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Am 2. August 2009 geht die Sonderausstellung „Der Geist des Geldes, Die Karikaturensammlung der Aareal Bank im Wilhelm-Busch-Museum Hannover“ voraussichtlich zu Ende. Anlaß für die Präsentation von rund 70 Werken des 18. bis 20. Jahrhunderts ist die Übergabe der vornehmlich Originale umfassenden Banksammlung rund um das Thema „Geld“ als Dauerleihgabe an das Wilhelm Busch-Museum, DAS Museum für Karikatur und kritische Grafik, in Hannover. Ebenso wie die Sparkasse Hannover mit der Übergabe der Münzsammlung Berkowitz an das Museum August Kestner im Herbst 2008 versteht die in Wiesbaden ansässige Aareal Bank ihr Engagement für Hannover als Ausdruck ihrer gesellschaftlichen Verantwortung.

Karikaturen z. B. zur Rolle der DM für die Deutsche Einheit sind in den letzten Jahren von der Numismatik als Bildquellen aufgegriffen worden und in den Blickpunkt der neuesten Geldgeschichte geraten. Die Museumslandschaft in Hannover ist um ein weiteres Standbein kunst- und kulturgeschichtlicher, geistesgeschichtlicher und nicht zuletzt auch geldgeschichtlicher Forschung bereichert worden.

Man wünscht sich, dass ein solches Denken in der Welt des Geldes weitere Nachahmer findet und ein erneuerter „Geist des Geldes“ mehr Auftrieb erhält. Die Zukunft einer anderen hochkarätigen musealen Sammlung in Hannover, die des Niedersächsischen Münzkabinetts der Deutschen Bank - immerhin seit 25 Jahren als national wertvolles Kulturgut eingestuft - ist z. B. noch immer nicht geklärt.

http://archiv.twoday.net/stories/5688179/

Aus der Pressemitteilung:

„Gerade in den derzeit wirtschaftlich schwierigen Zeiten hat in der Gesellschaft das Interesse an einer differenzierten Auseinandersetzung mit dem Thema Geld zugenommen", erklärt Dr. Wolf Schumacher, Vorstandsvorsitzender der Aareal Bank, die Zusammenarbeit der Bank mit dem renommierten Wilhelm-Busch-Museum, Deutsches Museum für Karikatur und kritische Grafik. „Wir, die Aareal Bank, stehen als Unternehmen in einer gesellschaftlichen Verantwortung, die wir in vielfältiger Weise wahrnehmen. Daher haben wir uns entschlossen, unsere Karikaturensammlung einem breiteren Publikum zu Verfügung zu stellen und sehen dies als einen Beitrag zum gegenwärtigen öffentlichen Diskurs."

Über fast zwei Jahrzehnte hat die Aareal Bank beziehungsweise ihr Vorgängerinstitut eine rund 300 Blätter umfassende Sammlung von historischen und zeitgenössischen Karikaturen und kritischen Grafiken zum Thema Geld aufgebaut. In der Kollektion sind viele bedeutende Karikaturisten aus Vergangenheit und Gegenwart vertreten, etwa William Hogarth und Thomas Rowlandson, Karl Arnold und Eduard Thöny oder Ronald Searle, Horst Haitzinger, Jean Jacques Sempé und Saul Steinberg. „Die bemerkenswerte Sammlung der Aareal Bank ist ein ironisches, manchmal humorvolles, manchmal bissig-kritisches Pendant zum ernsten Geldgeschäft der Bank. Das ist keineswegs selbstverständlich - nicht in einer Welt, in der nach wie vor das Geld regiert", so Prof. Dr. Hans Joachim Neyer, Direktor des Wilhelm-Busch-Museums.


Weiterführende Literatur:
Begleitbeitrag zur Ausstellung in: Satire, Mitteilungen der Wilhelm-Busch-Gesellschaft 2009.

Niklot Klüßendorf, Money and Identity in a divided country, Observations from West and East Germany between 1948 to 1990, in: Reiner Cunz (Hg.): Money and Identity, Lectures about History, Design, and Museology of Money, 11th Annual Meeting of the International Committee of Money and Banking Museums ICOMON, October 2004 in Seoul (Republic of Korea) in Conjunction with the 20th General Conference and the 21st General Assembly of the International Council of Museums ICOM, Hannover 2007, S. 29-54.

Links:

Karikaturensammlung der Aareal Bank, Wiesbaden:
http://www.aareal-bank.com/konzern/gesellschaftliche-verantwortung/karikaturensammlung/

Dauerleihgabe und Sonderausstellung im Wilhelm Busch Museum Hannover:
http://www.wilhelm-busch-museum.de/index.php?pageID=367

http://www.aareal-bank.com/presse/pressemitteilung/der-geist-des-geldes-satirische-betrachtungen-zum-thema-geld-ausstellungseroeffnung-der-karikaturensammlung-der-aareal-bank-im-wilhelm-busch-museum/

Pressemitteilung der Aareal Bank als PDF:
http://www.aareal-bank.com/fileadmin/DAM_Content/PRESS/News/2009/090518_de_karikaturen.pdf

[Bild ergänzt KG]
Eligius meinte am 2009/07/27 13:11:
Finanzminister als "armer Hund"
Ausstellungsrezension aus der FAZ:

Das Ansehen von Bankern und Börsenmaklern ist nicht erst seit einigen Monaten angeschlagen. Wer für dieses schlechte Bild Belege sucht, sollte in das Wilhelm-Busch-Museum in Hannover gehen, das bis Anfang August eine Sammlung von Karikaturen über die Lockungen des Geldes ausstellt. Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer Aareal Bank hatte über zwei Jahrzehnte hinweg 300 Arbeiten aus mehr als zwei Jahrhunderten - unter ihnen befinden sich große Namen wie William Hogarth, Jean Jacques Sempé, Honoré Daumier oder Loriot - gesammelt und nun dem wichtigsten deutschen Karikaturen-Museum als Dauerleihgabe übergeben. 70 Blätter werden gezeigt, die einen sanft spöttisch, andere bissig bis zur Schmerzgrenze.

Satiriker spitzen zu. So geht es bei "Der Geist des Geldes" um Dollarscheine und Spekulanten, um Verlockung und Verderbnis. Mal werden Geldjongleure in Mühlen zermahlen, mal im Kochtopf angeschmort. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück kann sich trösten an Karikaturen von 1995, auf der sein Vorgänger Theo Waigel getarnt mit einer Strumpfhose mit leerem Geldsäckel mit dem Bundesadler und dem Schild "ganz armer Hund" um den Hals auf nächtlichem Raubzug ist, oder 1983, als Helmut Schmidt an der Drehorgel mit seinem Finanzminister als Kletteraffen mit Bettelkappe sammelt.

Die Habenichtse werden noch einmal gedemütigt und bestraft, etwa die alte Frau, die sich vorsichtig umschaut, dass niemand sie beobachtet: Sie steckt Münzen in ihren Sparstrumpf, sie fallen aber von ihr unbemerkt durch ein Loch der Socke auf den Boden. Fast auf den Tag genau hundert Jahre nachdem in Deutschland Geldscheine zum anerkannten Zahlungsmittel wurden, zeigt das Wilhelm-Busch-Museum den modernen Nachfahren des Dagobert Duck. Er springt aber nicht in sein Schwimmbad von Münzen hinter der Tresortür, sondern auf Kreditkarten.

Mehr als alle anderen dürften zwei Karikaturen das Bild spiegeln, das inmitten der Finanzkrise so manche von Börsenjongleuren haben: Der frühere "Eulenspiegel"-Redakteur Axel Frohn zeichnet einen Mann, der mit einem Netz einen Geldschein fangen will - er merkt bei seinem Blick gen Himmel jedoch nicht, dass der nächste Schritt ihn in den Abgrund führt. Und Dirk Meissner lässt einen Mann hinter dem Schreibtisch den Stellenbewerber fragen, an was er beim Betrachten des Bildes eines Hais an der Wand denke, an Angst oder an Gier. Der Cartoonist Meissner, der vor allem für Wirtschaftsmagazine zeichnet, glaubt, die meisten deutschen Manager hätten Humor, dieser sei schließlich eine besondere Form der Intelligenz. Ob Humor auch sie beseelt, können Banker nun in Hannover prüfen. vL.

Quelle: Robert von Lucius: Finanzminister als „armer Hund“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Mai 2009, Nr. 120, Rubrik Finanzmarkt, S. 22. 
 

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