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Archive und Gedächtnis - Festschrift für Botho Brachmann. – hrsg. von Friedrich Beck / Eckhart Henning / Joachim-Felix Leonhard / Susanne Paulukat / Olaf B. Rader. – Potsdam: Verlag für Berlin-Brandenburg GmbH, 2005, 738 S. (Potsdamer Studien, Bd. 18)
Preis:40,- €, brosch. (ISBN 3-86650-480-2)

Eine kurze Anzeige erschien hier bereits am 10. Januar 2006:

http://archiv.twoday.net/stories/1389639/

Brachmann war einer der führenden Köpfe der Archivarsausbildung in der DDR. Man wird nicht erwarten dürfen, dass eine ihm gewidmete Festschrift die Rolle des Jubilars, der von 1971 bis 1996 den Bereich Archivwissenschaft an der Humboldt-Universität leitete, in der DDR kritisch aufarbeitet. Allerdings wäre es nützlich gewesen, die auf DDR-Verhältnisse bezüglichen Beiträge in einem eigenen Abschnitt zusammenzustellen.

Neben den S. 177-236 abgedruckten Beiträgen von Schupp (zur Potsdamer Fachschule für Archivwesen), Wahl (Archivarbeit in Weimar 1945) und Walther (Umgang mit der NS-Vergangenheit im DDR-Archivwesen) sind zu nennen: Aberle über Archivalien der Akademie der Wissenschaften der DDR (desgleichen Enke), Buchholz zum "Archiv unterdrückter Literatur in der DDR", Klaue zum Staatlichen Filmarchiv der DDR, Paulukat zur Bewertung des DDR-Fernsehprogramms. Einen DDR-Künstler porträtiert Rüger.

Hervorzuheben sind auch die über den Band verstreuten Aufsätze aus dem Bereich der Medienarchive: Lersch zu einem AV-Gedächtnis, Dusek zum ORF-Archiv in Österreich, Essegern zum Redaktionsarchiv des Dresdner Druck- und Verlagshauses (Sächsische Zeitung und Morgenpost Sachsen) sowie die bereits genannten Studien von Klaue und Paulukat. Auch die persönlichen Erinnerungen des langjährigen Archivleiters des Südwestfunks, Wolfgang Hempel, gelten den Verdiensten Brachmanns auf diesem Gebiet.

Überhaupt ist die Reihenfolge der Beiträge (innerhalb der Abschnitte nach dem Autorenalphabet) wenig sachgerecht. So hätten die beiden Beiträge zum Archiv der Akademie der Wissenschaften oder zu Goethe nicht getrennt werden dürfen.

Wenn ich einen Aufsatz herausgreifen dürfte, von dem ich am meisten gelernt habe, dann würde ich Hennigs Einführung in die Autographenkunde wählen, Pflichtlektüre für alle Archivare. Dargestellt wird die Geschichte des Autographensammelns. Um aus Sammlerhand stammende Autographen in den eigenen Archivbeständen aber auch im Autographenhandel richtig einschätzen zu können, empfiehlt sich in der Tat, "hilfswissenschaftliche" bzw. quellenkundliche Hintergrundinformationen zu diesem "Hobby" parat zu haben.

Da längst nicht alle Autoren sich vergegenwärtigen, welche Folgen es hat, wenn Aufsatztitel nicht präzise den behandelten Gegenstand umschreiben, gibt es auch in dieser Festschrift etliche Titel, die zwingend einer Erläuterung bedürfen. Außerdem füge ich in einigen Fällen subjektive Bemerkungen zum Inhalt an.

INHALT:

Tabula gratulatoria

I. Prolog
Friedrich Beck
"Archive und Gedächtnis" 21-26

II. Generalia
Wolfgang Ernst
Kybernetik des Archivs - An der Grenze zum Medium 29-37

Helmut Knüppel
Ökonomie und Gemeinwesen. Anmerkungen zur politischen Kultur in Deutschland 39-62

Joachim Felix Leonhard
Kultur als Faktor in der globalen Lerngemeinschaft 63-72

Edgar Lersch
,,Immer die gleichen Bilder." Audiovisuelle Medienproduktion und Mediendokumentation und ihr Beitrag zur Formung eines kollektiven audiovisuellen Gedächtnisses 73-85

Michael Lindner
Vom Winde verweht. Das Reich und die Steppenvölker im hohen Mittelalter 87-105

Zu den Kumanen, Petschenegen und Uzen.

Ina Prescher
Archive als Zeitmaschinen. Probleme der Überlieferung kreativer und transitorischer Prozesse 107-118

Hochtrabendes aus der Arbeit des Archivs der Akademie der Künste, Berlin

Olaf Rader
"Knochenarchiv" und Gemeinschaftsgedächtnis. Zur Rolle der Gräber bei der Konstruktion kollektiver Erinnerungen 119-129

III. Spezialia

Archivgeschichte

Dirk Alvermann
Archivare im Nebel. Zur schwedisch-pommerschen Archivtheorie im 18. Jahrhundert 133-146

Vor allem zum Universitätsarchiv Greifswald.

Jörg Brückner
"… übertrifft dieses Ortenbergische Archiv wohl alle in der Welt an Unordnung und Unreinlichkeit." Zur Geschichte eines Gemeinschaftsarchivs des Hauses Stolberg 147-164

Einleitend auch zur Restitutionsproblematik nach dem Ausgleichsleistungsgesetz. Siehe
http://archiv.twoday.net/search?q=ealg

Peter Dusek
Die ,,Schatzgräber" vom Küniglberg. Anmerkungen über die Geschichte der größten audiovisuellen Sammlung Osterreichs im ORF 165-175

Waldemar Schupp
Die Anfänge und das Ende der Fachschule für Archivwesen in Potsdam (1955/1993) 177-200

Volker Wahl
"… es konnte nunmehr wieder die geordnete Arbeit im Staatsarchiv beginnen." Archivarbeit unter Besatzungshoheit 1945 in Weimar. Eine Dokumentation 201-216

Simone Walther
Zum Umgang mit der NS-Vergangenheit beim personellen Neubeginn im zentralen Archivwesen der SBZ/DDR (1945 -1952). Versuch einer Bestandsaufnahme 217-236

Archivwissenschaft und Historische Hilfswissenschaften

Lorenz Friedrich Beck
Die Historischen Hilfswissenschaften im Informationszeitalter. Vom zeitlosen wie zeitgemäßen Nutzen des quellenkundlichen Instrumentariums für Archivar und Historiker 239-251

Frank M. Bischoff
Maßstäblichkeit historischen Erinnerns. Anmerkungen zur Verbindlichkeit archivarischer Auslesetätigkeit, gestuften Archivwürdigkeit und Bewertungsdokumentation 253-275

Eckart Henning
Eigenhändig. Grundzüge einer Autographenkunde 277-297

Brigitta Nimz
,,Die geteilte Erinnerung". Erschließung im Archiv- und Bibliothekswesen 299-323

Lutz Schilling
Vorfeldarbeit und Bewertung - die archivrechtliche Stellung des Archivars gegenüber Registraturbildnern in Thüringen 325-330

Volker Schockenhoff
Archivwissenschaft in der Wende - Rückblicke und Perspektiven 331-341

Der Archivar "sollte der Gesellschaft dienen, nicht dem Staat" (S. 340). Stimmt!

Hermann Sehreyer
Verwaltungsreform und Archivgesetz. Aktuelle Probleme des Archivwesens der Russischen Föderation 343-354

Archive und Bestände

Johanna Aberle
Der Erschließungszustand des Bestandes Forschungsgemeinschaft der naturwissenschaftlichen, technischen und medizinischen Institute der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin 357-367

Matthias Buchholz
Archivarbeit (manchmal) mehr als nur Amnesieprävention. Das Beispiel "Archiv unterdrückter Literatur in der DDR" 369-379

Das Archiv in Form von 40.000 Manuskriptseiten von etwa 100 Autoren wurde 2005 der Stiftung Aufarbeitung übergeben.

Vera Enke
Zur Überlieferungslage und Erschließung der Forschungsbereiche der Akademie der Wissenschaften der DDR 381-390

Ute Essegern
Das "Häschen-Prinzip". Von Gedächtnisverlust und Neuanfang eines Medienarchivs 391-396

Redaktionsarchiv des Dresdner Druck- und Verlagshauses (Sächsische Zeitung und Morgenpost Sachsen) und die Folgen des Hochwassers 2002.

Wolfgang Klaue
"Aber ein richtiges Archiv ist das eigentlich nicht" 397-402

Zum Staatlichen Filmarchiv der DDR.

Matthias Lienert
Gedanken zu Tradition und Moderne im Universitätsarchiv 403-414

Universitätsarchiv der TU Dresden.

Norbert Moczarski
Archivdepot Suhl - Problematischer Neubeginn in einem alten Gefängnisbau 415-427

Außenstelle des Staatsarchivs Meiningen ab 1990.

Klaus Oldenhage
Vom Missbrauch des Wortes ,,Koblenz" beim politischen Kampf um die Stasi-Unterlagen 429-445

Ein "Aufruf zu mehr Sachlichkeit in einer politischen Fachfrage" (S. 429)

Susanne Paulukat
Von Westaufzeichnung, Ostaufzeichnung und Medienarchiven. Überlieferungslinien des DDR-Fernsehprogramms 447-464

Norbert Reimann
Privates Archivgut und öffentliches Interesse. Westfälische Adelsarchive - Pflege, Nutzung, Bedeutung für die Forschung 465-476

Siehe auch http://archiv.twoday.net/topics/Herrschaftsarchive/

Regina Rousavy
Gießen oder Fügen? Zur Neufassung der Tektonik im Landesarchiv Berlin 477-492

Heike Schroll
Provenienzforschung am Landesarchiv Berlin. Ergebnisse und Möglichkeiten 493-508

Provenienzforschung meint hier vor allem Ermittlungen im Zusammenhang mit dem NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgut.

Auswertung

Reiner Groß
König Friedrich August II. von Sachsen. Betrachtungen anlässlich seines 150. Todestages 511-524

Der historiographisch unterbelichtete dritte sächsische König im 19. Jahrhundert lebte von 1797 bis 1854.

Matthias Hermann
Die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz 525-546

Die 1779-1945 bestehende gelehrte Vereinigung wurde 1990 wieder gegründet.

Stefi Jersch-Wenzel u. Thomas Jersch
Jacob Jacobson - deutscher Jude und Archivar (1888-1968) 547-585

Eindrucksvolles Lebensbild des Archivars des Gesamtarchivs der deutschen Juden 1919/20 bis zum Ende der Institution 1943.

Reinhard Kluge
Goethe als Behördenchef in seinem ersten Weimarer Jahrzehnt 587-601

1775-1785.

Wolfgang Knobloch
Die Mitgliedsdiplome Alexander von Humboldts. Eine Überlieferungsodyssee von nahezu 140 Jahren 603-613

Manfred Kobuch
Der beschwerliche Weg von Thomas Müntzers Briefwechsel aus Dresden nach Moskau 615-622

Die "Alten Briefe und Zettel" wurden 1949 im Original Stalin geschenkt.

Ingo Materna
"Die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie". Zur Edition der Berichte der Regierungspräsidenten über die sozialdemokratische Bewegung in den Regierungsbezirken Frankfurt/Oder und Potsdam während des Sozialistengesetzes 1878-1890 623-638

Maria Rüger
Der Bildhauer Fritz Cremer und seine Wortgefechte. Zur Edition seiner Schriften, Reden, Interviews 639-656

Über Cremers (1906-1993) kulturpolitische Positionen in der DDR.

Oliver Sander
Die Bauverwaltung der ,,Regierung Berlin" 1816-1821. Zur Vorgeschichte der Ministerial-, Militär- und Baukommission in Berlin 657-675

Gerhard Schmid
Goethes persönliches Archiv 677-688

Gerald Wiemers
Der Nachlass des Erziehungswissenschaftlers und Philosophen Theodor Litt in seiner öffentlichen Wirkung 689-693

Der Nachlass Litts (1880-1962) wird im Universitätsarchiv Leipzig aufbewahrt.

IV. Epilog

Wolfgang Hempel
Erinnerst Du Dich? Ein persönlicher Rückblick 697-712

V. Anhang
Botho Brachmann - Curriculum vitae
Schriftenverzeichnis Botho Brachmann
Autorenverzeichnis
 

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