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Mathias Schindler danke ich, dass er mir die folgenden Fragen per Mail beantwortet hat.

Das Bundesarchiv wird seine Zusammenarbeit mit der Wikimedia Foundation bzw. Wikimedia Commons nicht fortsetzen, also keine weiteren Bilder zur Verfügung stellen. Die bisher gelieferten Bilder bleiben unter freier Lizenz verfügbar. Wie bewertest Du diese Entscheidung des Archivs?

Das Bundesarchiv und Wikimedia Deutschland haben 2008 eine
Vereinbarung geschlossen, bei der es um die Freigabe von Bildern unter Freier Lizenz und die Anreicherung von Personendaten ging. Die in dem Vertrag vereinbarten Dinge sind erfüllt. Das Bundesarchiv hat letzte Woche gesagt, dass es derzeit keine Pläne gibt, weitere Bilder unter freier Lizenz zu veröffentlichen. Ich sehe darum nicht die Basis für die Formulierung "nicht fortsetzen", allenfalls für "nicht ausweiten". Die bisher gelieferten Bilder bleiben unter freier Lizenz verfügbar, dies ist auch nichts, was jemanden überraschen sollte. Angesichts der genannten Gründe kann ich die Entscheidung des Archivs nachvollziehen, wenngleich ich sie bedauere und hoffe, dass sich einmal die Voraussetzungen ändern, damit es zu weiteren Freigaben kommt.

Kommt sie für dich überraschend? Immerhin hat Sander in der
Open-Access-Sektion auf dem Regensburger Archivtag (auch nachlesbar im 2010 erschienen Tagungsband) die Zusammenarbeit gelobt und die positiven Effekte herausgestrichen. Der Anstieg der Nutzungen war bereits damals zu beobachten.


Ich glaube nicht, dass das Bundesarchiv die positiven Aspekte heute
nicht mehr positiv sieht, aber es gibt auch Schatten. Und dazu kann
natürlich auch eine steigende Arbeitsbelastung ohne Erhöhung der
Stellenzahl zählen. Ich teile übrigens den Ärger des Bundesarchivs,
wenn freigegebene Bilder in nicht lizenzkonformer Weise genutzt werden und noch nicht einmal der Versuch unternommen wird, die Lizenz einzuhalten.

Hast du Anhaltspunkte, wieso der "Ausstieg" gerade jetzt kommt?

Ich teile die Prämisse der Frage nicht und sehe keine Besonderheit
in der Wahl des Zeitpunktes.

Ist dir Näheres über die angebliche kriminelle Nachnutzung auf eBay bekannt?

Soweit ich weiss, wurden auf eBay Postkarten verkauft, die mittels
der freigegebenen Bilder hergestellt wurden. Mir wurde gesagt, dass es keinerlei Versuch gab, die Bedingungen der Lizenz einzuhalten. Wenn dies so zutrifft, halte ich es für plausibel, von krimineller
Nachnutzung zu reden, auf irgendwas müssen ja schließlich die
Vorschriften des Nebenstrafrechts im UrhG anwendbar sein. Details zu der rechtlichen Klärung habe ich nicht.

Aus meiner Sicht kann man dann wiederholte Kritik an der
Rechteklärung des Bundesarchivs bei seiner Bilderspende nicht unter
den Tisch fallen lassen. Wie siehst du das?


Ich weiss aus der eigenen Arbeit mit dem Bundesarchiv, wie viel Mühe man sich dort mit der Rechteklärung gemacht hat. An dieser Stelle bin ich dem Bundesarchiv sehr dankbar für die Vorarbeit und die schnelle Reaktionszeit bei Rückfragen.

Wie siehst du Flickr Commons?

Ich nutze Flickr Commons selbst nur selten und kenne es vor allem
von zwei Konferenzen, von denen Yahoo bzw. Flickr-Vertreter und zwei GLAM-Vertreter über ihre Erfahrungen gesprochen haben. In der Summe ist dieses Projekt großartig, im Detail muss man immer nachfragen, ob es wirklich optimal genutzt wird, was den Upload der größtmöglichen Auflösung und eine umfassende Rechteprüfung über ein "no known restrictions" hinaus angeht. Wenn man sich
//www.nls.uk/copyright/index ansieht (zufällig gewähltes Beispiel eines Flickr-Commons-Bildes
( //www.flickr.com/photos/nlscotland/5181443034/ )), dann kommen mir Bauchschmerzen:

"no known copyright restriction" wird von der National Library of
Scotland auch dann vergeben, wenn "we own the copyright". Wenn dies stimmt, greift nach der struktur des Textes die default-Regel, und das ist dann "'Creative Commons, Attribution - Noncommercial - Share-alike 2.5 UK: Scotland". Ich würde gerne von Yahoo und der NLS wissen, was daran nicht eine "copyright restriction" sein soll, das ist meines Erachtens völlig unabhängig von der Problematik, die du Copyfraud nennst und die teilweise noch obendrauf kommt.

Ich würde mir wünschen, dass Flickr Commons stärker Position bezieht, dass gemeinfreie Werke von jedermann zu beliebigen Zwecken genutzt werden können.

Auf Flickr Commons sind zwar einige europäische Institutionen
vertreten, aber keine deutsche. Hast du dafür eine Erklärung?


Ich habe dafür keine Erklärung, bin mir aber auch nicht sicher, ob
Yahoo/Flickr überhaupt in Deutschland diesbezüglich aktiv sind.

Wie bewertest du den allenthalben immer noch wildwuchernden Copyfraud?

Ich bin Optimist; ich sehe Fortschritte darin, einen Konsens für
die Formel "analog gemeinfrei = digital gemeinfrei" zu bekommen.

Wieso gibt es in der Europeana keine CC- oder CC0-markierte Bilder?

Europeana hat an einigen Stellen Verweise auf CC-lizenzierte
Bilder, schafft es aber derzeit nicht, die konkrete Lizenz zu
benennen. CC0 ist als Konzept erst wenige Monate alt, es wäre unfair zu fordern, dass Europeana vor seinem 2012-Release damit umgehen kann.

Nimm bitte abschließend zu den Perspektiven freier Inhalte und den Chancen künftiger Kooperationen mit Institutionen, insbesondere Archiven, Stellung.

Das ist die Einladung, alles zu sagen, was mir jemals zu diesem
Thema in den Sinn kam. Ich mache es mal als Todo für mich für 2011. Context is king. Ich glaube, dass wir mit Wikimedia an sich
unglaublich attraktiv sind, weil wir Inhalte in einen größeren Kontext
einbinden können: Über die Einbindung in Wikipedia-Artikel, über die Kategorisierung in Commons, über die Verknüpfung mit Normdaten. Was Archive angeht, gibt es natürlich häufig das Grundproblem, dass Archive nicht immer diejenigen sind, die über hinreichende Nutzungsrechte verfügen, mit denen eine Freigabe unter einer freien Lizenz möglich wäre. In diesen Fällen wäre es bereits nett, wenn die Archive 1. ihre Bestände auf die eigenen Seiten packen und 2. ihre Katalogdaten freigeben, damit wenigstens systematisch auf sie verlinkt werden kann. Europeana hat diesen Punkt leider immer noch nicht zufriedenstellend gelöst, ich habe aber Hoffnung, dass sie bald merken, wie sehr sie selbst davon profitieren, Klarheit in den Metadaten (nichts anderes hat Europeana ja letztlich) zu schaffen.

Eine Sache, die bisher nur am Rande wahrgenommen wird, ist der
umgekehrte Weg: Frei lizenzierte Inhalte von Commons, Flickr oder
sonstigen Seiten in die Archive, damit die Leute, die unsere Arbeit in 50 Jahren machen werden, vielleicht etwas weniger Mühen haben.

Siehe auch
//archiv.twoday.net/stories/8427530/
Wolf Thomas meinte am 2010/11/21 21:45:
Reaktionen aus der Blog-Sphäre Zu Bundesarchiv-Wikimedia:
//schmalenstroer.net/blog/?p=416
//ultimategerardm.blogspot.com/2010/11/sad-news-about-bundesarchiv.html 
KlausGraf antwortete am 2010/11/21 22:00:
Siehe auch
//de.wikipedia.org/wiki/Blogosph%C3%A4re 
HaeB (Gast) meinte am 2010/11/23 12:44:
Signpost-Artikel
//en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Wikipedia_Signpost/2010-11-22/News_and_notes 
 

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