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Ganz und gar abscheulich finde ich es, dass die Frankfurter Universitätsbibliothek von dem Ms. Praed. 108 nur den Teil 5 digitalisiert hat:

//sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/msma/content/titleinfo/4077843

[inzwischen komplett:

//nbn-resolving.de/urn:nbn:de:hebis:30:2-18238 ]

Was soll solche Auswahl-Digitalisierung? Wenn ein Band Drucke und getrennt foliierte handschriftliche Teile aufweist, dann digitalisiert man ihn als Einheit! Alles andere ist vorgestern.

Ms. Praed. 108 ist eine wichtige Handschrift für die Werke des streibaren Dominikanermönchs Wigand Wirt (gest. 1519), zu dem der Reuchlin-Briefwechsel Bd. 1, 1999, S. 403 zu ep. 130 an biographischen Angaben nur die ADB

//de.wikisource.org/wiki/ADB:Wirt,_Wigand

und den Katalog von Powitz S. 245ff. und 253ff. erwähnt.

Powitz 1968:
//sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/kataloge/content/pageview/1927585

Zu nennen gewesen wäre aber z.B. auch Bernhard Neidinger, Das Dominikanerkloster Stuttgart ..., 1993, S. 132-137 (zu Wirt im Streit um die unbefleckte Empfängnis) sowie Klaus Arnold, Johannes Trithemius ... ²1991, S. 106-109; Angelika Dörfler-Dierken, Die Verehrung der heiligen Anna ... 1992, S. 68 mit Anm. 58 und sicher auch der Wimpfeling-Briefwechsel ( //archiv.twoday.net/stories/2900705/). Zu Wirt siehe zusammenfassend (unter Nennung des - online hinter der Paywall verschwundenen - BBKL-Artikels) LThK 3. Aufl. Bd. 10, Sp. 1234 (mit tadelnswert unvollständigen Literaturangaben).

[Walther Ludwig mailte mir: "Zu Wigand Wirt habe ich mich länger geäußert in meinem Aufsatz: Matern Hatten, Adam Werner, Sebastian Brandt und das Problem der religiösen Toleranz, am einfachsten zugänglich in dem revidierten Nachdruck in meinen Miscella Neolatina, Bd. 1, 2004, S. 97-128. Wirt wird nach dem Register in Bd. 3 erwähnt auf S.105-107, 114, 118-120, 122, 126." Bequemer zur Hand dürfte vielen der Erstdruck in der ZGO 1996, S. 271ff. sein. Hingewiesen sei auch noch auf Otto Stegmüllers Studie zum Immakulisten-Streit von 1960, abrufbar unter
//dx.doi.org/10.5169/seals-117284 ]

Am 14. November 1513 schrieb Wirt in Rom die "Palinodia Wesaliana" gegen die Anhänger Johann Rucheraths von Wesel, überliefert im Frankfurter Codex. Vorangestellt (Bl. 33v) sind 12 lateinische Verse von "Joannes Stockar", artium et medicinae doctor, für "seinen" Wigand.

//sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/msma/content/pageview/4077929

Powitz dachte an die Frankfurter Familie Stockar, aber meines Erachtens ist das eindeutig der am 27. Mai 1513 verstorbene und im Ulmer Dominikanerkonvent (!) begrabene Ulmer Stadtarzt Johannes Stocker, der in seiner Grabinschrift artis et medicinae doctor heißt. Über ihn hat Walther Ludwig wiederholt gehandelt, zusammenfassend in seiner Teilausgabe des Rychard-Briefwechsels "Vater und Sohn im 16. Jahrhundert" 1999, S. 24 Anm. 58. Ich selbst habe ihm in meinem Finck-Aufsatz ebenfalls einige Zeilen gewidmet:

//www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/4798/ (2008, S. 166f.)

[Bereits Paul Lehmann hatte Handschriftennachweise zu Stocker gegeben ZfB 1941, S. 239 (anlässlich der Nennung Stockers als Besitzer von Lullus-Handschriften): Erlangen 932, 979, 1148. München Clm 23809, 24130. Wien 11198, 11233, 11251.

Walther Ludwig verdanke ich folgenden Zusammenfassung des Gedichts:

"Der Dominikaner Wigand Wirt ist von Rom, wo er einen Prozeß als Angeklagter zu bestehen hatte, gesund zurückgekehrt. Das Gerücht, daß er auf einem Scheiterhaufen verbrannt worden sei, hat sich als falsch erwiesen. Der Ulmer Stadtarzt Dr. art. et med. Johannes Stocker beglückwünscht ihn dazu mit einem aus sechs elegischen Distichen bestehenden Gedicht, das vermutlich aus dem Jahr 1513 stammt. Er sieht in Wirts Gegnern Neider und versichert ihm, daß sein Ruhm selbst nach seinem Tod Bestand haben werde. Wen Fortuna beglücke, der müsse nun einmal Neider ertragen." ]

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