Allgemeines
Architekturarchive
Archivbau
Archivbibliotheken
Archive in der Zukunft
Archive von unten
Archivgeschichte
Archivpaedagogik
Archivrecht
Archivsoftware
Ausbildungsfragen
Bestandserhaltung
Bewertung
Bibliothekswesen
Bildquellen
Datenschutz
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
null

 
Lange erwartet, hat Erbloggtes den zweiten und dritten Teil seiner Stellungnahme zum Papier gebracht:

https://erbloggtes.wordpress.com/2015/10/01/ursula-von-der-leyen-vroniplag-und-das-plagiat-ii/

"Die Wetten stehen gemischt, ob die MHH den Dissertationspokal zurück bekommt. Gerhard Dannemann äußert sich optimistisch: “Wir sprechen hier nicht von einem Grenzfall […] Dies ist ein Muster in der Arbeitsweise.”[3] Auch Volker Rieble meint: “Das ist ein eindeutiges Plagiat, es wurde eindeutig abgeschrieben”.[3] Dabei sei die Tordifferenz unerheblich. Einen Kantersieg prophezeit “Plagiatsexpertendarsteller Heidingsfelder”[4], so dass besorgte Leyenianer die Lage schon “brandgefährlich” sehen.[5] Auf einen Sieg von der Leyens setzt mit einigem Begründungsaufwand bisher nur Klaus Graf.[6] Aber Zweifel an einer Doktorentziehung sogar bei klarem Bejahen von Plagiatsbefunden, wie Stefan Weber sie hegt,[7] sind weit verbreitet. Hermann Horstkotte will gar wetten, “dass die Ministerin Doktor bleibt”.[8] Dagegen findet Sebastian Sattler, “die Faktenlage” sehe ersteindrücklich “nicht gut für sie aus”.[9] Selbst Simone G. konzentriert sich für ihren Tipp auf ein Unentschieden lediglich auf von der Leyens Stärken im Netzwerkspiel."

Gewohnt rechthaberisch weise ich darauf hin, dass ausschließlich diejenigen, die meiner Meinung sind, richtige Experten sind, alle anderen selbstverständlich Pseudo-Experten.

Erbloggtes wendet sich in Teil III (daher nicht verlinkt) ausdrücklich gegen meine Verteidgung von der Leyens und zitiert einen Archivalia-Kommentator:

"Weiter sind Bauernopfer deutliches Indiz dafür, dass der Plagiateur sich seines Täuschungshandelns bewußt ist, es aber gegenüber sich und anderen dadurch zu verharmlosen und zu rechtfertigen sucht, er habe ja irgendwie schon zitiert."

Auf eine so dümmlich-zelotische Argumentation ist nicht weiter einzugehen. Behauptet jemand, etwas sei gewiss oder sicher oder ein "deutliches Indiz", so ist das ein deutliches Indiz dafür, wie wenig festen Boden die ganze Mischpoke der Plagiats-Kommentatoren (einschließlich mir) unter sich hat. Sie schwimmt aufgeregt im Kreis und stößt bei Kritik um so aufgeregtere Rufe aus.

Ich muss gestehen, dass die Sophismen von Erbloggtes in Sachen Täuschungsabsicht mir ärgerlich erscheinen. Zum Thema Bauernopfer hier:

http://archiv.twoday.net/search?q=bauernopfer

Der Begriff stammt aus dem Schachspiel und lässt sich dort nicht ohne Intentionalität verstehen. Zugleich ist aber ein sogenannter Bauernopfer-Befund Ausdruck einer schludrigen Arbeitsweise, bei der man nicht bewusst täuschen wollte. Man will die fremden Federn zwar anerkennen, kommt aber nicht auf den Gedanken, korrekt Anführungszeichen zu setzen oder den Beleg an die richtige Stelle zu setzen. Was die VorniPlag-Zeloten da an finsteren Machenschaften in die Köpfe der armen Doktoranden hineingeheimnissen, ist abenteuerlich.

Erbloggtes mag mich fortan als (un)heimlichen Schavanisten schmähen: Das Zitierkultur-Argument ist nicht aus der Luft gegriffen.

Wer es als Empiriker/STM-Autor gewohnt ist, mit einem sehr begrenzten, festgelegten Vokabular zu arbeiten, das natürlich nicht mit Anführungszeichen gekennzeichnet wird, läuft Gefahr, bei den historischen und theoretischen Ausführungen nicht den seinerzeit weltfremden Maßstäben von Leuten gerecht zu werden, deren Hobby das Aufspüren von Bauernopfer ist. Er arbeitet schludrig und gegen die in Anleitungen kodifizierten Normen, wobei ich als Historiker immer auch die konkrete Praxis, nicht nur die theoretischen Normkodizierungen, berücksichtigen würde. Aber der Schaden für die Wissenschaft ist gering, wenn das Belegen kein Selbstzweck sein soll, denn entscheidend ist, dass eine Kontrolle mittels Nachweis möglich ist. Dass in den Naturwissenschaften hier eine gänzlich andere Zitierkultur besteht als in den mir vertrauten Geisteswissenschaften, ist bisher nicht schlüssig widerlegt worden.

Die üblichen medizinischen Schmalspur-Dissertationen müssen aufhören. Das Niveaugefälle vom Dr. phil. und Dr. med. ist unerträglich. Für die Vergangenheit halte ich wenig davon, disziplintypische medizinische Missstände mit dem Entzug von Doktorgraden zu bekämpfen, soweit es sich nicht wenigstens um mittelschwere Fälle handelt. Dass von der Leyen ein eher leichter Fall ist, daran halte ich fest. Anders als bei Schavan, die es an geisteswissenschaftlicher Gewissen-Haftigkeit fehlen ließ, muss man bei dem Urteil über von der Leyen den empirischen Kern stärker gewichten, da man im STM-Bereich vor allem auf diesen Wert legt und sprachliche und andere formale Schnitzer eher duldet.
MINT (Gast) meinte am 2015/10/02 19:27:
Erbloggtes amüsiert den Leser auch wieder mit seinem Geschreibsel zur Täuschung über die Rezeptionsleistung, welche nun mal in technisch naturwissenschaftlichen Fächern nicht die Bedeutung als Leistung hat, wie in rein textorienten Fächern. Natürlich sollten Referenzen geprüft werden, um Fehler zu vermeiden, geschieht dies nicht ist es schlampige Arbeit (wobei so etwas nun mal passiert, wenn man Woche für Woche 7 Tage 12 - 14 Stunden im Labor arbeitet, was die eigentliche relevante Leistung darstellt), das wird im Regelfall bei der Benotung im Bereich Form berücksichtigt. Daher ist in den Bauernopfer-Fragmenten die Textübernahme der zu beanstandene Punkt. 
Klaus von Adel (Gast) meinte am 2015/10/02 19:50:
Gräfliche Ausdrucksweise als "deutliches Indiz"
Ja, das macht doch echt immer wieder Spass hier, wie bei Kritik übel ausgetickert wird. Aber jetzt mal wieder auf den Blutdruck geachtet und tief durchgeatmet. Ich zitiere mal aus der legendären Rezension, mit der Benjamin Lahusen 2005 die Juristische Methodenlehre von Schwintowski als das entlarvt hat, was sie ist:

"An dieser Passage läßt sich noch eine weitere Strategie studieren, die der Umverteiler Schwintowski mehrfach einsetzt, um sein Tun im Dienst der rechten Sache unsichtbar zu machen: die sogenannte Bauernopfer-Referenz. Ein kleiner Teil wird als Ergebnis fremder Geistestätigkeit gekennzeichnet, damit die Eigenautorschaft Schwintowskis hinsichtlich des übrigen Textes umso plausibler wird.
Zwei Spielarten dieser Bauernopfer-Referenz hat sich der Autor zunächst ausgedacht:
a) Nach der einen wird das Bauernopfer in der Fußnote erbracht. Diese befindet sich irgendwo im Text und verweist richtigerweise darauf, daß ein Wort, Gedanke oder Satzteil nicht von Schwintowski sondern von einem anderen stammt. Hoffmann-Riem etwa wird in Kapitel 4 in drei Fußnoten (58 Fn. 1, 59 Fn. 2, 78 Fn. 14) und im Literaturverzeichnis (87) korrekt erwähnt. Der Leser bekommt dadurch einmal mehr den Eindruck, hier gehe alles mit rechten Dingen zu, und vor allem wird er sicher nicht auf die Idee kommen, daß längere Passagen vor und nach der Fußnote ebenfalls von Hoffmann-Riem stammen.
b) Die andere Strategie situiert das Bauernopfer im Text. Statt oder zusammen mit einer Fußnote stößt der Leser irgendwo im Text auf den Namen dessen, der sich einen markanten Begriff oder ein von Schwintowski verwendetes Konzept ausgedacht hat, wodurch natürlich die Vorstellung erzeugt wird, der Rest gehe nicht auf diesen Vordenker zurück."

Das entscheidende Stichwort hier ist "Strategie". Der Begriff "Bauernopfer", der sich eben auf einen strategischen Zug im Schachspiel bezieht, ist allerdings nicht erst von Lahusen in diesem Sinn geprägt worden, sondern findet sich Jahrzehnte früher schon bei Standop und anderswo. 
Campusexistenz (Gast) meinte am 2015/10/04 11:17:
Paranoide Dynamik
Es ist allemal wichtig, dass es in Sachen "Plagiat" verschiedene Stimmen gibt und das Feld nicht denjenigen Zeitgenossen überlassen bleibt, die hinter jeder Textähnlichkeit ein unredliches Verhalten mutmaßen. Ansonsten erhält die Debatte eine zunehmend paranoide Dynamik: Recht hat immer der schärfste Diskutant – im Zweifel also Erbloggtes, der zwischen allen Buchdeckeln Plagiate wähnt.

Wichtig ist zudem, einen genaueren Blick auf die Qualität der Übernahme zu werfen. Eine seitenlange ungekennzeichnete Entlehnung kann kaum mit einer misslungenen Paraphrase mit Anmerkung gleichgesetzt werden. Unter diesen Umständen würde etwa die Hälfte der Proseminararbeiten nicht bestehen können.

Schließlich darf Wissenschaft nicht zu einem reinen Formalismus verkommen. Juristen mögen argumentieren, dass formale Fehler nicht durch ein geistreiches Gesamtergebnis zu kompensieren sei. Aber deshalb sind auch nur wenige Juristen wirklich Wissenschaftler. 
Campusexistenz (Gast) antwortete am 2015/10/05 13:37:
Tut ER es auch?
Was lese ich denn da mit Datum vom 5. Oktober bei "Erbloggtes" als Auftakt zu einem Gedicht? "Zwischen allen Deckeln Ist Schmu"

Ist das etwa dem obenstehenden Beitrag vom 04.10. entnommen? Kein Verweis auf diese Quelle weit und breit! Von der allgemeinen Paranoia erfasst, möchte ich laut rufen: P...!

Oder ich lasse die Kirche im Dorf und gönne Erbloggtes seine wirklich einzigartigen poetischen Ergüsse. 
AlbertB (Gast) antwortete am 2015/10/05 15:28:
Liest man sich dieses "Gedicht" durch, fragt man sich: "Welche Probleme hat der Typ, dass so etwas dabei herauskommt." Andererseits konstruiert er nach Gutsherrenart Täuschungsfälle, z. B. zu dem von Herrn Graf vollkommen richtig analysierten UGV-Fragment, seine "Argumentation" gleitet dabei weit ab von den normalerweise in Prüfungen verwendeten Definitionen von Täuschung (Textübernahmen, Gedankenübernahmen, Strukturübernahmen, Fälschung von empirischen Daten). Also passt das wieder zu seinem "Gedicht".

Aber es ist doch schön, wenn er Spaß dabei hat :) 
Campusexistenz (Gast) antwortete am 2015/10/05 21:07:
Wie begeht man eigentlich kein Plagiat?
Der Spass hört leider dort auf, wo sich ehrliche Doktoranden fragen müssen: Was ist eigentlich kein Plagiat? Und sagen Sie jetzt nicht: Einfach ehrlich die Quellen benennen. Am Ende weist einem dieser "Zelot" (danke K.Graf für den treffenden Begriff) doch ein Bauernopfer mit den übelsten Absichten nach.
Wenn Wissenschaft auf Vertrauen berut, dann säht diese Existenz fleißig Mißtrauen. 
AlbertB (Gast) antwortete am 2015/10/06 10:35:
Erbloggtes und eine Handvoll anderer haben ihre persönlichen Ansichten, mehr ist das nicht. Als Doktorand sollte man zunächst mit seinem Betreuer über das Thema sprechen, der Betreuer ist der erste Ansprechpartner.

Ein sehr schönes Paper Plagiaten und Pseudo-Plagiaten ist dieses hier:

http://arxiv.org/pdf/0803.1526.pdf
bzw.
http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11948-008-9057-6 
MINT (Gast) antwortete am 2015/10/06 20:23:
Vielen Dank für das verlinkte Paper. Die prüfungsrelevante "Täuschung", die sich Erbloggtes für sein Beispielfragment ausgedacht hat, wird damit noch alberner. Natürlich bleibt es ein Mangel bei der Arbeitsqualität. 
Campusexistenz (Gast) antwortete am 2015/10/06 22:55:
Danke!
Danke, das sind wohltuende Worte. Es stimmt, die Meinungen eines anonymen Bloggers sind nicht normbildend, so gerne sie es auch sein möchten. Es ist einfach schade, dass so wichtige Themen wie wissenschaftliche Ehrlichkeit derart selbstgerecht auf Scharfrichterniveau abgehandelt werden. 
 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma