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Henriette Fiebig meinte in der Mailingliste MEDIAEVISTIK:

Wer sich die Titelgeschichte im letzten Spiegel über das
Mittelalter durchgelesen hat, der kann sich nur fragen, ob das
Mittelalter finster,
verbohrt und denkfaul war oder unsere Zeit (letzteres
würde ich meinen ;).
Unter der Überschrift "Mythos Mittelalter" wird schon im
Untertitel kein
Klischee ausgelassen: "Archäologen erkunden das Reich der
Ritter.
Während Bücher und Filme die Zeit zur Heldenwelt
verklären, legen
Forscher düstere Kunde vor: Kreuzfahrer trieben Schweine
in den Orient, Priester verboten an 140 Tagen im Jahr den Sex. Was brachte die Erfindung der christlichen Sündenmoral?"

Ein paar Highlights gefällig?

* "Roh und grausam, mit knarrenden Windmühlen und
quietschenden
Ochsenkarren kommt die Epoche daher, sie kannte weder
Strom noch Müllabfuhr"
* "Ohne Unterwäsche, dafür mit Mundgeruch (Zahnbürsten
gab es nicht): So
muss man sich den Adel des 11. Jahrhunderts vorstellen.
Er lebte im
Schein von Kerzen aus Rindernierenfett in hölzernen
Wohntürmen mit
Tierfellen vorm Fenster. König Artus ... besaß keine
Gabeln. Das war
seine Tafelrunde."
* "Elastisch wie Beton präsentiert sich die Ära, von
Fortschritt keine
Spur. Wie war es möglich, dass der Naturforscher und Arzt
Paracelsus ...
die betäubende Wirkung des Äthers zwar erkannte, sie aber
nie am
Menschen anwendete?"
* "Überall regierte die Stagnation. Nur auf dem Gebiet
der Rüstung tat
sich etwas."
* "Doch ansonsten lebte der Adel kommod. "Hofieren,
tanzen, stechen und
durnieren" lautete sein Wahlspruch. Dazu speiste man viel
fettes
Fleisch. An langen Winterabenden spielten Kunibert und
Co. Blindekuh.
Die Damen trugen lange Kleiderschleppen („swanz”) und
Schnürkorsetts -
„oberhalb des Gürtels fast nackend und ganz entblößt”,
erhitzte sich der
Minnesänger Konrad von Würzburg."
* Über die Städte: "In engen Barackenvierteln lebten die
Familien. Der
Geruch von Seifensiedern und Gerbern lag in der Luft. In
den Gärten
befanden sich die Abtritte. Überall liefen Schweine
herum. Man stapfte
durch eine Brühe aus Essenresten, Tierkadavern, Kot und
Urin."
* "Doch in Wahrheit stöhnte das Mittelalter im Würgegriff
schwarzberockter Spaßbremsen, die dem großen Mitraträger
im Vatikan
gehorchten. Und der konnte Sex nicht leiden."

Vorschläge für den modernen Schulunterricht über das
Mittelalter gibt es
im Artikel natürlich auch: "Ob Salier, Ottonen oder
Staufer-Kaiser - in
den Schulbüchern werden sie kaum erwähnt. Eine auf
Langeweile geeichte
Lernpädagogik hat sie verdrängt. Dabei erschließt sich
die blutvolle
Bühne der Vorfahren über ihre Hauptfiguren. Glanzvolle
Tatmenschen
traten dort auf, Prahlhänse und traurige Tyrannen.
Beispiel: Friedrich Barbarossa ... Mindestens acht Söhne
zeugte der
Kaiser, der Mailand in Asche legte und im reifen Alter
eine schöne
Lolita heiratete, sie war 13. Während des dritten
Kreuzzugs ertrank der
Regent beim Anmarsch auf Jerusalem im Fluss Saleph in der
Türkei. Ganz
Europa wurde damals von dem Badeunfall erschüttert.
Hastig legte man den
Leichnam in Essig wie eine Gurke. Rotbart verdarb
dennoch. Seine Knochen
sind verschollen."

...

Zur mittelalterlichen Lebenswirklichkeit empfehle ich als
Lektüre Bernd Herrmann (Hg.), Mensch und Umwelt im Mittelalter,
Frankfurt/Main 1989
und den Ausstellungskatalog Stadtluft, Hirsebrei und
Bettelmönch. Die Stadt um 1300, herausgegeben vom Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und
der Stadt Zürich, Stuttgart 1992
MB (Gast) meinte am 2005/11/14 09:25:
Sowas habe ich mir auch schon gedacht
Bin ja kein Historiker, aber unter dem Eindruck dieses Spiegel-Titels habe ich auch ein paar Anmerkungen im Flusskiesel-Weblog gemacht:
http://flusskiesel.netbib.de/archives/2005/11/03/spiegel-bashing/ 
typekey:belinea meinte am 2005/11/15 01:14:
wenn du denkst ich les mir das durch dann hast du dich getäuscht 
Hackmeck meinte am 2005/11/15 02:49:
Immerhin wurde aber auch der Mythos vom "flachen Weltbild" im MA widerlegt:

http://fuckup.twoday.net/stories/1113716/ 
 

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