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Landesgeschichte

http://www.gfh-biberach.de/archiv/

PDFs, die alten Adressen funktionieren nicht mehr:

http://archiv.twoday.net/stories/6118539/

#histverein

Das umfangreiche Katalogbuch von 2011 steht online zur Verfügung unter:

http://www.landesarchiv-bw.de/web/57834

Rezensionen:

http://www.mgh-bibliothek.de//cgi-bin/da/da692/da692.pl?seite=828.gif&start=828 (DA)

http://recensio.net/r/1825fc51ff4a494b8cf6e9a9ef259746 (MIÖG)

http://www.kbl.badw-muenchen.de/zblg-online/rezension_2038.html (ZBLG)


1861 bot Franz Josef Mone einige Belege aus dem 13. Jahrhundert und frühen 14. Jahrhundert zu Ärzten in Esslingen:

http://books.google.de/books?id=-6wOAAAAYAAJ&hl=de&pg=PA17

Mit dem dort genannten Magister Trutwin (bezeugt in Esslingen als Arzt 1279 bis 1314) habe ich mich in einem Verfasserlexikon-Artikel 1995 näher befasst. Man findet den Artikel mit der Suche nach Trutwin in:

http://www.amazon.de/deutsche-Literatur-Mittelalters-Verfasserlexikon-Reinbold/dp/3110140241/ (für registrierte Benutzer)

Trutwin darf als Verfasser eines lateinischen Gedichts über den Sieg im Reichskrieg gegen Graf Eberhard 1311/12 gelten. Man hat auch die einzigartige Darstellung der Philosophen Plato und Aristoteles im Credofenster der Esslinger Pfarrkirche auf Trutwin zurückführen wollen. Abbildungen:

http://home.bawue.de/~wmwerner/essling/glas04.html

Es gelang mir 1995, den lange vergessenen Zusammenhang zwischen den Esslinger Belegen und den Handschriften eines Magister Trutwin in Stams und Innsbruck wiederherzustellen. Ich konnte seine annalistischen Notizen mit der Fortsetzung der Flores temporum zusammenbringen. Später machte mich Felix Heinzer auf eine Donaueschinger (nun Stuttgarter) Handschrift Trutwins aufmerksam:

http://www.handschriftencensus.de/10574
http://www.aedph-old.uni-bayreuth.de/2000/0215.html

Die Art und Weise, wie Nigel Palmer meine genuine Forschungsleistung 2005 nicht anerkannt hat [auf Wunsch von Herrn Palmer entfernt].

https://books.google.de/books?id=-V4jhcJqY-UC&pg=PA263

Die annalistischen Notizen Trutwins überliefert Innsbruck Cod. 141, Bl. 1v. Der Handschriftenbeschreiber Walter Neuhauser berief sich dort auf meine Mitteilungen aus Niederfell 1988 (damals war ich ans Bundesarchiv Koblenz abgeordnet als Referendar):

http://manuscripta.at/_scripts/php/cat2pdf.php?cat=INN2&ID=7722

Bislang nicht beachtet wurde, dass die Notiz über die Esslinger Wundergeburt 1281 (die den Arzt Trutwin besonders interessieren musste) noch im 13. Jahrhundert mit dem Vermerk "Magister Trutwinus personaliter vidit" in die von Georg Leidinger 1910 edierten Kaisheimer Annalen einging.

http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00084193/image_33
Zur Quelle:
http://www.geschichtsquellen.de/repOpus_00221.html

Schon Leidinger bemerkte, dass damit nicht der aus Esslingen stammende Kaisheimer Abt Trutwin gemeint war, sondern der Esslinger Arzt des Namens, offenbar ein Verwandter des Kaisheimer Abts.

Die Stelle zur Geburt des Monstrums in der Pliensau 1281 in Meuschens Ausgabe der Flores temporum:

http://books.google.de/books?id=ucAWAAAAQAAJ&pg=PA130

(Zu den online verfügbaren Handschriften des Werks, relevant ist hier die Textstufe 3:

http://archiv.twoday.net/stories/248918667/

Der Bericht erscheint auch in der Redaktion D dieser Textstufe, zumindest in WLB Stuttgart HB V 86, Bl. 153ra aus dem 15. Jahrhundert, siehe das Digitalisat

http://digital.wlb-stuttgart.de/purl/bsz350733023/page/307 )

Doch genug von Trutwin. Die Belege zu ihm können bei mir oder ausführlicher bei Walther Ludwig (Esslinger Studien 34, 1995, S. 1-19, ohne Kenntnis meines VL-Artikels, der im gleichen Jahr erschien) nachgelesen werden.

Für den überregionalen Ruf der Esslinger Ärzte verwies ich im Verfasserlexikon auf die in Konstanz ausgestellte Salemer Urkunde von 1291 März 28, in der von den Behandlungskosten für die Ehefrau des Konrad von Ramschwag in Esslingen die Rede ist:

Chartularium Sangallense IV, 1985, Nr. 2269
http://monasterium.net/mom/CSGIV/1291_III_28/charter

Zuvor schon bei Weech, Codex diplomaticus Salemitanus abgedruckt:
https://archive.org/stream/CodexDiplomaticusSalemitanusVol.2/Codex_diplomaticus_Salemitanus_Urkundenb#page/n453/mode/2up

Auf diese Urkunde bezog sich schon Mone mit seinem Hinweis auf ZGO 10, S. 412:

http://books.google.de/books?id=ZzUPAAAAYAAJ&pg=PA412

Im gleichen Salemer Bestand findet sich auch die Urkunde des Klosters Kaisheims über die Besetzung einer Pfründe an der Kapellenstiftung Magister Trutwins "phisicus in Ezzelinga". Im Fall der Säumnis soll Salem zuständig sein (1298 April 16 Esslingen).

https://archive.org/stream/CodexDiplomaticusSalemitanusVol.2/Codex_diplomaticus_Salemitanus_Urkundenb#page/n595/mode/2up

Mehrfach wird ungefähr zur gleichen Zeit ein offenbar angesehener Esslinger Arzt Rudolf erwähnt (auf ihn wies schon Mone hin). 1272 übertrug er dem Kloster Sirnau Weinberge und siegelte die Urkunde mit einem berufsspezifischen Siegelbild, das nach der späteren Urkunde von 1279 Mai 14 beschrieben wird:

spitzoval, 39, 23 mm, (II. B.): eine auf einem Stuhle sitzende Person, ein Glas emporhaltend, d. h. ein Arzt mit einem Arzneiglas: Umschrift: + S . MAG(ist)RI . RV̊DOLFI . PHISICI.
http://www.wubonline.de/?wub=3039

Das Harnglas war das übliche Attribut der Ärzte und wurde auch von Magister Trutwin in seinem Siegel verwendet. Abbildung des Siegels an der Urkunde 1304 Dezember 18 bei Eberhard Niktisch, Dionysius Dreytwein, Esslinger Studien 24, 1985, S. 176 mit Kommentar.

1279 Mai 14: "Meister Rudolf der Arzt in Esslingen, Pleban in Ehningen, vermacht unter Vorbehalt gewisser Nutznießungen für seine Konkubine Guta dem Kloster Bebenhausen sein Haus vor dem Schöllkopfstor in Esslingen und 11 Morgen Weinberg".
http://www.wubonline.de/?wub=3733
Abdruck (und weitere Siegelbeschreibung) in der ZGO 3, S. 339-341
http://books.google.de/books?id=q6oOAAAAYAAJ&pg=PA339

Der Arzt war also zugleich Seelsorgekleriker, der es mit dem Zölibat nicht genau nahm. Aber er scheint seinen geistlichen Stand aufgegeben zu haben, denn 1287 Februar 16 erfahren wir:

"Meister Rudolf der Arzt, seine Frau Guta und deren Mutter von Esslingen schenken dem Kloster Bebenhausen ihre Häuser mit Gütern in Esslingen und Weinberge in Beutelsbach, Heppach1 und Strümpfelbach samt dem Hof Winzen bei Beutelsbach unter Vorbehalt lebenslänglicher Nutznießung."
http://www.wubonline.de/?wub=4513 (nur Regest)
Ebenfalls nur Regest, aber ausführlicher: Eßlinger Urkundenbuch 1, S. 43
https://archive.org/stream/urkundenbuchder00pfafgoog#page/n103/mode/2up

Nach dem Tod der Guta, die nun "uxor eius legitima" des Magister Rudolf heißt, erhielt der Pfarrer von Oberesslingen den Hof Winzen als Leibgeding. Es siegelte wieder Rudolf mit dem genannten Harnglas (Esslingen, 1296. April 8).
http://www.wubonline.de/?wub=5824

Zu nennen ist noch eine Erwähnung 1279 Oktober 21, als Meister Rudolf der Arzt im Predigerkloster Esslingen einen Güterverkauf bezeugte.
https://archive.org/stream/urkundenbuchder00pfafgoog#page/n105/mode/2up

1280 November 22 erscheint in Esslingen als Zeuge ein Arzt Rupert ("magistro Růperto medico").
http://www.wubonline.de/?wub=3859
zuvor schon bei Weech 2, S. 246 (online wie oben)

Möglicherweise ein anderer Esslinger Arzt Rupert hatte eine Pfründe in Ehrenstein bei Ulm innegehabt haben, wie aus einem Verhör Söflinger Zeugen um 1301 hervorgeht.

Al. capellanus predicti monasterii in Sevelingen testis iuratus non odio etc. rogatus super primo articulo, in quo dicitur, quod predictus Johannes sit legitime presentatus a predictis abbatissa et conventu ad prefatam capellam in Erigstain, rogatus dicit, quod cum ipsa capella vacavit, nescit tamen utrum per mortem vel per resignationem quondam magistri R[uperti] phisici de Esselingen
http://www.wubonline.de/?wub=35
Zur Datierung sieht man besser in das Digitalisat des WUB-Drucks
https://archive.org/stream/wirtembergisches08wruoft#page/298/mode/2up

Er wird vom Register des gedruckten WUB gleichgesetzt mit einem Magister Rupert von Esslingen, der 1278 Mai 3 in Marchtal zeugt.
http://www.wubonline.de/?wub=3626

Die vorgestellten Belege lassen den Schluss zu, dass Esslingen am Ende des 13. Jahrhunderts ein Zentrum medizinischen Wissens in Schwaben war. Sogar eine Adelige aus dem Bodenseeraum kam nach Esslingen, um sich behandeln zu lassen. Nachweisbar sind in der Zeit Rudolfs von Habsburg neben Trutwin, dessen Handschriften die älteste erhaltene Bibliothek eines deutschen Arztes darstellen, ein offenbar recht wohlhabender Magister Rudolf mit eigenem Siegel und zwei (?) Ärzte des Namens Rupert. Rudolf und mindestens einer der Ruperte waren Kleriker; Rudolf war verheiratet.

Gut würde es passen, wenn in Esslingen damals auch ein Apotheker ansässig gewesen wäre. Ein "Sitz altdeutscher Kunst und Bildung war Esslingen, denn wir finden in seiner Geschichte schon im Jahr 1300 einen Apotheker Heinrich", heißt es in einem Aufsatz von 1849.
https://books.google.de/books?id=aQtAAAAAcAAJ&pg=PA141

Leider gibt Karl Pfaff, auf den diese Nachricht zurückgeht, keine Quelle an.

https://books.google.de/books?id=tqRYAAAAcAAJ&pg=PA241

Im Esslinger Urkundenbuch findet man dazu nichts, und die Esslinger Lokalforschung hat schon lange festgestellt, dass Pfaff das Steuerbuch von 1400 fälschlich zurückdatiert hat. Siehe etwa die Dissertation von Manfred Schlözer 2002, S. 37

https://hsbiblio.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/48348/pdf/Diss_Druckvers1.PDF?sequence=1&isAllowed=y
Siehe schon Wankmüller in seinen Beiträgen Jg. 5, S. 103
http://www.digibib.tu-bs.de/?docid=00033312

Den Esslinger Apotheker von 1300, der noch in moderner Fachliteratur herumgeistert (auch in der Variante „Hans der apategger“), bitte streichen!

***

Zu Reutlinger Ärzten (14.-17. Jahrhundert):
http://archiv.twoday.net/stories/1022375809/

#forschung


Der Aufsatz von Lübbers (mit abundanten Nachweisen) in der ZBLG 2008 mit Edition aus Berlin mgf 1111 ist jetzt online unter:

http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00088067/image_3

Siehe auch
http://www.handschriftencensus.de/12153

http://www.burgerbe.de/2015/04/10/schloss-lichtenstein-zu-besuch-auf-einem-maerchenschloss-23798/

Gern verweisen wir wieder (kostenlos und ohne Gegenleistung) auf den Beitrag im Burgerbeblog, das nun erfreulicherweise keinen schwarzen Hintergrund mehr besitzt. Früherer Beitrag:

http://archiv.twoday.net/stories/5581930/


Peter Blickle: Der Bauernjörg - Feldherr im Bauernkrieg. Georg Truchsess von Waldburg 1488- 1531. 586 Seiten mit 28 Abbildungen. C.H.Beck Verlag München 2015. 34,95 Euro.

Am Sonntag wird es vorgestellt:

http://www.schwaebische.de/panorama/kultur_artikel,-Erbarmungsloser-Ordnungshueter-_arid,10210331.html


Über die Handschriften des 1471 gestorbenen Konstanzer Bürgers Gebhard Dacher unterrichtet im Überblick Wikisource.

https://de.wikisource.org/wiki/Gebhard_Dacher

Online sind die Konstanzer Chronik (Stiftsbibliothek St. Gallen 646), die Stuttgarter Handschrift HB V 22 und die Prager Richtental-Abschrift (Nationalbibliothek XVI A 17). Leider fehlt noch die Wolfenbütteler Handschrift.

Seit 2008 liegt die 2003 eingereichte Tübinger Dissertation von Sandra Wolff vor:

Sandra Wolff: Die ‘Konstanzer Chronik’ Gebhart Dachers. ‘By des Byschoffs zyten volgiengen disz nachgeschriben ding vund sachen . ..’. Codex Sangallensis 646: Edition und Kommentar. Ostfildern 2008 (mit der Synopse auf CD-ROM gut 900 Seiten).

Abgesehen von einer unergiebigen Erwähnung in einer Sammelbesprechung von Werken zum Konstanzer Konzil 2015

http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-23399

habe ich nur eine Besprechung von Harald Derschka ermittelt (Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees 2011).

http://www.bodenseebibliotheken.de/page?vgeb-j2011-t-A323

Dieser lastet der Autorin sehr zu Recht übermäßige Ausführlichkeit an. Relevantes in der Einleitung werde unter "Bergen von Nullinformation" begraben, auch im Kommentar zum Text gehe "Masse vor Qualität". Das ist treffend, die extreme Geschwätzigkeit des Kommentars ist für mich schwer zu ertragen.

Eine einzige kritische Rezension ist viel zu wenig! Wolff hat in mehrfacher Hinsicht nicht Sinn und Zweck der heutigen Edition eines historiographischen Werks verstanden. Es geht überhaupt nicht an (wie dies etwa Sommer bei ihrer Edition von Sebastian Küng tat), auf eine Quellenanalyse zu verzichten und stattdessen die vom Chronisten dargestellten Fakten anhand von Sekundärliteratur zu kommentieren. Auch in der Einleitung ist sie an - mit wenigen Ausnahmen - an den Quellen desinteressiert. Man erfährt also in der Regel nicht, woher Dacher seine Kenntnisse hat. Auch wenn solche Informationen in der Sekundärliteratur erhoben wurden, denkt Wolff nicht daran, darauf hinzuweisen. So zitiert die gründliche Studie von Theodor Ludwig 1894 S. 220f.

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Die_Konstanzer_Geschichtschreibung_bis_zum_18._Jahrhundert.pdf

zu Schlacht bei Döffingen/Weil 1388 die Stelle in den Reutlinger-Kollektaneen und weiteres. Aber Wolff gibt diese wichtige Fundstelle S. 421 nicht an!

Zur Konstanzer Weltchronik

http://archiv.twoday.net/search?q=konstanzer+weltchronik
http://www.handschriftencensus.de/werke/2937

kennt Wolff den maßgeblichen Artikel von Birgit Studt im ²VL 2004 nicht. Die Geisslerprozession (abgebildet im kleinen Abbildungsteil, den man nach S. 382 nur bei genauer Durchsicht findet) geht sicher auf das entsprechende Bild der Konstanzer Weltchronik zurück, siehe Cgm 426

http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00009566/image_87

Im Sangallensis Dachers:

http://www.e-codices.unifr.ch/de/csg/0646/50r

Nichts dazu bei Wolff S. 228f., 365!

Da das Register allzu kärglich ausgefallen ist (es fehlen nicht nur Hinweise auf Wappen, was Derschka monierte), ist man gut beraten, in Google Books oder HathiTrust nach Begriffen zu suchen.

http://babel.hathitrust.org/cgi/pt/search?q1=%22konstanzer+weltchronik%22&id=mdp.39015079354901&view=image&seq=7
https://books.google.de/books?id=x2oMAQAAMAAJ

Wolffs übertriebene Transkriptionsgrundsätze erschweren die Lektüre und machen den Wortlaut ohne Normalisierungen schlichtweg unzitierbar. Selbst wenn es einen öffentlich zugänglichen E-Text gäbe, würde man dank dieser aus dem Ruder gelaufenen Pseudo-Akribie nichts finden. Die Edition ist daher eine Insel, nicht digital nachnutzbar. Siehe dazu

http://archiv.twoday.net/stories/230198

Auf der beigefügten CD-ROM gibt es leider keinen Gesamttext (obwohl ein normalisierter E-Text von großem Wert wäre), sondern vor allem eine Synopse der drei Überlieferungszeugen, soweit die beiden anderen (Stuttgart und Wien) reichen.

Eine winzige Textprobe Bl. 2ra (fett verwendet die Autorin für die Rubrizierung):

Der zyt als man von si- | ner gepurt zalt
zwaÿ= | hundert vnd süben jar
|
do ist costentz nit anders | gewesen
dan(n) als yetz der | prediger closter
stat, vn(d) | ist gewesen ain vestin vn(d) | was
ain geiaid des Ro+em | schen küngs kayser
[o+e = e über o]

Im Handschriftencensus ist die Arbeit von Wolff bis heute nicht vermerkt, ebensowenig der 2007 vorgenommene Nachweis in Wikisource, dass die Chronik einen unbeachteten Drakula-Text enthält. Ausführlicher dazu:

http://archiv.twoday.net/stories/6506427/

1984 hatte ich Dieter Harmening brieflich auf diesen Text hingewiesen, 2008 publizierte dann William Layher den Befund, ohne auf Wikisource Bezug zu nehmen. In der 2003 eingereichten Dissertation widmet sich Wolff ausführlich dem Zusammenhang der Drakula-Texte (S. 203-209). Die Druckfassung von 2008 nimmt von Wikisource 2007 keine Notiz.

Hinzuweisen ist auch auf den Nachweis, dass Dachers Chronik auf Bl. 100r einen kurzen Auszug aus dem 'Elsässischen Trojabuch' (früher: Buch von Troja I) enthält (S. 200-203). Nicht im Handschriftencensus:

http://www.handschriftencensus.de/werke/852

S. 430 kommentiert die Autorin die abschließende Bitte der Reutlinger, dass die Adressaten nach ihrem Ermessen den Bericht ivon der Schlacht 1377 ins Stadtbuch eintragen sollen, unsinnigerweise mit den abwegigen Erwägungen von Jacobsen 1882 ("Unzartheit"). Zur Traditionsbildung zu dieser Schlacht siehe auch

http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/8758/ (S. 214f.)

Diese Hinweise sollten zur Einordnung der Arbeit von Wolff genügen. Eine Chance wurde vertan!


Abrufbar leider nur auf einer intuitiv für Laqien kaum nutzbaren Karte:

https://doris.ooe.gv.at/fachinfo/kunst_kultur/doka/themen/hofnamen/hofnamen.asp

Dass seriöse landesgeschichtliche Zeitschriften spekulative Aufsätze von Hans-Dieter Lehmann zum Druck gebracht haben, zeigt, dass es mit der Qualitätssicherung in diesem Bereich nicht weit her ist.

Ich habe das bereits Ende 2012 formuliert, als ich mit Entsetzen feststellen musste, dass einer seiner Beiträge Aufnahme in die ZGO gefunden hatte.
http://archiv.twoday.net/stories/232596764/

Lehmann, Hans-Dieter: Der Beginn des Turnierwesens am deutschen Königshof. In: Blätter für deutsche Landesgeschichte 130 (1994), S. 65-73
http://periodika.digitale-sammlungen.de/bdlg/Blatt_bsb00000334,00071.html
ist an prominenter Stelle erschienen, aber aus meiner Sicht purer Unsinn.

Gemäß meiner Argumentation für "publish first filter later"
http://digigw.hypotheses.org/1063
ist das Problem weniger die Publikation als vielmehr die Tatsache, dass Lehmann niemals ausführlich widersprochen wurde.

Eine positive Rezeption des Aufsatzes ist mir nicht bekannt geworden. Helge Wittmann: Im Schatten der Landgrafen (2008), S. 28 Anm. 64 äußerte sich bei Besprechung eines Rüxner-Belegs eher ablehnend:
https://books.google.de/books?id=QXG5B84tqmMC&pg=PA534
Skepsis spricht auch aus den Worten von Klaus Arnold: Der fränkische Adel, die ,Turnierchronik' des Jörg Rugen (1494) und das Turnierbuch des Georg Rixner (1530). In: Nachdenken über fränkische Geschichte. Hrsg. von Erich Schneider (Veröffentlichungen der Gesellschaft für fränkische Geschichte, Reihe IX. Darstellungen aus der fränkischen Geschichte, Bd. 50), Würzburg 2005, S. 129-153, hier S. 150
https://books.google.de/books?id=JhpoAAAAMAAJ&q=Lehmann+%22Beginn+des+Turnierwesens%22
(Wie Hechberger sich auf Lehmann bezieht, weiß ich nicht:
https://books.google.de/books?id=WGfaAAAAMAAJ&q=Lehmann+beginn )

Lehmann zitiert sich natürlich im JffL 2002, S. 70 in einer Arbeit über die Zollern-Genealogie zustimmend:
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00048855/image_84
Er sieht dort die Turnierchronik als "Machwerk des 14. Jahrhunderts".

In seinem Aufsatz von 1994 geht Lehmann von Stamms Fund der Rugen'schen Turnierchronik 1494 aus. Dass Klaus Arnold 2005 die Identität Jörg Rugens mit Georg Rüxner erweisen konnte (siehe den oben zitierten Titel) und ich 2008 eine vollständige Überlieferung (von 1499) der Turnierchronik Rugens in New York bekanntmachen konnte
http://archiv.twoday.net/stories/4993981
konnte er natürlich noch nicht wissen. Als historischen Kern der Turnierchronik bzw. der ihr zugrundeliegenden "alten Aufzeichnungen" möchte er S. 68 herausschälen, dass ein deutscher Herrscher Heinrich, der in Kämpfe mit Slawen und Ungarn verwickelt war, das Turnier aus Frankreich importiert habe. Das erste Turnier habe in Magdeburg stattgefunden. Lehmann denkt S. 69 an Heinrich III. und den Juni 1043.

Die zeitgenössischen Indizien, die Lehmann ins Feld führen kann, sind extrem dürftig. Ein Aufenthalt in Magdeburg widerspricht dem Itinerar 1043 nicht (Mai 22 Paderborn; Juni 27 Merseburg), aber man konnte natürlich von Paderborn nach Merseburg reisen, ohne Magdeburg zu berühren. Ein Brief des Abtes Siegfried von Gorze beklagt die Übernahme französischer Sitten insbesondere bei Rüstung und Reiterei, was Lehmann auf das Turnier beziehen will. Angesichts dieser Beweislage kann man die These Lehmanns getrost vergessen. Das S. 66 erwähnte Würzburger Turnier von 1127 kann also weiterhin als das frühestbezeugte Turnier auf deutschem Boden gelten.

Die unkritische Verwertung späterer Traditionen durch Lehmann ist hahnebüchen: "Fiktionen beruhen zumeist auf wahren Nachrichten, die durch Konjekturen verfälscht worden sind" (S. 68). Ich erinnere an meine These in meinem Aufsatz zu historischen Sagen in der Fabula 1988, S. 27,
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/5273/
die Rede vom historischen Kern einer Überlieferung sei entweder trivial oder gefährlich, wenn sie zur Abstützung eines spekulativen Thesengebäudes dienen soll. So verhält es sich hier.

Lehmann glaubt den Erfindungen der Zimmern-Chronik zum Böhmenzug Heinrichs III. (S. 71). Nach der Turnierchronik nahm Gottfried von Zimmern am ersten Magdeburger Turnier teil. Froben-Christoph von Zimmern setzt diesen Gottfried als Sohn Werners an, der am Böhmenzug 1040/41 teilgenommen habe.
https://de.wikisource.org/wiki/Zimmerische_Chronik_Band_1:Kapitel_11

Wie der Zimmern-Chronist die Fiktionen dieses Kapitels konstruiert hat, hat Gerhard Wolf (Von der Chronik zum Weltbuch, 2002, S. 205ff.) detailliert dargestellt.
https://books.google.de/books?id=9a4z5akCcF0C&pg=PA205

Zu den Fiktionen der Historiker des Hauses Zimmern habe ich mich vor kurzem geäußert:
http://archiv.twoday.net/stories/985929969/

Was die von Lehmann akzeptierte Annahme Stamms, es habe eine in Magdeburg um 1430 entstandene Vorlage der Turnierchronik gegeben, betrifft, so habe ich diese in zwei Beiträgen hier widerlegt:
http://archiv.twoday.net/stories/5086177/
http://archiv.twoday.net/stories/29742435/

Meine Quellenstudien zu den Vierlandeturnieren
http://archiv.twoday.net/search?q=r%C3%BCxner+vierland
haben ergeben, dass für diese 1479 einsetzenden Turniere Rüxner mäßig zuverlässige Daten liefert. Für alle früheren müssen seine Angaben aber bezweifelt werden. So auch mein Aufsatz zu Rüxner 2009
http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/7140/
Für das angebliche Turnier in Schaffhausen 1392 habe ich neulich in meinem Beitrag "Fiktion und Geschichte" gezeigt, dass es eine Erfindung Rüxners darstellt:
http://frueheneuzeit.hypotheses.org/1847

Zwischen dem Magdeburger "Original" der Turnierchronik und der Rugen-Chronik von 1494 stehe ein Überlinger Beleg von 1466, als bei dem Prozess eines wegen Gotteslästerung hingerichteten Herrn von Jungingen dessen adelige Abkunft durch Turnierbesuche (1080 Augsburg, 1209 Worms) belegt worden sei (S. 67).

Dank der liebenswürdigen und großzügigen Hilfe durch Andreas Zekorn, der mir sofort den von Lehmann zitierten Aufsatz von Eisele sandte, und Johannes Waldschütz, der für mich im Stadtarchiv Überlingen recherchierte und mir Fotos aus Reutlingers Sammelwerk zur Verfügung stellte, kann ich Näheres über dieses angebliche Turnierbuch-Zeugnis von 1466 mitteilen.

Als Quellenangabe zitiert Lehmann nur Friedrich Eisele: Die Herren von Jungingen. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde in Hohenzollern 62 (1931) [S. 1-52, hier] S. 12 mit Anm. 28. Dort steht aber keine Silbe von dem Prozess von 1466! In Anm. 28 wird ein angeblicher Beleg zum Augsburger Turnier 1080, an dem ein Rudolf von Jungingen teilgenommen haben soll, aus Voigt 1834
http://books.google.de/books?id=bIoCAAAAcAAJ&hl=de&pg=PA4
angeführt und zu Recht abgelehnt. Damals habe es noch keine Turniere in Deutschland gegeben. Voigt beruft sich auf eine briefliche Mitteilung, aber natürlich ist die Urquelle Rüxners 1530 erstmals gedrucktes Turnierbuch. Dort gibt es aber (in der Ausgabe 1530) nur die Nennung eines von Jüngingen,
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00090290/image_237
der Vorname Rudolf ist eine spätere Erfindung.

Die Hinrichtung eines Konrad von Jungingen in Überlingen 1466 wird von Eisele im zweiten Teil seines Aufsatzes (Jg. 63, 1932, S. 1-29, hier S. 17f. nach Reutlingers Collectaneen I, 303, 427f.) erwähnt. Herr Waldschütz hat mir freundlicherweise Bd. 1, S. 303 und Bd. 13, S. 95/96 aus dem Sammelwerk im Stadtarchiv Überlingen fotografiert.

Nach Eisele wurde Konrad von Jungingen von Hohenfels am Veitstag (15. Juni 1466) in Überlingen mit dem Schwert hingerichtet, da er einen Bürger eigenmächtig gepfändet habe und darauf angesprochen gotteslästerliche Schwüre (diese fehlen leider auf meinen Fotos) von sich gegeben habe. Eiseles Schluss, Jungingen sei wohl nicht ganz normal gewesen, ist verfehlt. Solche grässlichen Flüche waren durchaus üblich, wie ein Blick in Gerd Schwerhoffs Studie
http://pub.uni-bielefeld.de/publication/2304832
zeigt. Auf dem Weg zur Hinrichtung habe der Adelige einem Torhüter eine goldene Kette geschenkt. Solange keine parallelen Zeugnisse auftauchen, muss der Bericht über die Hinrichtung 1466 mit mindestens einem Fragezeichen versehen werden. Dass die Reichsstadt Überlingen einen Adeligen wegen üblen Fluchens und verbotener Verpfändung hinrichten ließ, erscheint eher unwahrscheinlich.

Aber es geht ja um die Turniere. Bd. 1, S. 303 wurde als Nachtrag vor dem Eintrag zur Hinrichtung 1466 eine Liste von Turnierteilnahmen der Junginger offenbar nach Rüxners Turnierbuch eingetragen:
1080 Augburg
1209 Worms Wolff von Jungingen
1392 Schaffhausen Beckh von Jungingen
1408 Heilbronn Albrecht von Jungingen
1436 Stuttgart
1439 Landshut
1479 Würzburg
1484 Stuttgart
1485 Augsburg

Es kann also keine Rede davon sein, dass die Turnierfähigkeit eine Rolle beim Prozess spielte. Jakob Reutlinger
http://archiv.twoday.net/stories/714908932/
hat am Ende des 16. Jahrhunderts einfach die am leichtesten erreichbaren Belege zur Adelsfamilie von Jungingen zusammengestellt, nämlich aus Rüxners vielgelesenem Turnierbuch.

Das Überlinger Zeugnis 1466 muss also gestrichen werden. Es ist ein Rezeptionszeugnis Rüxners und bezeugt keine Vorstufe der erstmals 1494 überlieferten Turnierchronik, die nach jetzigem Kenntnisstand von Rugen/Rüxner von vorne bis hinten erfunden wurde. Es kann offen bleiben, ob Lehmann Reutlingers Kollektaneen direkt oder womöglich aus zweiter Hand benutzt hat. Sein einziger Beleg Eisele ist jedenfalls unredlich, da dort nichts von Turnieren steht.

Abgesehen von ein bißchen uneigenständiger Rüxner-Kritik enthält der ganze Aufsatz von Lehmann nichts, was für die weitere Forschung von Bedeutung wäre. Seine These vom ersten deutschen Turnier in Magdeburg im Juni 1043 in Magdeburg ist ebenso verfehlt wie sein Umgang mit der Traditionsbildung des 15./16. Jahrhunderts. So etwas hätte den Druck nicht verdient gehabt.

#forschung

http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/10010/

Leider ist bei Jürgen Dendorfers Aufsatz von 2003 der ursprüngliche Publikationsort in den Metadaten vergessen worden.

Sulzbach und das Land zwischen Naab und Vils im frühen Mittelalter, hrsg. von Götz Alper, Sulzbach-Rosenberg 2003, S. 43-60

 

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