Allgemeines
Architekturarchive
Archivbau
Archivbibliotheken
Archive in der Zukunft
Archive von unten
Archivgeschichte
Archivpaedagogik
Archivrecht
Archivsoftware
Ausbildungsfragen
Bestandserhaltung
Bewertung
Bibliothekswesen
Bildquellen
Datenschutz
... weitere
Profil
Abmelden
null

 
Während im Spätmittelalter die Abgrenzung der Schreibsprachen dem Experten ein Authentizitäts-Kriterium in die Hand gibt, siehe etwa

http://archiv.twoday.net/stories/1022476575/ (Kommentar)

ist es bei frühneuhochdeutschen Texten des 16/17. Jahrhunderts sehr viel schwieriger, sprachlich eine moderne Fälschung plausibel zu machen. Als Nicht-Philologe werde ich im Folgenden vor allem dilettieren.

Es geht um Mainzer Aufzeichnungen von 1562 (mit Rückblick auf 1517 im ersten Abschnitt) bis 1590, also aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

http://www.archive.org/stream/zeitschriftfrku18unkngoog#page/n280/mode/2up (S. 271-279)

Ein sehr schwaches Argument stellt dar, wenn in einem seitenlangen Text auf Anhieb keine unverständlichen Stellen auftreten.

Ob "fureten vnser Singgesellen ein schön lustigs spiel vor dem Margraffen vff" bedenkenfrei ist, müssen andere entscheiden. Ich finde die Wendung verdächtig.

Leider sind Suchen wie "fureten * uff" bei Google Books (etwa mit dem Zeitfilter 1500-1700) ausgesprochen unzuverlässig.

http://archiv.twoday.net/stories/1022387313/

Auch "führten * auff" erbringt keine Parallele.

Trotz gravierender Einschränkungen (Fehldatierungen von Drucken, OCR-Fehler, nicht nachvollziehbares Weglassen von Treffern

http://archiv.twoday.net/stories/1022472520/ ) ist das riesige Google-Books-Corpus (Google-Suchen beziehen sich hier auf Google Books) besser geeignet als etwa die Wörterbücher

http://woerterbuchnetz.de/

wortgeschichtliche Überprüfungen durchzuführen.

Seite 272: "kam darab vnser Geselschaft ... in böß Verlümbdniß" - das Wort verlümbdniß findet Google nur zweimal, in unserer Quelle und einem sie zitierenden Aufsatz.

https://www.google.de/search?tbm=bks&q=verlümbdniß

Mit verlümbdnis, verlümdnis, verleumdnis sieht es nicht besser aus. Das Wort scheint es in der frühen Neuzeit nicht zu geben.

"nach langem vrlob" (nach langer Unterbrechung) - die Bedeutung finde ich im Grimmschen Wörterbuch nicht

http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=DWB&lemid=GU14291

Für "lange urlob", "langer urlob", "langem urlob" hat Google nichts.

Bei "parreyen" (für die Mainzer Pfarreien) bietet Google anscheinend fast nur OCR-Fehler für parteyen. "emeransparrey" kennt es nur aus unserer Quelle, ebenso "quintinsparrey". Verdächtig ist die Zusammensetzung anstelle von pfarre St. Emeran o.ä.

Gehen wir nun auf die Seite 273 des Abdrucks der Quelle.

Zu "vorrang" bemerkt Grimm: "im 18. jh. geläufig, in den früheren wörterbüchern nicht verzeichnet". Vorrang haben findet Google (verifizierbar) vor 1700 nur 1692:

https://books.google.de/books?id=AiZLAQAAMAAJ&pg=PA33

Pinxten scheint eher niederländisch-niederdeutsch zu sein.

Seite 274: "herkompnuss" ist nur für die Quelle zu belegen, ebenso herkompnus, herkompnis. Ebenso Fehlanzeige für herkommnis vor 1800. Obwohl ich mich als Herkommens-Spezialist sehe, ist mir dieses Wort unvertraut.

Seite 275: Bequemhafftigkeit weist Google nur für die Quelle und ihre Rezeption nach:

https://www.google.de/search?tbm=bks&hl=de&q=%22bequemhafftigkeit%22

Ebenso bei Bequemhaftigkeit kein alter Beleg.

"verbonden" statt verbunden verweist sprachlich auf die Niederlande.

Seite 276: "einig" steht neben dem niederländischen "eenig".

Sich "verhalten vndt benemmen" - vor 1700 findet die Suche nach benemmen jedenfalls unter den ersten Treffern nichts zu "sich benehmen". Benemmen ist wegnehmen.

Seite 277: "vffgefurt" siehe oben.

"schwere der zeitleufft" - nur hier nachweisbar. Schwere zeitleuff erbringt nur eine Rezeption der Quelle:

https://books.google.de/books?id=6CsEAQAAMAAJ&q=schwere+zeitleuff

Seite 278: gegen Intraden ist nichts einzuwenden teste Google.

"vneenigkeyt" gibt es laut Google nur hier.

"wegen Vffnahm", "wegen der Vffnahm", "zur Vffnahm", "Vffnahmegeldts", "wiederuffnahm", "vffnahmgeldt", "Vffnahmgeldt" usw. - recht verdächtig. Bei Wiederaufnahme suggeriert das Grimmsche Wörterbuch, es gebe vor 1800 nichts, aber Google findet für die Bedeutung Wiederaufnahme in eine Gemeinde/Gemeinschaft einen Beleg zu 1681:

https://books.google.de/books?id=cVtYAAAAcAAJ&pg=PA71

Sonst dominiert aber eindeutig die Bedeutung "Wiederaufschwung".

"engebe des geldtes nit" ist für diese Zeit und Raum zumindest ungewöhnlich.

"erber vndt verlumbde Singschul" - wieso denn eine verleumdete??

Bei aller Vorsicht, die dem Nicht-Philologen gut ansteht: der Merkwürdigkeiten sind zu viele, als dass ich die Quelle für authentisch halten könnte.
 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma