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Was es mit der Markgrafentafel und den beiden Cranach-Rundbildern auf sich hat (sie sind Eigentum des Landes Baden-Württemberg), haben wir dargelegt:

//archiv.twoday.net/stories/2918302/

Bleibt von der Liste des Finanzministeriums noch ein Bild abzuarbeiten:

Kunsthalle Karlsruhe:
Baldung von Grien: Tafel "Markgraf Christoph I"
Ch. Amberger: der 45-jährige Ludwig V, Herzog von Bayern
L.Cranach d.Ä.: Johann der Beständige
L.Cranach d.Ä. Friedrich III der Weise

Quelle der Liste:
//kultur.baden-wuerttemberg.de/pressemeldungen-detail/article/405/555/1d6a069e4d/

Dieter Mertens teilt mir freundlicherweise mit:

"der 45jährige Ludwig V. ist Koelitz Nr. 106. [...] Koelitz schreibt "Kopie nach Hans Mülich". Der einzige "Amberger" ("Art des Hans
Holbein d.J. oder des Christoph Amberger") der Kunsthalle
ist Nr. 69."

Nr. 69 (1915 ohne Sternchen) ist ein Ratsherr, einen Brief haltend (S. 40).

Nr. 106 trägt 1915 ebenfalls kein Sternchen, wohl aber 1920. (Offenbar hat man in der Ausgabe von 1915 nicht alle aus dem großherzoglichen Hausfideikommiss stammenden Kunstwerke mit einem Sternchen gekennzeichnet.) Dieses Stück ist eindeutig das Bild, das den 45jährigen Ludwig zeigt. Der Eintrag 1915 S. 48f. lautet:

"Kopie nach Hans Mülich (beeinflußt v. Albrecht Altdorfer in Regensburg, München 1516-1573). Der Bayernherzog Ludwig V. Nach r. schauend, langer Vollbart, Pelzschaube und verziertes Barett. Grauer Grund. Bez.: Ludovicus dux Bavariae aetatis suae 45 (45jährig) und dat. 1540. Tannenh., Brustbild 60/24. (Original im Hofmuseum zu Wien.)"

Ebenso wie die (nicht mit Sternchen versehenen) beiden Cranach-Rundbilder erscheint auch dieses Bild nicht in der Liste, die dem Vertrag von 1930 (Anhang zum entsprechenden Gesetz) beigegeben ist. Es ist also unzweideutig Landeseigentum, abgesehen davon, dass es als Kopie schwerlich große Summen auf dem Kunstmarkt einbringen würde.

Also auch hier hat die Landesregierung denkbar schlampig recherchiert!

Die Ordnungsziffer V bei Koelitz ist unrichtig, es handelt sich um Ludwig X. von Bayern (1495-1545):
//de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_X._(Bayern)

Das Bild ist alter baden-durlachischer Sammlungsbesitz (Inventar des Markgräfler Hofs in Basen 1773 Nr. 43).

Die Zuschreibung an Amberger hat sich durchgesetzt, ohne gesichert zu sein. Früher wurden auch Bartel Beham und Hans Mülich/Mielich als mögliche Schöpfer des verlorenen Urbilds genannt.

Die Angaben bei Jan Lauts (siehe Kommentar), die mir telefonisch aus der Kunsthalle übermittelt wurden, sind hinsichtlich der Inventarnummern der weiteren Bilder des gleichen Typs zu korrigieren. Es scheint im Kunsthistorischen Museum Wien keine drei Bilder, sondern nur zwei (eines davon in Ambras, Nr. 6405) zu geben. Das früher an Linz ausgeliehene Werk befindet sich im Magazin als Nr. 876 und wird im "Katalog der Porträtsgalerie zur Geschichte Österreichs 1400-1800" (1976, ²1982) Nr. 203 als "Nach Christoph Amberger" mit Fragezeichen angesetzt.

Das Münchner Bild (seit 1935 in Landshut befindlich) wird dort (wie schon bei Lauts) mit der Nr. 2530 angeführt.

Außerdem gibt es ein Bild in Augsburg, und es soll ein Bild im Württembergischen Landesmuseum gegeben haben.

Die Bilder waren offenbar höfische Geschenk- oder Tauschobjekte, um die damals beliebten Porträtsgalerien anzureichern.

Ein ganz ähnliches Bild Ludwigs X. schuf Hans Wertinger

WertingerBild Ludwigs X. von Hans Wertinger

1531 stellte Barthel Beham den Herzog in seinem in der Liechtenstein'schen Sammlung in Wien befindlichen Bild in der gleichen Weise dar.

BehamBild Barthel Behams

Ohne QuelleBild Ludwigs ohne Quellenangabe
BCK meinte am 2006/11/12 22:01:
Pendants zum Karlsruher "Amberger" in Wien und Kassel
Der kunstliebende Landgraf Wilhelm IV. von Hessen (1567-1592) suchte für sein neu erbautes Schloss in Kassel den berühmten "Güldenen Saal", der später mit dem Schloßbrand von 1811 vernichtet wurde, mit einer reichen Bildnisgalerie auszuschmücken. In den Fensternischen der Langseiten des Saales sollten die Porträts sämtlicher christlicher Kaiser, Könige und Fürsten, soweit sie zwischen 1530 und 1581 regiert hatten, in einheitlicher Weise zu einer erhabenen Porträtserie versammelt werden, wobei der Landgraf für das Kopieren und Ummalen genaue Anweisungen gab und die Arbeiten persönlich überwachte. Eine Kopie der im Brand bis auf wenige Stücke untergegangenen Bildnisgalerie ist als 120 Bildtäfelchen (Öl auf Holz) umfassende Serie im Kleinformat von 20x25 cm erhalten, die heute im Landesmuseum in Kassel aufbewahrt wird.

Die Originale, nach denen diese kleinen Porträts einst kopiert worden sind, lassen sich nicht immer nachweisen. Oftmals liegen zwischen dem eigentlichen Original und dem entsprechenden Kasseler Bildchen eine ganze Reihe von immer schwächer werdenden Kopien. Enthalten sind auch 6 Porträts der badischen Markgrafen (Nr. 5 bis 10), davon drei wohl nach Vorbildern von Hans Baldung Grien.

(Quelle: Eine Porträtsammlung Wilhelms iv. Von Hessen und der "Güldene Saal" / Hildamarie Schwindrazheim.
Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft, 10. Bd. (1937), pp. 263-306,i-xii. Online-Zugang (lizenzpfl.) via JSTOR)

Nr. 12 ist dem Anschein nach ebenfalls eine Kopie nach dem Porträt Ludwigs X., Herzog von Bayern im Kunsthistorischen Museum in Wien, ebenso wie das Porträt in der Kunsthalle Karlsruhe. Der Katalogeintrag aus der oben zitierten Arbeit, S. 281 lautet:

Ludwig X., Herzog von Bayern (1495-1545), jüngerer Bruder Wilhelms IV. (Tf. I)
LUDOVICUS PALATINUS RHENI YTRIVSQVAE / BAVARIAE DUX.

Halbfigur nach rechts vor grünem Hintergrund, breit das Bild füllend. In weißem Wams mit gepufften, geschlitzten Ärmeln, darüber die Pelzschaube. Flaches schwarzes Barett mit Goldverzierung. Langgezogenes braunes Gesicht mit langem braungrauem Schnurr- und Kinnbart. Braune Augen, schlaffe Züge, ernster Ausdruck. Die rechte Hand hält Handschuhe, die linke fasst den Schwertgriff.

Bemerkung: Vorbild ein Gemälde im Kunsthist. Mus. Wien (Nr. 1413), welches ebenso wie eine Kopie in Karlsruhe von Röttger der Schule B. Behams zugeschrieben wird (Berhard Röttger, Der Maler Hans Mielich, München 1925). Das Bildnis Ludwigs in der Ambraser Sammlung, unserem Bilde sehr ähnlich, geht auf das gleiche Vorbild zurück. (Abb. b. Kenner, a.a.O. [= Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses XV (1894)], S. 164, Nr. 20). Kenner schreibt das Bild im Kunsthist. Mus. Wien Amberger zu und nennt als übereinstimmend noch ein Bild in Schleißheim und eine kleine Wiederholung in Augsburg. Ein Bild von Wertheimer (1530) weicht im Typ sehr ab. (Im Kunsthandel, Abb. Pantheon-Cicerone 1931, Heft I.) Ebenso ein Bild von Wertinger im Bayr. Nat. Mus. (Alois Mitterwieser, Die Residenzen zu Landshut, Augsburg 1927, Abb. 20).

P.S.: Das Bild ohne Quellenangabe oben ist Bartel Beham, Bildnis des Herzogs Ludwig X. von Bayern-Landshut (Lindenholz, 96x71 cm) aus der Alten Pinakothek im München. 
BCK meinte am 2006/11/13 07:30:
Neubearbeitung des Bestandes Altdeutscher Meister in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe
Das vollständige Inventar des Bestandes Altdeutscher Meister wurde vor rund 40 Jahren von Jan Lauts vorgelegt:

Katalog Alte Meister bis 1800 / bearb. von Jan Lauts. Hrsg. von d. Vereinigung d. Freunde d. Staatl. Kunsthalle. - Staatliche Kunsthalle
(1). [Textband]. - Karlsruhe, 1966. - 384 S.
(2). Abbildungen: [Bildband]. - Karlsruhe, 1966. - 463 S. : ueberwiegend Ill.

Unten rechts die Abb. aus dem Bildband zu Koelitz Nr. 106 (Scan einer Fotokopie, die mangelhafte Qualität bitte ich zu entschuldigen)

Jan Lauts schreibt darin: ¸¸Was von den Gemälden als Privatbesitz des zähringischen Hauses anzusehen war - der überwiegende Teil des Bestandes an alten Meistern -, verblieb in der Kunsthalle zunächst als Leihgabe, bis es 1930 durch einen Staatsvertrag für die Summe von drei Millionen Mark endgültig in den Besitz des Landes Baden überging" (freundlicher Hinweis von Dr. Klaus Eisele, Stuttgart, in einem in der Stuttgarter Zeitung abgedruckten Leserbrief vom 09.11.2006, S. 11). (Und noch ein Hinweis: Liebe Landesregierung, der Katalog steht auch in der Bibliothek des MWK, Sig. Dca.a SKK 1000.)

Wie der Website der Kunsthalle zu entnehmen ist, steht eine Neubearbeitung dieses Bestandes, der mit 200 Gemälden nicht nur zu den ältesten und größten, sondern auch zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art weltweit gehört, kurz vor dem Abschluss (der Katalog soll Mitte 2007 erscheinen). Bearbeiterin ist die Kunsthistorikerin Dr. Anna Moraht-Fromm, die Getty Foundation (Los Angeles) unterstützt das Projekt finanziell.

Die Tafelgemälde werden auch mit Hilfe moderner naturwissenschaftlicher Verfahren analysiert und datiert werden, zum Beispiel durch Infrarot-Reflektographie und Röntgenaufnahmen. Ikonographische und stilkritische Untersuchungen werden darüber hinaus eine weiter präzisierte Zuschreibung und Lokalisierung der Werke ermöglichen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden der Öffentlichkeit sowohl in Form eines gedruckten Kataloges, als auch als Datenbank online zugänglich gemacht.
( Nimbus I. Neubearbeitung des Bestandes Altdeutscher Meister in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe
//www.kunsthalle-karlsruhe-online.de/anzeige.php?page_id=1245 )

Vgl. hierzu auch die Pressemitteilung des MWK vom 04.11.2004
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe erhält 104.500 Euro Förderung
Kunststaatssekretär Sieber: „Hohe internationale Anerkennung für langjährige erfolgreiche Sammlungs- und Museumspolitik“
//www.landesregierung-bw.de/de/Meldungen/62734.html 
 

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