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//historia-docet.de/html/diskussion.html

Die erste Stellungnahme zu meiner Website stammt im Internetforum Archivalia von Klaus Graf, der das Urkundenbuch St. Blasien in der Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 126 (2005) rezensierte. Graf hat seinen Beitrag am 8. Januar 2009 ins Netz gestellt: //archiv.twoday.net/stories/5433755/ unter der Überschrift “Johann Wilhelm Braun teilt aus”. Anscheinend hält Graf Forschung und wissenschaftliche Auseinandersetzung eher für eine Art Kampfsport, in dem es zu seinem guten Ton gehört, den Kontrahenten mit verbalen Tiefschlägen wie “lächerlich”, “ausfällig” und “gehässig” einzudecken.

Wer mich als durchaus wohlwollenden Rezensenten in dieser Weise abwatscht, muss das Echo vertragen können.

Dies hier ist kein Internetforum, sondern ein Weblog.

Was ein Weblog ist, steht z.B. in der Wikipedia, Herr Braun.

Da ich annehme, dass Sie nicht wissen, was das ist:

//de.wikipedia.org/wiki/Blog

Zutreffender wäre der Titel gewesen “Johann Wilhelm Braun teilt ein”, nämlich in zwei einigermaßen gegensätzliche Forschungsrichtungen, einer sozusagen traditionellen (der ich mich verpflichtet fühle), die den vielfältigen Fundus der seit drei Jahrhunderten entwickelten wissenschaftlichen Methoden zu bewahren, anzuwenden und gerade gegenwärtig um vielversprechende neue Methoden und Techniken zu erweitern sucht, und einer scheinbar modernen, die ich die “Reduktionfraktion” genannt habe und in der Gefahr sehe, eine “Forschung light” zu betreiben. Auf diese Problematik, die der Hauptanlass für meine “Recensio recensionum” war, ist Graf leider mit keinem Wort eingegangen.

Ich sehe mich nicht als Vertreter einer Forschung light. Worauf ich eingehe oder nicht, ist immer noch meine Sache.

Stattdessen verbreitet er sich über Rechtsfragen des Kopierens. Mir genügt, dass Kopieren für private und wissenschaftliche Zwecke erlaubt ist. Weiteres, was letzten Endes nur unter dem Verwertungsaspekt, sprich Geldverdienen mit Geistesprodukten, Sinn macht, war, wenigstens in meinem Bereich der historischen Forschung, gar noch des Mittelalters und hier der Quellenedition, leider immer so wenig einträglich, dass es die reine Zeitverschwendung wäre, sich damit eingehender zu befassen. Z. B. war die jahrzehntelange Arbeit am Urkundenbuch St. Blasien natürlich nur als Dienstaufgabe überhaupt möglich, also von vorneherein ohne Anspruch auf verwertungsrechtliche Vergütung. Und wenn die VG Wort für die zwei Bände von insgesamt fast 1400 Seiten weniger als 500 Euro ausschüttete und die CD-ROM-Ausgabe überhaupt nicht berücksichtigte – welchen Sinn hat es für unsereins angesichts solcher “Summen”, sich mit Verwertungsfragen aus dem Urheberrecht groß zu befassen? Ich wünsche es Herrn Graf, dass ihm für seine diesbezügliche eingehende Beschäftigung mehr herausspringt.

Es gehört für Herrn Braun wohl wie für die meisten Historiker zum guten Ton, eine möglichst große Unkenntnis in Urheberrechtsfragen an den Tag zu legen. Nein, wesentlich mehr springt bei meiner Beschäftigung mit dem Urheberrecht nicht heraus, aber wer sich wie ich für "Open Access" einsetzt, muss die urheberrechtlichen Begrenzungen und Pferdefüße kennen.

Nebenbei bedauert Graf, dass ich nur die ungedruckten Teile meiner seinerzeitigen Dissertation auf der Website veröffentlicht habe. Ich verstehe nicht, warum ich das mit den gedruckten, also in einer Vorfassung dazu, auch hätte tun sollen. Sie sind doch durch die überarbeitete Druckfassung überholt!

Die überarbeitete Druckfassung steht eben nicht online zur Verfügung. Und da wäre es durchaus willkommen, wenigstens die nicht überarbeitete Vorfassung kostenfrei am PC benützen zu können - abgesehen davon, dass ein Buch mehr als die Summe seiner Teile ist, nämlich eine beziehungsreiche Ganzheit. Wenn man das im Laufe eines langen Berufsleben nicht begriffen hat ...

Meine Begründung, die ungedruckten Teile der Dissertation nur als Bilddatei und des zu großen Aufwands halber nicht als OCR-eingelesene Textdatei ins Netz zu stellen, sei – so Graf – “einfach nur lächerlich”. Der angesprochene Aufwand bezieht sich natürlich nicht auf die bloße technische Umsetzung – das wäre tatsächlich lächerlich – sondern auf den riesigen Korrekturaufwand, den das Einlese-Ergebnis erfordert hätte. Ich habe es natürlich ausprobiert, das Programm konnte die leider nicht besonders gute Typoskriptvorlage (eine bessere habe ich aber nicht) in zureichender Qualität nicht umsetzen, wie auch jeder an der jetzt im Netz stehenden Fassung sehen, und wenn er Lust hat, damit die OCR-Umsetzung auch selber ausprobieren und für sich nutzen mag. Welcher Schrott mit solchen OCR-eingelesenen und unkorrigiert belassenen Texten zustandekommt, davon kann man sich an zahllosen Beispielen der Google’schen Buchdigitalisierungen überzeugen. (Man erhält diese Ergebnisse mit dem Link: Nur Text anzeigen). Google überläßt es dem Benutzer, diese Texte anhand der PDF-Bilddateien selber zu korrigieren. Mehr kann oder will selbst dieser Riesenkonzern nicht leisten.

Braun zeigt einmal mehr, dass er keine Ahnung hat, wovon er spricht.

Erstens: Die Google-OCR ist erheblich brauchbarer geworden, es gibt außerordentlich gut erkannte Bücher - sogar in Fraktur!

Zweitens: Da ich an die 50 eigene Aufsätze mit OCR erfasst und kursorisch korrekturgelesen habe (Freidok, ebenso ARTDok), was angesichts der sehr guten Qualität von des OCR-Programms, auch bei sehr langen Aufsätzen einschließlich Scannen nicht mehr als eine Dreiviertelstunde in Anspruch nahm, kann ich nur sagen, dass Herr Braun dann halt ein miserables Programm benutzt hat. Beispielsweise ist die eingebaute OCR von Acrobat eher schlecht.

Wozu braucht es die OCR in einem doppelschichtigen PDF? Einzig allein für die Suchmaschinen und Nutzer, die Zitate oder längere Textteile (z.B. Quellenstellen) entnehmen wollen. Letzteren ist zuzumuten, dass sie den Wortlaut mit dem ja zur Verfügung stehenden Faksimile kollationieren.

Und bei den Suchmaschinen ist eine hundertprozentige Übereinstimmung ebenfalls entbehrlich. Man sollte lediglich darauf achten, dass die Schlüsselbegriffe des Texts richtig erkannt werden.

Ist das OCR-Ergebnis zufriedenstellend (und ich sehe keinen Grund, wieso ein Typoskript nicht ordentlich bearbeitbar sein soll), genügt eine kursorische Durchsicht, die bei einer sehr umfangreichen Arbeit keineswegs viele Arbeitsstunden in Anspruch nimmt.

Wir haben hier in Archivalia Dutzende Beiträge, die den Nutzen von Volltextsuchen schlagend anhand von wissenschaftlichen Beispielen belegen. Das hat nichts mit Wissenschaft light zu tun, sondern mit Nutzung neuer Möglichkeiten, die nicht bei der Beigabe einer CD als Non-Plus-Ultra stehen bleibt.

Im übrigen hat sich an Grafs Replik schon eine kleine Diskussion angehängt. Man ist als Forscher “im Elfenbeinturm” überrascht, was es ‚da draußen’ so für Gesichtspunkte gibt, z. B. dass “jemand jahrzehntelang (?) [mein Kommentar: Fragezeichen können Sie streichen] für Steuer- oder Stiftungsgeld an einem einzelnen Buch arbeiten kann, ist das ja schön für ihn” – mein Kommentar: von wegen, diese Aufgabe habe ich mir seinerzeit keineswegs selber ausgesucht, sie war mir aufgrund gewisser Umstände dienstlich verordnet worden, und für wie “schön” für mich man sie hielt, lässt sich daran ablesen, dass ich nach 35 Dienstjahren auf derselben Gehaltsstufe pensioniert wurde, in der ich eingestellt worden war, – gewiß ein einmaliges Phänomen im baden-württembergischen Beamtenwesen – und ich hatte mich in der Dienstzeit auch noch gegen solche zu wehren, die derweil automatisch die Karrieretreppe hinauffielen, auch sie übrigens “für Steuer- oder Stiftungsgeld” und ohne dafür ein “Jahrhundertwerk” zu verlangen, ein “Luxus”, der offenbar “dem Fortkommen der Wissenschaft insgesamt” weitaus dienlicher ist – soviel zur “Ökonomie des Wissenschaftsbetriebs” aus der Sicht eines anonymen “ladislaus” auf der zitierten Website, dem immerhin meine “hemdärmelige Anleitung zum Urheberrechtsverstoss” “sehr willkommen” ist.

Karlsruhe, 12. Februar 2009 Johann Wilhelm Braun


Diese letzten Bemerkungen lasse ich unkommentiert.

Neuss, den 14. Februar 2008 Klaus Graf
Ladislaus meinte am 2009/02/15 10:18:
Da Braun meinen damaligen Kommentar völlig verzerrend wiedergibt und nur auf Nebensächlichkeiten eingeht, ist auch mir eine Replik unmöglich, da jeder inhaltliche Ansatzpunkt dafür fehlt.

Eines aber macht Brauns Bemerkung zu seiner persönlichen Situation überdeutlich: wenn das Werk ihm 500 Euro an Tantiemen eigebracht, ihn dafür aber offensichtlich eine größere Karriere gekostet hat (viele Forscher der heutigen Generation Praktikum wären übrigens glücklich, auch ohne ständiges Befördertwerden wenigstens irgendeinen festen Job zu haben), so ist es für die Zukunft um so wichtiger, aus diesen Vorgängen zu lernen und ähnliche Projekte anders anzugehen: Open-Access-Veröffentlichungen einzelner Teile in allen Phasen des Projekts, an dessen Ende dann durchaus wieder eine Buchveröffentlichung stehen kann und sollte, die für die Nachwelt bestimmt ist. Dadurch und z. B. durch Projektblogs wird der Forscher sichtbarer, kann Vorschläge und Kritik in allen Phasen des Projekts hervorrufen und zur Kenntnis nehmen, kann neuere technische und wissenschaftsbetriebliche Entwicklungen auch während der Erstellung noch einfacher in das Konzept einarbeiten (z. B. Internet gegenüber dem veralteten Medium CD-ROM; freie Lizenzen gegenüber starrem Urheberrecht, das ihn ohnehin nicht interessiert; Kostenentwicklung digitaler/analoger Präsentation während der Projektlaufzeit), und muss sich dann nach Fertigstellung auch nicht von jedem Widerwort gekränkt fühlen und zum Rundumschlag gegen die Rezensenten ausholen. 
KlausGraf antwortete am 2009/02/15 16:16:
Sehr richtig
Danke für diesen Beitrag. 
Ladislaus antwortete am 2009/02/18 22:19:
Nachtreten kann ich übrigens auch, zumal Braun seinen Fehler beharrlich wiederholt: Wer den Unterschied zwischen anonym und pseudonym nicht kennt, sollte sich doch von solchen schwierigen Fremwörtern bitteschön fernhalten. 
 

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