deshalb von großer Bedeutung, weil sie im Grunde die vom Landessportbund Hessen vertretene Zielsetzung bestätigten, Aktivitäten zur Sicherung von Sportüberlieferungen auf die Sportkreisebene zu verlagern. Nur hier gibt es wie beim Sportbund Pfalz lokale Netzwerke, die eine wichtige Voraussetzung für die Zusammenarbeit der verschiedenen Partner im Bereich der Sportgeschichte sind.

Dazu gehören zum Beispiel neben den Sportvereinen auch die regionalen Museen und Archive sowie die Geschichts- und Heimatvereine. Außerdem sollten Vertreter ortansässiger Hochschulen mit Lehrstühlen für neuere Geschichte und weitere ausgewiesene Experten für die lokale Sportgeschichte herangezogen werden. Diese Partner finden in der Regel aber nur dann zusammen, wenn die Initiative zur gemeinsamen Beschäftigung mit Themen der regionalen Sportgeschichte vom jeweiligen Sportkreis ausgeht.

Peter Schermer

Grundlagen der Archivierung. Geschichte im Verein bewahren und veröffentlichen - Fortbildungsveranstaltung am 12.9.2013 (Sportbund Pfalz, Stadtarchiv Speyer). Link:


Vortrag auf der 34. Tagung der AG sportwissenschaftlicher Bibliotheken in Bonn am 4.9.2013

Von Klaus Graf

„Der ehemalige Ringer-Weltmeister Adolf Seger hat im März 2012 das auf Mauritius ansässige VDM-Tochterunternehmen Betascript Publishing zu einer Unterlassungserklärung wegen eines Buches aufgefordert, das als seine ‚Biografie‘ verkauft wurde. Das 84 Seiten umfassende Büchlein war eine Sammlung von Wikipedia-Artikeln, enthielt tatsächlich nur eine Seite über das Leben des Sportlers und kostete 34 Euro. Man einigte sich gütlich, das Buch wurde von VDM vom Markt genommen“

https://de.wikipedia.org/wiki/VDM_Publishing_Group

Das Zitat stammt aus der Wikipedia. Ich habe also schon ein Tabu gebrochen: Zitiere niemals aus der Wikipedia! Und wer von mir im Folgenden das übliche Bashing gegen die Verlagsgruppe Dr. Müller (VDM Publishing Group) erwartet wird auch enttäuscht werden. Da es mir an jeglicher sportwissenschaftlicher Kompetenz mangelt, bin ich hier für die Visionen und Provokationen zuständig.

Meine erste These ist schon auf Krawall gebürstet: Lieber schlechte Bücher im Internet als auf Papier.

Beispielsweise stiftet eine schlechte Masterarbeit Open Access im Internet noch erheblich mehr Nutzen als unzugänglich in der Kellerablage eines Prüfungsamts. Ich komme auf den Fetisch „wissenschaftliche Qualitätssicherung“ noch mehrfach zurück, möchte aber schon jetzt anmerken, dass alle akzeptierten Qualifikationsarbeiten einen formalen Prozess der Qualitätssicherung hinter sich haben. Sie wurden von mindestens zwei universitären Gutachtern und dem zuständigen Prüfungsgremium akzeptiert. Den Kandidaten wird dabei bescheinigt, dass sie in ausreichendem Maße gezeigt haben, dass sie wissenschaftlich arbeiten können. Im Licht der aktuellen Plagiat-Skandale wird man oft ein Fragezeichen setzen müssen, aber jede akzeptierte Abschlussarbeit hat so etwas wie ein „Peer Review“ hinter sich, was man bis vor wenigen Jahren den meisten geisteswissenschaftlichen Zeitschriftenartikeln im deutschsprachigen Raum nicht bescheinigen konnte. Nach wie vor gibt es in diesem Bereich sehr einflussreiche Organe ohne Peer Review.

Die VDM-Verlage verkaufen solche Abschlussarbeiten für teures Geld: Masterarbeiten, Dissertationen, sogar Habilitationsschriften. Für die Autoren ist das attraktiv: Die Bücher sehen optisch nicht schlechter aus als andere Wissenschafts-Publikationen, und es wird kein Cent Zuschuss fällig.

Das Problem sind die Bibliotheken, denn viele dieser Institutionen haben über die geschäftstüchtige Saarbrücker Verlagsgruppe des Dr. Müller einen Bann ausgesprochen: Sie kaufen solche Bücher nicht.

Nur wenige Bibliothekare äußern sich besonnen wie der Frankfurter Fachreferent Hartmut Bergenthum, der am 21. Oktober 2011 in der Mailingliste INETBIB zu einem Zitat des Verlegers Matthias Ulmer Stellung nahm. Ulmer schrieb: "Zum anderen ist VDM kein Verlag sondern ein absurdes Geschäftsmodell, das sowohl uns Verlegern die Schamesröte ins Gesicht treibt als auch den Bibliotheken, deren Gelder die Taschen von VDM füllt." Bergenthum aber kauft regelmäßig bei VDM für das von ihm betreute Sondersammelgebiet Afrika. Er verwies darauf, dass Print-on-Demand-Verlage florieren, weil nunmehr jeder ein Autor sein könne, und behauptete hinsichtlich der VDM-Produkte: „Sowohl für Studierende (als Leser) als auch für junge Wissenschaftler (als Autoren) scheint VDM attraktiv zu sein und erfüllt deren - wie auch immer gearteten – Bedürfnisse“.

Ich habe ein Beispiel Bergenthums nachrecherchiert. Es betrifft eine Trierer Habilitationsschrift von 2011 mit dem Titel „Third scramble for Africa“. Eine akzeptierte Habilitationsschrift des deutschsprachigen Raums sollte eigentlich von wissenschaftlichen Bibliotheken erworben werden, sonst stimmt etwas nicht. Wieder ein Zitat aus der Wikipedia, aus dem Artikel Habilitationsschrift: „Im Gegensatz zu einer Dissertation muss es sich um eine Arbeit mit hohem methodischen Anspruch handeln, durch welche die wissenschaftliche Forschung nicht nur in einem kleinen Segment vorangebracht werden soll“. Die fragliche Arbeit kostet bei Amazon 62,95 Euro, für 604 Seiten wahrlich kein überzogener Preis. Und wo kann man nun diese Arbeit laut Karlsruher Virtuellem Katalog einsehen? In der Deutschen Nationalbibliothek, dort ist als Pflichtexemplar auch eine elektronische Fassung für die Präsenznutzung hinterlegt, natürlich in Trier und in Frankfurt. Sonst nirgends, also auch nicht in Saarbrücken, wo der Verlag ansässig ist. Zuständig für das Pflichtexemplar ist die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek, die offenbar keinerlei VDM-Bücher in ihren Bestand aufnimmt – im Gegensatz zu kleineren saarländischen Bibliotheken oder der Kölner Sporthochschule, die als Spezialbibliothek sehr wohl bei VDM einkauft.

Ich scheue mich nicht, von einem Skandal zu sprechen. Für die Fernleihe stehen genau zwei Exemplare der Habilitationsschrift zur Verfügung, falls Frankfurt und Trier die bibliophile Seltenheit außer Haus geben. Ich vermute, die meisten Inkunabelausgaben – das sind vor 1500 erschienene Bücher aus der Anfangszeit des Buchdrucks [Frage ans Auditorium: Wer verwahrt Inkunabeln? Rückmeldung: niemand] – sind in mehr Exemplaren in Bibliotheken verbreitet als diese Trierer Habilitationsschrift aus dem Jahr 2011.

Die zweite These, mit der ich Sie erzürnen könnte, lautet: Die Bibliotheken müssen endlich aufhören, ihre Leser durch Nichtanschaffung von Büchern oder Nichtanforderung von Pflichtexemplaren zu bevormunden.

Über Bibliothekare als Zensoren in der Geschichte könnte man sicher einen eigenen Vortrag halten. Es gibt vermutlich wenig empirische Untersuchungen, aber eigene Erfahrungen legen den Schluss nahe, dass sich die Bibliotheken seit dem 18. Jahrhundert nicht mit Ruhm bekleckert haben, was die vollständige Dokumentation des gedruckten Geistesschaffens angeht. Vergeblich suchte ich nach einer Rezension in einer gelehrten Zeitschrift aus dem 18. Jahrhundert, eine wissenschaftliche Zeitschrift zum Buchwesen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts fand ich nur in einem Nachlass einigermaßen komplett und ein wichtiges Organ des deutschen Druckereiwesens um 1900 ist nur in einer österreichischen Spezialbibliothek mehr oder minder lückenlos vorhanden. Zu erinnern ist auch an den Kampf gegen den sogenannten „Schund“, dem sich auch die Bibliothekare der Pflichtexemplarbibliotheken verschrieben hatten – mit schmerzlichen Folgen für die Erforschung der populären Kultur.

Was sagte das Bundesverfassungsgericht in seiner Pflichtexemplar-Entscheidung aus dem Jahr 1981? Druckwerke würden im Lauf der Zeit geistiges und kulturelles Allgemeingut. Unter Berücksichtigung der Sozialpflichtigkeit des Eigentums stelle es ein legitimes Anliegen dar, die literarischen Erzeugnisse dem wissenschaftlich und kulturell Interessierten möglichst geschlossen zugänglich zu machen und künftigen Generationen einen umfassenden Eindruck vom geistigen Schaffen früherer Epochen zu vermitteln. Ich möchte ergänzen: Auch wenn es sich um Produkte aus dem Spam-Verlag VDM handelt.

Ich lege Wert auf die Feststellung, dass mich der VDM-Verlag leider nicht finanziert. Selbstverständlich verurteile ich die Täuschung der Verbraucher durch zwischen zwei Buchdeckel gepresste Wikipedia-Artikel, aber im Bereich des Hochschulschriftendrucks verhält sich VDM nicht grundsätzlich anders als andere einschlägige Verlage. Auch bei hochangesehenen Verlagen erhält man im Übrigen für viel Geld Arbeiten minderer Qualität.

Das „gute Buch“, das man behaglich im Lehnstuhl zu sich nimmt und das man gerne jungen Menschen empfiehlt, ist, wenn man es recht besieht, eigentlich nie unumstritten. Otfried Preußlers beliebtes Jugendbuch Krabat ist Schullektüre, aber dagegen wehrten sich jetzt vor Gericht Zeugen Jehovas als betroffene Eltern, die in ihm die Förderung schwarzer Magie sahen. Sogar die Bibel ist streckenweise politisch unkorrekt. Und das schlechte Buch? Wer legt die Kriterien fest, was etwa im Bereich der Wissenschaft schlechte Bücher sind? Und was sollten die Konsequenzen sein? Bücherverbrennungen wohl kaum.

Als Auslöser der Open-Access-Bewegung kann die sogenannte Zeitschriftenkrise in den naturwissenschaftlichen Fächern bezeichnet werden. Die führenden Fachorgane werden dort immer teurer, mitunter kostet ein Jahres-Abo nicht weniger als ein Mittelklassewagen. Dieser Kostendruck durch Elsevier & Gesellen hat natürlich Auswirkungen auf die Monographien-Anschaffungen in den Universitätsbibliotheken und damit auch auf die Geistes- und Sozialwissenschaften. Bücher werden immer teurer, und selbst Bücher, die ich als Standardwerke bezeichnen würde, gibt es nach meinen unrepräsentativen Beobachtungen leider nur noch an wenigen Standorten. Da die Preise so hoch sind, dass der Wissenschaftler nicht selbst anschaffen kann, führt dies zur Belastung der Fernleihe oder dazu, dass relevante Literatur nicht rezipiert wird.

Mein Lösungsvorschlag für das Monographien-Problem wird Sie wohl nicht überraschen:

Auch bei den Monographien müssen die Bibliotheken und die Träger und Finanzierer von Forschung konsequent auf Open Access setzen.

Längst nicht alle Universitätsverlage praktizieren Open Access. Ich habe zuhause eine altgermanistische Habilitationsschrift – gedruckt vom Düsseldorfer Universitätsverlag - zur Besprechung, die mehr als 600 Seiten umfasst. Dass weder ein Register noch eine oder mehrere Zusammenfassungen beigegeben sind, grenzt für mich beinahe schon an Körperverletzung. Ein E-Book wird nicht angeboten, obwohl man verzweifelt einen Volltext braucht, um sich die Lektüre zu erleichtern. Nun werden sie mir erwidern: Im Mittelalter hatten die Leute auch Grips und zwar ohne Volltextsuche. Das ist schon richtig, aber sollte sich unsere Publikationskultur nicht am digitalen Potential im 21. Jahrhundert orientieren und nicht an dem angeblichen Gold-Standard, dem im 15. Jahrhundert erfundenen gedruckten Buch?

Open Access sorgt für Chancengleichheit. Es kommt nicht mehr darauf an, wo sich ein Buch physisch befindet und ob sich eine Bibliothek ein üppiges kommerzielles E-Book-Angebot leisten kann. In den USA kann noch nicht einmal jede Hochschulbibliothek – Sie wissen, es gibt da unendlich viele Universitäten – ein JSTOR-Abo finanzieren. Laut Datenbank-Infosystem hat keine deutsche Institution eine Subskription von „Early European Books“ , einem von europäischen Nationalbibliotheken unterstützten groß angelegten und an sich wissenschaftlich wichtigem Digitalisierungsprojekt für alte Drucke. Deutsche Wissenschaftler gucken in die Röhre, da sie darauf angewiesen sind, dass Bibliotheken Lizenzen erwerben.

Wenn es die Bibliotheken wirklich ernst meinten mit Open Access, müssten sie bei den Hochschulschriften beginnen und massiv auf die Hochschulverwaltungen und die Fachbereiche einwirken, damit es flächendeckend ein Abschlussarbeiten-Mandat gibt.

Meine Forderung lautet also: 100 % aller Dissertationen, Habilitationen und aller anderen Qualifikationsarbeiten vom Bachelor aufwärts müssen Open Access auf den Hochschulschriftenservern zur Verfügung stehen.

Das Bundesinstitut für Sportwissenschaft unterhält im Internet eine Übersicht zu den Dissertationen und Habilitationen an den deutschen Hochschulen, leider nicht zu den sonstigen Abschlussarbeiten. Für 2011/12 existieren nur für ein knappes Drittel Volltexte (35 von 114 Arbeiten). Besonders vorbildlich ist die Kölner Sporthochschule, bei der von 36 Arbeiten 20 als Volltext frei zugänglich sind. Ein Lob geht auch an die Universität Köln: 4 von 5 Arbeiten stehen Open Access zur Verfügung. Lässt man diese beiden Institutionen weg, so stehen 74 eingereichten Arbeiten nur 11 Volltext-Veröffentlichungen gegenüber. Das ist ärmlich!

http://www.bisp.de/DE/WissenVermitteln/Sammlungen/DissertationenHabilitationen/dissertationenhabilitationen_node.html

Leider ist das Internet für das Bundesinstitut offenbar immer noch #Neuland, sonst würde es nicht auf die Idee kommen, die Links zu den Schriftenservern und anderen Online-Ressourcen unanklickbar zu präsentieren. Will man eine Arbeit einsehen, muss man die Internetadresse in die Adresszeile des Browsers kopieren. Und selbstverständlich gibt es in den bibliographischen Datenbanken zur Sportwissenschaft keinen Online-Filter, und online vorliegende Arbeiten sind meist [mitunter] durch den angebotenen Link-Resolver [bzw. die Online-Nachweise] nicht aufzuspüren. Der Wissenschaftler braucht aber in Fachdatenbanken Online-Nachweise, denn nicht selten sind Online-Fundstellen durch simples Googeln – und das ist ja das, was die meisten Dozenten und Studierenden nach meinen Erfahrungen allenfalls beherrschen – nicht ohne weiteres zu ermitteln.

Als Wissenschaftler hat man immer schon eine Auswahl nach pragmatischen Gesichtspunkten getroffen. Ein Sporthistoriker kann in der Regel nicht jede einzelne gedruckte Vereinsfestschrift zur Kenntnis nehmen, er muss sich auf das verlassen, was greifbar ist oder was gute Noten bekommen hat. Dabei könnten in den übersehenen Lokalstudien wahre Goldkörner zu finden sein. Wenn angesichts der Literaturflut eine erschöpfende Sichtung des Materials nicht mehr möglich ist, dann werden Wissenschaftler mehr und mehr das bevorzugen, was online verfügbar ist. Es hat bei Volltextverfügbarkeit eine hohe Sichtbarkeit auch für Aspekte, die in den üblichen Metadaten einschließlich der Inhaltsverzeichnisse nicht präsent sind. Und diese Präferenz ist nicht der Untergang des Abendlandes und des guten Buchs, sondern gut so.

Ein Bündnis der Ignoranten in den Hochschulverwaltungen, den Fachbereichen und nicht zuletzt in den Universitätsbibliotheken verhindert, dass die deutschen Abschlussarbeiten unterhalb der Dissertation lückenlos für die Wissenschaft greifbar sind. Seit 1989, als ich eine inzwischen auch online verfügbare Ausarbeitung zu diesem Thema schrieb, hat sich bei diesem Missstand so gut wie nichts getan, obwohl durch das Aufkommen des Internets und zuletzt auch durch die Causa Guttenberg die Problemlösung auf der Hand liegt: Wenn alle Arbeiten auf den Hochschulschriftenservern veröffentlicht werden müssen, hat die Wissenschaft – und die interessierte Öffentlichkeit - Zugriff auf diese oft sehr wertvollen Arbeiten; die Institutsbibliotheken und die Hochschularchive, die sich mit einem Bewertungsprofil abquälen müssen, würden entlastet.

Ein Blick nach Österreich zeigt, dass die Vernachlässigung der Abschlussarbeiten keineswegs ein bibliothekarisches Naturgesetz darstellt. In Österreich werden alle Diplomarbeiten in der Hochschulbibliothek und [leider nur bis 2004] in der Nationalbibliothek aufbewahrt.

[§ 86 des Österreichischen Universitätsgesetzes 2002 lautet:

"Veröffentlichungspflicht
§ 86. (1) Die Absolventin oder der Absolvent hat die positiv beurteilte Diplom- oder Masterarbeit, Dissertation oder künstlerische Diplom- oder Masterarbeit oder die Dokumentation der künstlerischen Diplom- oder Masterarbeit durch Übergabe an die Bibliothek der Universität, an welcher der akademische Grad verliehen wird, zu veröffentlichen. Die Absolventin oder der Absolvent hat vor der Verleihung des akademischen Grades jeweils ein vollständiges Exemplar der positiv beurteilten Diplom- oder Masterarbeit, Dissertation oder künstlerischen Diplom- oder Masterarbeit oder die Dokumentation der künstlerischen Diplom- oder Masterarbeit abzuliefern. Von der Veröffentlichungspflicht ausgenommen sind die wissenschaftlichen Arbeiten oder deren Teile, die einer Massenvervielfältigung nicht zugänglich sind. Die positiv beurteilte Dissertation ist überdies durch Übergabe an die Österreichische Nationalbibliothek zu veröffentlichen. Sofern vorhanden, kann diese Übergabe auch in elektronischer Form erfolgen.
(2) Anlässlich der Ablieferung einer wissenschaftlichen oder künstlerischen Arbeit ist die Verfasserin oder der Verfasser berechtigt, den Ausschluss der Benützung der abgelieferten Exemplare für längstens fünf Jahre nach der Ablieferung zu beantragen. Dem Antrag ist vom für die studienrechtlichen Angelegenheiten zuständigen Organ stattzugeben, wenn die oder der Studierende glaubhaft macht, dass wichtige rechtliche oder wirtschaftliche Interessen der oder des Studierenden gefährdet sind."
http://www.ris.bka.gv.at/Dokument.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Dokumentnummer=NOR40124786
Frdl. Hw. Josef Pauser]

Für Sonderfälle – jemand möchte seine Arbeit zur Dissertation ausbauen, es sind Betriebsgeheimnisse drin usw. – ließen sich Ausnahmen finden.

Entscheidend ist, dass es eine unglaubliche Ressourcenverschwendung darstellt, wenn Studierende monatelang forschen, die Ergebnisse ihrer wissenschaftlichen Arbeiten aber zu nichts anderem dienen als zum Nachweis, dass sie wissenschaftlich arbeiten können. In der Regel lassen die Kandidaten ihre Arbeiten weder drucken (auch nicht ohne eigene Kosten bei VDM) noch stellen sie sie kostenlos oder kostenpflichtig im Internet ein. Die Studien verstauben in den Verliesen der Prüfungsämter oder Institute. Werden sie im Hochschularchiv als archivwürdig bewertet, ist eine Schutzfrist von 30 Jahren nach Entstehung die Mindeststrafe. Datenschutznahe Archivare ordnen sie den sonstigen Prüfungsunterlagen zu, die erst 10 Jahre nach dem Tod des Verfassers für die Benutzung zur Verfügung stehen.

In den für die Weiterentwicklung der Open-Access-Bewegung wichtigen Empfehlungen der Konferenz 10 Jahre Budapest Open Access Initiative heißt es: „Every institution of higher education offering advanced degrees should have a policy assuring that future theses and dissertations are deposited upon acceptance in the institution's OA repository. At the request of students who
want to publish their work, or seek a patent on a patentable discovery, policies should grant reasonable delays rather than permanent exemptions.“ Als gehobener akademischer Grad gilt dabei alles, was über dem Bachelor liegt, also auch Master-Arbeiten.

http://archiv.twoday.net/stories/444870012/

Alle Abschlussarbeiten und Dissertationen online – das würde nicht nur die Aufgabe der Plagiatjäger in VroniPlag und anderen Wikis, die ja erstaunlich viele Blattschüsse verbuchen konnten, erleichtern, sondern auch die öffentliche Bewertung und Überprüfung der jeweiligen Arbeit.

Selbst die schlechteste Bachelorarbeit, wurde sie denn akzeptiert, darf – zumindest in der Theorie - gewisse Mindeststandards des wissenschaftlichen Arbeiten nicht unterschreiten. Das „Summa cum laude“ für den Plagiator Guttenberg sollte uns eine gesunde Skepsis nahelegen, was akademische Notengebungen bei Qualifikationsarbeiten angeht. Mit welchem Recht bezeichnen Professoren und andere Verantwortliche z.B. in den Universitätsbibliotheken solche Arbeiten als wertlos bzw. als nicht dokumentationswürdig? Viele Hochschulschriftenserver nehmen Abschlussarbeiten nur bei positivem Votum des Betreuers; kaum einmal kümmert man sich um konsequente Acquise.

Natürlich gibt es unendlich viele solcher Arbeiten, die auch ich auf Anhieb als wissenschaftlich wertlos bewerten würde, aber ich bin Historiker und habe keine Ahnung vom Maschinenbau, dem Veterinärwesen oder der Sportwissenschaft. Wieso überlassen wir die Bewertung nicht den potentiellen Adressaten wissenschaftlicher Arbeiten, also den Wissenschaftlern?

An dieser Stelle muss auf die von Clay Shirky übernommene Devise des Kunsthistorikers Hubertus Kohle „publish first, filter later“ verwiesen werden. Kohles These: „Unter elektronischen Online-Bedingungen stellt sich das Problem der übergroßen Mengen gar nicht. Im Gegenteil, hier müsste man sie eher fordern“.

http://www.heise.de/tp/artikel/34/34434/1.html

Kohle schreibt weiter: „Im Druck ist das Wort schwerfällig und nicht universell adressierbar, im Digitalen dagegen extrem schnell verteilt und vielfältig rekonfigurierbar. Ist man im Druck gezwungen, einen Filterprozess vorzuschalten, also zum Beispiel in der Wissenschaft einen Peer-Reviewing-Prozess zu organisieren, der die Spreu vom Weizen trennt, ist das im Digitalen nicht notwendig, ja nicht einmal empfehlenswert. Der review in Form etwa von wertenden Kommentaren passiert post festum und kann als Filterungsprozess verstanden werden, der dem Nutzer die Auswahl aus der unübersehbaren Menge an Informationen ermöglicht.“

Noch ein Gedanke zu den „guten“ und den „schlechten“ Büchern. Was als gut oder schlecht angesehen wird, ist oft sehr zeitgebunden. Als Archivar weiß ich, dass keine Archivarsgeneration mit der Arbeit ihrer Vorgänger zufrieden war. Niemand ist glücklich damit, dass so unendlich viel kulturhistorisch wichtiges Material in den Orkus gewandert ist. Eine der spannendsten Archivabteilungen des Staatsarchivs Bern heißt „Unnütze Papiere“. Man hat diese Dokumente aus Spätmittelalter und früher Neuzeit zu vernichten vergessen, obwohl man sie dafür schon zusammengetragen hatte. Nun ist man heilfroh darüber, dass es sie noch gibt.

Um auf die Qualifikationsarbeiten zurückzukommen, die ja aus meiner Sicht eine riesige ungenutzte Ressource darstellen: Auch schlechtere Arbeiten können durch ihre Leistung, was die Reduktion und Komprimierung eines komplexen Themas angeht, im Internet für manche Zwecke von Nutzen sein. Gute Arbeiten hingegen werden gar nicht einmal so selten sogar in gedruckten Nachschlagewerken zitiert. Eine Masterarbeit zu einem Thema der regionalen Sportgeschichte ist oft die einzige wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Thema.

Wenn nun aber die eitlen Verfasser eher mäßiger Arbeiten diese bei hausarbeiten.de einstellen oder bei Dr. Müller veröffentlichen, die guten Arbeiten aber überwiegend der Wissenschaft entzogen sind – wem ist damit geholfen? Wird die Existenz einer Arbeit bekannt, so werden die Wissenschaftler, die zu dem behandelten Thema forschen, trotzdem versuchen, an sie heranzukommen. Clevere telefonieren mit dem Betreuer, um herauszukriegen, ob sich ein Blick lohnt, andere jagen ihre Hilfskräfte in eine meistens sehr zeitraubende Recherche, wo man denn nun ein Exemplar auftreiben könne. Die Universitätsbibliotheken verweigern sich den Arbeiten ja in der Regel, manchmal werden sie mit Zustimmung des Verfassers in die Institutsbibliothek aufgenommen, oft aber auch nicht. Prüfungsämter und Archive geben nicht ohne weiteres Exemplare heraus, und wo mag eine Verfasserin, die Petra Müller heißt, jetzt erreichbar sein? Solche Arbeiten sind nicht selten „verwaiste Werke“ schon kurz nach ihrer Entstehung.

Wir brauchen also Hochschulsatzungen, die den Kandidaten vorschreiben, dass sie ihre Qualifikationsarbeiten Open Access veröffentlichen sollen. Sinnvollerweise sollten, da gerade auch der sogenannte libre Open Access (im Gegensatz zum bloß kostenlosen gratis Open Access) für die wissenschaftlich erwünschte Nachnutzbarkeit wichtig ist, Creative Commons-Lizenzen empfohlen werden.

Weniger ambitioniert, aber auch nicht einfach zu realisieren: Wir brauchen einen Gesamtnachweis der in Institutionen, sei es Bibliotheken oder Archiven, öffentlich zugänglichen oder dauerhaft vorhandenen Arbeiten. Dieser Nachweis ist sinnvollerweise nach Disziplinen zu organisieren. Und natürlich brauchen wir eine Selbstverpflichtung der Institutionen, diese Arbeiten genauso zu hegen und zu pflegen wie Handschriften oder kostbaren Altbestand. Mir wurde neulich zugetragen, die Bibliothek einer schwäbischen Pädagogischen Hochschule habe gerade ihren über Jahre zusammengetragenen Bestand an älteren Zulassungsarbeiten, darunter unersetzliche lokalgeschichtliche Pretiosen, entsorgt.

Was bereits publiziert wurde, sollte digitalisiert werden. Das gilt nicht nur für Abschlussarbeiten, sondern auch für Monographien, Zeitschriften und graue Literatur. Die Bibliotheken schützen gern die unbefriedigende Urheberrechtslage vor, die sich aber in Kürze etwas verbessern wird durch die aktuelle Gesetzgebung zu verwaisten und vergriffenen Werken, aber bereits heute könnten sie unendlich viel mehr leisten.

Für eine Disziplin, die es mit Bewegungskultur zu tun hat, ist die Sportwissenschaft reichlich unbeweglich und verharrt beim Alten. Es gibt so gut wie keine Digitalisierungsprojekte im Bereich der Sportgeschichte. Die Bibliothek der Kölner Sporthochschule unterhält keine digitale Sammlung.

[Die Diskussion warf mir vor, ich zeichne die Lage zu schwarz. Siehe zu sportwissenschaftlichen deutschen Zeitschriften und Open Access: http://archiv.twoday.net/stories/472713631/ und die Rückmeldung aus dem BISP in den Kommentaren]

Und wenn ein Wissenschaftler gerne seine Publikationen Open Access in einem Open-Access-Repositorium zweitveröffentlichen würde, an wen könnte er sich wenden? Der Schriftenserver der Sporthochschule enthält so gut wie nur Dissertationen und ist auch nur für die Hochschulangehörigen bestimmt. [Das ist falsch, es besteht die - nicht beworbene - Möglichkeit für jedermann, sportwissenschaftliche Arbeiten einzustellen.] Einen disziplinären Schriftenserver gibt es nicht, er wird auch nicht von der doch recht ärmlichen Virtuellen Fachbibliothek angeboten. Anders bei der (freilich ungleich besser aufgestellten) Kunstgeschichte: Der Schriftenserver Artdok floriert, die virtuelle Fachbibliothek Kunstgeschichte ist im Vergleich zu den anderen herausragend.

Wenn jemand für eine lokale Sportgeschichte die Rechte eingeholt hat und das Werk gerne auf einer dauerhaft gepflegten und für die Langzeitarchivierung ausgelegten bibliothekarischen Website mit persistentem Link wie URN oder DOI veröffentlichen wollte, könnte er das nur in wenigen Bundesländern tun wie zum Beispiel Baden-Württemberg oder dem Saarland. Nicht in Nordrhein-Westfalen. Hier gibt es noch kein einschlägiges Webarchivierungsportal.

Gerade im Bereich der Sportgeschichte gibt es viel graue Literatur, die teils in Sportarchiven oder anderen Dokumentationsstellen, teils in Bibliotheken verwahrt wird. Nicht nur bei der Digitalisierung dieser seltenen kleinen Schriften, die aber trotzdem wichtige Quellen darstellen können, sollten Sportarchive und Sportbibliotheken besser zusammenarbeiten als bisher.

Ich habe schon oft die Open-Access-Heuchelei der Bibliotheken gegeißelt. Sie halten sich nicht an das, was sie Wissenschaftlern predigen. Führende bibliothekarische Fachzeitschriften wie die ZfBB sind noch nicht einmal mit Verzögerung Open Access. Und ich ärgere mich immer wieder, wenn ich sehe, dass bibliothekseigene Publikationen, selbst wenn sie vergriffen sind, nicht als PDFs ins Netz gestellt werden. Selbst kleine Heimatvereine sind da mitunter weiter. Von der Schriftenreihe des Bundesinstituts für Sportwissenschaft gibt es keinen einzigen online verfügbaren Band, zumindest gibt es keinen Link in der Liste auf der Website.

Wenn sich viele kleine Bibliotheken zusammenschließen und gemeinsam digitalisieren, dann können sie Großartiges leisten. Und auch wenn die eigenen Ressourcen sehr begrenzt sind, kann durch Einbeziehung der Öffentlichkeit Erstaunliches geleistet werden. Stichwort: Crowdsourcing. So war ein Aufruf der Europeana an die Bürgerinnen und Bürger, Materialien aus dem Ersten Weltkrieg zum Scannen vorbeizubringen, ausgesprochen erfolgreich.

Bibliotheken können durch das Bündnis mit den freien Projekten Wikipedia und Wikisource nur gewinnen. Wer von Ihnen war schon einmal auf der Wikisource-Seite Sport? [Rückmeldung des Auditoriums: niemand.]

http://de.wikisource.org/wiki/Sport

Sie haben nicht viel versäumt, aber das lässt sich ja ändern, denn auch Wikisource ist wie die Wikipedia ein Wiki, das jede(r) bearbeiten darf. Der Nachweis digitalisierter Inhalte liegt bei den Bibliotheken im Argen, während Wikisource auf vielen Gebieten – zugegebenermaßen bisher nicht im Bereich Sport – Enormes leistet.

Was die Schriften bis etwa 1920 angeht, so sind sehr viele davon durch Massendigitalisierungsprojekte – an erster Stelle ist natürlich Google zu nennen - bereits im Netz. Diese Schätze gemeinsam sachkundig zu katalogisieren, wäre die genuine Aufgabe der Bibliotheken. Und es müssten noch bestehende Lücken – überwiegend, aber nicht nur im Bereich der Lokal- und Regionalliteratur – gezielt geschlossen werden.

Wer von Ihnen weiß, dass die Düsseldorfer Universitäts- und Landesbibliothek Schriften vor 1900 kostenlos für ihre Nutzer digitalisiert? [Rückmeldung des Auditoriums: niemand.]

Wer kennt die digitale Bibliothek HathiTrust in den USA? [Rückmeldung des Auditoriums: niemand.]

Es handelt sich um ein großes Sammelbecken für die Google-Scans des sogenannten Bibliotheken-Projekts. Ist ein Titel dort bereits gescannt, kann er vom Rechteinhaber problemlos für die Öffentlichkeit freigegeben werden.

Ein letzter Punkt: Web 2.0, das Mitmach-Web. Mit Wikisource und Wikipedia wurde es ja bereits angesprochen. Sie werden mittelfristig keinen Blumentopf mehr gewinnen, wenn Sie da nicht aktiv mitmischen.

Wieso haben Sie keinen Account auf Facebook, Google+ oder Twitter? Wieso führen Sie kein Blog?

Ein Präsentation beispielsweise alter Sportfotos auf Flickr, alter Filme auf YouTube könnte Ihnen ein neues Publikum erschließen und ihre bestehenden Nutzerkreise fester an Sie binden. Sie brauchen diesen Rückhalt, denn allmählich stellt sich die Frage nach der Existenzberechtigung der Bibliotheken außerhalb von Buchmuseen.

Ein Gemeinschaftsblog zur Sportgeschichte im wissenschaftlichen Blogportal de.hypotheses.org – wer kennt das? [Rückmeldung des Auditoriums: niemand.] – wäre eine schöne Sache und eine ausgezeichnete Bereicherung. Dass solche Gemeinschaftsblogs funktionieren können, zeigt das Gemeinschaftsblog http://ordensgeschichte.hypotheses.org. Sie finden in dem von der Doktorandin Maria Rottler betriebenen Blog übrigens auch einen Hinweis auf eine aktuelle Ausstellung zu Spiel und Sport im Kloster.

Natürlich werden Sie mein Referat in dem von mir betriebenen Gemeinschaftsblog Archivalia – wer war da schonmal drauf? – nachlesen können. Archivalia, das als das führende deutsche Geschichtsblog gilt, hat eine gelegentlich - auch von Peter Schermer - befüllte Rubrik Sportarchive. [Frage: Wer hat Archivalia schon einmal besucht. Rückmeldung des Auditoriums: ca. 6.]

Sollte der eine oder andere von Ihnen ein interessantes Open-Access-Angebot ins Netz stellen, würde ich mich freuen, darauf in Archivalia hinweisen zu können. Und natürlich bin ich gern bereit, Sie kostenlos zu beraten, wenn Sie nach dieser Tagung dafür einen Bedarf sehen.

Update: Siehe Kommentare. Weitere Veröffentlichung:

http://redaktionsblog.hypotheses.org/1644

http://www.sportwiss.uni-hannover.de/links_fachzeitschriften.html nennt eine Auswahl sportwissenschaftlicher Fachzeitschriften.

Die ersten drei Zeitschriften Sport & Spiel, Sportpädagogik und SportPraxis sind online überhaupt nicht abrufbar.

Die EZB hat nicht zur Kenntnis genommen, dass die Zeitschrift Sportunterricht von 2007 bis 2012 mit 12-Monats-Embargo online ist.

http://hofmann-verlag.de/index.php/sportunterricht/sportunterricht-archiv/sportunterricht-archiv-2012

Es wäre die Aufgabe der sportwissenschaftlichen Community, mit der EZB zusammenzuarbeiten und einen lückenlosen Nachweis sportwissenschaftlicher Online-Zeitschriften sicherzustellen.

Die Zeitschrift für Sportpsychologie bietet nur kostenpflichtige Inhalte an.

Das Gleiche gilt leider für die renommierteste Zeitschrift "Sportwissenschaft", die bei Springer gelandet ist. 2007 war eine Retrodigitalisierung geplant, aus der wohl nichts geworden ist:
http://www.sportwissenschaft.de/index.php?id=799

Es war mir nicht möglich, als sportwissenschaftlicher Laie den Titel "Gissel, N. (2000). Wozu noch Sportgeschichte? Gedanken zur Legitimation und Funktion sporthistorischer Forschung. In Sportwissenschaft 30 (3), 311-325" in der Datenbank Spolit oder den VIFA-Datenbanken ausfindig zu machen.

SportZeiten hat keine Online-Ausgabe.

Sport und Gesellschaft hat ein 12-Monats-Embargo, die Ausgaben vorher sind Open Access:

http://www.sportundgesellschaft.de/index.php/sportundgesellschaft/issue/archive

Die Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin ist komplett Open Access
http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/Artikel.html

Soweit die Liste der Uni Hannover.

Bei der Zeitschrift "Leistungssport" schreibt die EZB: "Nur wenige Volltexte sind online verfügbar". Angesichts des Artikelarchivs 1971-2011 ist das nicht nachvollziehbar:

http://sport-iat.de/ls-archiv

Für den DDR-Sport ist wichtig: "Für die Datenbank des IAT wurden alle Beiträge der Zeitschrift „Theorie und Praxis des Leistungssports“ der DDR von 1963 bis 1989 digitalisiert. Über 3.500 Einzelartikel vom ersten Heft der Zeitschrift „Theorie und Praxis des Leistungssports“ bis zum letzten Heft der Nachfolgezeitschrift „Training und Wettkampf“ (1990) sind nun recherchierbar und als Volltext einsehbar."

http://www.iat.uni-leipzig.de:8080/rech_start.fau?prj=tupl6

Nur 15 Jahre gab es die dsv-Informationen (bis 2005). Die Jahrgänge sind unverständlicherweise erst ab 1995 online:
http://www.sportwissenschaft.de/index.php?id=218

Noch kürzer (nur von 2005-2008) existierte das Online-Journal "Bewegung und Training":

http://www.sportwissenschaft.de/index.php?id=291

Fazit: Es gibt durchaus positive Ansätze in Sachen Open Access, aber noch ist viel zu tun.

 

twoday.net AGB

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