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Falls jemand 45.000 Euro übrig hat, erhält er im Nachverkauf eine Schedel-Chronik von 1496:

http://194.25.171.19/bassenge/de/lose.asp?c=C&f=624&lot=656&DET=1

Provenienz: "Aus den Bibliotheken von Jacob Stoltenberg ("ex donatione Jacobi Stoltenbergius") und dem Mailänder Museo Cavaleri (Stempel) sowie mit dem gestochenen Exlibris der Elisabeth Sophie Maria Herzogin von Braunschweig-Lüneburg (1683-1767)
Der hübsche zeitgenössische Einband aus einer Leipziger Werkstatt eines Meisters mit dem Kennzeichen "Laubstab frei IV", der zwischen 1483 und 1506 tätig war (vgl. Kyriss 106). Die Einbanddecken sind mit dreifachen Fileten und breiten Akanthubordüren ("Steigbügelornament") in rechteckige Spiegelfelder geteilt, die mit geschwungenen Rauten und Blütenstempeln gefüllt sind. In den Bordüreecken erscheinen große, über die Fileten geprägte Rosetten. Auf dem Vorderdeckel über der Bordüre ist in großen gotischen Lettern der Titel geprägt, von dem man noch gut das Wort "Chronica" lesen kann (teils Buchstabenverlust). "

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http://194.25.171.19/bassenge/de/lose.asp?c=C&f=624&lot=650&DET=1

"Blatt 1 recto mit hs. Titel und Wappenstempel der "Biblioth. Reg. Scient. Universit. Hungaricae" und überstempelt "Duplum venditum" sowie weiterer Stempelrasur sowie hinterlegten Löchlein, zweites Blatt oben mit Bibliotheksvermerk eines Benediktinerordens "Bibliothecae Lepoglavensis O. S. B." des 19. Jahrhunderts. "

Googeln kann man im noblen Auktionshaus offenbar nicht. In Lepoglava gab es kein Benediktiner, sondern ein Paulinerkloster:

http://de.wikipedia.org/wiki/Lepoglava

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http://194.25.171.19/bassenge/de/lose.asp?c=C&f=624&lot=657&DET=1

"Aristotelische Naturwissenschaft und Metaphysik. Sammelband mit 2 Inkunabeln und 3 Postinkunabeln aus dem Besitz des Wiener Humanisten Ambrosius Saltzer. Format: 31 x 20,8 cm. Mit zahlreichen Holzschnittinitialen. Holzdeckelband d. Z. (etwas beschabt, leicht bestoßen und gering fleckig) mit breitem blindgeprägtem Schweinslederrücken und 2 erneuerten Messingschließen. 1497-1507.
Vom Herausgeber eines Wiener Aristoteles-Kommentars Ambrosius Saltzer (1476-1568) zusammengesetzter und eigenhändig durchgearbeiteter Sammelband als Handexemplar. Im vorderen Innendeckel der zeitgenössische Besitzvermerk "Liber magistri Ambrosii Saltzer" sowie das Monogramm Saltzers. Er gehörte gemeinsam mit Tannstetter, Gundel, Spiegel und Celtis zu den Mitgliedern des Wiener Humanistenkreises um Kaiser Maximilian I. In Wiens Buchdruckergeschichte zählt Mayer "den Domherrn Ambros Saltzer" zu den wenigen angesehenen Mitgliedern desselben, die noch weit in die Zeit Kaiser Ferdinands hineinwirkten. Ausführlich über Saltzers Biographie informiert ein in dessen Todesjahr bei Kaspar Stainhofer erschienener Nachruf auf den angesehenen Gelehrten (Johannes Katz, Oratio recitata idibus Junii in funere Ambrosii Salzeri qui mortem obiit Viennae Austriae 1568 3 Idus Junias. Wien 1568).
"Die Mehrzahl dieser Männer, welche den Maximilian'schen Humanistenkreis bildeten … haben die Wiener Buchdruckerpressen wenn nicht ausschließlich, doch vielfach beschäftigt und standen mit Winterburger, Vietor und Singriener auf vertrautem Fuße. Bildung und Wissen, die im klassischen Alterthume wurzeln, kennzeichnen die von ihnen commentierten Classiker oder selbstverfassten Schriften…" (Mayer I, 162).
Bei dem vorliegenden Sammelband handelt es sich um das von Saltzer selbst zuammen gestellte und annotierte Arbeitsexemplar zu ebendieser Edition. Bemerkenswert ist, dass bereits die Vereinigung dieser fünf Drucke zu einem Band auf Saltzer zurückgeht, wurden die fünf venezianischen Drucke doch nicht - wie es der bei allen identische Druckort nahe legen würde - in Oberitalien gebunden. Das für den schönen Einband verwendete Vorsatzpapier (WZ: Krone mit zweikonturigem Bügel und Herstellermarke "3b") fand laut Picard (I, XIII, 16) ausschließlich in der Kanzlei Kaiser Maximilians I. in den Jahren 1512 bis 1516 Verwendung.
Die in der Vietor-Ausgabe von 1514 behandelten "libri Metheorum" des Aristoteles finden sich im vorliegenden Sammelband in einer Ausgabe von 1507 (IV), weiters die editio princeps des bedeutenden Metaphysik-Kommentars des Scholastikers Duns Scotus und drei Werke des Antonio Trombetta zur Naturwissenschaft und Metaphysik (davon eine Ausgabe bibliographisch nicht nachweisbar). Enthalten sind die Drucke:
I. Johannes Duns Scotus. Quaestiones in Aristotelis Metaphysica etc. 132 nn. Bl. (le. w.), 2 Spalten.66-67 Zeilen. Got. Typ. Mit zahlreichen, teils figürlichen Initialen und Holzschnitt-Druckermarke. Venedig, Bonetus Locatellus für Octavianus Scotus, 20. XI. 1497. - Hain-Copinger 6450. GW 9065. Goff D-372. BMC V, 448. BSB-Ink D-298. ISTC id00372000. Erste Ausgabe. Das Druckprivileg für diese Ausgabe erhielt Locatellus am 19. April des Jahres. Dieser Kommentar zur aristotelische Metaphysik ist eines der Hauptwerke des franziskanischen Scholastikers, der aufgrund seiner scharfsinnigen wissenschaftstheoretischen Argumentation den Beinamen "doctor subtilis" erhielt.
II. Antonio Trombetta. Opus in Metaphysicam Aristotelis. 112 nn. Bl. mit zahlreichen Holzschnitt-Initialen und Holzschnitt-Druckermarke. Ebenda 5. Februar 1502. - Nicht bei Adams, Panzer, im STC und NUC. Vgl. nur STC, der eine 1504 gedruckte Ausgabe bei J. Pentius verzeichnet. Umfangreiches Werk des 1518 gestorbenen Erzbischofs von Athen und Bischofs von Urbino, der an der Universität in Padua 42 Jahre lang Metaphysik lehrte. Trombetta gilt als einer der herausragendsten Vertreter des Scotismus im 16. Jahrhundert. - Außergewöhnlich seltener Druck.
III. Derselbe. Tractatus singularis contra Averoystas de humanarum animarum plurificatione. 32 nn. Bl. (le. w.). Mit 39 Holzschnitt-Initialen und Holzschnitt-Druckermarke. Ebenda 25. X. 1498. - Hain-Copinger 15646. GW 47624. Goff T-461. BMC V 451. BSB-Ink T-469. ISTC it00461000. Philosophisches Werk über die Vielgestaltigkeit des menschlichen Geistes und Seelenlebens. Die Angriffe gegen die Averroisten richteten sich gegen verschiedene aristotelische Schulen, die die Unsterblichkeit der Seele infrage stellten. Ähnlich wie Trombetta und die Scotisten schieden sie die ratio scharf von der fides. In den Naturwissenschaften verteidigten sie das aristotelische System.
IV. Aristoteles. Libri meteororum. Tractatum de reactione. Et tractatu de intensione et remissione eiusdem Gaietani. 2 Teile. 70; 61 (recte 55) num., 1 w. Bl. Mit 15 schematischen Textholzschnitten, zahlreichen figürlichen und ornamentalen Initialen und Holzschnitt-Druckermarke. Ebenda, 1. Dezember 1507. - STC 47. Isaac 12.477. Hoffmann I, 320. Erste Einzelausgabe des 16. Jahrhundets. Der vorliegenden Ausgabe beigegeben sind die erstmals 1491 gedruckten Kommentare des heiligen Gaetano di Tiene (gest. 1547), des Gründers des Theatinerordens (vgl. Stillwell V, 756-57).
V. Antonio Trombetta. In tractatu formalitatum Scoti sententia. Formalitates Antonii syreti de mente eiusdem Scoti. 32 num. Bl. Mit zahlreichen, teils figürlichen Initialen in Holzschnitt. Venedig, o. Dr. (d. i. J. Pentius), 22. April 1505. - STC 683. Adams T-997. Issac 12.930. Die Druckerzuschreibung laut STC, editorisch betreut wurde die vorliegende Ausgabe von M. O'Fihely.
Alle Titel mit eigenhändigen Marginalien Saltzers (passim), stellenweise im weißen Rand etwas fleckig, einige Blätter in Teil V mit Wasserrand, kaum Papierläsuren oder sonstige Gebrauchsspuren, insgesamt ein nahezu tadellos erhaltener Sammelband mit den originalen Blattweisern aus Pergament. Prachtvoll gebunden.
Trillenium 87078"

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http://194.25.171.19/bassenge/de/lose.asp?c=C&f=624&lot=647&DET=1

Speculum exemplorum. Strassburg 1487. ISTC is00653000

"Insgesamt sehr schönes Exemplar aus dem Besitz des Dominikanerkonvents St. Wenzeslaus in Eger mit deren hs. Besitzvermerk auf dem Titel in Sepia (17. Jahrhundert). Weiterhin ein Besitzvermerk von Graf Konrad Reuttner von Weyl (vgl. Bloomsbury Auktion am 31. Oktober 1985, Los 136). Interessant ist ein 8zeiliger Tischspruch in deutscher Sprache auf Blatt O6recto: "Eyn gesetz alh[ier] geschrieben steytt / Keyn paine, da hier in die herberg geyt / Es offent sich wider [= weder] pforte noch thor / Es stehe den[n] achilles, plato add [= oder] dyamedes vor / Das gesetz nu ist von andert / Her yn aller der in got[t]e kompt gewandert / Der nackend martin lazarus und jacoff pilgereyn /Allhie zum züge und zu tische wilkommen seyn" (ungefähre Transkription mit Fehlern)."

Wenn man schon fehlerhaft transkribiert, sollte man ein Bild des Eintrags spendieren!

Zur Familie Reuttner:
www.reuttner.de/

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http://194.25.171.19/bassenge/de/lose.asp?c=C&f=624&lot=625&DET=1

"Jodocus Erfordensis. Vocabularius utriusque iuris. 310 nn. Bl. (das erste weiß). 34 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 20,6 x 12,1 cm. Format: 29 x 20,5 cm. Mit Initialspatien. Blindgeprägter Kalbslederband d. Z. (geschwärzt, mit kleinen Fehlstellen, winzigem Ausbruch im Rücken, unsichtbar restauriert) über schweren Holzdeckeln mit 4 Schließbeschlägen (ohne die Bügel) sowie mit 4 alten und älteren Titel- bzw. Bibliothekschildern. Basel, Michael Wenssler, um 1473.
Copinger 6354. GW 12628. Goff V-335. Proctor 7477. Pellechet 11758. Borm 1501. Collijn 1501. Deckert 691. Günther 424. Hubay 2128. Kaufmann-Nabholz 160. Madsen 4202. Nentwig 397. Ohly-Sack 3004. Rhodes 1836. Sack 3710. Scheidegger-Tammaro 789. Walsh 1113. BMC III, 722. BSB-Ink I-256. CIBN V-277. IBP 5695. IDL 4691. IGI 10354. ISTC iv00335000. Zweite Ausgabe eines der beliebtesten juristischen Werke des 15. Jahrhunderts über das kanonische wie das zivile Recht, die Wensslers undatiertem Druck aus der Zeit vor 1473 (GW 12628. Reichling 1920. Goff V-334) folgt und daher wohl in das Jahr 1473 datiert werden kann (ISTC hält auch 1474 für möglich). Ein Exemplar der Bayerischen Staatsbibliothek enthält einen Kaufvermerk des Jahre 1474 als terminus ante quem. Der BMC erwähnt Satzvarianten, hier etwa "dictorum" in der ersten Zeile auf 16/4r und "siue" auf 28/3r.
Die ersten und letzten Blätter mit kleinen Wurmgängen im weißen Rand, minimaler Textabklatsch, im Block leicht wellig, aber nur ganz vereinzelt fleckig sowie ein unbedeutender Wasserrand von unten, insgesamt in prachtvoller, bester Erhaltung. Der auffällig wohlerhaltene, sehr schöne und feste zeitgenössische Einband zeigt dreifache Blindfileten-Verzierung mit großen Rosen- und kleinen Lilien- und Blütenstempeln sowie dem gestempelten Schriftband "laus deo" auf beiden Deckeln. Aus der Bibliothek eines "Ulricus Wenger" mit dessen zeitgenössischem hs. Besitzvermerk oben am Textanfang und einem weiteren, etwas späteren Eintrag des 17. Jahrhunderts des Augustiner-Eremitenklosters zu Memmingen. Das Exemplar stammt aus der Hofbibliothek der Prinzen von Fürstenberg, Donaueschingen (vgl. Sotheby's London, 1. Juli 1994, Los 321). "

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http://194.25.171.19/bassenge/de/lose.asp?c=C&f=624&lot=641&DET=1

Nicht jeder Inkunabelsammler hat Geschmack:

"Vorsatz mit Einträgen, Innenspiegel mit Pergamentbezug (teils lädiert), erste Textseite mit unschönem Exlibris-Blindstempel von Detlev Mauss, wenige Initialen etwas abgeklatscht, leicht fleckig und nur mit wenigen winzigen Papierläsuren, Gebrauchsspuren. "

Vgl. dazu:

http://web.archive.org/web/20070610094419/http://members.aol.com/Fust16843/Homepage/

Danach kommt der Akt der Eigentums- und Besitzergreifung. Ich habe mir einen Trocken-Prägestempel schneiden lassen in runder Form, dessen Unterschrift lautet: "Ex bibliotheca Dr. Mauss", in der Mitte des Kreises habe ich das Allianz-Wappen von Fust & Schöffer schneiden lassen. Ich habe Dr. Staub, Hessische LHB Darmstadt, um Rat gefragt, ob ich das denn dürfe, und seine wohlwollende Zustimmung erhalten. Wenn man bedenkt, daß die Bibliotheque Nationale de Paris ungehemmt ihren fetten roten Stempel in die Evangelistenhäupter einer Handschrift aus dem 12. Jahrhundert hineindonnern, dann darf wohl auch ich meinen unauffälligen Prägestempel in ein leeres Blatt meiner Inkunabel pressen.
Loga (Gast) meinte am 2012/10/01 10:00:
Bassenge Auktion 100
Bassenge bietet übrigens am 18. Oktober 2012 eine seltene Inkunabel (ehem. Sign.: Kap Inc. 1) aus dem Kapuzinerkloster Eichstätt an, welche noch 1968 von I. Hubay im Eichstätter Inkunabelkatalog unter Nr. 1007 verzeichnet worden war.

Los 563: Thomas a Kempis. Meditationes de vita Jesu Christi. Köln, Johann Landen, um 1498 (mit 22 Blätter Handschriftlicher Fragmente)

http://194.25.171.19/bassenge/de/lose.asp?c=B&f=531&lot=563&DET=1

Dass die letzten Provenienzen gerne verschwiegen werden ist ja nicht so selten. Bonhams (London) versteigert am 2. Oktober
2012 (auction 20412: lots 116-230) fast sämtliche Inkunabeln (80 von den 82 im ISTC unter 'Wigan PL' gelisteten) der 'Free Public
Library Wigan', ohne dies im Online-Katalog zu erwähnen. Ein zugehöriger Blindstempel kann nur aufgrund der Abbildungen (mit
Zoom) identifiziert werden.

z.B.: http://www.bonhams.com/auctions/20412/lot/150/ 
KlausGraf antwortete am 2014/03/17 17:01:
Zu den schändlichen Inkunabelverkäufen der Wigan Public Library
weist uns Frau Noeske hin auf:

Oktober 2012:
http://www.wigantoday.net/news/local/historic-books-under-hammer-1-4982694
http://www.lihg.org/index.php?topic=163.0 
 

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