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http://www.progressives-zentrum.org/dpz.php/cat/85/aid/342

Auszug:

Wenn das Copyright auf veröffentlichte Texte nach einer festgelegten Zeitspanne abläuft, werden diese zum öffentlichen Gut, das jeder kopieren, miteinander teilen und wiederverwenden kann. Zum Gemeingut zählt auch der riesige Bestand literarischer Werke und historischer Zeugnisse, die unser kulturelles Erbe ausmachen.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche, von den Medien positiv begleitete Anstrengungen unternommen, nationale Sammlungen öffentlicher Güter digital verfügbar zu machen. Doch mitunter versuchen Unternehmen selbst bei diesen digitalisierten öffentlichen Gütern Urheberrechte wirksam zu machen. Ein Bericht der Archivreferentenkonferenz des Bundes und der Länder vom März 2008 hält dazu folgendes fest:

„Archivgut ist öffentliches Gut und – von wenigen Ausnahmen
abgesehen – lizenzfrei nutzbar. Dies widerspricht einer breiten
wirtschaftlichen Verwertung von digitalisiertem Archivgut durch
Vermarktung und Einräumung exklusiver Nutzungsrechte." [6]

Es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, Bestände aus dem öffentlichen Gut weiterzuverwenden. Sie reichen von neuen, unorthodoxen Forschungsmethoden, über kreative Aneignungsverfahren, bis hin zu komplett überarbeiteten Werkausgaben und neu aufbereiteten Tonaufnahmen. Kulturorganisationen können auf diese Weise innovative Nachbearbeitungen und erfrischende Darbietungen historischen Materials fördern. Im internationalen Bereich haben mehrere prestigeträchtige Einrichtungen dies bereits getan. Vor kurzem haben 16 Organisationen, darunter die Kongressbibliothek (USA), das Imperial War Museum (UK),die Bibliothèque de Toulouse, sowie die neuseeländische Nationalgalerie, ihre gesamten Bildarchive der Fotowebsite Flickr hinzugefügt, so dass jeder die Bilder kommentieren, downloaden und weiterverwenden kann. Daraufhin veröffentlichte die Kongressbibliothek im Oktober 2008 einen Bericht, der auf die überwältigende Resonanz verwies: Allein in der ersten Woche sahen sich mehr als 3.6 Millionen Nutzer die Archive an.

Welche Materialien zum öffentlichen Gut werden hängt vor allem vom Verwirken der Urheberrechte ab. Derzeit überlegt die EU, Copyrights für Tonaufnahmen 95 Jahre lang schützen zu lassen. Dies würde eine erhebliche Verlängerung des Urheberrechtsschutzes bedeuten. Die Vorschläge wurden ausgiebig – und nicht zuletzt von Juristen - kritisiert. Im Juni 2005 veröffentlichten 50 führende Urheberrechts-Experten eine Erklärung, in der sie darauf hinweisen, dass die Vorschläge in ihrer jetzigen Form nicht der Allgemeinheit, sondern den Rechteinhabern zu Vorteilen verhelfen werden.

Aus diesem Überblick über die der Öffentlichkeit zugänglichen Informationen lassen sich drei Ziele für ein progressives Politikverständnis ableiten.Zum ersten sollten Gesetzgebungsverfahren unterstützt werden, die die Weiterverwendung öffentlicher Daten erleichtern. Zudem sollte es einen jährlichen Bericht über die Situation öffentlicher Informationen in Deutschland geben. Bei der Verteilung öffentlicher Forschungsgelder an Universitäten sollte auch die Förderung von Open Access berücksichtigt werden. Schließlich sollte man öffentliche Güter als Teil des Kulturerbes begreifen und jedem Interessierten den digitalen Zugriff ermöglichen. Um dies zu verwirklichen, muss das bestehende Urheberrecht jedoch nicht nur den Interessen privater Lizenzinhaber, sondern auch dem Allgemeinwohl gerecht werden.
 

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