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Rheinisch – Kölnisch – Katholisch. Beiträge zur Kirchen- und Landesgeschichte sowie zur Geschichte des Buch- und Bibliothekswesens der Rheinlande. Festschrift für Heinz Finger zum 60. Geburtstag, hrsg. von Siegfried Schmidt in Zusammenarbeit mit Konrad Groß und anderen. Köln: Erzbischöfliche Diözesan- und Dombibliothek 2008 (= Libelli Renani Bd. 25). - 669 S., zahreiche SW-Illustrationen. Preis: 34,00 €

Als Heinz Finger von der ULB Düsseldorf 2001 als Direktor an die Diözesan- und Dombibliothek Köln wechselte, begründete er die Schriftenreihe Libelli Rhenani, in der ihm nun der voluminöse Band 25 (insofern mehr als ein "Libellus") als Festschrift gewidmet wird. Geboten wird der übliche bunte Beitrags-Strauß, eingerahmt von Grußworten und der umfangreichen Bibliographie des Jubilars.

Erfreulich ist, dass etliche Studien Quellenbeigaben im Anhang enthalten.

Die Verbreitung des Bandes würde sehr gefördert, würde der Band Open Access zur Verfügung stehen. Da man aber auf den traditionellen Buchdruck gesetzt hat, wäre es sinnvoll gewesen, dessen Vorzüge auszunutzen: lesefreundliche Anführungszeichen (statt der " ") und gute Abbildungsqualität werden vermisst.

Ich ergänze das folgende Inhaltsverzeichnis mit eigenen Annotationen.

Inhalt
Vorwort
Grußwort des Erzbischofs von Köln
Grußwort des Metropolitankapitels

Kirchen- und Landesgeschichte der Rheinlande

* Euphrates, die gefälschten Akten der angeblichen Kölner Synode von 346 und die frühen Bischofssitze am Rhein / Von Michael Durst

S. 21-62 Die in deutscher Übersetzung beigegebenen, wohl in Trier im 10. Jahrhundert gefälschten Akten werden als nicht verlässlich erwiesen. Die von ihr überlieferten Namen rheinischer Bischöfe sind daher zu streichen.

* Die Friesenmission und der Eintritt der in der alten Provinz Germania II gelegenen Bistümer in die karolingische Reichskirche. Eine Skizze / Von Josef Semmler

S. 63-80 Der Beitrag ist etwas zu sehr skizzenhaft geraten. Ein Aufsatz ohne einen einzigen Literaturhinweis entzieht sich dem wissenschaftlichen Diskurs und wird hermetisch.

* Der Kölner Niederklerus und die römische Kurie am Ende des 12. Jahrhunderts / Von Rudolf Hiestand

S. 81-123 Beigegeben ist eine Liste der Urkunden für und mit Angehörigen des Kölner Niederklerus 1181-1197.

* Der Heilige als Helfer der Bürger. Auf dem Weg zur Stadtgemeinde: Heilige und frühe Stadtsiegel / Von Manfred Groten

S. 125-141 Groten überschätzt die Rolle des Stadtpatrons in der deutschen Stadt des hohen Mittelalters.

* Zum Verhältnis von Theologie und Philosophie bei Albert dem Großen. Wissenschaftstheoretische Reflexionen während der Gründung des Studium generale in Köln / Von Hannes Möhle

S. 147-162 Möhle interpretiert den 1250 geschriebenen Kommentar Alberts zum siebten Brief des Dionysius.

* Das Testament des Albertus Magnus nach der Abschrift des Narcissus Pfister (Clm 4384) / Von Henryk Anzulewicz

1402 kopierte der Kölner Dominikaner und spätere Benediktiner von St. Ulrich und Afra in Augsburg, Narcissus Pfister das 1278 datierte Testament des Albertus Magnus. Der Beitrag liefert eine Edition und Übersetzung des bislang nur 1850 abgedruckten Textes. Das Faksimile auf S. 174 ist unbrauchbar, da zu klein und zu unscharf.

Bei den im Anhang aufgelisteten Erwähnungen in der Literatur ist übersehen: Joseph Zeller, in: Schwäbisches Archiv 26 (1908) S. 162f. und Klaus Graf, in: Geschichte der Stadt Schwäbisch Gmünd, 1984, S. 158 mit Anmerkung S. 582 Anm. 61.

* Kardinäle – ehemalige Kölner Domkanoniker. Sammlungs- und Studienergebnisse / Von Hans-Joachim Kracht

S. 181-190 Behandelt: Oliver Thomas de Saxo von Paderborn, Georg Hessler, Georg Markgraf von Baden, Philipp Wilhelm Herzog von Bayern, Eitel Friedrich Graf von Hohenzollern-Sigmaringen, Wilhelm Egon Prinz von Fürstenberg, Christian August Herzog von Sachsen-Zeitz, Philipp Ludwig Karl Graf von Sinzendorf.

* Der Tod des Kölner Rentmeisters Alf Bruwer / Von Klaus Militzer

S. 191-203 Hätte Militzer beigesetzt "auf dem Konstanzer Konzil 1417", so könnte man den Beitrag erheblich besser bibliographisch verorten. Er wertet die Reiserechnungen aus (siehe die Edition dieser Quellen durch Militzer 2007).

* Eine spätmittelalterliche Fronleichnamsprozession in Wittlaer und ihre Erneuerung im 17. Jahrhundert / Von Wilhelm Janssen

S. 205-219 Im Anhang wird aus dem Pfarrarchiv Wittlaer Nr. 571 eine historische Beschreibung der Prozession (1623?) abgedruckt. Der Text wird vor allem lokalhistorisch ausgewertet, eine Interpretation als Zeugnis für die Revitalisierung mittelalterlicher Frömmigkeitsformen in der frühen Neuzeit, also für "retrospektive Tendenzen", unterbleibt.

* Evangelische Reaktionen auf Bayerns Griff nach dem Erzbistum und Kurfürstentum Köln 1577 / Von Hansgeorg Molitor

S. 221-232 Molitor wertet vor allem die Anlagen zu einem Brief des Pfälzer Kurfürsten Ludwig VI. an Herzog Ludwig von Württemberg am 18. Mai 1577 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 127 Bü 3 aus.

* Küsterwahlen im Köln des 16. Jahrhunderts / Von Joachim Oepen

S. 233-248 Quelle ist das Memorialbuch, das Hermann Weinsberg für die Pfarrkirche St. Jakob anlegte. Ediert wird im Anhang der Bericht über die Küsterwahl 1562 (Bl. 2v-5r).

* "Obsidio Novesiana" – Karl der Kühne vor Neuss. In: Coppenstein, De Fraterniatis SSmi Rosarij B. Virginis Mariae Ortu, Progressu, Statu atque Praecellentia Libri Tres von 1613 und 1629. Versuch einer Interpretation / Von Karl Remmen

S. 249-290 Lateinischer Text und Übersetzung sind beigegeben. Hauptquelle Coppensteins war Jacques de Meyer (1491-1552).

Ob es angebracht ist, hinsichtlich der Biographie Coppensteins auf die ADB zu verweisen, mag dahingestellt bleiben. Um ein aktuelles Biogramm des 1638 gestorbenen Koblenzer Dominikaners zu finden, muss man nicht von Neuss nach Düsseldorf radeln, es genügt, das Internet anzudrehen, wenn man eins hat.

* Faire revivre l’arbre entier – Die Freilassung der gefangenen Jesuiten aus der Engelsburg (1775/76) nach den Berichten des kurkölnischen Ministers Marchese Tommaso Antici aus Rom / Von Christoph Weber

S. 291-314 Weber stützt sich auf die Berichterstattung des kurkölnischen Agenten Antici am Römischen Hof im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf.

* "Einige Worte über die Rhein-Schiffahrt." Die Düsseldorfer Schrift des Staatsrats Georg Arnold Jacobi von 1803 und ihr wirtschaftspolitisches Umfeld / Von Clemens von Looz-Corswarem

S. 315-332 Höchst bedauerlich ist, dass diese nur 16-seitige Schrift nicht online vorliegt. Sie wurde nachgedruckt in (Cottas) Europäischen Annalen 1803 Bd. 1 Nr. 6, doch weder über Google noch über den OPAC der UMich ist der betreffende Band erreichbar.

[Schrift ist online http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/content/structure/124199 ]

* Joseph Höffners erste römische Eindrücke 1926 und seine Priesterweihe 1932 / Von Norbert Trippen

S. 333-339 Abgedruckt wird ein Brief Höffners an seine Lehrerin in Horhausen und ein unbeholfener Brief des Vaters aus Rom. Das ist ja das Schöne an der biographischen Forschung über den hohen Klerus: Dass jedes noch so belanglose Fetzchen andächtig besprochen werden darf.

* "Es hätte unserer Kirche und unserem Volk mehr gedient, wenn wir weniger geschwiegen hätten" – Die "Schuldfrage" im Frühjahr 1945 im Lichte eines neuen Quellenfundes: Eingabe der westdeutschen Bischöfe an Papst Pius XII./ Von Ulrich Helbach

S. 341-372 Helbach stellt eine im Nachlass des Paderborner Erzbischofs Jaeger erhaltene, bislang unbekannte wichtige interne Quelle vor. Sein Urteil ist so besonnen abwägend, wie man es bei einem so brisanten Thema vom Leiter des vielleicht wichtigsten katholischen Kirchenarchivs in Deutschland erwarten darf.

* Bistumsarchivdirektor Msgr. Dr. Dr. Robert Haaß (1898-1968) und sein Beitrag zur Kölner Diözesangeschichte / Von Reimund Haas

S. 373-403 Lebensbild des Archivars mit Bibliographie seiner Schriften.

* Der Ort der Predigt im Kölner Dom / Von Barbara Schock-Werner

S. 405-426 Der Umfang des Abbildungsteils (16 S.) übertrifft den des Textteils (6 S.).

Literatur-, Buch- und Bibliotheksgeschichte der Rheinlande

* Neues von den Düsseldorfer Fragmenten. Das so genannte Homiliar von Beaune in unbekannter karolingischer Überlieferung / Von Klaus Zechiel-Eckes

S. 419-441 Im Anhang wird der Schlussteil des um 830 in Westfrankreich (Tours) entstandenen Homiliars ediert.

Ärgerlicherweise liegt der Katalog von Zechiel-Eckes nicht online vor, und die Düsseldorfer Fragmente sind aufgrund ihrer Mega-URLs quasi nur mit der Startseite verlinkbar, was eine ärgerliche und unnötige Sucherei bedeutet, wenn man nicht die genaue Signatur zur Hand hat. Wieso es ein Ding der Unmöglichkeit ist, eine kurze dauerhafte Adresse für jedes Digitalisat zu vergeben, erschließt sich mir nicht. Hier ein Direktlink zu einer einschlägigen Bilddatei:

http://bloch.ub.uni-duesseldorf.de/fragmente/fullsize/k6_011_01.jpg

* Bemerkungen zum althochdeutschen 'Muspilli' / Von Dieter Geuenich

S. 443-450 1977 hat Heinz Finger mit Untersuchungen zum Muspilli promoviert. Geuenich interpretiert den rätselhaften Text vor dem Hintergrund der frühmittelalterlichen Memoria.

* Der kommentierte Psalter Cod. 45 der Kölner Dombibliothek / Von Anton von Euw

S. 451-477 Die Handschrift dürfte wohl kurz vor 1000 in Köln geschrieben worden sein. Der Beitrag ignoriert das Digitalisat in den CEEC und die dort verfügbaren Online-Materialien.

* Die Aufzeichnungen des Johannes Walschartz über die Verehrung der Kölner Domreliquien anlässlich der Aachener Heiligtumsfahrten am Ende des 16. Jahrhunderts / Von Hermann-Josef Schmalor

S. 479-491 Schmalor stellt die Handschrift Pa 62 des Paderborner Studienfonds bzw. der Theodorianischen Bibliothek vor.

* Gelegenheitsdichtungen auf Kölner Dignitäre des 18. Jahrhunderts im Kempener Teil der Sammlung von Büllingen / Von Leo Peters

S. 493-510 Der Aufsatz weist auf 56 Drucke in Sammelbänden der Sammlung Ludwigs von Büllingen (1771-1848) im Kreisarchiv Viersen hin.

* Ein Kollegheft eines Schülers des Tricoronatum aus dem Jahre 1754? – Beobachtungen zu Inhalt und Autor der Handschrift Dom 239 der Kölner Dombibliothek / Von Siegfried Schmidt

S. 511-546 Als Schreiber der Physikvorlesungs-Nachschrift kann der spätere Dompfarrer Johann Michael DuMont (1746-1818) erwiesen werden.

* Jüdische Rheinromantik? Heines Rhein und der "Rabbi von Bacherach" / Von Bernd Kortländer

S. 547-560 Der Autor deutet das Fragment vor dem Hintergrund der literarischen Rheinromantik. Für Heine ist Möglichkeit bzw. Unmöglichkeit jüdischen Lebens am Rhein der kritische Maßstab, "an dem sich der romantische Blick auf den Rhein messen lassen muss" (S. 556).

* Exlibris – Einband – Bücherpult. Über einige Beiträge des Kölner Domherrn und Sammlers Alexander Schnütgen zur Buchkultur / Von Hermann-Josef Reudenbach

S. 561-612. Exlibris, Einband und Bücherpult standen bei dem Kölner Domherrn Schnütgen (1843-1918) "in einem unübersehbaren Zusammenhang mit der Liturgie" (S. 611).

* Romantische Sehnsucht nach Spanien: der Kölner Johannes Fastenrath (1839-1908) / Von Juan Antonio Cervelló-Margalef

S. 613-638 Der Beitrag dokumentiert unter anderem, wie schäbig die Stadt Köln mit den ihr anvertrauten (finanziell erheblichen) Werten des Ehepaars Fastenrath umgegangen ist. Bis heute erinnert kein Straßenname an den Spanien-Liebhaber, und die Stadtbibliothek hat aus der geschenkten Bibliothek "viel zu viel ... aussortiert" (S. 636).

* Die Evangelische Bibliothek in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln / Von Wolfgang Schmitz

S. 639-648 Schmitz rühmt zu Recht den Beschluss der Evangelischen Gemeinde, die Bibliothek als Schenkung an die USB Köln zu übergeben:

"Die geschenkweise Abgabe ist besonders zu loben, denn vielerorts werden gerade im kirchlichen Bereich alte Bibliotheken aufgelöst und zu Geld gemacht. Das ist nicht nur deshalb bedauerlich, weil einzelne Titel ggf. ganz aus der Region oder sogar darüber hinaus aus der öffentlich zugänglichen Nutzung verschwinden, sondern auch, weil die Bibliotheken als Sammlungen einen Wert bilden, als Spiegel der Interessen ihrer Träger, vergangener Generationen, als Teil eines Ganzen und Ausdruck für die geistigen Interessen und den literarischen Geschmack der Vergangenheit. Bibliotheken sind mehr als die Summe ihrer Bestandteile.

Das wird vielfach nicht mehr gesehen. Die Auflösung ganzer Ordensniederlassungen, finanzielle Probleme, aber auch Unkenntnis oder Missachtung der eigenen Tradition und speziell der Büchersammlungen führen dazu, dass solche Sammlungen an Antiquare gegeben, zerschlagen und einzeln verkauft werden - ein unwiederbringlicher geschichtlicher Verlust" (S. 646f., Hervorhebung von mir).

* BIBLIOGRAPHIE HEINZ FINGER / Von Harald Horst

* Verzeichnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Albertus meinte am 2008/09/27 14:46:
Sachlich und nüchtern
so kann man die Besprechung bezeichnen. Eine typographisch bessere Qualität des Bandes und der Reproduktionen wäre in der Tat zu wünschen, für die aber die Autoren in der Regel keine Verantwortung tragen. 
 

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