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Jemand den Film "Hannah Arendt" gesehen? Irgendwas stimmt doch mit den Gerichtsprotokollen des Eichmann-Prozesses nicht: Als sie die "Archivbox" in den Fond des Autos schiebt, ist die Kiste zu leicht. Vor allem: Als die Akten in ihrer Wohnung sind, liegen sie zu durcheinander. Jedenfalls, wenn diese Akten ähnlich organisiert sind wie die zum Nürnberger Prozeß, die sich in vielen Archiven finden. Teilt jemand den Eindruck? Eine Idee, warum genau?
ladislaus (Gast) meinte am 2013/01/15 01:07:
Weil es ein Spielfilm ist? 
FeliNo antwortete am 2013/01/15 01:23:
Würde ich auch so sehen. Im Kintopp muss "Gewicht tragen" gespielt werden, denn tatsächliches "Gewichttragen" sieht eher ulkig aus. Und Papierdurcheinander macht schöne Bilder, dramaturgisch aussagekräftiger als geordnete Konvolute... 
Dietmar Bartz antwortete am 2013/01/15 11:51:
Emm... natürlich ist es ein Spielfilm. Ich frage mich aber: Was genau ist da falsch? Zum Beispiel werden die Unterlagen wie die von den Nürnberger Prozessen hektografiert und in Serien mit einheitlichem Umschlag zusammengestellt worden sein, was eine Vielfalt in der Seiten- und Schrägansicht ausschließt, wie sie im Film zu erkennen war; eine Serie von 24 Heftern mit hektografierten Protokollen ist im Archiv des Leo-Baeck-Instituts digitalisiert:
//findingaids.cjh.org/?pID=476341#a23

Auch die schiere Menge der Akten in der Wohnung wirkt übertrieben; die Gesamtüberlieferung des Kölner Eichmann-Verteidigers Servatius im Bestand Allproz 6 im Bundesarchiiv umfasst nur 150 Hefter Sitzungsprotokolle und Beweisdokumente einschließlich des Berufungsverfahren von 1962:
//startext.net-build.de:8080/barch/MidosaSEARCH/ALLPROZ6-34056/index.htm

Da waren im Film mehr zu sehen. Vielleicht gibt es ja noch mehr solche Beobachtungen oder Überlegungen, die Aufschlüsse über die Vorstellung von der "Aktenförmigkeit des Bösen" zulassen. Dahinter könnte man zum Beispiel die Frage diskutieren, ob die unmittelbar verständlichen Ausstattungschiffren für "Menge" und "viel Arbeit" nicht eine Entbanalisierung gegenüber der Gleichförmigkeit von Prozessakten oder auch der Gleichförmigkeit des Holocaust ist. Aber dazu fehlt es eben noch an weiteren Beobachtungen aus dem Film. Jedenfalls: Wegen der im Film aufscheinenden Rezeptionsprobleme ist die Eingangsfrage unter "Wahrnehmung" rubriziert.

Nachtrag, erstaunliche Querverbindung: Glücklicherweise hat das Bundesarchiv die Eichmann-Aktien von Robert Servatius erworben; über ihn:
//de.wikipedia.org/wiki/Robert_Servatius
Ebenfalls glücklicherweise verfügt das Bundesarchiv auch über Servatius-Handakten zum Nürnberger Prozess, auch wenn sie möglicherweise unverzeichnet sind. "Glücklicherweise" deshalb, weil der sonstige Nachlass von Robert Servatius als Bestand 1305 im Jahr 2009 mit dem Historischen Archiv Köln versank. Immerhin, eigene Kenntnis, wurden größere Teile nicht stark beschädigt. 
 

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