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Landesgeschichte

Die Studie von Flink 1994 ist einsehbar unter:

http://www.mgh-bibliothek.de/dokumente/a/a010348.pdf

Die Dissertation von Otto Behm 1908 bedarf eines US-Proxy:

http://hdl.handle.net/2027/uc1.b2602998

Die Ausgabe Scholtens der Chronik Gerts van der Schuren:

http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/urn/urn:nbn:de:hbz:061:1-37231

Das Anonymi Chronicon bei Seibertz (mit Wisseler Chronik):

http://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/pageview/207762

Die chronikalischen Mitteilungen (ed. Meister 1901) aus der Anholter Handschrift:

http://www.archive.org/stream/bub_gb_MVU7AAAAMAAJ#page/n63/mode/2up

Zur Schwanritter-Überlieferung siehe
Bloete ZfdA 1892
http://www.digizeitschriften.de/dms/resolveppn/?PID=GDZPPN001691813
und
http://archiv.twoday.net/stories/1022469438/ mit neuerer Lit.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit stelle ich einige Materialien zu interessanten historischen Traditionen (aus Mittelalter und Früher Neuzeit) in dem diesbezüglich besonders reichen Kreis Kleve zusammen: "historische Sagen", aber auch Zeugnisse der Erinnerungskultur.

***

Vom Riesen Goliath erzählte man in EMMERICH AM RHEIN.

Alexander Kaufmann:

Ein gewaltiger riese, goliath, hat in Emmerich gehaust, und einmal bei einer belagerung dadurch die feinde verscheucht, daß er den kopf über die mauer steckte und mit den zähnen fletschte. – am fastnachtmontag trug man in Emmerich eine riesenfigur umher, deren kopf beständig wackelte.
https://de.wikisource.org/wiki/Riese_Goliath

Nach Dederich geht dieser Brauch auf einen gescheiterten Überfall auf Emmerich 1519 zurück.

https://books.google.de/books?id=HtgAAAAAcAAJ&pg=PA316
und nochmals in Picks Monatsschrift 1880, S. 182-190
http://dbooks.bodleian.ox.ac.uk/books/PDFs/555017587.pdf

[Die Abwehr 1519 "clamore rustici" meldet bereits Teschenmacher 1638
https://books.google.de/books?id=FexaAAAAQAAJ&pg=PA525
= 1721
https://books.google.de/books?id=09tIAAAAcAAJ&pg=PA528 ]

Zu Schlachtengedenktagen siehe hier
http://archiv.twoday.net/search?q=schlachtengedenk

***

GELDERN soll an der Stelle stehen, wo einstmals ein Drache erschlagen wurde. Was der Aufsatz von Oostebrink 2009 in den Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein (!) schreibt, ist zwar abwegig, aber er listet Quellen und (in Anm. 10) Sekundärliteratur zu der oft besprochenen Überlieferung auf.

https://books.google.de/books?id=WbHc1DzHyaEC&pg=PA192

Jens Lieven behandelte die Mythenbildung bei den Grafen von Geldern im Geldrischen Heimatkalender 2007, S. 152-161.

***

Einen wunderbaren Ursprung schreibt man der Marienwallfahrt von KEVELAER (seit 1642) zu.

http://www.wallfahrt-kevelaer.de/entstehung-der-wallfahrt/
https://de.wikipedia.org/wiki/Kevelaer#Entstehung_und_Entwicklung_der_Wallfahrt

Eine wichtige Rolle bei der Entstehung spielte der Luxemburger Kult von Maria als Trösterin der Betrübten, über deren Rolle als Stadtpatronin ich selbst geforscht habe:

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/373/

***

Den Schwanenturm in KLEVE soll Julius Caesar erbaut haben. Den Wortlaut der Inschrift aus dem 15. Jahrhundert, die dies verkündet, gibt die Wikipedia wieder.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schwanenburg

Zum Schwanritter-Stoff sei auf den Artikel in der Enzyklopädie des Märchens und die Einleitung zu Cramers Lohengrin-Ausgabe verwiesen. Die Brüder Grimm nahmen in die Erstausgabe ihrer Deutschen Sagen 1818 dazu die Nummern 533-538 auf.

https://de.wikisource.org/wiki/Carl_Ynach,_Salvius_Brabon_und_Frau_Schwan

[ http://archiv.twoday.net/stories/1022469798/ ]

Die Überlieferung von Otto dem Schützen (Deutsche Sagen 1818 Nr. 562)

https://de.wikisource.org/wiki/Otto_der_Sch%C3%BCtze

gab Zuccalmaglio 1837 als clevische Sage des 14. Jahrhunderts aus.

https://books.google.de/books?id=_ZADAAAAcAAJ&pg=PA223

Es handelt sich aber um eine hessische Überlieferung des 16. Jahrhunderts.

https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_der_Sch%C3%BCtz

Quellennachweise (Johannes Nuhn!) lieferte Alexander Kaufmann:

https://books.google.de/books?id=K5k6AAAAcAAJ&pg=PA14

[und die Tübinger Dissertation von Noll 1906

http://hdl.handle.net/2027/hvd.hnxsnu (US)]

Längst vergessen ist sein Denkmal in Kleve.

Quelle: http://www.kle-blatt.de/blog/kleve/otto-der-schuetz-ein-vergessenes-denkmal-von-kleve.html

Sogar auf YouTube findet man die Sage von der "weißen Frau" von Kleve.

https://www.youtube.com/watch?v=Giml05DLvPs

Wenn das Video behauptet, die weiße Frau (eine Studie zu ihr bereitet Bertold von Haller, Nürnberg, vor) sei letztmals im 18. Jahrhundert gesichtet worden, so ist das falsch. Eine zurückgekehrte Akte über Erscheinungen im 19. Jahrhundert war der Ausgangspunkt des Aufsatzes von Bert Thissen: Die Rückkehr der weißen Frau. In: Kalender für das Klever Land 2013, S. 39-52.


***

Auf ein Hostienwunder (angeblich von 1308) soll die KRANENBURGER Kreuzwallfahrt zurückgehen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kranenburger_Kreuzwallfahrt
https://www.kranenburg.de/C125725A002EBD03/html/63FBA03CA31155D6C12574790055A844?opendocument

Eine Übersetzung der lateinischen Legende bot vor einigen Jahren Manuel Hagemann: Zur Frühgeschichte der Kranenburger Kreuzverehrung. In: Kalender für das Klever Land 2008, S. 82-89

***

In REES gedachte man einer vornehmen Stifterin Irmgardis. Es gab die Sage, dass "Irmgardis auf dem Schlosse zu Aspel gewohnt habe, von wo sie täglich auf dem Irmgarden-Wege, auf welchem das Gras, was ihre Füße berührten, im Winter wie im Lenze grünte, die von ihr gebaute Kirche zu Rees besuchte".
https://books.google.de/books?id=U59JAAAAYAAJ&pg=PA66

Ähnliche "Spuren" werden erzählt bei Notburga von Hochhausen
http://www.sagen.at/doku/hda/notburga.html
und Sibylle von der Teck (Sibyllenspur)
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/goetz1999/0060

Über Irmgard:

http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/persoenlichkeiten/I/Seiten/IrmgardisvonS%C3%BCchteln.aspx
http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=118746871

***

STRAELEN war 1468 Schauplatz einer Schlacht zwischen Geldern und Kleve. Eine als "Sterk Hermes" bekannte Ritterfigur soll noch daran erinnern.

https://de.wikipedia.org/wiki/Schlacht_von_Straelen

Der siegreiche Herzog Adolf von Geldern stiftete das Augustinerchorherrenstift Mariensande, in dem der gleichfalls von ihm gestiftete Ritterorden seinen geistlichen Bezugspunkt hatte. Siehe die im neu angelegten Wikipedia-Artikel zu Mariensande angegebene Literatur.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Mariensande

Die alte Studie von Pfarrer Heinrich Schroers zur Schlacht bei Straelen habe ich verfügbar gemacht auf Commons:

https://commons.wikimedia.org/w/index.php?title=File:Mariensande_straelen.pdf&page=6

#erzählforschung
#forschung

Drachenbrunnen auf dem Markt in Geldern. Foto Frank Vincentz https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de

"Die Datenbank zur Ortsgeschichte von Leogang (Land Salzburg / Österreich) umfasst die Texte und das Quellenmaterial aller Publikationen von Dr. Alois Schwaiger, die ortsgeschichtlichen Texte anderer Autoren, alle Schulchroniken, die Gemeinderatsprotokolle, die Gemeindezeitung, Presseberichte und ein umfangreiches Bildmaterial von Leogang. Weiters wird die Entwicklung der Gemeindepolitik, der Vereine, der Touristik und des Schulwesens dargestellt. Die Dokumente sind nach Kategorien/Unterkategorien geordnet und können auch direkt mit Schlagworten gesucht werden."

Zitat im Titel aus:
http://ortsgeschichte-leogang.at/og/touristik/interview/altenberger-sepp/datei-16533/?view

http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/finde/langDatensatz.php?urlID=2&url_tabelle=tab_periodika

Der übliche Murks, den man von diesem Portal gewohnt ist. Keine Permalinks für Einzelseiten, keine Volltextsuche. Statt die Digitalisate vorzuziehen, die NICHT via

https://de.wikisource.org/wiki/Westf%C3%A4lische_Zeitschrift

einsehbar sind, präsentiert man eine willkürliche Auswahl von Jahrgängen, teils als PDF, teils mit/ohne DFG-Viewer.

Via
http://www.siwiarchiv.de/?p=10112

Wetten, dass das Historische Lexikon Bayerns auch nach 1000 Artikel noch nichts begriffen haben wird?

http://histbav.hypotheses.org/4079 meldet, dass es 950 Artikel in dem hier wiederholt kritisierten Nachschlagewerk gibt.

http://archiv.twoday.net/search?q=histor+lexikon+bayer

Auch im 950. Artikel zu den Fränkischen Hohenzollern

http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45722

finden sich die alten Monita:

- Keine Online-Nachweise, auch nicht bei Ressourcen wie der ZBLG, die in anderen Artikeln durchaus verlinkt wurden

Online ist u.a. Seyboth 1985 und zwar beim MDZ, also gewissermaßen im eigenen Haus:

http://nbn-resolving.de/urn%3Anbn%3Ade%3Abvb%3A12-bsb00047152-1

Moeglin 1991 gibt es bei Persée:

http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/article/jds_0021-8103_1991_num_1_1_1545

Die meisten angeführten Quellenausgaben sind im Netz greifbar.

Usw.

- Lieblose, karge Bebilderung, teils schlechte Qualität (siehe unten)

- Keine Verlinkung von Personennamen (z.B. mit der GND/BEACON-Findbuch)

- Keine Einzelnachweise.


"Der Märteswein (auch Martiniwein) wurde den Bürgern der Altstadt Hanau bis ins 19. Jahrhundert jährlich am Abend vor dem Martinstag (10. November) frei ausgeschenkt. Damit sollte an ein Ereignis im Jahr 1419 erinnert werden, als die Stadt, Festung und Burg beinahe in kurmainzische Hände gefallen wären. Der Wahrheitsgehalt der Geschichte ist allerdings höchst zweifelhaft."

https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4rteswein

Darstellung im Hanauischen Magazin vom Jahr 1778, S. 423ff.

http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN327289554_0001

Noch 1827 praktiziert:

https://books.google.de/books?id=3w1VAAAAcAAJ&pg=PA202

Es soll sich bis 1830 gehalten haben:

https://books.google.de/books?id=7I4wAAAAYAAJ&pg=PA244

Also ein Schlachtengedenken oder eine Mordnacht, siehe dazu zuletzt

http://archiv.twoday.net/stories/1022465888/
http://archiv.twoday.net/stories/1022465668/

Vermutlich wurde eine allgemeine Weinspende an Martini

https://books.google.de/books?id=VclaAAAAcAAJ&pg=PA266

nachträglich mit historischer Sinngebung versehen.

Über den Dominikaner Sebastian Schlettstätter ließ sich bisher nur sehr wenig ermitteln.

GND
http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=115401695

Er erscheint als Autor von zwei, vielleicht auch drei Druckwerken.

1662 ließ er in Schwäbisch Gmünd eine Lebensbeschreibung der Margaretha Ebner drucken:

Daß Wunderbarliche Leben, Hoche vnd Vnerhörte Wunderwerck der Seeligen Gottgeweichten Jungfraw Margarethae von Maria Medingen, Praediger Ordens.

Diese Druckschrift wird verschiedentlich in älterer Literatur, etwa bei Will 1755

https://books.google.de/books?id=AZlfAAAAcAAJ&pg=PA327

und auch in neueren Schriften angeführt, aber ohne Standortnachweis. Brinckmeier 1850 zitierte aber wörtlich daraus:

https://books.google.de/books?id=4jk2AQAAMAAJ&pg=PA46

Derzeit scheint wohl kein Exemplar greifbar, schon Philipp Strauch musste sich 1882 auf eine ihm aus dem Kloster Medingen übermittelte Druckabschrift stützen (hiernach zitiere ich den Titel).

http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/pageview/788408

Abgeschrieben wurde die Arbeit Schlettstetters in BL London Add. 11430, Bl. 72v-92a

http://www.handschriftencensus.de/14205

Online greifbar ist die Widmung an die Medinger Priorin in der Melker Handschrift Cod. 1925, Bl. I-II. Digitalisat im Pez-Projekt:

http://unidam.univie.ac.at/nachlass/195 (kein Direktlink möglich)

Sie ist datiert Schwäbisch Gmünd 1. Januar 1662. Da vor Herlikofer

http://archiv.twoday.net/stories/1022452641/

keine Druckerei in Schwäbisch Gmünd nachweisbar ist, wird man anzunehmen haben, dass der Druck gar nicht in Schwäbisch Gmünd erfolgte. Wahrscheinlich wurde er wie das Bruderschaftsbuch 1667 in Augsburg gedruckt.

Wieso ein Augsburger Druck von 1667 "Schöne außerlesene Gesänger [...]"

Digitalisat:
http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb11082160-0

Schlettstätter zugeschrieben wird,

https://books.google.de/books?id=8h70AAAAMAAJ&q=schlettstätter

ist noch zu klären. Sein Name erscheint ohne Lebensdaten auch in

http://www.kirchengesangbuch.ch/index.php?PHPSESSID=cf03a5oj3llq0rrsivrv4ru4n4&na=6,2,0,0,d,40190

Für die Stadtgeschichte von Schwäbisch Gmünd von Bedeutung ist die Widmung des Bruderschaftsbuchs "Triumph Des Heyligen Rosenkrantz" (Augsburg 1667). Sie scheint der Schwäbisch Gmünder Forschung nicht bekannt geworden zu sein.

Unzulängliches Digitalisat
https://books.google.de/books?id=9o9UAAAAcAAJ
=
http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb11082159-7

Zur Propagierung des Rosenkranz-Kults durch die Augsburger Dominikaner im 17. Jahrhundert gibt es Ausführungen von Wolfgang Müller im Freiburger Diözesan-Archiv 88 (1968). S. 372 nennt er Schlettstetters Buch.

http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:25-opus-56584

Das Frontispiz des Buchs zeigt anscheinend im Hintergrund eine stilisierte Schwäbisch Gmünder Stadtansicht mit dem Münster im Mittelpunkt und der noch intakten Stadtmauer.

Die Wimdung richtet sich an die Mitglieder des Gmünder Geheimen Rats, Karl Seybold, Johann Christian Bommas, Johann Burkhard Messnang, Andreas Debler und Jakob Storr, und an den ganzen Stadtrat. Weil Schlettstetter Gmünd als mustergültig fromme katholische Stadt kennt, hat er ihr das umfangreiche Buch gewidmet. der Autor war in Gmünd sieben Jahre Präses der Erzbruderschaft und Konventprediger. Zum Zeitpunkt der Widmung - 2. Oktober 1667 - war er offenbar noch in Schwäbisch Gmünd tätig. Er erwähnt in der Widmung gegen Ende auch das Kloster Gotteszell, wird aber von Gerhard M. Kolb in dessen Aufsatz zu den Kaplänen und Beichtvätern dieses Konvents nicht genannt (Gmünder Studien 5, 1997).

Schlettstetter lobt den Brauch, dass die Ratsherren während der Ratssitzung den Rosenkranz in den Händen halten. Pascal Kolb: Policeyrecht in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd (2003), S. 111 setzt den Beginn dieser Praxis in das Ende des 16. Jahrhunderts, während der Gmünder Franziskaner-Guardian Alexander Herth 1734 behauptete, in einem alten Gedenkbuch des Klosters gelesen zu haben, dass der Guardian Jakob Laib (in Gmünd ab 1609 bezeugt) dies angeregt habe.

https://de.wikisource.org/wiki/Geschichte_des_Franziskaner-Minoriten-Klosters_Schw%C3%A4bisch_Gm%C3%BCnd#cite_note-30

Siehe auch
https://de.wikisource.org/wiki/Stadtpfleger_Herlikofer_in_Gm%C3%BCnd_an_Archivrat_D%C3%BCmge_%C3%BCber_die_Geschichte_der_Stadt

Schlettstetter bezieht das Gmünder Einhorn-Wappen unter Berufung auf Plinius auf die Einhorn-Jagd und die Muttergottes. Wie das Einhorn habe die Stadt keine Sektenanhänger (also Protestanten) geduldet und sei trotz aller Verfolgungen stets dem "Schoß der allerseligsten Jungfrawen Mariae zugeloffen". Anfang des 18. Jahrhunderts wird sich Eustachius Jeger auf eine inzwischen verschwundene Einhorn-Darstellung im Münsterchor beziehen: Wie eine Jungfrau sei die Stadt fest beim alten Glauben geblieben.

https://books.google.de/books?hl=de&id=PoAgAAAAMAAJ&pg=PA68

Der Satz über die Verleihung des Wappens folgt wörtlich den Gmünder Chroniken, wobei vor allem an eine Handschrift der Wolleber-Redaktion zu denken sein wird, die dem Dominikaner vorlag:

https://books.google.de/books?hl=de&id=PoAgAAAAMAAJ&pg=PA250

Siehe aber auch
http://archiv.twoday.net/stories/1022385295/

Zur Schwäbisch Gmünder Marienverehrung nach dem Dreißigjährigen Krieg vgl. meine Hinweise in:
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/373/ (S. 139f.)

Die Vorrede des Dominikaners Schlettstetter ist jedenfalls ein beachtenswertes Dokument für die konfessionelle Kultur in der frühneuzeitlichen katholischen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd.

#forschung


Das Goethezeitportal stellt Sagen-Postkarten vor:

http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=6793

Zu Rheinsagen darf ich auf Eigenes verweisen:

Eine "ewigfrische Blüte am Baume der Volkspoesie"? Kritisches zu heimatlichen Sagen an Rhein und Lahn (Vortrag 1997)
http://web.archive.org/web/20140201222007/http://www.histsem.uni-freiburg.de/mertens/graf/ems.htm

"Eine Sage für den Pinsel eines Ovids!". Kritisches zur Rheinsage am Beispiel der Sieben-Jungfrauen-Sage von Oberwesel
Festvortrag beim Hansenfest 1998, abgedruckt in: Hansen-Blatt 64 (1999), Nr. 52, S. 53-59
http://web.archive.org/web/20020219102029/http://www.uni-koblenz.de/~graf/obwes_v.htm
+
DIE SIEBEN JUNGFRAUEN BEI OBERWESEL. Eine poetische Anthologie von Gedichten und Prosatexten zur Geschichte einer Rheinsage von 1811 bis 1928. Zusammengestellt von Klaus Graf 1999
http://web.archive.org/web/20020415170803/http://www.uni-koblenz.de/~graf/obwes.htm


In der dreiteiligen Artikelserie zur Auswertung von

Die Urkunden des Stifts Buchau. Regesten 819-1500. Bearbeitet von Rudolf Seigel, Eugen Stemmler und Bernhard Theil (= Inventare der nichtstaatlichen Archive in Baden-Württemberg 36). Stuttgart 2009

geht es heute um den Schussenrieder Abt Heinrich Österreicher.

Teil I:
http://archiv.twoday.net/stories/1022461583/
Teil II:
http://archiv.twoday.net/stories/1022462657/

Aus den Buchauer Quellen ergibt sich, dass er der Sohn des waldburgischen Vogts Hans Österreicher aus Feldkirch ist.

Nr. 667 1470 Januar 8
Heinrich Österricher als Konventsherr zu Schussenried Schiedsmann im Streit zwischen Schussenried und Buchau. Sein Siegel in Holzkapsel erhalten. Weiterer Schiedsmann Hans Österricher, Vogt zu Dürmentingen.

Von 1480 bis 1500 erscheint er als Abt in den Buchauer Urkunden (Nr. 788, 846, 919, 949, 976, 1013, 1040). An Nr. 1013 hängt das beschädigte Schussenrieder Abteisiegel.

Nr. 766 1478 April 13
Streit um das Jagen am Bussen. Abschrift 208 Bl., zahlreiche Zeugenverhöre (Kundschaften)
S. 498-507 Kundschaften von 1476
Am 15. Juli 1476 wurde im Kloster Schussenried befragt: Herr Heinrich Osterreicher, Sohn des verstorbenen Hans Osterreicher (Forstmeister zur Scheer und Vogt zu Dürmentingen), 31 Jahre alt, Prämonstratenser, Priester, Baccalaureus iuris canonici, von seinem Abt zur Kundschaft “genöt”

Der spätere Abt ist also ca. 1445 geboren. Die Präsentation der Zeugenverhöre in dem Regestenband scheint mir gelungen. Oft werden die Kundschaften in Regestenwerken leider ganz weggelassen. Als hübsches Detail notiere ich: II, 23 (1476): Hans Tuninger, 95 Jahre alt, hat vor ca. 70 Jahren, als das Konzil zu Konstanz war, in der Pürsch fünf Hasen gefangen, nach Konstanz getragen und dort das Stück für ein Pfund Heller verkauft.

Den Vater des Abts finde ich belegt als waldburgischen Bediensteten seit 1455. Hans Österreicher ist 1473/76 gestorben.

Nr. 564 1460 Mai 7
Hans Österricher, Beauftragter des Truchsessen Eberhard von Waldburg
weitere Urkunde dazu Nr. 591 1462 März 13

Nr. 570 1461 März 4
Hans Österricher, Ammann zu Dürmentingen, streitet sich mit der Buchauer Fürstin um die Vogtei zu Braunenweiler

Nr. 577 1461 November 16
Hans Österricher, Anwalt des Truchsessen Eberhard von Waldburg, in einem Streit mit Buchau.

Nr. 628 1467 Januar 15
Hans Österricher, Vogt zum Bussen, und der Riedlinger Bürger Hans Wechlin entscheiden einen Erbschaftsstreit.

Nr. 703 (im Register falsch 704) 1473 Juli 6
Die Gemeinde Betzenweiler beschwert sich, dass ihr Hans Österricher im Auftrag des Grafen Eberhard zu Sonnenberg, Truchsess zu Waldburg, den althergebrachten Trieb und Tratt im Seelenwald verboten habe.

Die Herrschaft Bussen gehörte damals dem Truchsessen Eberhard von Waldburg.

Aus der Datenbank des Landesarchivs:

1473 Januar 29
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=6-1120508
Streit zwischen den Gemeinden Göffingen und Hailtingen
“Die Klage wird eröffnet auf einem Rechtstag 1472 Mai 25 [...]. Die von Hailtingen verantworten sich durch ihren Fürsprech Konrad Costenzer, alten Bürgermeister zu Ehingen, und den von Grafen Eberhard von Sonnenberg bevollmächtigten Gewaltboten Hans Österricher, Vogt zum Bussen”.

1455 Februar 5
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-764613
=
Fürstlich Thurn und Taxissches Archiv Obermarchtal. Grafschaft Friedberg-Scheer. Urkundenregesten 1304-1802. Bearbeitet von Robert Kretzschmar. Stuttgart 1993, Nr. 129
1455 Februar 5
Vor dem Stadtgericht Saulgau erschien im Streit um die Vogtei Bachhaupten der bescheidene Hans Österreicher von Feldkirch mit verbriefter Vollmacht Eberhards, Truchsessen von Waldburg, Vogts zu Feldkirch und Herren zu Scheer.
in dieser Rolle nochmals Nr. 131 1455 Juli 7

Dies ist der älteste Beleg zu Österreicher, den ich derzeit kenne. Vermutlich hat ihn der Truchsess aus Feldkirch nach Schwaben geholt. Ob sein Sohn Heinrich in Schwaben geboren wurde, lässt sich derzeit nicht sagen.

Die beiden Österreicher treten auch in Obermarchtaler Quellen auf.

Die Urkunden des Reichsstifts Obermarchtal. Regesten 1171-1797. Bearbeitet von Hans-Martin Maurer/Alois Seiler. Konstanz/Eggingen 2005

Nr. 578 1469 März 14
Hans Österricher, Vogt der Herrschaft Bussen, unter den Zusätzen für die Stadt Munderkingen in einem Streit zwischen Kloster Marchtal und Munderkingen.
Ebenso Nr. 583 1470 Juni 13

Nr. 624 1480 März 14 Dorf Laupheim
Abt Jos von Marchtal lässt für sich reden den Meister Heinrich Österricher, Lehrer der geistlichen Rechte und Chorherr zu Schussenried.

Die Buchauer Urkunden kennen einen jüngeren Bruder des Abts.

Nr. 766 I, 88 1476 Juli 20 wird in Sigmaringen verhört der 20jährige Ulrich Osterreicher (Sohn des verstorbenen Hans Osterreicher, Forstmeister zu der Scheer und Vogt zu Dürmentingen). Er hat keinen Leibherrn, aber auch kaum Vermögen, da seine Mutter sein väterliches Gut auf Lebenszeit innehat. Er ist Knecht des Bernhard Gradner zu Eglisau.

Nicht einschlägig ist in den Buchauer Regesten:

Nr. 633 1467 Mai 4
Kundschaften über Rechte der Stadt Biberach am Wildbann und der Pürsch zwischen Riß und Donau
S. 422 Nr. 9 ist ein Bauer von Oggelsbeuren Leibeigener des Ulrich Österreicher von Ulm

Es handelt sich wahrscheinlich um einen Ulmer Patrizier: Ulrich Ehinger genannt Österreicher zu Ulm, siehe Nr. 485, 489 sowie
Martin Crusius, zitiert in der deutschen Übersetzung
https://books.google.de/books?id=6SdLAAAAcAAJ&pg=PA57

1501 wurde ein Johann Ostenricher aus Schussenried ("Soreth") in Heidelberg immatrikuliert.

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/matrikel1386/0520

Es liegt nahe, dass es sich um einen Prämonstratenser und Verwandten des damaligen Abts Österreicher handelt.

Eine gründliche Biographie zu Heinrich Österreicher existiert nicht. Am besten recherchiert hat Jürgen Glocker im Verfasserlexikon (²VL 7, 1989, Sp. 110-113). Er hat nicht nur die Heidelberger Quellen gesichtet, sondern auch die Konstanzer Investiturprotokolle und Domkapitelsprotokolle sowie einen Aufsatz in den Analecta Praemonstratensia.

Der junge Prämonstratenser war schon vor der Immatrikulation in Heidelberg 1467 als Seelsorger in Pfarreien des Prämonstratenserstifts Schussenried tätig, zuerst in Otterswang 1466.

Krebs, FDA 71, S. 641
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:25-opus-56168

Bei Ordensangehörigen war es wohl nicht ganz unüblich, dass diese die Universität später als ihre weltlichen Altersgenossen bezogen. Aus dem Immatrikulationsdatum 1467 würde man sonst ein Geburtsdatum 1450/55 errechnen.

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/matrikel1386/0399

In Heidelberg spezialisierte sich der Prämonstratenser auf das kanonische Recht. Als er am 26. September 1480 in Heidelberg Doktor des kanonischen Rechts wurde

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/miethke1986/0110

war er bereits Abt. Nach Glocker wurde er im April 1480 gewählt.

Die Schussenrieder Lokalliteratur und auch der renommierte Kirchenhistoriker Hermann Tüchle (in: Bad Schussenried. Sigmaringen 1983, S. 37f.) haben sich nicht entblödet, das leider in die ADB eingegangene Datum 1481 fortzuschreiben.

Artikel Paul Becks in der ADB 1886
https://de.wikisource.org/wiki/ADB%3AOesterreicher%2C_Heinrich

Heinrich Österreichers GND
http://beacon.findbuch.de/seealso/pnd-aks?format=sources&id=103154620

In den Regesta Imperii

http://www.regesta-imperii.de/regesten/suche.html (Suche nach Schussenried*)

ist dokumentiert, dass der Schussenrieder Abt eine angesehene Persönlichkeit war. 1501 gehörte er dem Nürnberger Reichsregiment an. Ab 1502 verhandelte er als Rat Maximilians mit den Eidgenossen. Im Schwäbischen Bund kann er 1500-1505 quasi als Direktor des Prälatenkollegiums gelten (so Horst Carl: Der Schwäbische Bund 1488-1534. Leinfelden-Echterdingen 2000, S. 145, 518). Seinem Orden diente er als Visitator der Zirkarie Schwaben.

http://personendatenbank.germania-sacra.de/books/view/69/161

Die Schussenrieder Klosterurkunden wurden bisher nicht herangezogen (auch nicht von mir). Überhaupt ist die Literaturlage zu Schussenried eher schlecht. Dilettanten dominieren, angefangen mit Paul Beck, der ohne Belege vor allem die Schussenrieder Hauschronik ausschrieb. Paul Beck: "Zum
siebenhunderjährigen Jubiläum des Prämonstratenser-Reichsstifts
Schussenried", Separat-Abdruck aus dem "Deutschen Volksblatt",
Stuttgart 1883 wurde mir freundlicherweise von Andreas Praefcke in Form des Reprints in: Beiträge zur Geschichte Schussenrieds. Bad Buchau 1981 (S. 614-619).

Bedauerlicherweise ist die 1765 beendete umfangreiche Schussenrieder Hauschronik des Chorherrn Friedrich Lehner (1714-1779) 1944 im Hauptstaatsarchiv Stuttgart zerstört worden. Greifbar ist derzeit nur ein von Paul Beck veranlasster Auszug, den Karl Kaufmann 2002 (?) modernisiert in den Druck gab: Auszug aus der Hauschronik des Schussenrieder Chorherren Friedrich Lehner (1714 - 1779). Die Seiten zu Österreicher (S. 24-29) scannte mir liebenswürdigerweise wieder Andreas Praefcke, wofür ihm auch hier herzlich gedankt sei. (Kaufmanns Buch über die Schussenrieder Äbte lag mir nicht vor. [Nachtrag: Mir wurden freundlicherweise die beiden Seiten der Publikation von 1985 übermittelt, sie enthalten keine Belege und stützen sich fast nur auf die Hauschronik.])

Nach Lehner resignierte Österreichers Vorgänger Peter am 10. April 1480 in Anwesenheit der Äbte von Rot und Weißenau. Danach wurde der neue Abt gewählt. Die Klosterchronik ist auch die Quelle für das Todesdatum 19. April 1505. Auch zu den Baumaßnahmen des Abts gibt die Chronik Auskunft. (Rätselhaft ist, was Norbert Backmund: Die mittelalterlichen Geschichtsschreiber des Prämonstratenserordens. Averbode 1972, S. 311 schreibt: "Zu Beginn des 16. Jahrhunderts schrieb ein Anonymus des Klosters Schussenried ein Büchlein über die von dessen Abt Heinrich Oesterreicher (1480-1505) errichteten Bauten. Es wurde gedruckt. Ein Apotheker in Biberach, G.L. Raucher, gab 1687 eine eine Analyse davon" - laut Google-Schnipsel.)

Heute noch vorhanden ist ein Wappenstein (abgebildet in dem genannten Reprint S. 42) mit lateinischer Inschrift, wonach Österreicher "decretorum doctor" die Bibliothek errichtet habe.

Die Schussenrieder Bibliothek als Ganzes ist verloren, mit ihr womöglich auch Österreichers Bücherschätze. Hermann Tüchle behauptete, sein Wappen sei im Münchner Exemplar des Missale Prämonstratense (Weale-Bohatta 1671) vorhanden, doch ist im Digitalisat nichts davon zu sehen, was auch nicht verwundert, da nach jetziger Datierung des Drucks um 1510 Österreicher damals schon tot war.

http://archiv.twoday.net/stories/1022426385/

Den Vermerk in der Inkunabel der Kestner Museum Inv. E 259 (Konrad Ernst/Christian Heusinger: Die Wiegendrucke des Kestner-Museums. Hannover 1963, S. 67 Nr. 259: Otto von Passau: Die 24 Alten. Augsburg 1483) als "abbas ostricher" zu lesen, erscheint mir paläographisch etwas gewagt, aber die Kataloglesung Oschacher ist abzulehnen. Auch Ossacher ergibt keinen Sinn.

http://archivalia.tumblr.com/post/125527383145/abbas-ossacherostricher-book-from-the

Bisher übersehen wurde ein Hinweis im Schaffhauser Inkunabelkatalog. In einem Venezianer Druck von Philelphus: Epistolae familiares von 1496 befindet sich hinten ein handschriftlicher Brief von "H. Osterrichers, abbas in Soreth, D. Doctor".

https://archive.org/stream/verzeichnisderi00henkgoog#page/n49/mode/2up

Für Peter Amelung bestand "kaum ein Zweifel", dass Österreicher schon vor seiner Abtszeit den Wanderdrucker, der in Schussenried zwei humanistische Drucke fertigte (einer datiert 1478), ins Kloster geholt hat.

http://www.gfh-biberach.de/Hefte/BC-Heimatkundliche-Bl%C3%A4tter-f%C3%BCr-den-Kreis-Biberach/J1H1S04.pdf

Leonardus Aretinus: Gracchus et Poliscena comoedia
http://gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/BRUNLEO.htm

Schlussvermerk im Digitalisat
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00041649/image_32

Falk Eisermann hat in einem Überblick zu den Klosterbuchdruckereien (in: Print Culture and Peripheries in Early Modern Europe. Leiden 2013, S. 51) die Skepsis des Inkunabelkatalogs der British Library zitiert, wonach sich der Vermerk auch auf eine Handschriftenabschrift beziehen kann. Aber auch bei einem Kopier- oder Aufführungsvermerk bleibt der Befund, dass in Schussenried humanistische Bildung außergewöhnlich früh rezipiert wird. Der zweite Druck betrifft eine Terenz-Komödie. "Für eine Klosteroffizin ist dieses literarische Sortiment, das ganz der humanistischen Programmatik verpflichtet ist, mehr als erstaunlich", bemerkt zurecht Christa Bertelsmeier-Kierst: 'Griseldis' in Deutschland. Heidelberg 1988, S. 80.

Angemerkt sei, dass im Auszug aus Lehners Chronik nichts von Österreichers großen Interesse für die Buchdruckerkunst verlautet, das ihm Löffler anscheinend nach der Hauschronik attestiert:

http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/pageview/418626

Der zeitweilig an der Biberacher Schule wirkende Frühhumanist Samuel Karoch von Lichtenberg nahm in einen Schultext der Ottobeurer Handschrift O 76 Bl. 66r eine "Salutatio" an "Heinrico Esterricher abbati in Sorecht" auf (zitiert bei Franz Josef Worstbrock, ZfdA 1983, S. 91 Anm. 25).

Dagegen kann die Tatsache, dass der Arzt Ulrich Ellenbog dem offenbar augenkranken Schussenrieder Abt 1490/91 zwei Traktate (Tractatus pro visus confortatione; De visus felicitatione) widmete, nicht für humanistische Interessen in Anspruch genommen werden (Peter Assion ²VL 2, 1980, Sp. 497 nach einer Handschrift der Lobkowitz-Bibliothek, damals in Prag).

1491 übersetzte Österreicher für Eberhard im Bart das landwirtschaftliche Lehrwerk des Columella ins Deutsche. Löfflers Ausgabe von 1914, die über Österreicher nur sehr knappe Notizen enthält, ist online:

http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/420574

Der Codex unicus, Württembergische Landesbibliothek, Cod. cam. et oec. 2° 1, ist als Digitalisat einsehbar:

http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz351003746

Österreichers Biogramm (im wesentlichen nach ²VL) wurde daher in das Marburger Repertorium zur Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus aufgenommen.

http://mrfh.de/0022

Bertelsmeier-Kierst vermutete in ihm den Decamerone-Übersetzer "Arigo", was die spätere Forschung überwiegend mit Skepsis aufnahm. Irgendwelche konkreten Anhaltspunkte konnte sie nicht ins Feld führen. Zur Ablehnung siehe etwa Jan-Dirk Müller im Artikel Arigo im ²VL 11, Sp. 126: "eher unwahrscheinlich".

https://books.google.de/books?id=8Uqq7z2xJlYC&pg=PA52

In Teil I dieser Artikelserie wurde das Österreicher zugeschriebene Brevier (WLB Stuttgart Cod. brev. 113. Digitalisat

http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz411132377 ) bereits kurz angesprochen (dort auch zum Buchmaler).

Auch hier ist Jeffrey Hamburger zu danken, der mir Korrekturfahnen seines Artikels über dieses Brevier (mit Abbildungen der Illustrationen) in: Art de l'enluminure 53, 2015 übermittelte.

http://www.art-enluminure.com/numero-53/un-premontre-purgatoire-livre-prieres-d-heinrich-osterreicher/un-premontre-purgatoire.38177.php#article_38177

Zu meinen Zweifeln hat er allerdings auf Anfrage keine Stellung genommen. Fiala/Irtenkauf haben in ihrer Handschriftenbeschreibung 1977

http://www.manuscripta-mediaevalia.de/hs/katalogseiten/HSK0077_b146_JPG.htm

wahrheitswidrig behauptet, das Wappen auf Bl. 135v (gekreuzte Pilgerstäbe) sei "das Schussenrieder Abteiwappen" gewesen. Richtig ist: ""Das Klosterwappen zeigte stets den steigenden Löwen".

https://www.google.de/search?q=klosterwappen+schussenried+l%C3%B6we&tbm=bks
http://www.kloester-bw.de/?nr=158

Dies kann man auch der Bilderreihe

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_%C3%84bte_von_Schussenried

ohne weiteres entnehmen. Oft haben die Äbte das Löwenwappen ihrem eigenen Wappen beigesellt.

Die Pilgerstäbe gehören eindeutig dem Nachfolger Österreichers Johannes Wittmayer an, der sie aufgrund einer Romfahrt angenommen haben soll (als Vermutung bei Rueß: Schussenrieder Wappen im genannten Reprint 1981, S. 336, als Faktum bei Kasper 1960
https://www.google.de/search?tbm=bks&q=%22wo+der+junge+Pilger+einen+Abla%C3%9Fbrief+erworben+hat**%22 ).

Man sieht Wittmayers Wappen noch heute zweimal im Stadtbild von Bad Schussenried:

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bad_Schussenried_-_Tafel_am_Fachwerkhaus.JPG
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Biberach_Gymnasiumstra%C3%9Fe_20_Wappenrelief.jpg

Österreichers Wappen bei der Bibliotheksinschrift wurde bereits erwähnt. In Blau ein fünfzackiger goldener Stern über grünem Dreiberg - diese Blasonierung von Paul Beck 1893

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1893/0005

dürfte aus späteren Quellen stammen, etwa dem Gemälde von 1694.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Abt_Heinrich_%C3%96sterreicher_Schussenried.jpg

SW im "Silberbuch" 1705:

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_%C3%84bte_von_Schussenried#/media/File:Abt_Heinrich_%C3%96sterreicher_Schussenried_Silberbuch_02_Wappen.jpg

Auch im berühmten barocken Bibliothekssaal ist Österreicher bei der Jurisprudenz dargestellt.

Andere Hinweise auf die Herkunft des für einen Abt gefertigten Breviers existieren nicht. Will man nicht mit der Möglichkeit rechnen, dass sich die Pilgerstäbe gar nicht auf Schussenried beziehen, so bleiben zwei Möglichkeiten:

a) Das Brevier wurde für Österreichers Nachfolger Wittmayer angelegt

b) Die Pilgerstäbe wurden nachträglich in Österreichers Brevier angebracht.

Angesichts des Bezeugungszeitraum des Buchmalers 1463/91 wären die ersten Jahre Wittmayers 1505/10 recht spät (Fiala/Irtenkauf datierten: 4. Viertel 15. Jahrhundert). Ob sie kunsthistorisch wirksam ausgeschlossen werden können, wage ich zu bezweifeln. Zu Österreichers Rang passt ein so anspruchsvolles Brevier natürlich gut, und der Möglichkeit, dass es ja auch denkbar wäre, dass schon sein Vorgänger es für sich schaffen ließ, soll nicht weiter nachgegangen werden.

Abt Heinrich Österreicher, Vogt des waldburgischen Vogts Hans Österreicher aus Feldkirch, war ein gelehrter Prälat, der offenkundig dem Frühhumanismus aufgeschlossen war. Es wäre an der Zeit, sich gründlicher mit ihm zu beschäftigen.

#forschung




Anna Caroline Pfeiffer widmete sich aus der Sicht des Fachs Restaurierung in ihrer Diplomarbeit 2005 den "Heiligen Leibern".

http://www.restaurierung-pfeiffer.de/files/Diplomarbeit_2005_A_Pfeiffer.pdf

Siehe hier
http://archiv.twoday.net/search?q=katakomben


 

twoday.net AGB

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