Allgemeines
Architekturarchive
Archivbau
Archivbibliotheken
Archive in der Zukunft
Archive von unten
Archivgeschichte
Archivpaedagogik
Archivrecht
Archivsoftware
Ausbildungsfragen
Bestandserhaltung
Bewertung
Bibliothekswesen
Bildquellen
Datenschutz
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
null

 
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Interesse an dem Schicksal des Historischen Archivs in Köln hält gerade in Fachkreisen ungemindert an. Es wird auch viel Hilfe angeboten. Daher dieser Bericht und die Informationen zur koordinierten Hilfestellung.

Heute hat sich zusätzlich ein Archiv-Krisenstab mit Vertertern der Stadt, des Historischen Archivs, der Berufsfeuerwehr Köln, des Landesarchivs NRW, den Archivämtern von LVR und LWL sowie der ARGE der Stadtarchive im Städetag, des VdA und von Restauratoren gebildet, der die weiteren Schritte der Bergung berät und Entscheidungen trifft.

Am Mittwoch konnte mit der Abdeckung des Trümmerbergs mittels Plane ein großer Teil vor dem einige Stunden später einsetzenden Regen abgesichert werden. Verzögerungen traten bei dem Bau des Daches auf, das über den Trümmerberg errichtet wird. Diese Verzögerungen hingen mit der nicht sicheren Standfestigkeit des gegenüberliegenden Gymnasiums zusammen. Erst nachdem diese gegeben war, konnte mit dem Aufbau des Daches begonnen werden. Stand heute nachmittag: Ein Drittel des Trümmerbergs ist per Dach gesichert, der weitere Teil des Daches wird vorbereitet und im Laufe des morgigen bzw. des nächsten Tages aufgebaut.

Was und wie wurde bisher gerettet? Zuerst zum Wie: Vor Ort tragen Feuerwehrleute sehr behutsam und äußerst fachgerecht die Archivalien per Hand von den bereits zu räumenden Stellen der Unglücksstelle ab. Die Archivalien stammen aus den Stellen, die zwecks Aufbau des Daches geräumt werden müssen und die bei der Suche nach den Vermissten auftauchten. Diese Archivalien werden vor Ort von Archivaren, Restauratoren, Museumsangestellten und anderen fachkundigen Kräften einer ersten Sichtung unterzogen und anschließend verpackt. Der Zustand ist sehr unterschiedlich - einzelne Archivalien sind sehr in Mitleidenschaft gezogen, aber es gibt auch vollständig erhaltene Akten sowie sogar Archivkartons, die theoretisch direkt der Benutzung zugeführt werden können. Besonders nasses Material wird ausgesondert. In einer überdachten Halle werden außerhalb der Unglücksstelle zudem sämtliche per LKW transportierten Schuttreste gesichtet und aussortiert. Zur Zeit sind ständig - außer Feuerwehr, Rettungskräften, THW, Unternehmen etc. - zwischen 40 und 50 Personen im Einsatz - und dies im Dreischichtbetrieb, rund um die Uhr, sieben Tage. Das Archivgut wird vorsortiert, zur Einlagerung vorbehandelt bzw. zur Einfrierung verpackt. Unter den Helfern sind viele Kollegen aus Kölner Archiven, aber auch aus anderen Orten. Hinzu kommt, dass die Archivschule Marburg in den nächsten Tagen mit 50 Studenten, Dozenten und Mitarbeitern helfen wird. Auch die FH Potsdam hat Hilfe angeboten, die ebenfalls bald angenommen wird.

Ein besonderer Dank gilt allen, wirklich allen Beteiligten vor Ort, die sich unermüdlich und bis an die Grenzen der eigenen Leistungskraft zur Verfügung stellen und helfen. Die große Solidarität insbesondere der Kölner Archivare aus allen Archiven - ohne Rücksicht auf Laufbahn und Archivsparte - ist einfach überwältigend. Die Kollegen des Landes und der Landschaftsverbände leisten ebenfalls riesige Unterstützung.

Derzeit wird eine größere Halle gesucht, in der langfristig die Arbeitsbedingungen und die Sortierarbeiten besser vonstatten gehen können, aber da sind wir guter Hoffnung. Ich komme z. B. gerade von einer Besichtigung, die ich u. a. mit Kollegen Dr. Ulrich Fischer wahrgenommen habe. Weitere Angebote laufen bei der Stadtverwaltung ein, so dass in den nächsten Tagen sicher eine längerfristige Möglichkeit besteht, das Archivgut sicher, klimatechnisch angemessen und fachgerecht sortieren zu können.

Das Historische Archiv der Stadt Köln braucht aber dennoch jetzt und in den nächsten Wochen Hilfe - und zwar vor allem von den Kolleginnen und Kollegen! Nur fachgerechte Hilfe rettet das Kulturgut aus 1000 Jahren!

Es laufen Hilfsangebote aus aller Welt bei den Kollegen im Stadtarchiv ein. Um eine bessere Koordination sicherzustellen, wollen wir die Hilfe kanalisieren:

Angebote für Magazinflächen:
Bitte richten Sie diese zunächst an das LVR-Archivberatungs- und Fortbildungszentrum, z. Hd. Herrn Dr. Arie Nabrings, rafo@lvr.de. Dort werden die angebotenen Magazinflächen vorsortiert und an das Historische Archiv weitergeleitet.

Angebote von personeller Hilfe (Archivare):
BItte richten Sie diese zunächst an mich als Vertreter des VdA vor Ort. Sie würden uns allen die Arbeit sehr erleichtern, wenn Sie diese möglichst zentral als Dienststellen- oder bei größeren Archiven als Abteilungsmeldung abgeben würden: rwwa@koeln.ihk.de. Wir benötigen folgende Angaben: Name, Vorname, Dienststelle, Ort, Telefonnummer, Email-Anschrift, Dauer des Einsatzes (Excel-Tabelle). Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Hilfe von Archivaren, die eine Übernachtungsmöglichkeit benötigen (wird gestellt), mindestens drei Tage in Anspruch nehmen wollen - da ansonsten der Verwaltungsaufwand sehr groß ist. Besonders die großen Archivverwaltungen werden gebeten, einen Einsatz von Fachkräften zu prüfen!

Angebote von personeller Hilfe (Restauratoren):
Bitte richten Sie - wie vor beschrieben, aber auch als Einzelmeldung - Ihr Angebot an bert.jacek@fh-koeln.de.

Alle bereits eingegangenen Angebote werden hier einbezogen - eine erneute Meldung ist nicht nötig, bzw. trägt zum Mehraufwand bei.

Die personelle Hilfe ist derzeit das Wichtigste - denken Sie aber auch daran, dass derzeit noch Nachtschichten zwecks schneller Rettung vonnöten sind und die Woche sieben Tage hat. Erst wenn an die systematische und zonierte Bergung aus dem Trümmerberg herangangen wird, kann die Bearbeitung der geretteten Archivalien auf Tagesbetrieb umgestellt werden.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Spende - doch dieses Mail richtet sich vor allem an die Archivare mit der Bitte um personelle Hilfe in den nächsten Wochen. Sie sind gefragt, jetzt in dem oben beschriebenen Sinne zu helfen. Bitte zeigen Sie Ihre Solidarität durch tatkräftige Hilfe.

Alle Verantwortlichen - Stadt, Feuerwehr und Externe - sind sich der Bedeutung des Archivgutes bewusst und unternehmen alles erdenklich Mögliche, um viel zu retten! Wir überwachen täglich die Rettung des Archivguts am Einsatzort. Ich habe heute sowohl an der Einsatzstelle, wie auch an den Auslagerungsstätten ein hohes Engagement erleben dürfen.

Das Historische Archiv der Stadt Köln ist am 3. März 2009 als Institution nicht untergegangen. Wir werden alle daran arbeiten, dass es einen sicheren und ausreichend dimensionierten Neubau erhält, in dem die bisherigen Bestände und neue benutzt werden. Das Gedächtnis von Köln, damit auch des Rheinlandes und zum Teil auch der Nation, hat eine Zukunft! Gemeinsam mit den über 40 anderen Archiven in Köln wird das Historische Archiv seinen Aufgaben auch in Zukunft gerecht werden.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Ulrich S. Soénius

************************
Dr. Ulrich S. Soénius
Direktor
Stiftung Rheinisch-Westfälisches
Wirtschaftsarchiv zu Köln
Unter Sachsenhausen 10-26
50667 Köln
Tel. +49 221 1640-800
Fax +49 221 1640-829
E-Mail: ulrich.soenius@koeln.ihk.de
Internet: http://www.ihk-koeln.de/archiv/index.htm

Besucheranschrift: Unter Sachsenhausen 33, 50667 Köln
Öffnungszeiten: Mo, Di, Do 9:30 – 16:30 Uhr | Mi 9:30 – 13:00 Uhr | Fr 9:30 – 15:30 Uhr
Susanne Hoyer (Gast) meinte am 2009/03/08 21:50:
Auf der WDR-Homepage gibt es ein 4,30 Minuten langes, unkommentiertes Video von den Aufräumarbeiten vor Ort. 
Sebastian Post antwortete am 2009/03/08 21:58:
...hier:
http://tinyurl.com/b3b2up 
KlausGraf meinte am 2009/03/09 18:18:
KOMMENTAR
KOMMENTAR: Unsere Liste der Hilfsmöglichkeiten http://archiv.twoday.net/stories/5566219/ (ich habe diesen Link heute auch in der Archivliste mitgeteilt) empfahl eine Kontaktaufnahme mit dem LVR - Soénius ignoriert dies und Archivalia wie gehabt (eine Mail an ihn blieb unbeantwortet). Dass er anderes zu tun hat, als mit mir zu korrespondieren, leuchtet ein, aber der Krisenstab möge doch bitteschön zur Kenntnis nehmen, dass Archivalia auch erheblichen Zulauf hat und es von daher sinnvoll ist, klare Zuständigkeiten in Absprache mit allen Beteiligten zu kommunizieren.

Update: Herr Kollege Soénius hat in privater Mail meinen obigen Kommentar "unbedarft und wenig der Situation angemessen" bezeichnet. Die Koordination sei mit Stand heute verändert in Absprache mit dem LVR. Dazu stelle ich fest: Ich habe meine Angaben nach Absprache mit dem LVR (Herr Weber, Herr Gläser) gemacht und dieser hat zugesagt, dass Informationen des LVR auch hier veröffentlicht werden. Wenn der LVR erklärt, dass die angegebene Kontaktadresse obsolet ist werde ich das ändern. 
 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma