Allgemeines
Architekturarchive
Archivbau
Archivbibliotheken
Archive in der Zukunft
Archive von unten
Archivgeschichte
Archivpaedagogik
Archivrecht
Archivsoftware
Ausbildungsfragen
Bestandserhaltung
Bewertung
Bibliothekswesen
Bildquellen
Datenschutz
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
null

 
F.A.Z., 02.12.2006, Nr. 281 / Seite 49, Kunstmarkt
Bürgernähe (rmg)

Es beginnt wie ein Märchen der Brüder Grimm: "Zu der Zeit, als das Auktionshaus Nagel gegründet wurde, war das Königreich Württemberg schon Geschichte." Und es geht weiter mit sehr zeitgemäßer Deutlichkeit: "Der vierte und letzte württembergische König Wilhelm II. hatte nach den November-Revolutionen am 30. November 1918 seine Abdankung erklärt. Die Besitzverhältnisse in Württemberg ließen sich eindeutig regeln, hatte doch schon sein Großvater, König Wilhelm I., in weiser Voraussicht eine Trennung von Kron- und Hausgut eingeführt. Nach dem Ende der Monarchie also wurde das Krongut in freies Staatseigentum überführt. Die Hofkammer existierte weiter und verwaltete das private Vermögen der Familie." Die Sonderauktion am 6. Dezember bei Nagel in Stuttgart ist wohl die erste im beliebten Genre der Adelshausbesitzversteigerung, die - in weiser Voraussicht - mit einer solchen Erklärung eingeleitet wird. (...) rmg

Fine Art and Antiques (402S)
6th -8th December 2006, Nagel-Auktionen, Stuttgart
6.12.2006, 17h Königliches Württemberg (Special Auction Fine Art from the Royal House of Württemberg). Vorbesichtigung: 1.-3.12.2006, 11h-18h, 4.12.2006, 11h-20h. Katalog

Nur wenige Württembergica u.a. Drucke (Nr. 625-627, 689-705, 1000-1003), u.a.
  • Bambergische Peinliche Halsgerichts-Ordnung, Bamberg 1580 (Los 1001),
  • Johann Oettinger, Wahrhaffte Historische Beschreibung der Fürstlichen Hochzeit ... Friedrich Hertzog zu Württemberg und Teck ...In der Fürstlichen Haubtstatt Stuttgardten Anno 1609... , Stuttgart 1610 (Los 696),
  • Kirchenordnung für das Herzogtum Württemberg, Stuttgart 1660. Provenienz: Schloß Leipheim (Los 692),
  • Topographia Sueviae, Merian: Franckfurt am Main 1643 (Los 691),
  • Topographische Geschichte des Herzogtums Württemberg, Stuttgart 1784, Exemplar aus der ehem. königlichen Handbibliothek (Los 690),
  • Topographischer Atlas des Königreichs Württemberg in 55 Blättern nach den Ergebnissen der Landesvermessung bearbeitet ... 1821-1851. Rectificiert 1867. (Los 697),
  • The Sacred Books of the Old and New Testaments Vol. I, Pt. 3 The Book of Leviticus, Leipzig 1904 [die sog. "Polychrome Bibel", Ed. Paul Haupt. Portions of the the text and some of the illustrations are set off in various colors to highlight certain features. First color coded bible ever printed, using a process patented in 1897. Translation based, according to the introduction, on the "new critical edition of the Hebrew text of the Old Testament, published under the auspices of the Johns Hopkins University, Baltimore. Anm. BCK nach Dan Wyman Books, Katalog Judaica Americana]. Goldgeprägter Ledereinband mit Widmung "Seiner Majestät Wilhelm II. König von Württemberg ehrfurchtsvoll überreicht von der Johns Hopkins University, Baltimore", auf der Innenseite ExLibris "Wilhelm II. Privat-Bibliothek" sowie bekrönter Stempel "Wilhelm II. Privateigentum" auf der Titelseite. Goldschnitt. In leinenbezogener Kassette. (Los 662).
Ladislaus meinte am 2006/12/02 16:29:
Na, ob die John Hopkins University das "Seiner Majestät Wilhelm II. König von Württemberg" ehrfurchtsvoll als Privatgeschenk überreicht hat, das wage ich doch sehr zu bezweifeln. 
BCK antwortete am 2006/12/02 17:59:
Dieser spontane Reflex wäre natürlich sehr viel interessanter, wenn er denn durch konkrete Fakten untermauert wäre (was, wann, wo...) - bezweifeln kann man ja vieles ... 
Ladislaus antwortete am 2006/12/02 18:26:
Das ist ja das Problem bei diesen Sachen... es ist einfach schon zu lange her. Aber warum schenkt eine Uni einem König was? Wohl weil er entweder (mit Staatsgeld?) irgendwas gefördert hat oder weil "seine" Institutionen bei irgendwas behilflich waren. Und eher nicht, weil er selbst so ein netter Mensch ist, oder? Ist natürlich wirklich ein spontaner Reflex... 
BCK antwortete am 2006/12/02 19:28:
Wir können ja munter weiterspekulieren ... ein guter Anlass für ein Akademisches Geschenk wäre z.B. das Geburtsfest Seiner Majestät des Königs Wilhelm II. von Württemberg, am 25. Februar 1909 gewesen, das im Festsaal der Aula der Universität Tübingen - wie von mir mal eben "ergoogelt" - u.a. mit einer Rede von Richard Garbe "Kaiser Akbar von Indien. Ein Lebens- und Kulturbild aus dem sechtzehnten Jahrhundert" festlich begangen wurde (aus Anlaß der Vollendung seines 60. Lebensjahres). Man würde wohl nicht so herzlos sein, ihm zu verweigern, ein etwa aus solchem Anlaß erhaltenes Geschenk in seine Privatbibliothek einzugliedern. Zumal "der Herr König" ja dem Vernehmen nach wirklich so ein netter Mensch war und beliebt im Volk ... Ist jetzt auch reine Spekulation, aber ein durchaus denkbares Szenario. 
BCK antwortete am 2006/12/02 19:52:
Ok, der 25.2.1909 war der 61. Geburtstag, und auch sonst nichts besonderes ... Ich sehe gerade, dass die Uni Tübingen offenbar jedes Jahr das Geburtsfest Seiner Majestät mit einer Rede im Festsaal begangen hat ;-) 
KlausGraf meinte am 2006/12/02 19:43:
Denkmalschutz?
Lot 500 - 608: Villa Marienwahl und Schloss Rosenstein
Lot 523 - 533: Königliches Privatgestüt Weil
Lot 616 - 619: Wilhelmspalais
Lot 620 - 628: Aus der Familie des Finanzministers Christoph Herdegen (1787 - 1861)

Die Denkmalschutzbehörde hatte vor der Auktion zu prüfen (ob sie es tat, ist mir nicht bekannt), ob die dort versteigerte Ausstattung der Privatschlösser mit den denkmalgeschützten Bauten eine Einheit mit Denkmalwert bildete. Es kann nach den Mitteilungen der FAZ und des Katalogs nicht ausgeschlossen werden, dass hier Erhaltenswertes verscherbelt wird. Auch privates Eigentum kann Zeugnis für Historisches ablegen, etwa die Möblierung des privaten Arbeitszimmers Königs Wilhelms II.

Zur Frage der Schenkungen werde ich einen eigenen Beitrag anlegen. 
KlausGraf antwortete am 2006/12/02 20:57:
Beitrag zur Schenkungsproblematik
//archiv.twoday.net/stories/3015380/

Ergänzend zu obiger Stellungnahme zum Thema Denkmalschutz ist darauf hinzuweisen, dass in Württemberg Fideikommisse erst nach dem NS-Fideikommissauflösungsgesetz durch Auflösungsbeschluss des zuständigen Gerichts aufgelöst wurden. Das gilt sicher auch für das fideikommissarisch gebundene Hofkammervermögen. Hat das Gericht nicht, wie im Gesetz vorgesehen, dem Erhalt und der Zugänglichkeit von Kulturgütern im Auflösungsbeschluss Rechnung getragen, gilt das allgemeine Denkmalschutzrecht. Zuständig für Änderungen der Auflösungsbeschlüsse sind in BW nicht mehr die Gerichte, sondern die Regierungspräsidien. Diese können also z.B. durch einen Federstrich bestimmen, dass keine Rechtspflicht für das Haus Württenberg mehr besteht (falls diese angeordnet worden wäre), sein Archiv zugänglich zu machen. Dass eine Klage dagegen verwaltungsrechtlich zulässig wäre, dürften viele Juristen bezweifeln. 
FeliNo meinte am 2006/12/04 01:16:
zur Auktion
Wenn die Ansicht eines Katertiers ohne Verstand gestattet ist: Ich habe mir den Nagel-Katalog angesehen und erlaube mir, zumindest die Kunst betreffend, insofern Entwarnung zu geben, als die vormaligen Besitzer derselben über einen offenbar nicht sehr ausgeprägten Geschmack verfügten; bis auf zwei kleine Porträtzeichnungen ist zu sagen, dass das meiste durchaus minderer Qualität ist, das Reiterporträt von Kobell ist sogar ganz erstaunlich misslungen (10 000 Euro). Soll das eventuell nicht haben, wer will? Wer für schlechte Bilder viel Geld bezahlt, ist doch selber schuld. 
KlausGraf antwortete am 2006/12/04 03:11:
Irrelevant
Der ästhetische Wert ist völlig irrelevant. Es geht darum, ob es sich um landesgeschichtliche Quellen handelt und ob das nun aufgelöste historische Ausstattungsensemble hinreichend dokumentiert ist. In historischen Schulbibliotheken sind auch nicht nur Spitzenstücke. 
BCK meinte am 2006/12/04 08:35:
Tilman Krause outet sich als heimatloser Monarchist und Württemberger-Freund
Die WELT, 02.12.2006, Kultur / Die Literarische Welt,
Die Monarchie war eine feine Sache
Man muss einmal an die heimatlosen Monarchisten in Deutschland appellieren. Sie sollten sich an Württemberg halten. / Tilman Krause, //www.welt.de/data/2006/12/02/1130317.html

Man mag es ja für ein Luxusproblem halten. Aber ich will nur mal sagen: Es gibt nicht nur die heimatlose Linke und die heimatlose Rechte. Es gibt auch uns heimatlose Monarchisten. (...)

Heimatlos sind wir auch, weil es uns zunehmend schwer fällt, uns an eine bestimmte Dynastie gefühlsmäßig anzukristallisieren. So fallen seit Jahren schon nicht wenige Monarchiefreunde vom Haus Hannover ab, da dessen Protagonisten vor allem in der Rolle von "Pinkelprinzen" von sich reden machen. Die jüngst versuchten Trickbetrügereien des Hauses Baden wiederum, das Reichtümer zu verschachern suchte, die es gar nicht mehr hatte, haben unter Anhängern ebenfalls helles Entsetzen ausgelöst. So überlegt sich beispielsweise ein guter Bekannter von mir, der seit langen Jahren den Ehrgeiz hegt, in seiner Privatgalerie sämtliche Vertreter dieses Hauses seit seiner Erhebung in den Großherzogenstand zur Geltung zu bringen, seine Porträtsammlung in toto aufzulösen.

Ich weiß nicht, was die Image-Berater der ehemaligen deutschen Reichsfürsten da empfehlen. Ich jedenfalls empfehle bei solchen emotionalen Unsicherheiten: Wendet Eure Herzen Württemberg zu! Ich selber fühle mich diesem Haus verbunden, mit dem meine Familie mütterlicherseits nur gute Erfahrungen gesammelt hat - vom Herzog Carl, in dessen Diensten einer aus unserer Sippe Hofmedikus war, bis zum letzten König, Wilhelm II., der meinen Großvater, den Prinzenerzieher, so verwöhnte. (...)

Vgl. auch
Tilman Krause: In eigener Sache
//www.welt.de/data/2006/11/18/1113427.html

Tilman Krause reflektiert seine Herkunft aus dem Großbürgertum und seine Berufswahl, welche diesem stets gänzlich suspekt war. "Zu sagen, jemand schreibe, denke oder geriere sich sonstwie "feuilletonistisch", bedeutete, dass der Betreffende intellektuell nicht ganz satisfaktionsfähig war." (...) "Und da auch ein schlechter Ruf verpflichtet, nehme ich nun munter die nächste Regelverletzung vor: Ich veröffentliche die Lebenserinnerungen meines eigenen Großvaters." (...)

"Mein Großvater, der nachmalige Oberstudiendirektor Rudolf Thietz (1885 bis 1966), war als junger Mann der letzte Prinzenerzieher im Königreich Württemberg. Mit spitzer Feder hat er außerordentlich anschaulich über seine drei Jahre 1910 bis 1913 am Hofe von Ludwigsburg, Stuttgart und Friedrichshafen geschrieben." (...)

"Mein Großvater ist nun 40 Jahre tot. Wie mir württembergische Landeshistoriker versichern, sind seine Erinnerungen in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Erstens enthalten sie die Sicht eines "ausgesprochenen Preußen" (wie seine Dienstherrin, die Prinzessin Olga zu Schaumburg-Lippe, sich ausdrückte) auf das kleine Königreich im Südwesten. Zweitens sind die im letzten Kriegswinter 1944/45 geschriebenen Erinnerungen durch ihren Versuch, die "Welt von gestern" auf dem Papier wieder aufzurichten, als ringsherum Deutschland in Schutt und Asche versinkt, berührend und interessant. Und drittens geben sie Einblick in Weltanschauung und Wertehaltung eines ebenfalls sehr "ausgesprochenen" deutschnationalen "Wilhelminers", eines sozialen Typus', der mindestens so sehr Geschichte ist wie die Umgebung, die er schildert. Ein solches Dokument der Öffentlichkeit aus Familienrücksichten vorzuenthalten, müsste geradezu als egoistisch gelten, bedeutete man mir." (...)

s.a.
Damals in Schloss Ludwigsburg
200 Jahre Königreich Württemberg: die Erinnerungen des letzten Prinzenerziehers der Monarchie, Rudolf Thietz. / Von Tilman Krause
//www.welt.de/data/2006/11/18/1113376.html

Das Buch erschien unter dem Titel "Ein Preuße kommt nach Württemberg" in der von Albrecht Ernst herausgegebenen Schriftenreihe des Württembergischen Geschichts- und Altertumsvereins. Die Buchpräsentation fand am 24. 11. um 17 Uhr im Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses statt. Einführung: Tilman Krause, Bearbeiter des Manuskripts und Enkel des Autors. Gleichzeitig wurd im Karl-Eugen-Appartement eine Kabinettsausstellung zur Prinzessin Olga eröffnet. Sie war bis zu ihrem Tod 1930 die letzte Bewohnerin des Schlosses von Geblüt.

Dazu Pressemitteilung, 24.11.2006
Schloss Ludwigsburg - Ein letzter Blick auf die Monarchie:
Buchvorstellung mit Vortrag. Neue Ausstellung 
Andreas Kemper (Gast) antwortete am 2013/02/09 02:54:
Danke
Für die Zusammenstellung. Hab hier //andreaskemper.wordpress.com/2013/02/09/wer-ist-dieser-tilman-krause/
darauf hingewiesen.

Liebe Grüße 
 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma