Allgemeines
Architekturarchive
Archivbau
Archivbibliotheken
Archive in der Zukunft
Archive von unten
Archivgeschichte
Archivpaedagogik
Archivrecht
Archivsoftware
Ausbildungsfragen
Bestandserhaltung
Bewertung
Bibliothekswesen
Bildquellen
Datenschutz
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
null

 

Landesgeschichte

UB Freiburg Hs. 483.30

http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hs483-30

Die Darstellung ist von Johann Michael Büchler 1698 signiert. Das Wappen (drei Wolfsangeln im Sinne von Wolfsankern

http://www.dr-bernhard-peter.de/Heraldik/wolfsangel.htm ) ist in Ermangelung einer farbigen Darstellung nicht eindeutig zuzuweisen, könnte insbesondere einem von Stadion angehören.

Ich habe vor, die Geschichte und künstlerische Produktion der Linzer/Schwäbisch Gmünder/Augsburger Familie Püchler/Büchler darzustellen und wäre für alle sachdienlichen Hinweise, die über die derzeit maßgebliche Darstellung von Polleroß 2009

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/1804/1/Polleross_Schrift_Bilder_2009.pdf

hinausgehen, dankbar.

Bereits jetzt merke ich an, dass die von Schemmel (FS Otto Schäfer, 1987, S. 150) unter Berufung auf Carl Wagenblast gegebenen Lebensdaten Johann Michael Püchlers nicht stimmen können.

Der am 19. August 1679 in Schwäbisch Gmünd getaufte Johann Michael, Sohn des Jakob und der Maria Magdalena, gehört offenkundig einer der anderen Büchler/Biechler-Familien an. Eine Deszendenz von Johann aus Linz oder allenfalls dessen Bruder Michael zu Linz kommt für Jakob nicht in Betracht, Jakob war Witwer, laut Dolls Familienregister ist er die erste Ehe vermutlich 1655 eingegangen. 1623 wurde z.B. ein Johann Jakob geboren.

Bisher nicht berücksichtigt wurde die kleine Stammtafel bei Gerhard Mewald: Barbiere, Chirurgen und Bader-Familien in der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd (bis 1802). Diss. med. dent. Tübingen 1962, S. 21, der den Barbier und Kupfersticher Michael B. als 1682 geborenen Sohn von Johann Philipp ansetzt, der nachweislich ein 1653 in Augsburg getaufter Sohn des Stammvaters der Mikrographen, des Linzers Johann B. (nach Wallner evangelisch getauft am 22. Mai 1612 in Linz) war.

Das würde gut passen, da auch Johann Philipp Mikrographien schuf. Aber mit dem Einsetzen des Oeuvres Johann Michaels schon vor 1687 ist das eigentlich nicht vereinbar. Die übliche Signaturformel gewährt keinen Anhaltspunkte, einen älteren und einen jüngeren Johann Michael Püchler zu unterscheiden. Siehe etwa zu einem Kelheimer Bild 1689

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Puechler_eugen_2.png

Nach 1706 bricht die datierte Produktion, soweit bekannt, ab. Von daher mag das Sterbedatum 27. Dezember 1709 für den mit dem Übernamen Rotmantel (diesen trug schon Johann Philipp) bezeichneten Johann Michael Biechler zutreffen. Aber am 24. Juni 1710 starb ein gleichnamiger Barbier in Gmünd.

Johann Michael nennt sich auch einmal in einer undatierten, dem Schlehdorfer Propst gewidmeten Arbeit von Augsburg.

http://www.liveauctioneers.com/item/8151847

Denkbar wäre also auch, dass er gar nicht in Schwäbisch Gmünd gestorben ist. Ehrlicherweise müssen also die Lebensdaten Püchlers wieder als ungesichert gelten.

Zur Geschichte der Mikrographen Püchler siehe auch

Nägele 1927
http://dx.doi.org/10.5169/seals-160751

Klaus 1896
https://archive.org/stream/wrttembergische02unkngoog#page/n342/mode/2up


http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/gsform/sn/shwb

Nur die Lemmata, aber nicht der Volltext durchsuchbar!

http://www.lagis-hessen.de/de/subjects/browse/sn/qhg

Wieso keine Faksimiles beigegeben wurden, erschließt sich mir nicht. Das sollte inzwischen Standard sein!

http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hs483-21-3

Die dort verlinkte Handschriftenbeschreibung hätte erwähnen müssen, dass eigentlich nur die Kirche St. Blasius (heute in Unterglottertal nach dem Land Baden-Württemberg Bd. 6, S. 157 im 14. Jahrhundert noch in Oberglottertal) in Betracht kommt.

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/krieger1904bd1/0385 (Krieger)
http://www.an-der-glotter.de/html/lage_und_geschichte.html

http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/stocker1865ga

http://www.topothek.at/

Wenn ich ein Bild ohne Permanentlink und Copyfraud-Lizenz CC-BY-NC-ND sehe, tut es mir leid: Kein zeitgemäßes Projekt.


Gegen das neue Motto des VfB Stuttgart "Furchtlos und treu" wurde schon im Sommer Kritik laut. Die WELT:

Der neue Wahlspruch sei unsensibel, völkisch, nationalistisch, eher rufschädigend. Einer schrieb: "Ich halte es für sehr unpassend, sich im Jahr 2014 solch ein Motto zu geben, wenn sich genau vor hundert Jahren massenweise deutsche Soldaten mit dem Schriftzug "Furchtlos und treu" auf ihren Gürtelschnallen in den Tod stürzten."
http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/vfb-stuttgart/article131039215/Unsensibel-voelkisch-nationalistisch.html

Weil die Parole auch schon schwäbische Neonazis benutzten, ist das Motto sehr umstritten. Auch im SPIEGEL 39/2014 findet sich ein Bericht.

Wie sieht es mit der Geschichte der Devise aus, die als Schwaben-Wahlspruch galt? Eingeführt wurde sie von oben, als der württembergische König Wilhelm in einem Dekret vom 30. Dezember 1817 seine persönliche Devise in das Staatswappen einfügte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wappen_W%C3%BCrttembergs#Das_Wappen_ab_1817

http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10552282_00518.html

Dass es sich um den Wahlspruch des Königs handelte, sagen die Württembergischen Jahrbücher 1821, eine wohl hinreichend verlässliche und zeitnahe Quelle.

http://books.google.de/books?id=QQcAAAAAMAAJ&pg=PA104

Zuvor habe ich diese Devise nicht gefunden, auch wenn Dieter Mertens an das Begriffspaar käck und trew bei Sigismund Meisterlin im 15. Jahrhundert und an das Tugendpaar fortitudo und fides bei dem Tübinger Humanisten Heinrich Bebel erinnerte.

http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/2742/ (S. 146)

Es handle sich um das "schwäbische - und dann auch württembergische Autostereotyp schlechthin". In der Fußnote zitiert Mertens ein Kriegslied von 1915.

Quelle: http://www.vfb.de/de/verein/furchtlos-und-treu/motto/page/8412-32644-8-.html

Mäzene, Sammler, Chronisten. Die Grafen von Zimmern und die Kultur des schwäbischen Adels. Hrsg. von Casimir Bumiller/Bernhard Rüth/Edwin Ernst Weber. Stuttgart: Belser (Kommissionsverlag) 2012. 351 S. mit zahlreichen, überwiegend farbigen Abbildungen

Inhaltsverzeichnis:
http://d-nb.info/1022175092/04

Der opulente, herausragend illustrierte Katalog der 2002 in Meßkirch und Rottweil gezeigten großen Ausstellung über die Herren und späteren Grafen von Zimmern kann als aktuelles Standardwerk zu dieser bemerkenswerten Adelsfamilie gelten. An einen Aufsatzteil mit 16 Beiträgen schließt sich ein Katalog mit 70 Exponaten an. Höchst erfreulich ist die Existenz eines Registers.

Die Aufsätze behandeln einerseits Themen der Territorial- und Herrschaftsgeschichte, andererseits beschäftigen sich aber nicht weniger als vier Beiträge mit der berühmten Zimmerischen Chronik und einer mit dem überwiegend historiographischen Werk Graf Wilhelm Werners von Zimmern.

Nach einem Überblick zur Geschichte der Familie von Casimir Bumiller erörtert Hans Harter die ersten Belege vom 10. bis 12. Jahrhundert. Weitere Beiträge nehmen die Stammherrschaft am Oberen Neckar (von Carsten Kohlmann), die Herrschaften Oberndorf und Schramberg (Bernhard Rüth), das Verhältnis zur Reichsstadt Rottweil (Winfried Hecht), die Geschichte Meßkirchs (Volker Trugenberger) sowie Herrschaft, Besitz und Einkünfte der Grafen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts (Edwin Ernst Weber) in den Blick. Am Ende des Aufsatzteils behandeln Stefan Uhl die Zimmerischen Burg- und Schlossbauten im 15. und 16. Jahrhundert und Karl Kimmisch/Werner Wittmann das Schicksal der Burg Herrenzimmern vom 16. bis 20. Jahrhundert. Das Lebensbild einer weiblichen Familienangehörigen, der letzten Zürcher Fraumünster-Äbtissin Katharina von Zimmern (gestorben 1547/48), zeichnet Peter Niederhäuser.

Nicht zum ersten Mal porträtiert Gerhard Wolf die Zimmerische Chronik als literarischen Text, während Clemens Joos ("Die Chronik als adliges Herkommen") natürlich Pflichtlektüre für jeden an aristokratischer Historiographie in der Frühen Neuzeit sein sollte. Wie schon in früheren Studien (siehe etwa
http://www.hohenzollerischer-geschichtsverein.de/userfiles/files/ZHG46_2010.pdf S. 193)
findet er mein Begriffspaar Herkommen und Exemplum fruchtbar (S. 142f.). S. 148f. kann Joos Neues zu dem Freiburger Professor Caspar Baldung (* um 1480 in Schwäbisch Gmünd), Genealogie-Experte und Bruder des Malers Hans Baldung Grien, beibringen. S. 321 Anm. 97 wird Archivalia mit

http://archiv.twoday.net/stories/38723979/

zitiert. Während Joos S. 155 meine Rüxner-Studie selbstverständlich zur Kenntnis nimmt, ignoriert Bumiller diese im Katalog S. 242f. Nr. 15. Das Register leistet sich die Dummheit, die gleiche Person sowohl unter Rixner als auch unter Rüxner aufzuführen.

Lesenswert sind aber auch die weiteren Arbeiten zur Zimmerischen Chronik: Elmar L. Kuhn über den schwäbischen Adel, Bernd M. Mayer über die Truchsessen von Waldburg. Zur Truchsessen-Chronik (Handschrift in Wolfegg, S. 293 Nr. 66) siehe auch meinen Artikel im Verfasserlexikon Humanismus:
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8759/

Unterstreichen möchte ich, was Kuhn S. 158 schreibt: "Vorrangiger Erfahrungs-, Denk- und Kommunikationsraum des Autors jenseits seiner Herrschaften ist das 'Land zu Schwaben'". Die Zimmerische Chronik war also auch als schwäbische Landeschronik konzipiert.

Unverständlich ist, dass die Erfassung der Barack'schen Ausgabe (2. Auflage) der Zimmerischen Chronik durch Wikisource im ganzen Band mit keiner Silbe erwähnt wird.

https://de.wikisource.org/wiki/Zimmerische_Chronik

Vor allem die historiographische Produktion Graf Wilhelm Werners von Zimmern (also an erster Stelle seine vielbändige Bistumschronik) steht im Mittelpunkt des Aufsatzes von Andreas Bihrer.

Zu den genealogischen Studien Wilhelm Werners hätte Bihrer die Arbeit des zu früh verstorbenen Rolf Götz zur Kenntnis nehmen müssen. Joos schreibt S. 150 mit vollem Recht, Götz habe "mit großer Akribie" den Inhalt eines "Heiratenbuchs" der Herzöge von Teck erschlossen (Wege und Irrwege frühneuzeitlicher Historiographie, 2007, S. 67-94).

Wie hielt es Wilhelm Werner mit dem Fälschen bzw. historischen Fiktionen? Bei Froben Christoph kleistern Wolfs ambitionierte Aussagen "zum Verhältnis von Fiktion und Wahrheit" (S. 138f.) ein wenig den nüchternen Befund zu, dass nicht überprüfbare Aussagen des Zimmern-Chronisten zum frühen und hohen Mittelalter weitgehend erfunden scheinen. Froben Christophs "Erfindungen" hat sich - nach wie vor lesenswert - schon Beat Rudolf Jenny (Graf Froben Christoph von Zimmern, 1959, S. 165) anzunähern versucht. Zu den Quellenfiktionen habe ich mich in meinem Aufsatz über Codexmythen und Codexphantasien (2010) geäußert:

http://archiv.twoday.net/stories/326528152/

Dass der angebliche Alpirsbacher Bildteppich mit Darstellungen aus der Geschichte des ersten Kreuzzugs eine Erfindung des Zimmern-Chronisten ist, hatte ich schon früher ausgesprochen

http://books.google.de/books?id=ANJxR14vsgwC&pg=PA200
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/527/1/Graf_Nachruhm_2002.pdf (S. 323)

Alan V. Murray hat in mehreren sich kaum unterscheidenden Aufsätzen mit der Quellenkritik der Kreuzzugs-Geschichtsklitterung in der Zimmern-Chronik befasst. Titelnachweise:

http://archiv.twoday.net/stories/444870012/

Online ist Murrays älterer Aufsatz von 1992

http://www.persee.fr/web/revues/home/prescript/article/rbph_0035-0818_1992_num_70_2_3824

Es ist das Verdienst von Rolf Götz, der mir seinen ausführlichen Brief an Murray vom 17. November 1995 zugänglich gemacht hat (kürzer die Monographie von Götz 2007, S. 73f., 81f.; im Zusammenhang dargestellt: Rolf Götz: Die Herzöge von Teck, 2009, S. 105-107), dass wir eindeutig wissen, dass sich schon der gelehrte Historiker Wilhelm Werner von Zimmern an diesem Kreuzzugs-Fälschungs-Komplex (ad maiorem gloriam familiae) mit eigenen Erfindungen beteiligt hat bzw. den Weg für die Fiktionen Froben Christophs gebahnt hat.

Schon im wohl um 1540 entstandenen Heiratenbuch Wilhelm Werners (ed. Götz, S. 69) erscheint jener anachronistische deutsche Heerführer Walter von Teck, als dessen Vorbild Murray den Franzosen Walter Sans-Avoir erweisen konnte. Dass viele treffliche Fürsten und Herren aus Deutschland am Ersten Kreuzzug teilnahmen sagt Wilhelm Werner in der Churer Bistumschronik (WLB Stuttgart HB V 33, Autograph, Bl. 50r). Erfunden hat Wilhelm Werner den in Alpirsbach begrabenen Gottfried von Zimmern und dessen angebliche Ehefrau Elisabeth von Teck (Götz 2007, S. 74).

Wilhelm Werner schreckte sogar nicht davor zurück, ein Erinnerungszeugnis zu fälschen. Die in einem Altar der Pfarrkirche Herrenzimmern aufgefundene Papierurkunde Wilhelm Werners vom 8. Januar 1546 regestierte Glatz in seiner Alpirsbacher Klostergeschichte:

http://archive.org/stream/geschichtedesklo00glatuoft#page/388/mode/2up

Friedrich von Zimmern habe - genannt wird das Datum 1100 - aus dem Heiligen Land vom Kreuzzug eine Reliquientafel mitgebracht, auf der links und rechts die Wappen Zimmern und Teck angebracht waren, die er seiner Schwägerin (Elisabeth von Teck) verehrt habe. Wilhelm Werner beurkundete, er habe dieses "verwurmte" Reliquiar restaurieren lassen. Da es damals noch keine Wappen gab (und natürlich auch nicht die genannten Personen), kann es kein solches hochmittelalterliche Reliquiar gegeben haben. Die als Restaurierung getarnte Fabrikation des Sachzeugnisses ist eine zweifelsfreie Fälschung Wilhelm Werners zugunsten des Familien-Herkommens. Solche frühneuzeitlichen genealogischen Fälschungen (wie sie auch dem berühmten Schweizer Historiker Ägidius Tschudi zur Last zu legen sind) gelten heute nicht mehr als sonderlich ehrenrührig. Aber der von Götz dokumentierte Fall wirft doch ein bezeichnendes Licht auf die von Bihrer positiv dargestellte Arbeitsweise Wilhelm Werners von Zimmern.

Erwähnt wird von Bihrer S. 111 mit S. 314 Anm. 30 (die Trennung der Endnoten von den Aufsätzen ist denkbar unpraktisch!) auch die Sigmaringer Handschrift 64 (mit der Zweitüberlieferung des sogenannten Rudolf von Schlettstadt). Diese Anmerkung hat mir dank ungenauer Lektüre eine Anfrage nach meiner Magisterarbeit eingetragen, während doch von der Magisterarbeit von Stefan Georges die Rede ist (anscheinend hat nicht einmal die Hofbibliothek Sigmaringen ein Exemplar - ich verfüge persönlich über eine Kopie). Zu zitieren gewesen wäre:

http://web.archive.org/web/20120530055321/http://www.histsem.uni-freiburg.de/mertens/graf/hsslink.htm (2012 noch in Freiburg online)

Als Hauptwerks Wilhelm Werners gilt die 1550 beendete "Geschichte des Erzbistums Mainz und seiner Suffraganbistümer", an der der Graf zwölf Jahre gearbeitet haben will (in Wirklichkeit sicher länger). Sie ist, da nur handschriftlich überliefert, kaum bekannt. Gedruckt liegen nach Bihrer nur die Bistumschroniken von Würzburg (Ausgabe von Wilhelm Engel 1952) und Eichstätt (Wilhelm Kraft 1956) vor. Hinzu kommt Udo Stanelle: Die Hildesheimer Bischofschronik des Hans Wildefuer, 1986, denn diese nach der Leithandschrift Wolfenbüttel Cod. Guelf. 42.5 Aug. 2° edierte Chronik liegt nur in der Bearbeitung Zimmerns vor (so auch Bernhard Rüth in seiner Rezension der Ausgabe Stanelles im Niedersächsischen Jahrbuch für Landesgeschichte 59, 1987, S. 328-330, hier S. 329
http://www.historische-kommission.niedersachsen.de/download/77543 ).

Die Erben Wilhelm Werners von Zimmern sollten die fünf Bände der Bischofschronik nach dem Willen Wilhelm Werners zusammenhalten - ein vergeblicher Wunsch! Siehe den bei Barack zitierten Eintrag des Grafen

http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10800056_00422.html

Die Handschriften-Heuristik der Bischofschronik wurde in den letzten Jahren vor allem von Markus Müller gefördert (Die spätmittelalterliche Bistumsgeschichtsschreibung, 1998, S. 15 und jeweils bei den einzelnen Bistümern). Eine Würdigung des Werks versuchte - vor allem anhand von Studien zur Konstanzer Bischofschronik - Andreas Bihrer im Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 26 (2007), S. 233-248.

Barack nannte 1882 die autographen Reinschriften in Donaueschingen, Stuttgart und Weimar

http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/zimmern1882-4/0331

Theodor Ludwig stellte 1897 die Gießener Handschrift 469 mit den Chroniken von Halberstadt, Konstanz und Augsburg vor,

https://archive.org/stream/zeitschriftfrdi11langoog#page/n291/mode/2up

während Engel 1952 die Handschrift C 1 Nr. 202 )heute Nr. 82) des Staatsarchivs Darmstadt (Würzburg, Eichstätt, Straßburg, Speyer) in die Forschung einbrachte und Stanelle (Würzburger Diözesangeschichtsblätter 45, 1983, S. 93-103) schließlich die Verdener Bistumschronik in Hannover (XXIII 1138) und Freiburg (UB Hs. 455) wiederfand.

Der Autor signierte seine fünf Bände mit A bis E.

A: Erzstift Mainz
B: Worms, Würzburg und Eichstätt
C. Speyer, Straßburg, Verden
D: Chur, Hildesheim, Paderborn
E: Halberstadt, Konstanz, Augsburg

Bihrer 2007, S. 239 unterscheidet Konzeptfassungen, eigenhändig durchgearbeitete Entwürfe und autographe Schlussfassungen.

Konzeptfassungen
Darmstadt, Staatsarchiv, C 1 Nr. 82 (Mainz, Worms, Würzburg, Eichstätt, Speyer, Straßburg)
Freiburg, UB, Hs. 455 (Hildesheim, Paderborn, Verden, Halberstadt) = Abschrift Johannes Basilius Herold, siehe dazu Heinzer
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/4485/pdf/Heinzer_Handschrift_und_Druck.pdf S. 143

Eigenhändig durchgearbeitete Entwürfe
Gießen, UB, Hs. 469 (Konstanz, Halberstadt, Augsburg)
Hannover, LB, XXIII 1138 (Verden, Hildesheim, Paderborn, Chur [Anfang])
Beide vom gleichen Schreiber.

Autographe Schlussfassungen
A Weimar, HAAB, Cod. Fol. 98 (Mainz)
B Stuttgart, WLB, Cod. Don. 575 (Worms, Würzburg, Eichstätt)
D Stuttgart, WLB, Cod. HB V 33 (Chur, Hildesheim, Paderborn)

Konsequent unbeachtet blieb von Bihrer und anderen der schon 2001 von Thomas Heiler (Die Würzburger Bischofschronik des Lorenz Fries, S. 423f. Anm. 34) gegebene Hinweis auf eine angeblich vollständige Abschrift aller von Zimmern gefertigter Bischofschroniken in der SUB Bremen. In Wirklichkeit fehlt das Bistum Chur. Das sehr preisgünstige Angebot eines Digitalisats vom schlechten Mikrofilm ermöglichte mir den Erwerb der Reproduktion. Die Handschriften stammen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und sind als autornah einzustufen, aber keine Autographen. Teilweise tragen sie - ähnlich wie die Freiburger Handschrift (Datum 1548) - große Datierungen am Titel (1547 oder 1548). Die Wappenschilde blieben weitgehend leer.

Bremen, msa 36
Konstanz, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa36#page/n1/mode/2up
Augsburg, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa36#page/n159/mode/2up
Würzburg, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa36#page/n279/mode/2up
Eichstätt, 1547
https://archive.org/stream/BremenSub_msa36#page/n447/mode/2up

Bremen, msa 37
Straßburg, 1547
https://archive.org/stream/BremenSub_msa37#page/n1/mode/2up
In der Darmstädter Handschrift (weitere sind Müller nicht bekannt) reicht die Bischofschronik nur bis 1441, hier bis Wilhelm von Hohnstein (regierte 1506-1541)!
Speyer, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa37#page/n149/mode/2up
Worms, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa37#page/n315/mode/2up
Mainz, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa37#page/n467/mode/2up

Bremen, msa 38
Hildesheim, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa38#page/n1/mode/2up
Paderborn, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa38#page/n203/mode/2up
Verden, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa38#page/n315/mode/2up
Halberstadt, 1548
https://archive.org/stream/BremenSub_msa38#page/n385/mode/2up

Auch wenn das Digitalisat eine Zumutung ist, ermöglichen die Dateien des Internet Archive erstmals jedem Forscher die Lektüre fast aller Bischofschroniken Wilhelm Werners von Zimmern. Wünschenswert bleibt natürlich eine digitale Gesamtausgabe der verschiedenen Fassungen, beginnend mit dem Stuttgarter HB V 33, der ja die in Bremen fehlender Churer Chronik enthält.

Zurück zum Katalogband! Bernd Konrad würdigt die Grafen von Zimmern als "Kunstmäzene" und hat auch zum Meister von Meßkirch (und der Malerfamilie Weis) einen Exkurs im Katalog beigesteuert (S. 282f.)

Zu kurz kommt die berühmte Zimmern'sche Bibliothek und die Kunstsammlung der Familie (zur Wunderkammer Wilhelm Werners vgl. den Hinweis S. 315 Anm. 59). Die in Wien erhaltenen Reste der Bibliothek hätten einige Aufmerksamkeit verdient. Im Literaturverzeichnis vermisst wird beispielsweise die S. 314 von Bihrer zitierte Studie Jacob Klingners über die ehemals in Lana und nun in Berlin befindliche (inzwischen auch online einsehbare) literarische Sammelhandschrift der Grafen von Zimmern. Siehe auch

http://www.handschriftencensus.de/3720
http://archiv.twoday.net/stories/8474674/
http://www.handschriftencensus.de/forschungsliteratur (Suche nach Zimmern)

Im Katalogteil findet man auch unveröffentlichte Stücke, etwa das schön illuminierte Lagerbuch der Herrschaft Meßkirch 1561 (S. 248f. Nr. 23) oder die Vorfahrentafel (Ahnenprobe zu 64 Ahnen) Johann Werners von Zimmern um 1540 im Fürstenbergischen Archiv Donaueschingen (S. 274f. Nr. 45).

Bei der Herzkapsel des Grafen Wilhelm Werner auf Schloss Heiligenberg S. 268 Nr. 41 hat der Bearbeiter leider die entsprechende Gedenktafel mit lateinischer Inschrift (1575) übersehen, die sich früher im Park des Schlosses Monrepos in Ludwigsburg befand (Die Inschriften des Landkreises Ludwigsburg, 1987, S. 219-221 Nr. 357 mit weiteren Hinweisen).

#forschung

#fnzhss


http://idw-online.de/pages/de/news603081

Open-Access:
http://webdoc.sub.gwdg.de/univerlag/2014/reitemeier_ringvorlesung_978-3-86395-173-3.pdf

Audio-Mitschnitte der Rinvorlesung
http://www.univerlag.uni-goettingen.de/ring13-14/


Einige kleinere Änderungen/Nachträge habe ich eingetragen in:

http://ordensgeschichte.hypotheses.org/5502

 

twoday.net AGB

xml version of this page

xml version of this topic

powered by Antville powered by Helma