Allgemeines
Architekturarchive
Archivbau
Archivbibliotheken
Archive in der Zukunft
Archive von unten
Archivgeschichte
Archivpaedagogik
Archivrecht
Archivsoftware
Ausbildungsfragen
Bestandserhaltung
Bewertung
Bibliothekswesen
Bildquellen
Datenschutz
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
null

 

Landesgeschichte

Abrufbar leider nur auf einer intuitiv für Laqien kaum nutzbaren Karte:

https://doris.ooe.gv.at/fachinfo/kunst_kultur/doka/themen/hofnamen/hofnamen.asp

Dass seriöse landesgeschichtliche Zeitschriften spekulative Aufsätze von Hans-Dieter Lehmann zum Druck gebracht haben, zeigt, dass es mit der Qualitätssicherung in diesem Bereich nicht weit her ist.

Ich habe das bereits Ende 2012 formuliert, als ich mit Entsetzen feststellen musste, dass einer seiner Beiträge Aufnahme in die ZGO gefunden hatte.
http://archiv.twoday.net/stories/232596764/

Lehmann, Hans-Dieter: Der Beginn des Turnierwesens am deutschen Königshof. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte 130 (1994), S. 65-73
http://periodika.digitale-sammlungen.de/bdlg/Blatt_bsb00000334,00071.html
ist an prominenter Stelle erschienen, aber aus meiner Sicht purer Unsinn.

Gemäß meiner Argumentation für "publish first filter later"
http://digigw.hypotheses.org/1063
ist das Problem weniger die Publikation als vielmehr die Tatsache, dass Lehmann niemals ausführlich widersprochen wurde.

Eine positive Rezeption des Aufsatzes ist mir nicht bekannt geworden. Helge Wittmann: Im Schatten der Landgrafen (2008), S. 28 Anm. 64 äußerte sich bei Besprechung eines Rüxner-Belegs eher ablehnend:
https://books.google.de/books?id=QXG5B84tqmMC&pg=PA534
Skepsis spricht auch aus den Worten von Klaus Arnold: Der fränkische Adel, die ,Turnierchronik' des Jörg Rugen (1494) und das Turnierbuch des Georg Rixner (1530). In: Nachdenken über fränkische Geschichte. Hrsg. von Erich Schneider (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte, Reihe IX. Darstellungen aus der fränkischen Geschichte, Bd. 50), Würzburg 2005, S. 129-153, hier S. 150
https://books.google.de/books?id=JhpoAAAAMAAJ&q=Lehmann+%22Beginn+des+Turnierwesens%22
(Wie Hechberger sich auf Lehmann bezieht, weiß ich nicht:
https://books.google.de/books?id=WGfaAAAAMAAJ&q=Lehmann+beginn )

Lehmann zitiert sich natürlich im JffL 2002, S. 70 in einer Arbeit über die Zollern-Genealogie zustimmend:
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00048855/image_84
Er sieht dort die Turnierchronik als "Machwerk des 14. Jahrhunderts".

In seinem Aufsatz von 1994 geht Lehmann von Stamms Fund der Rugen'schen Turnierchronik 1494 aus. Dass Klaus Arnold 2005 die Identität Jörg Rugens mit Georg Rüxner erweisen konnte (siehe den oben zitierten Titel) und ich 2008 eine vollständige Überlieferung (von 1499) der Turnierchronik Rugens in New York bekanntmachen konnte
http://archiv.twoday.net/stories/4993981
konnte er natürlich noch nicht wissen. Als historischen Kern der Turnierchronik bzw. der ihr zugrundeliegenden "alten Aufzeichnungen" möchte er S. 68 herausschälen, dass ein deutscher Herrscher Heinrich, der in Kämpfe mit Slawen und Ungarn verwickelt war, das Turnier aus Frankreich importiert habe. Das erste Turnier habe in Magdeburg stattgefunden. Lehmann denkt S. 69 an Heinrich III. und den Juni 1043.

Die zeitgenössischen Indizien, die Lehmann ins Feld führen kann, sind extrem dürftig. Ein Aufenthalt in Magdeburg widerspricht dem Itinerar 1043 nicht (Mai 22 Paderborn; Juni 27 Merseburg), aber man konnte natürlich von Paderborn nach Merseburg reisen, ohne Magdeburg zu berühren. Ein Brief des Abtes Siegfried von Gorze beklagt die Übernahme französischer Sitten insbesondere bei Rüstung und Reiterei, was Lehmann auf das Turnier beziehen will. Angesichts dieser Beweislage kann man die These Lehmanns getrost vergessen. Das S. 66 erwähnte Würzburger Turnier von 1127 kann also weiterhin als das frühestbezeugte Turnier auf deutschem Boden gelten.

Die unkritische Verwertung späterer Traditionen durch Lehmann ist hahnebüchen: "Fiktionen beruhen zumeist auf wahren Nachrichten, die durch Konjekturen verfälscht worden sind" (S. 68). Ich erinnere an meine These in meinem Aufsatz zu historischen Sagen in der Fabula 1988, S. 27,
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/5273/
die Rede vom historischen Kern einer Überlieferung sei entweder trivial oder gefährlich, wenn sie zur Abstützung eines spekulativen Thesengebäudes dienen soll. So verhält es sich hier.

Lehmann glaubt den Erfindungen der Zimmern-Chronik zum Böhmenzug Heinrichs III. (S. 71). Nach der Turnierchronik nahm Gottfried von Zimmern am ersten Magdeburger Turnier teil. Froben-Christoph von Zimmern setzt diesen Gottfried als Sohn Werners an, der am Böhmenzug 1040/41 teilgenommen habe.
https://de.wikisource.org/wiki/Zimmerische_Chronik_Band_1:Kapitel_11

Wie der Zimmern-Chronist die Fiktionen dieses Kapitels konstruiert hat, hat Gerhard Wolf (Von der Chronik zum Weltbuch, 2002, S. 205ff.) detailliert dargestellt.
https://books.google.de/books?id=9a4z5akCcF0C&pg=PA205

Zu den Fiktionen der Historiker des Hauses Zimmern habe ich mich vor kurzem geäußert:
http://archiv.twoday.net/stories/985929969/

Was die von Lehmann akzeptierte Annahme Stamms, es habe eine in Magdeburg um 1430 entstandene Vorlage der Turnierchronik gegeben, betrifft, so habe ich diese in zwei Beiträgen hier widerlegt:
http://archiv.twoday.net/stories/5086177/
http://archiv.twoday.net/stories/29742435/

Meine Quellenstudien zu den Vierlandeturnieren
http://archiv.twoday.net/search?q=r%C3%BCxner+vierland
haben ergeben, dass für diese 1479 einsetzenden Turniere Rüxner mäßig zuverlässige Daten liefert. Für alle früheren müssen seine Angaben aber bezweifelt werden. So auch mein Aufsatz zu Rüxner 2009
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7140/
Für das angebliche Turnier in Schaffhausen 1392 habe ich neulich in meinem Beitrag "Fiktion und Geschichte" gezeigt, dass es eine Erfindung Rüxners darstellt:
http://frueheneuzeit.hypotheses.org/1847

Zwischen dem Magdeburger "Original" der Turnierchronik und der Rugen-Chronik von 1494 stehe ein Überlinger Beleg von 1466, als bei dem Prozess eines wegen Gotteslästerung hingerichteten Herrn von Jungingen dessen adelige Abkunft durch Turnierbesuche (1080 Augsburg, 1209 Worms) belegt worden sei (S. 67).

Dank der liebenswürdigen und großzügigen Hilfe durch Andreas Zekorn, der mir sofort den von Lehmann zitierten Aufsatz von Eisele sandte, und Johannes Waldschütz, der für mich im Stadtarchiv Überlingen recherchierte und mir Fotos aus Reutlingers Sammelwerk zur Verfügung stellte, kann ich Näheres über dieses angebliche Turnierbuch-Zeugnis von 1466 mitteilen.

Als Quellenangabe zitiert Lehmann nur Friedrich Eisele: Die Herren von Jungingen. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern 62 (1931) [S. 1-52, hier] S. 12 mit Anm. 28. Dort steht aber keine Silbe von dem Prozess von 1466! In Anm. 28 wird ein angeblicher Beleg zum Augsburger Turnier 1080, an dem ein Rudolf von Jungingen teilgenommen haben soll, aus Voigt 1834
http://books.google.de/books?id=bIoCAAAAcAAJ&hl=de&pg=PA4
angeführt und zu Recht abgelehnt. Damals habe es noch keine Turniere in Deutschland gegeben. Voigt beruft sich auf eine briefliche Mitteilung, aber natürlich ist die Urquelle Rüxners 1530 erstmals gedrucktes Turnierbuch. Dort gibt es aber (in der Ausgabe 1530) nur die Nennung eines von Jüngingen,
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00090290/image_237
der Vorname Rudolf ist eine spätere Erfindung.

Die Hinrichtung eines Konrad von Jungingen in Überlingen 1466 wird von Eisele im zweiten Teil seines Aufsatzes (Jg. 63, 1932, S. 1-29, hier S. 17f. nach Reutlingers Collectaneen I, 303, 427f.) erwähnt. Herr Waldschütz hat mir freundlicherweise Bd. 1, S. 303 und Bd. 13, S. 95/96 aus dem Sammelwerk im Stadtarchiv Überlingen fotografiert.

Nach Eisele wurde Konrad von Jungingen von Hohenfels am Veitstag (15. Juni 1466) in Überlingen mit dem Schwert hingerichtet, da er einen Bürger eigenmächtig gepfändet habe und darauf angesprochen gotteslästerliche Schwüre (diese fehlen leider auf meinen Fotos) von sich gegeben habe. Eiseles Schluss, Jungingen sei wohl nicht ganz normal gewesen, ist verfehlt. Solche grässlichen Flüche waren durchaus üblich, wie ein Blick in Gerd Schwerhoffs Studie
http://pub.uni-bielefeld.de/publication/2304832
zeigt. Auf dem Weg zur Hinrichtung habe der Adelige einem Torhüter eine goldene Kette geschenkt. Solange keine parallelen Zeugnisse auftauchen, muss der Bericht über die Hinrichtung 1466 mit mindestens einem Fragezeichen versehen werden. Dass die Reichsstadt Überlingen einen Adeligen wegen üblen Fluchens und verbotener Verpfändung hinrichten ließ, erscheint eher unwahrscheinlich.

Aber es geht ja um die Turniere. Bd. 1, S. 303 wurde als Nachtrag vor dem Eintrag zur Hinrichtung 1466 eine Liste von Turnierteilnahmen der Junginger offenbar nach Rüxners Turnierbuch eingetragen:
1080 Augburg
1209 Worms Wolff von Jungingen
1392 Schaffhausen Beckh von Jungingen
1408 Heilbronn Albrecht von Jungingen
1436 Stuttgart
1439 Landshut
1479 Würzburg
1484 Stuttgart
1485 Augsburg

Es kann also keine Rede davon sein, dass die Turnierfähigkeit eine Rolle beim Prozess spielte. Jakob Reutlinger
http://archiv.twoday.net/stories/714908932/
hat am Ende des 16. Jahrhunderts einfach die am leichtesten erreichbaren Belege zur Adelsfamilie von Jungingen zusammengestellt, nämlich aus Rüxners vielgelesenem Turnierbuch.

Das Überlinger Zeugnis 1466 muss also gestrichen werden. Es ist ein Rezeptionszeugnis Rüxners und bezeugt keine Vorstufe der erstmals 1494 überlieferten Turnierchronik, die nach jetzigem Kenntnisstand von Rugen/Rüxner von vorne bis hinten erfunden wurde. Es kann offen bleiben, ob Lehmann Reutlingers Kollektaneen direkt oder womöglich aus zweiter Hand benutzt hat. Sein einziger Beleg Eisele ist jedenfalls unredlich, da dort nichts von Turnieren steht.

Abgesehen von ein bißchen uneigenständiger Rüxner-Kritik enthält der ganze Aufsatz von Lehmann nichts, was für die weitere Forschung von Bedeutung wäre. Seine These vom ersten deutschen Turnier in Magdeburg im Juni 1043 in Magdeburg ist ebenso verfehlt wie sein Umgang mit der Traditionsbildung des 15./16. Jahrhunderts. So etwas hätte den Druck nicht verdient gehabt.

#forschung

http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/10010/

Leider ist bei Jürgen Dendorfers Aufsatz von 2003 der ursprüngliche Publikationsort in den Metadaten vergessen worden.

Sulzbach und das Land zwischen Naab und Vils im frühen Mittelalter, hrsg. von Götz Alper, Sulzbach-Rosenberg 2003, S. 43-60

2001 schrieb ich in meiner Rezension des Göppinger-Inschriftenbands: "Adelberg als Bestimmungsort ist anzunehmen bei einem Band in Providence (USA), der 1470 für einen Adelberger Professen Syl(vester?) Sella (?) gebunden wurde (Isabelle Pingree, Richenbach Bindings in the United States, Gutenberg-Jahrbuch 1977, S. 330-344, hier S. 331). Eine publizierte aktuelle Liste aller Richenband-Bände existiert leider nicht, denn auch der soeben zitierten Autorin Pingree sind in ihrem Bericht über einen Richenbach-Neufund (Gutenberg-Jahrbuch 1998, S. 296-303) nicht alle zwischenzeitlich ermittelten Bände bekannt geworden. Eine Studie zu den ostschwäbischen Auftraggebern des Geislinger Buchbinders wäre lohnend."
http://archiv.twoday.net/stories/38735149/

Die John Carter Brown Library der Brown University in Providence hat die von Johann Mentelin in Straßburg nicht nach 1470 gedruckte Inkunabel "Scrutinium scripturarum" in ihrem OPAC erfasst:

http://josiah.brown.edu/record=b4159611~S7

Es handelt sich um R11 des Richenbach-Census von Husby

Scott Husby: Another “per me”: A Richenbach Binding Discovered in the Huntington Library. In: The papers of the Bibliographical Society of America 105 (2011), S. 295-324

Zu Richenbach-Kunden siehe auch
http://archiv.twoday.net/stories/285825184/
http://archiv.twoday.net/stories/1022384881/

Der Band kam später an das Heilbronner Karmeliterkloster. Pingree transkribiert die Inschrift des Vorderdeckels (eindeutige Abkürzungen habe ich aufgelöst)

scrutiniu(m)
scriptura(rum)
prof()re . syl
. sella . p(ro)f . i(n) adelberg

Auf der beigegebenen Abbildung sehe ich aber keinen l-Schaft nach sy. Damit wäre der Weg frei für eine Identifizierung des Adelberger Professen Sy Sella mit dem Adelberger Konventualen Symon Sellatoris/Sattler, der als Pfarrer in Oberwälden und Zell von 1464 bis 1482 wirkte. Die Belege zu ihm hat Stefanie Albus-Kötz: Von Krautgärten, Äckern, Gülten und Hühnern (2014), S. 254f. zusammengestellt und zwar aus den Konstanzer Investiturprotokollen bei Krebs S. 628, 1014 und dem Annatenregister bei Krebs S. 361. Digitalisate ab FDA 71):
https://de.wikisource.org/wiki/Freiburger_Diözesan-Archiv

Von 1464 wohl bis Ende 1476 hatte Simon Sellatoris mit Absenzen die Pfarrpfründe in Oberwälden (ganz in der Nähe des Klosters) inne. Am 6. Dezember 1473 wurde er auch Pfarrvikar in Zell am Neckar, wo er noch 1482 nachweisbar ist.

Ich zweifle nicht daran, dass der in Providence befindliche Band 1470 von Johannes Richenbach für diesen Adelberger Prämonstratenser und Seelsorger gebunden wurde.

#forschung


Ob es Sekundärliteratur zu dem in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Oberschwaben wirkenden Autor Johann Bittelschies gibt?

Uli Steiger, Die neuzeitlichen nichtliturgischen Handschriften des Zisterzienserklosters Salem, Wiesbaden 2012 (Kataloge der Universitätsbibliothek Heidelberg 10) steht mir nicht zur Verfügung. [Beschreibung von VIII,15: S. 158-162.]

Aber vielleicht kann der kundige Kirchenpfleger Praefcke in Ravensburg Näheres über die Person herausfinden.

Online ist bei der UB Heidelberg:

Cod. Sal. VIII,15
Bernhard von Clairvaux: Sermones, in der Übersetzung von Johann Bittelschies, 1542
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/salVIII15

[Die Handschrift enthält auch eine eigene Predigt von Bittelschies.]

Offenbar von der gleichen Hand (wohl Bittelschies selbst, siehe unten die Schriftprobe aus dem Notariatsinstrument) stammt das 1529 datierte handschriftliche Türkenbüchlein in Harvard:

http://nrs.harvard.edu/urn-3:FHCL.HOUGH:10255245
Bittelschies, Johann, von Ehingen. Türchken biechlin vormals nie also gesehen : sampt ainer addition, vss denn waurhaffter Chronicis gezogt durch mich Johann Bittelschies von Ehingen : manuscript, [15--]. MS Riant 7. Houghton Library, Harvard University, Cambridge, Mass.

Bislang Beachtung fand nur seine als Klosterhofmeister von Isny verfasste anti-protestantische Schrift zum Isnyer "Klostersturm" 1534:

Wie die von Isny die Mess abgeschafft und die Bildnussen in Sanct Jörgen Gottshaus zerrissen haben (1534)

Handschriftlich in München, Cgm 4888

http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00008214/image_510

Möglicherweise stammt auch die gereimte Josephsgeschichte von 1529 in der gleichen Handschrift von Bittelschies.

Gedruckt wurde die Schrift zur Reformation in Isny erst in Ingolstadt 1617:

http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10898435-4
http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10689539-4

Zu ihr:
https://books.google.de/books?id=1NI0ig92EuwC&pg=PA199
https://www.google.de/search?q=%22cgm+4888%22&tbm=bks
https://books.google.de/books?id=2zVmAAAAMAAJ&q=bittelschie%C3%9F

Wieso das Stift Kremsmünster in seinem Sammelband 4°L 22 die "Commentarii de ignitis meteoris" (1579) von Simon Grynaeus mit dem Autorennamen Johann Bittelschieß versieht, ist unklar.

http://kvk1.dabis.org/

[Ist geändert, als Autor wird nur Grynäus angegeben.]

Bevor er Klosterhofmeister in Isny wurde ist Bittelschies als Notar und Schulmeister in Ravensburg (ab 1520) und Biberach zu belegen.

1520 Notar und Schulmeister in Ravensburg in Stuttgarter RKG-Akten
https://books.google.de/books?id=5VYrAQAAIAAJ&q=bitelschie%C3%9F

1523 August 12
Notariatsinstrument des Johannes Bittelschies von Ehingen, derzeit Schulmeister zu Ravensburg, über das Erscheinen des Grafen Georg von Wertheim vor dem Rat der Stadt Ravensburg.
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=7-157312 mit Digitalisat

1524 August 5
Notar Johannes Bittelschies, Schulmeister zu Ravensburg, beurkundet den Vergleich des Priesters Hans Claus, Kaplan zu Biberach, mit den dortigen Spitalpflegern.
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-1415182

1528 April 17
Schulmeister zu Biberach
https://books.google.de/books?id=XTZmAAAAMAAJ&q=bittelschies+biberach

1532 Mai 1
Notar Johann Bittelschieß von Ehingen, Schulmeister zu Biberach, weist eine Urkunde in Mittelbiberach vor
https://books.google.de/books?id=Ol7iAAAAMAAJ&q=bittelschieß+notar

1542
Notar in Unterlagen der bayerischen Staatsarchive (bei Kern)
https://books.google.de/books?id=ZGYOAQAAMAAJ&q=bittelschies

Bittelschies verfügt über zwei GND:

http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=1023359014 (Hofmeister Isny)
http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=10098309X

Update: Die Isnyer Stadtarchivarin Nicola Siegloch hat mir freundlicherweise weitere Belege übermittelt.

1534 Juli 3
Klosterhofmeister zu Isny Johann Putelschies
Kammerer/Friedrich Pietsch: Die Urkunden des früheren reichsstädtischen Archivs Isny bis 1550 (1955), Nr. 733 (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)
Beurkundet wird in dem Notariatsinstrument die Forderung nach Abschaffung der katholischen Messe und Beseitigung der Heilighenbilder. In der Antwort des Klosters durch den Hofmeister (ebd., Nr. 734) vom gleichen Tag erklärt das Kloster, man beuge sich nur dem Zwang. Abdruck des Notaristainstruments und weiterer Dokumente im genannten Druck von 1617. Die Stelle zu Bittelschies:
http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10898435_00044.html

1538 August 16 Isny
Notariatsinstrument des geschworenen Notars Johann Bittelschieß von Ehingen, Laie, Hofmeister des Klosters.
Immanuel Kammerer: Regesten der Urkunden des Spitalarchivs Isny (1960), Nr. 950 (Ev. Kirchenarchiv)

1548 Juni 12
Klosterhofmeister Johann Beittelschies
Kammerer/Pietsch Nr. 757 (Hauptstaatsarchiv Stuttgart)

Bittelschies ist also noch 1548 am Leben.

Update: Mit Mail vom 30.3.2015 teilte Elisabeth Wunderle von der BSB zu Cgm 4888 mit:

"Die Handschrift ist von mehreren (wohl fünf) Händen geschrieben. Eine Zuordnung einer der Hände als Autograph von Bittelschies scheint mir nach einem kurzen Vergleich mit dem beigefügten Autograph nicht gegeben. Dies unter Vorbehalt.
58r bis 75r ist durchgehend von einer Hand geschrieben. Es handelt sich um zwei Texte:
58r-69v "Ain spruch, wie Josöph in Egypten verkauft ward ..." (14. Juni 1529)
69v-75r "Ain ander spruch volgt hernach vß Titto Livio gezogen von der keuschen haidin Lucrecia annorum 1529 am 9 tag September"; Darunter: 15 (Notariatszeichen?: ineinandergeschriebenes AV) 29. "Wer waist wems würdt. L. Ochssenbach"; siehe auch 75r: Datum .... vff freitag nach santt martins tag anno 29 . Ludwig Ochssenbach"."

Die Lucretia-Bearbeitung Ochsenbachs erwähnte nach dem ursprünglich aus St. Emmeram in Regensburg (Altsignatur: y 12) stammenden Cgm 4888 Maßmann:

https://books.google.de/books?id=m4JgAAAAcAAJ&pg=PA716

Ein Ludwig Ochsenbach lebte damals in Tübingen.

https://www.google.de/search?tbm=bks&hl=de&q=%22Ochsenbach+ludwig%22+OR+%22ludwig+ochsenbach%22

#fnzhss
#forschung


Informationssystem zum landschaftlichen kulturellen Erbe im Rheinland.

Siehe etwa:

„Abtei Himmerod (Großlittgen, Landkreis Bernkastel-Wittlich)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: http://www.kuladig.de/Objektansicht.aspx?extid=O-76978-20131014-2 (Abgerufen: 18. März 2015)

Via
http://www.nno.de/5344/xanten/wirtschaft-und-politik/kulturlandschaftliche-schaetze-im-internet-digital-greifbar

http://www.landvanherle.nl/editie/

#histverein


Von Martin Zürn:

http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45652

Wie üblich, sind Digitalisate nicht nachgewiesen. Siehe auch

http://archiv.twoday.net/search?q=historisch+lexikon+bayern

Vochezers dreibändige grundlegende Hausgeschichte ist online im Internet Archive:

https://de.wikisource.org/wiki/Joseph_Vochezer

Franz Quarthals Dissertation ist ebenfalls online:

http://elib.uni-stuttgart.de/opus/volltexte/2009/4656/

Ob der Rundfunkbeitrag Pörnbachers im JHVD

http://periodika.digitale-sammlungen.de/dillingen/Blatt_bsb00007627,00169.html

unbedingt in die Literatur gehört? Gerhard Wolfs Studie zur Pappenheim-Chronik, die leider nur unter den Quellen erwähnt wird, wäre nicht weniger wichtig gewesen.

Wieso erscheint bei "Pappenheim" nur der zweite Band, der ja nun ganz und gar nicht von Pappenheim stammen kann? Digitalisate der Kemptener Ausgabe und der Donaueschinger Handschrift der Truchsessen-Chronik der Renaissance weist nach:

https://de.wikisource.org/wiki/Matth%C3%A4us_von_Pappenheim

Zürn ist offenkundig nur beschlagen, was die spätere frühe Neuzeit und das 19. Jahrhundert angeht, und er bevorzugt die Linie Zeil.

Man kann den Artikel in der Wikipedia

https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Waldburg

oder den von Hengerer 2012 mit umfangreicher Bibliographie (nicht zitiert!)

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:352-202489

neben den von Zürn legen: Sowohl Inhalte als auch Nachweise sind für die Zeit bis zum 17. Jahrhundert deutlich besser.

Sowohl Hengerer als auch Zürn übergehen leider den Artikel von Dieter Stievermann im Handbuch der baden-württembergischen Geschichte 2 (1995), S. 350-359 und Stammtafeln 5 (2007), S. 391-393. Wie immer man inhaltlich zu ihm steht (ich finde, er ist solide) - es geht nicht an, dass man diese Behandlung der Familie im "offiziösen" Nachschlagewerk zur baden-württembergischen Landesgeschichte im offiziösen Nachschlagewerk zur bayerischen Landesgeschichte ignoriert!

Man kann ihn natürlich ohne weiteres in der baden-württembergischen Landesbibliographie finden, die natürlich vom bayerischen Lexikon nicht verlinkt wird:

http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/LABI/LABI.asp?K3=7&T3=Waldburg%23+Truchsessen+von

In einem Handbuch-Artikel über die Truchsessen von Waldburg muss klar ausgesprochen werden, dass die ursprünglich welfischen Ministerialen in die staufische Ministerialität übertraten und der seit 1197 bezeugte Truchsessen-Titel sich auf ein staufisches (Schwaben?, Reich?) Hofamt bezieht. Und es muss zur Ständegeschichte vermerkt werden, dass die einstigen Ministerialen schon vor dem Erwerb von Grafschaften im 15. Jahrhundert und der Erhebung in den Freiherrenstand in der Zeit Maximilians I. Zugang zur Gruppe der schwäbischen Grafen und Herren fanden. Was Zürn dazu schreibt, ist ungenügend.

Inakzepabel ist auch, dass die unter Fideikommiss gestellte Kunstsammlung von Max Willibald von Wolfegg keine Erwähnung findet, siehe nur

http://archiv.twoday.net/stories/4690486/#4693604

Gewohnt ärmlich ist die Bebilderung. Wieso zwei Bilder aus der Weißenauer Bauernkriegschronik und dann auch noch nicht nach der maßgeblichen Fakisimileausgabe?


Eigentlich wollte ich etwas über Münchner Historiographie schreiben und dabei auf den Augenzeugenbericht von Herzog Georgs des Reichen Begräbnis 1503 eingehen, aber der von Westenrieder edierte Text hat wohl nichts mit München zu tun. Trotzdem sollte er nicht übersehen werden.

Als § VI druckte Lorenz von Westenrieder in seinen Beiträgen zur vaterländischen Historie usw. 2 (1786), S. 222-238 "Des H. Georg Leichenbegängniß von einem Augenzeugen beschrieben 1503"

http://ds.ub.uni-bielefeld.de/viewer/image/2233743_002/230/LOG_0015/
http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10915015_00246.html

Aber nur der erste Teil S. 222-231 entspricht der Überschrift. S. 231 unten steht eine kurze Notiz über den Tod Pfalzgraf Georgs zu Amberg 1504, bevor S. 232 Tod und Begräbnis Pfalzgraf Ruprechts am 24. August 1504 (richtig: 20. August) kurz dargestellt werden. Eine Notiz über den Tod von Ruprechts Ehefrau Elisabeth am 15. September 1504 (das Datum trifft zu) ist kürzer gehalten, bevor kurz über die Huldigung der Räte und Landshuter Einwohner am 21. September 1504 berichtet wird. Am 8. November sei dann Pfalzgraf Friedrich ungerüstet in Landshut eingetritten "und mit ihme ein Künigischer Pott" (S. 233). "Ein Sprüch von Bayrischen Krieg" (S. 233-238) schließt diesen Teil des Zeitschriftenbandes ab.

Helga Czerny: Der Tod der bayerischen Herzöge im Spätmittelalter ... (2005), die auch sonst nicht immer zuverlässig ist

http://archiv.twoday.net/stories/790549607/

behauptet ohne Begründung S. 176 Anm. 264, es handle sich um die Aufzeichnung eines Augenzeugen aus München. Dafür spricht im Text überhaupt nichts, alles deutet vielmehr darauf hin, dass die Aufzeichnung in Landshut niedergeschrieben wurde. dafür spricht auch S. 230f. die Liste der zum Opfer am 30. Jahrtag des Todes abgeordneten Männer und Frauen aus Landshut.

Der Verfasser aus Landshuter Bürger- und Hofkreisen hat zunächst detailliert die Begräbnisfeierlichkeiten Herzog Georg des Reichen dargestellt, aber da dieser Todesfall den Ausgangspunkt des Landshuter Erbfolgekrieges bildete, kam es zur späteren Ergänzung von weiteren Todesfällen und zwei Notizen zur Herrschaftsnachfolge (Huldigung und Einritt) aus dem Jahr 1504. "Landshuter Aufzeichnungen 1503/04 vor allem zum Begräbnis Herzog Georg des Reichen 1503" scheint mir als Titel des Gesamttextes geeignet, den man als bescheidenen Versuch Landshuter Historiographie um 1500 einordnen darf.

Czerny gibt als archivalische Vorlage Westenrieders nur die Hausurkunde 2110 des Geheimen Hausarchivs an, aber das bleibt zu überprüfen, da es noch weitere Überlieferungen des Gesamttexts gibt.

https://books.google.de/books?id=OxZoAAAAMAAJ&q=%22augenzeugen+beschrieben+1503%22 nennt auch BSB München Cgm 1955, Bl. 21-27 und Cgm 1956, Bl. 23-29.

Zu beiden Handschriften ist der alte Katalog zu vergleichen:

http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00008214/image_253

Zu Cgm 1955 ist der Reimspruch dort vermerkt, während er bei Cgm 1956 zu Bl. 28v handschriftlich im digitalisierten Exemplar nachgetragen wurde.

Dass Westenrieder eine bestehende Überlieferungsgemeinschaft, zu der auch ein Text zur Landshuter Hochzeit gehörte, wiedergegeben hat, bezeugt auch Karl Franz Joetze: Veit Aernpekch, ein Vorläufer Aventins, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für Niederbayern 29 (1893), S. 45-128, hier S. 95

https://archive.org/stream/bub_gb_XPMOAAAAYAAJ#page/n421/mode/2up

Danach enthält Cgm 1955 außer der Beschreibung der Hochzeit und des Begräbnisses Georgs auch den Bericht zur Bestattung Ruprechts und den Reimspruch.

Den Reimspruch weist er auch für Cgm 5009 nach, Augustin Kölners Geschichte des Landshuter Erbfolgekriegs.

Liliencron druckte den Reimspruch als Nr. 232 nach dem Cgm 1586:

https://books.google.de/books?id=sJcTAAAAQAAJ&pg=PA495

Seine falsche Blattangabe 390 hat Frieder Schanze in seinem Artikel zum Landshuter Erbfolgekrieg (²VL 5, 1985, Sp. 551) in die Irre geführt. Er vermutete, der Text befinde sich nicht mehr in der Handschrift, obwohl er (was er in Bd. 11 des ²VL nachtrug) sehr wohl in dieser Tegernseer Nachrichtensammlung

http://www.handschriftencensus.de/10044

vorhanden ist. Siehe die Beschreibung von Karin Schneider zu Bl. 390rv

http://www.manuscripta-mediaevalia.de/hs/katalogseiten/HSK0189_a277_JPG.htm

und schon Chmel 1850

https://books.google.de/books?id=01URAQAAMAAJ&pg=PA618

Weder stimme ich Schanze zu, dass sich der Spruch bei Liliencron Nr. 232 gegen das Ständeregiment wendet, noch finde ich es vertretbar, den Datierungshinweis "1504 in novo anno" (am Ende des Cgm 1586. in den Noten bei Liliencron) unter den Tisch fallen zu lassen. Der Text ist wohl um den 1. Januar 1504 herum entstanden.

Zu spekulativ erscheint mir, aus dem königlichen "Potten", der Pfalzgraf Friedrich begleitete, einen Poeten zu machen, denn der Einritt im November 1504 erfolgte ja beinahe ein Jahr nach der Entstehungszeit des Reimspruchs. Aber der Text ergreift durchaus die Partei König Maximilians.

Außer Cgm 1586 überliefern auch die Cgm 1955, 1956 und 5009 den Reimspruch. Vermutlich gibt es noch weitere Handschriften.

Zur Publizistik des Landshuter Erbfolgekriegs siehe hier auch: Ein unbeachtetes historisches Ereignislied aus dem Landshuter Erbfolgekrieg
http://archiv.twoday.net/stories/1022216187/

#forschung

#fnzhss


Leider sind die biographischen Artikel im Marburger Frühhumanismus-Repertorium nicht selten schlecht recherchiert.

http://mrfh.de/0039

Über Wilhelm von Hirnkofen, der 1478 Enea Silvio Piccolominis 'De miseriis curialium' ins Deutsche übertrug und im gleichen Jahr seine erfolgreiche Schrift "von bewarung und beraitung der wein", eine Kompilation des 'Liber de vinis' Arnolds de Villanova und des 'Tractatus de vino et eius proprietate' Gottfrieds von Franken, dem Nürnberger Rat widmete, liest man dort:

"Geboren wurde Wilhelm um die Mitte des 15. Jahrhunderts und wuchs nach eigenen Angaben in Ulm auf. Um 1478 war er als Berittener im Dienst der Stadt Nürnberg tätig, 1479-88 ist er eben dort als Jurist urkundlich bezeugt. Seine Anstellung als Stadthauptmann ist hingegen nach Worstbrock nicht ausreichend belegt. Zwischen 1488 und 1491 war Wilhelm Landvogt in Höchstadt/Aisch, wo er auch starb."

Von der genannten Literatur sind kostenfrei online:

Joachimsohn: Frühhumanismus in Schwaben, WVjh 1896, S. 114-116
http://www.mgh-bibliothek.de/etc/zeitschriftenmagazin/WVLG_NF_05_1896.pdf

Herrmann: Reception des Humanismus in Nürnberg, 1898, S. 54-58 (im MRFH mit zwei bibliographischen Fehlern: Hermann und Rezeption)
https://archive.org/stream/diereceptiondes00herrgoog#page/n70/mode/2up

Hamm, MVGN 1989, S. 111
http://periodika.digitale-sammlungen.de/mvgn/Blatt_bsb00000992,00000.html

Schneider, Deichsler 1991, S. 31
http://nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn:nbn:de:bvb:20-opus-35483

In der Vorrede seiner Villanova-Bearbeitung nennt sich Wilhelm von Hirn(n)kofen genannt Renwart. Als seinen verstorbenen Vater nennt er Jorig von Hirnkofen, der seinen Beinamen "Rennwart" bei Eroberung der Nürnberger Burg empfangen habe (also wohl beim Überfall durch Ludwig VII. von Bayern-Ingolstadt 1420). Er habe etwa 30 Jahre der Stadt Ulm gedient und sei dort auch gestorben.

Digitalisat der Esslinger Erstausgabe:
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00035103/image_7

Der Artikel über Wilhelm von Hirnkofen im Nürnberger Künstlerlexcikon 2 (2007), S. 662 hätte nicht übergangen werden dürfen.

https://books.google.de/books?id=hoRcf4LFZUcC&pg=PA662

Der dort genannte Aufsatz Ursula Timann: Ruprecht Heller, Bürgermeister von Wasserburg und seine Frau Barbara. Die Familien Heller und von Hirnkoffen und die "Schlacht bei Pavia" in Stockholm. In: Heimat am Inn (Wasserburg) 14/15 (1994/95), S. 107-148 liegt mir nicht vor.

Wilhelm erscheint nach dieser Quelle erstmals 1468 als Siegler von Lauinger Urfehdeurkunden, war Landvogt von Höchstädt (nicht: Höchstadt!) und starb 1494/1502.

Wilhelms Vater finde ich in Burgermeisters Thesaurus
https://books.google.de/books?id=RfpdAAAAcAAJ&pg=PA549
als "von Hirnkhofen, oder Herikofer, genannt Rennwart, Jörg zu Ulm gesessen" zu 1433/44. 1456 ist Georg von Hirnkofen Vogt zu Leipheim:
http://de.wikisource.org/wiki/Topographia_Sueviae:_Leipheim

Im gleichen Jahr erklärte er Dinkelsbühl die Fehde:
https://books.google.de/books?id=XowNAAAAQAAJ&pg=PA36

1462 September 6 siegelt er in einer Lauinger Urfehdeurkunde als "Jörg Hirnkouer", JHVD 1968
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003557-0124-8
Letztmals 1468 August 29 (ebd., Nr. 330)

Beleg in den RTA:
Google Books

Primbs teilte in der Archivalischen Zeitschrift NF 8 (1899), S. 263 als Siegel eines Hans Hirnkofer 1409 ein "Ochsengewaff mit Grind" mit. Das gleiche Siegel habe 1425 ein Georg genannt Rennewart geführt.
https://archive.org/stream/archivalischeze05haupgoog#page/n540/mode/2up

Eine ansprechende Vermutung stammt von Paul Joachimsohn: Der Ulmer Städtehauptmann ca. 1440 Jörg Rennwart sei mit dem Vater von Wilhelm von Hirnkofen identisch.

https://www.google.de/search?tbm=bks&hl=de&q=%22j%C3%B6rg+rennwart%22

Nach welchem Ort Hirnkofen sich die Familie nannte, ist unklar. Weder die niederbayerischen Hirnkofen noch Irnkofen bei Regensburg sind aus meiner Sicht angesichts der schwäbischen Belege wahrscheinlich.

Belege für Wilhelm

1468 Mai 16 siegelt erstmals in Lauinger Urfehde, JHVD 1968
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003557-0126-0
nochmals 1474 Mai 12 (ebd., Nr. 363).

1474 Wilhalm von Hirnkoven genannt Rennwart, zu Lauingen gesessen
https://books.google.de/books?id=phFTAAAAcAAJ&pg=PA494

1487 Februar 15 Wilhalm von Hyrnkhoven, Landvogt zu Höchstädt, bei Oblinger, Höchstädter Urkunden im JHVD 1901
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003514-0015-6
Letzter Beleg ebd. 1493 Juni 28 (ebd. Nr. 180).

1489 Januar 8 Statthalter für Herzog Georg von Bayern und Graf Joachim von Öttingen RTA Mittl. Reihe 3 (1972), S. 577.

1494 wird als Höchstädter Landvogt mit dem Schloss Baumgarten belehnt, Lausser im JHVD 1992
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003581-0161-7

1494 Mai 5 Schwager der Elisabeth Raminn (wg. Gütern zu Merdingen)
http://www.regesta-imperii.de/id/1494-05-05_2_0_14_1_0_3011_3004
ebenso 1495 Sept. 28
http://www.regesta-imperii.de/id/1495-09-28_7_0_14_1_0_2489_2484

1495 kauft Güter zu Rieder, Lausser im JHVD 1986
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003575-0028-5

1495 kauft Güter zu Windhausen, die sein Sohn 1533 an Raimund Fugger verkaufte (ebd.)
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003575-0029-3
1533 trifft zu (nicht 1553, wie Lausser 1992 schrieb)
https://books.google.de/books?id=lg4rAQAAIAAJ&q=windhausen+hirnkofen

1495 war Wilhelm also noch am Leben.

Den jüngeren Wilhelm (siehe unten) betreffen die folgenden Belege:

1540 Darlehen von 6000 Gulden an Ottheinrich, JHVD 1903
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003516-0116-8

1545/46 Geldgeber JHVD 1902
http://www.nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:384-uba003515-0103-9

Georg der Jüngere

1491 der Jüngere genannt Rennwart
https://books.google.de/books?id=Aq1KAAAAcAAJ&pg=PA604
Diener 1501
https://books.google.de/books?id=Mhs3AAAAYAAJ&pg=PA83
Müllners Annalen
https://books.google.de/books?id=5fXiAAAAMAAJ&q=%22genannt+rennwarth%22
Pfleger zu Hilpoltstein, gestorben 1530, verheiratet mit Margaretha Spengler
https://books.google.de/books?id=zoP9ScDM0KUC&pg=PA387
https://books.google.de/books?id=-RtBAAAAcAAJ&pg=PA24
1510 März 11 Jorig von Hirnkofen gen. Reuwart Pfleger zum Hiltpoltstein
nach http://www.gda.bayern.de/findmitteldatenbank/
1527
https://books.google.de/books?id=BGQLAAAAQAAJ&pg=PA305

Dr. Diepolt/Theobald genannt Rennwart
markgräflicher Kanzler, Stadtpfarrer von Hof, Jurist der Reichsstadt Regensburg
https://books.google.de/books?id=7-k6AQAAIAAJ&pg=PA367 (Gefangennahme als Kanzler 1508)
https://books.google.de/books?id=G3YKAAAAIAAJ&pg=PA180 (1509 Kanzler)
https://books.google.de/books?id=q_c8u1QhMvcC&pg=PA115&lpg=PA115 (1517)
https://books.google.de/books?id=-I9mAAAAMAAJ&q=%22gen+rennwart%22 (Heimkofen)
https://books.google.de/books?id=twiJAAAAMAAJ&q=heimkofen (Heimkofen)
https://books.google.de/books?id=zBvZAAAAMAAJ&q=%22genannt+rennwart%22 (Gutachten)
https://books.google.de/books?id=hxloAAAAMAAJ&q=%22genannt+rennwart%22 (Kist zur Pfarrei Hof)
http://www.hospitalkirche-hof.de/Download/Pfarrbeschreibung1915.pdf (Pfarrer Hof)
https://books.google.de/books?id=ButDAAAAcAAJ&pg=PA419 (ca. 1521 in Regensburg)

Dr. jur. Johannes
Seine Schwester heiratete Georg von Hornstein, er selbst eine uneheliche Tochter des Grafen Hugo von Montfort. Er wurde von der Stadt Lauingen gefoltert. Im Rahmen des deswegen geführten Prozesses 1536/43 tritt auch sein Bruder Wilhelm (ca. 53 Jahre), Hofmeister der Grafen von Ortenberg in Österreich auf.
https://archive.org/stream/DieVonHornsteinUndVonHertensteinErlebnisse#page/n313/mode/2up
1493 imm. Ingolstadt
https://books.google.de/books?id=lqRbAAAAcAAJ&pg=PA53

Zur Herrschaft derer von Hirnkofen in der Markgrafschaft Burgau:
"Die Brüder Hirnkofen appellieren gegen das Urteil, da ihnen in den Ortschaften Rieder, Windhausen und Baumgarten die Obrigkeit und die hohe und niedere Gerichtsbarkeit zustehen würden" (Münchner RKG-Akten
https://www.google.de/search?q=hirnkofen+rieder+windhausen&tbm=bks )

Urfehde des Michael Hirnkover (ca. 1537?)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg171/0108

Aufgrund des auf Jörg zurückgehenden Beinamens Rennwart darf man wohl Jörg d. J., Wilhelm d. J. und die Doktoren Johann und Theobald als Söhne des Übersetzers Wilhelm ansetzen.

Die ständische Einordnung der Familie ist angesichts der fehlenden Belege vor 1400 schwierig. Sie gehört eher an den unteren Rand des niederen Adels.

Nachtrag 8. März 2015: Frau Timann hat mir liebenswürdigerweise ein Exemplar des Jahrbuchs Heimat am Inn 1994/95 übersandt. Wie zu erwarten ergeben sich aus ihrem gründlichen Beitrag etliche Ergänzungen.

Timann geht vom Allianzwappen auf dem Gemälde der Schlacht von Pavia im Nationalmuseum aus. Barbara Hirnkoffer (Wappen: Hirnschale mit Hörnern) war mit dem noch in der Objektdatenbank

http://collection.nationalmuseum.se/eMuseumPlus?service=ExternalInterface&module=collection&objectId=17222&viewType=detailView

irrtümlich als Maler angesehenen Rupert Heller dem Jüngeren zu Wasserburg, der zeitweilig auch als Bürgermeister amtierte, verheiratet und starb am 24. November 1553. Eine Einordnung ins Stemma der Familie gelingt jedoch nicht.

Timann kann weitere Belege zu Wilhelms von Hirnkofen Tätigkeit als Anwalt bzw. Rechtsberater in Nürnberg 1478-1483 beibringen (S. 123-125). Am 16. November 1502 war er bereits tot.

Nach dem Stemma S. 134 waren die von mir genannten Geschwister Dr. jur. Theobald (gestorben 1522), Dr, jur. Johannes (gestorben nicht vor 1537) und Wilhelm der Jüngere Söhne des Übersetzers Wilhelm.

1502 vertrat Dr. Theobald auch seine Brüder Christoph, Hans, Wilhelm, Sebald und Sigmund (S. 125). Daher ist es schlüssig, Georg nicht als Sohn Wilhelm des Älteren anzusehen. Den jüngeren Georg sieht Timann in dem 1477 in Ingolstadt immatrikulierten "Georg Hirnkofer de Hirnkofen alias Renbart", der 1490 in Nürnberg und später in Hilpoltstein erscheint (S. 129).

Die Lauinger Belege eines Jörg 1462/69 bezieht Timann auf einen älteren Bruder Wilhelms, während ich mir auch vorstellen könnte, dass sich die Belege für einen Jörg von 1420 bis 1469 auf Wilhelms Vater beziehen. Der wohl um 1460 geborene Jörg der Jüngere müsste dann aber im hohen Alter gezeugt worden sein. Um diese Konsequenz zu vermeiden, könnte man die Belege bis 1444 auf Jörgs/Wilhelms Vater, die ab 1456 auf einen Bruder Jörg (II) zu beziehen. 1490 bat Georg von Hirnkoffen den Nürnberger Rat in einer Fürschrift für seinen gleichnamigen Sohn. 1493 setzte sich der Abt von Königsbronn Elias Seng für den Sohn Georg seiner Schwester ein (S. 143 Anm. 94). Diese Belege erweisen, dass zwischen dem Jörg I. (spätestens 1478 tot) und Jörg III. (gestorben 1530) ein weiterer Jörg II. einzuschieben ist, der 1490 noch lebte.

Laut Totenschild im Martinsmünster zu Lauingen starb am 2. Juni 1559 Wilhelm von Hirnkofen als letzter seines Geschlechts (Abbildung Timann S. 131). Da das Wappenargument Timanns gegen die Identifizierung mit Wilhelm dem Jüngeren (oben bis 1546 im Raum Lauingen belegt) nicht zwingend ist, tendiere ich nicht dazu, in diesem Familienmitglied den Sohn Georgs (III.) zu sehen.

#forschung


 

twoday.net AGB

xml version of this page

xml version of this topic

powered by Antville powered by Helma