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So fand ich in Philippe Djian, Sirenen, 2003, S. 42-43 folgende Schilderung:
" '..... Du leistest wirklich gute Arbeit,Édouard, habe ich dir das schon gesagt ?'
Er errötete. Trotz der widerlichen Akne strahlte sein Gesicht regelrecht. Da ich zu den wenigen gehörte, die ihm eine gewisse Sympathie entgegenbrachten, hatte ich einen privilegierten und absolut vertraulichen Zugang zur Dokumentationsstelle und zum Archiv, einer dunklen, unverständlichen Welt, über die Édouard als unumstrittener Herrscher regierte. ...." Übrigens: Édouard taucht später noch einmal auf. Er ist der Kollegin des obigen Ich-Erzählers ebenfalls zu Gefälligkeiten verpflichtet, denn sie hatte ihn auf der Damentoilette mit einer nicht ganz jugendfreien Zeitschrift überrascht.
Vielleicht sind ja einige der Kolleginnen und Kollegen auch auf solche Schilderungen unserer Profession gestoßen. So könnte eine Sammlung entstehen, die das Berufsbild der/des Archivierenden in Kunst, Literatur, Film und Musik beinhaltet.

Nachtrag
Der Vollständigkeit halber werden die übrigen archivrelevanten Textstellen des Romans hiermit nachgereicht:
S. 167 - 168
[Kollgin (Marie-Jo)]" .... Ich hatte Édouard, der mir die Hinweise über dieses Mädchen gegeben hatte, freundlich gewarnt, dass jemand es bereuen würde, falls Nathan auch nur ein Wort von unserem Gespräch erfahren sollte. Ich glaube, er hat verstanden, was ich damit meinte. Seit dem Tag, an dem ich ihn in den Toiletten im Kellergeschoß - die Damentoilette in unserem Stockwerk waren noch infolge eines Bombenalarms gesperrt - mit einer Hustler-Nummer erwischt hatte, konnte ich mit ihm machen, was sich wollte. ...."

S. 393
[Nathan (Hauptfigur) zu Marie-Jo:] "Hör zu. Nimm es mir nicht übel. Ich habe in der letzten Zeit furchtbar viel Arbeit gehabt. Édouard hat sein Akne mit Laserstrahlen behandeln lassen, und ich muß Die ganze Arbeit allein machen. Daran ist Fenwick schuld, dieser Arsch. Das hat er absichtlich getan. Von morgens bis abends habe ich die Maler auf der Pelle. Ich weiß nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Das ganze verdammte Archiv. Mehrere Kilometer. Das ist der Grund. Er meinte wohl, das sei noch nicht genug. Dieser Scheißkerl. Dieser Scheiß-Fenwick."

S. 395
[Marie-Jo:]" …. Ich stellte ihn [Nathan] mir im Archiv vor. In Gesellschaft von Édouard. Ich stellte ihn mir vor, wie er im Kreis lief wie eine Ratte in ihrem Käfig, .... Ich stellte ihn mir in der Verbannung im Kellergeschoß vor. In Gesellschaft von Edouard. In einem Meer des Grauens, umgeben von Kriminalfällen, Fotos von Mördern und Opfern, in einer Flut von Dokumenten über verpfuschte Existenzen, ausweglose Situationen, tragische Lebenswege, vergebliche Auflehnung, denn mir hätte das nicht gepasst. Aber ganz und gar nicht. Ich hätte meine Entlassung eingereicht. ....."
Stefan Jaeggi meinte am 2007/03/12 15:48:
Archiv(ar)stereotypen
In der "Neuen Zürcher Zeitung" Nr. 17 1995 (21./22. Januar) war folgendes Gedicht eines gewissen Peter Frey zu lesen:

Der Archivar

Tief nachts oft sass der Archivar
Im Kerzenschein beim Samowar
Aus dem noch Rum mit Schwartee tropfte
Der dumpf ihm in den Schläfen klopfte
Die Augen, müde schmale Schlitze
Entzifferten die alte Skizze
An der entschlüsselnd schon der Vater
Gescheitert war samt manchem Kater
Der Wind schlug hart ans Butzenfenster
Und weckte eins der Hausgespenster
Das durch des Samowares Hahn
In Tropfenform gequollen kam
Und auf dem Dokument zerfloss
Die Zeichen so zu Sinn vergoss
Du bist ein grüblerisches Wesen
War da in Urschrift schwach zu lesen
Dies Rätsel hast du nun gelöst
Derweil du wähnst, im Bette döst
Dein Weib, ob's wohl noch dorten ist?
Das du verloren erst vermisst!
Der Archivar stand zitternd auf
Und kriegte einen Schluck-Schluckauf
Der ihm auch blieb seit jener Nacht
Vom Weib verlassen und verlacht

Nun, Kunst oder Literatur ist das nicht, aber als Stereotyp einigermassen amüsant. 
 

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