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Eine treffende Glosse schrieb unter diesem Titel Uli Fricker (Südkurier vom 29.12.2006). Auszug:

Das spannendste Kapitel im Jubeljahr steuerte die Gegenwart bei. Es ist das Ringen um die (angeblich) badischen Kunstschätze, das der Landespolitik das Krönchen aufsetzte. Die Frage, wem die kostbaren Altäre und Handschriften nun gehören, sollte nicht das Adelshaus beantworten. Dieses ist selbst Partei und nicht Schiedsrichter in dem Kaufvorhaben. In den Streit um die Kulturgüter sind alle Zutaten gemischt, die ein spannender Roman benötigt. Wer einem Ausländer aus einem wirklich republikanischen Land erklären will, was Adel ist und was er darstellt, der möge ihm nur von dem geplanten Transfer erzählen. Der Besucher wird den Kopf schütteln.

Warum gestaltet sich der Handel so langwierig? Bilder, müsste man meinen, sind Wertgegenstände wie andere auch. Der Schlüssel liegt im Verhältnis vieler Stuttgarter Politiker zu den führenden Aristokraten im Südwesten. Diese lassen sich - schriftlich sowie mündlich - noch immer mit den überkommenen Titeln anreden. Für die ehemals regierenden Häuser Baden und Württemberg lautet die Anrede, die man bei Hof noch immer gerne hört, "Königliche Hoheit", und schriftlich erhält er das Kürzel "SKH". Eine Titulatur, die für Baden bereits 1806 ein Potemkinsches Dorf war, da der Großherzog nie König sein durfte und bereits Zeitgenossen über Karl Friedrichs Großmannssucht schmunzelten.

Nun dienen die alten Rangformeln ja nicht der Verkleidung. Dahinter verbergen sich klare Ansprüche. Wenn Oettinger und seine Ratgeber dem Haus Baden so untertänig kommen, mag das dem Selbstgefühl schmeicheln. Der Sache - es geht um bescheidene 70 Millionen - aber schadet der zeremonielle Bückling. Auch gesetzlich ist der Fußfall nicht gedeckt: "SKH" und andere devote Floskeln sind 1919 abgeschafft worden. Zu Recht. Umso peinlicher ist es, wenn regierende Demokraten dem Hochadel im gestreckten Bückling begegnen. Die Gefahr, die Interessen der Landeskinder schlecht zu vertreten, erhöht sich mit wachsender Bodennähe. Der Lakai ist unfrei. Wenn das Jubiläumsjahr in seine letzten Tage eintritt, darf man einen höflichen - nicht höfischen! - Wunsch nach Stuttgart richten: Mehr gutbürgerliches Rückgrat, meine Herren! Vor dem Gesetz sind alle gleich, sogar die geschätzten Nachfahren der ehemals regierenden Häuser.


//www.suedkurier.de/region/verschiedene/art2940,2381611.html?fCMS=d030f116805b4813c84f16611efe7809
 

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