Allgemeines
Architekturarchive
Archivbau
Archivbibliotheken
Archive in der Zukunft
Archive von unten
Archivgeschichte
Archivpaedagogik
Archivrecht
Archivsoftware
Ausbildungsfragen
Bestandserhaltung
Bewertung
Bibliothekswesen
Bildquellen
Datenschutz
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren
null

 
//www.ez-online.de/ueberregional/kultur/kultur/Artikel952870.cfm

Nicht nur in Eichstätt: Sparzwang und Klosterschließungen bringen wertvolle Ordensbibliotheken in Gefahr

Von Frederik Obermaier

Eichstätt - Die tonnenweise Vernichtung wertvoller Kapuziner-Bücher an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt wirft Licht auf eine umfassende Problematik: Der Sparzwang bei Klöstern und Orden stellt nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Theologischer Bibliotheken eine große Gefahr für wertvolle Büchersammlungen dar. Altbestände würden in Unkenntnis der Möglichkeiten allzu schnell abgegeben und zusammenhängende Sammlungen zerschlagen, sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Jochen Bepler.

Deutschlandweit mussten in den vergangenen Jahren zahlreiche Klöster ihre Pforten für immer schließen. Die historisch wertvollen Bestände der zugehörigen Bibliotheken landeten nach Angaben von Klaus Graf, Geschäftsführer des Aachener Hochschularchivs, zwar nicht im Müll wie in Eichstätt, in einigen Fällen aber im Handel. „Man kann davon ausgehen, dass im Jahr zwei, drei Klosterbibliotheken verkauft werden, ohne dass jemand etwas davon erfährt.“ So sollen bei der Auflösung des Redemptoristenklosters Geistingen in Hennef im Jahr 2006 Teile der dortigen Bücherbestände im Online-Auktionshaus ebay versteigert worden sein. Und das, obwohl die Kölner Universitätsbibliothek den kostbaren und großen Altbestand gerne übernommen hätte.

Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel des Klosters Walberberg im Rhein-Sieg-Kreis. Die Dominikanerniederlassung wird zwar Ende dieses Jahres aufgelöst, ihre wertvolle Büchersammlung bleibt jedoch der Öffentlichkeit erhalten. Die rund 156 000 Bände werden von der Diözesanbibliothek Köln komplett übernommen, Besitzer sind nach wie vor die Dominikaner. In ihrer Nachbarprovinz Süddeutschland/Österreich wird ein Verkauf der Bestände ebenfalls ausgeschlossen. „Das, was da ist, ist unveräußerlicher Dominikanerbesitz“, heißt es aus dem zuständigen Provinzialat in Augsburg.

Eine der größten Ordensbibliotheken Deutschlands befindet sich in der Benediktiner-Erzabtei Beuron im Donautal. Ihr Leiter, Erzabt Theodor Hogg, sieht für die Bücherbestände der Benediktiner „keine Gefahr“. Sollten Klöster aufgelöst werden, gingen die Bände an die Bibliotheken anderer Ordensniederlassungen. Die deutschen Jesuiten bewahren ihre Bestände in ihrem Archiv in München, der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt oder ihren Kollegien auf. „Und solange die Häuser, zu denen die Bibliotheken gehören, existieren, werden sie von den Ordensleuten oder durch angestellte Bibliothekare betreut“, sagt Clemens Brodkorb, Archivar der deutschen Provinz der Jesuiten. Der Bestand aufgelöster Häuser werde an neu gegründete Ordenshäuser übergeben, sofern sie nicht schon eine andere alte Bibliothek besitzen.

Für Orden, die ihre Bibliothek nicht mehr erhalten können, ist nach Einschätzung der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK) eine Kooperation mit einer Hochschulbibliothek „keine schlechte Lösung“. „Vorausgesetzt die Bücher werden dann auch pfleglich behandelt“, fügt DOK-Pressesprecher Arnulf Salmen mit Blick auf die Eichstätter Universitätsbibliothek hinzu. Dort waren mindestens 100 000 Büchern teils aus alten Klosterbeständen vernichtet worden. Inzwischen befasst sich auch die Ingolstädter Staatsanwaltschaft mit dem Fall.

KOMMENTAR:

Es ist erfreulich, dass dieses Thema durch den dpa-Mitarbeiter soviel Aufmerksamkeit erfahren hat. Eine Korrektur ist vonnöten: Es ist nachgewiesen, dass Bücher aus Geistingen bei ebay versteigert wurden, das ist kein bloßes Gerücht.
//archiv.twoday.net/stories/1891377/

Das Problem sind nicht die großen und eingeführten Bibliotheken wie Beuron. Gefährdet sind kleine Klosterbibliotheklen wenig bekannter Niederlassungen, die als Geschichtsquelle wenigstens zu dokumentieren wären, bevor man sie durch den Einzelverkauf zerstückelt.

Klosterbibliothek von St. Florian, Österreich (Foto: Stephan Brunker 13.08.2003, GNU FDL, Wikimedia Commons)
AndreasP meinte am 2007/03/08 12:49:
Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Bin ich jetzt ein schlechter Mensch? Immerhin stelle ich meine Käufe der Allgemeinheit wieder zur
Verfügung, bisher z. B. dieses hier:

//commons.wikimedia.org/wiki/Image:Hirscher_Lehre_vom_Ablasse.djvu

Einige weitere kleinere Schriften werden folgen. 
BCK meinte am 2007/03/09 07:07:
Ebenso die ZEIT online
[hier nur Einleitung, Schluß und die im obigen Bericht nicht enthaltenen Passagen wiedergegeben.]

ZEIT online, dpa, 7.3.2007
Rettet die Bücher!
Weil Klöster und Orden sparen müssen, verkaufen sie ihre kulturhistorisch wertvollen Büchersammlungen. So manches Exemplar landet bei E-Bay.
//www.zeit.de/campus/online/2007/10/bibliotheken-sparzwang

Die Katholische Universität (KU) Euchstätt-Ingolstadt warf kürzlich sogar über 100.000 wertvolle Bücher in den Müll. Sie gehörten zu einem Bestand von etwa 420.000 Bänden, welche der KU vor Jahren von der Zentralbibliothek der Kapuziner in Altötting überlassen worden waren. Die Eichstätter Bibliothekare sortierten aus - offenbar jedoch ohne die nötige Sorgfalt, denn unter den vernichteten Büchern waren viele von hohem kulturhistorischen Wert. Mittlerweile beschäftigt der Fall sogar die Ingolstädter Staatsanwaltschaft.

(...)

Denn die Klöster und Orden müssen sparen. Aus der Sicht der Arbeitsgemeinschaft Katholisch-Theologischer Bibliotheken ist das eine große Gefahr für ihre wertvollen Büchersammlungen. Altbestände würden allzu schnell abgegeben, zusammenhängende Sammlungen zerschlagen, sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Jochen Bepler. Die Vereinigung berate zwar Orden, die ihre Bibliotheken auflösen müssten, dringe aber nicht immer zu den Entscheidern durch.

(...)

"So was wie in Eichstätt wird nicht vorkommen", versichert Hans Albert Gunk, Leiter der Dominikanerprovinz Teutonia. Auch in der Nachbarprovinz Süddeutschland/Österreich wird ein Verkauf der Bücherbestände ausgeschlossen. "Das, was da ist, ist unveräußerlicher Dominikanerbesitz", heißt es aus dem zuständigen Provinzialat in Augsburg.

(...)

Die deutschen Jesuiten wiederum bewahren ihre Bestände, die teilweise bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, in ihrem Archiv in München, der Philosophisch - Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main oder in ihren Kollegien auf. "Und solange die Häuser, zu denen die Bibliotheken gehören, existieren, werden sie von den Ordensleuten oder durch angestellte Bibliothekare betreut", sagt Clemens Brodkorb, Archivar der deutschen Provinz der Jesuiten. Der Bestand aufgelöster Häuser werde an neu gegründete Ordenshäuser übergeben, sofern diese nicht schon eine andere alte Bibliothek besitzen.

Für Orden, die ihre Bibliothek allein nicht mehr erhalten können, ist nach Einschätzung der Deutschen Ordensobernkonferenz eine Kooperation mit einer Hochschulbibliothek "keine schlechte Lösung". "Vorausgesetzt die Bücher werden dann auch pfleglich behandelt", fügt DOK-Pressesprecher Arnulf Salmen mit Blick auf die Vorgänge in Eichstätt hinzu.

 
 

twoday.net AGB

xml version of this page

powered by Antville powered by Helma