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Heute berichtete Dr. Oliver Sander, Bundesarchiv Koblenz, auf der Gießener Archiv 2.0-Tagung über die Kooperation von Bundesarchiv und Wikimedia.
Fazit nach zweijähriger Laufzeit: Es wird keine weiteren Bilder des Bundesarchiv auf Wikimedia geben.
Begründung:
1) Seit Einstellen der Bilder erhöhte sich die Anzahl der Recherchen um 230% - ohne dass zusätzliches Personal bereit gestellt wurde.
2) Die Nichtbeachtung der Lizensierung nimmt immer häufiger kriminelle Züge an. So wurden auf ebay über 3000 Bilder aus dem Wikimedia-Projekt verkauft.

Sowohl die Steigerung der Einnahmen um 197% als auch die inhaltliche Arbeit der Wikimedia-Community überwogen die o. g. Nachteile auf.

Schade!
rtc (Gast) meinte am 2010/11/11 22:00:
Nichtbeachtung der Lizensierung?
Inwiefern sieht das Bundesarchiv kriminelle Züge darin, wenn über ebay über 3000 Bilder aus dem Wikimedia-Projekt verkauft werden? Ich dachte die für die Bundesarchiv-Bilder verwendete CC-BY-SA erlaubt die kommerzielle Verwertung?

Oder hat das Bundesarchiv vorausgesetzt, dass die CC-BY-SA nur für Wikimedia-Projekte, nicht für jedermann zur Verfügung gestellt wird und sie deshalb für Nutzung außerhalb dieser Projekte Lizenzgebühren verlangen kann? 
Wolf Thomas antwortete am 2010/11/11 22:12:
cc by sa .....
meint, wenn ich mich nicht irre, Namensnennung + share alike. Bei den Bilder auf ebay wurden die Bilder so bearbeitet, dass der im Bild "integrierte" Bildnachweis ausgeschnitten wurde und auch auf die Namensnennung "verzichtet" wurde. Ist dies kein Verstoß gegen cc by sa? 
rtc (Gast) antwortete am 2010/11/11 22:29:
Wenn der integrierte Bildnachweis entfernt wurde, ohne dass er gleichzeitig an anderer prominenter Stelle mit den Bildern zusammen erfolgte, z.B. in einer zusätzlich beiligenden Textdatei, dann ist das natürlich ein Problem.

Andererseits stellt sich die Frage, wo da denn jetzt die Schuld der Wikimedia-Projekte liegen soll. Es musste dem Bundesarchiv doch klar gewesen sein, dass CC-BY-SA nur eine Lizenz ist und Creative Commons keine Behörde ist, die diese Bedingungen kostenlos durchsetzt. Dass mit Lizenzverletzungen bei CC-BY-SA genauso zu rechnen ist wie bei All rights reserved müsste doch eigentlich selbstverständlich sein. 
Mogelzahn (Gast) antwortete am 2010/11/15 23:13:
Schuld der Wikimedia-Projekte
Von einer "Schuld" der Wikimedia-Projekte spricht ja auch das Bundesarchiv nicht. 
KlausGraf meinte am 2010/11/11 23:25:
Bundesarchiv hat von Open Access nichts begriffen
Wir erinnern uns: Wikimedia erhielt nur einen Teilbestand aus dem Bildarchiv und diesen nur in geringer Auflösung. Gleichwohl hat dies die angemessene Illustrierung unzähliger Artikel erlaubt.

Es wäre sinnvoll, wenn eine offizielle Stellungnahme des Bundesarchivs erfolgen könnte, denn hinreichend informiert fühle ich mich durch obige Ausführungen nicht.

Gegen Lizenzverstöße kann man stets vorgehen, und einige Anbieter von Open Content via Wikimedia-Projekte verdienen daran ganz gut (Name ist mir bekannt).

Staatliches Archivgut hat de lege lata nicht zur Einnahmensteigerung des Archivs beizutragen, denn die Archivgesetze wissen davon nichts.

http://archiv.twoday.net/stories/6164988/

Archive haben einen Bildungsauftrag, der sie dazu verpflichtet, in angemessener Weise auch auf die Existenz und Bedürfnisse freier Projekte wie der Wikipedia zu reagieren.

Im Trend liegt weltweit das Gegenteil, der Ausbau der Zusammenarbeit von freien Projekten und die Nutzung von Flickr Commons für das Anbieten komplett rechtefreier (bzw. no known restrictions) Bilder:

http://archiv.twoday.net/search?q=flickr+commons

Die partizipierenden Institutionen zeigen sich teilweise hochzufrieden mit dieser Möglichkeit, ihre Bildbestände bekannt zu machen. 
Arno Nym (Gast) meinte am 2010/11/12 08:14:
Naivität des Bundesarchivs?
Die Begründung ist recht schwach. Von einer erhöhten Rechercheanfragenzahl musste bei einer so massiven Ausweitung der öffentlichen Präsenz doch ausgegangen werden. Und dass dadurch Verwaltungen nicht gleich einen angepassten Personalschlüssel bereitgestellt bekommen, verwundert angesichts der Kassenlage in den öffentlichen Haushalten auch nicht. Und die kriminelle Nachnutzung zu ahnden ist natürlich ein Aufwand, der möglich ist und über den man sich doch vorab hat Gedanken machen müssen. Vielleicht sollte man da einfach mal einen Musterprozess führen und somit auch ein Warnsignal geben. Das Projekt war zu Beginn doch ein positives Signal für das deutsche Archivwesen! 
J. Kemper antwortete am 2010/11/12 08:34:
Vor allem sehr schade!
Die Entscheidung ist bedauerlich, denn: es war wirklich ein positives Signal für das deutsche Archivwesen, zumal wenn man die wesentlich geringeren Berührungsängste in vielen nichtdeutschen Archiven in Betracht zieht. 
Ladislaus meinte am 2010/11/12 09:24:
"Seit Einstellen der Bilder erhöhte sich die Anzahl der Recherchen um 230% - ohne dass zusätzliches Personal bereit gestellt wurde."

Das halte ich für einen Erfolg: das Bundesarchiv wurde potentiellen Benutzern offenkundig durch die Wikimedia-Spende erst bekanntgemacht. So etwas als Negativposten anzuführen ist ganz alte Schule: so wenig Benutzer wie möglich, alles schön im Gehemein, "da könnte ja jeder kommen". 
Ladislaus meinte am 2010/11/12 09:29:
Übrigens: Wenn Deutschland eine sinnvolle Regelung wie die USA hätte, dass Werke der Regierung per se gemeinfrei sind, könnte sich das Bundesarchiv seine scheinheilige Jammerei sparen.

Aber auch so: da macht einer mit ein paar Bundesarchiv-Bildern (für die das Bundesarchiv auch nur mit gutem Willen überhaupt digitale Nutzungsrechte hat, und Urheberrechte schon gar nicht), da macht also mit solchen Bildern ein paar hundert Euro Gewinn. Das tut einem Institut, das mit jährlich 45 Millionen Steuergeld betrieben wird, natürlich so weh, dass die Kernaufgabe, nämlich Bestände der interessierten und ohnehin zahlenden Öffentlichkeit in zeitgemäßer Form zur Verfügung zu stellen, ohne Bedenken über Bord geworfen wird. Armselig, kann man da nur sagen. 
Wolf Thomas meinte am 2010/11/13 10:38:
Scheiterte das Projekt, weil es zu erfolgreich war? 
Ladislaus antwortete am 2010/11/13 11:33:
Man sollte auch nicht vergessen, dass Wikipedianer zigtausend Personendatensätze des Bundesarchivs in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit mit PND versehen haben - dafür wurde damals eigens ein Tool aufgesetzt. Wir waren eben mal wieder die nützlichen Idioten. 
Wolf Thomas antwortete am 2010/11/13 16:54:
Hier muss ich meinen Eintrag ergänzen:
1) Dr. Sander war voll des Lobes für die Schnelligkeit mit der dieses wirkungsvolle Tool erstellt wurde.
2) die Qualität der eingegangenen Korrekturhinweise wurde ebenso hervorgehoben.

Ich hatte das Gefühl, dass das Projekt weiterlaufen könnte, wenn mehr Personal eingesetzt wird. In Anbetracht der Bundesfinanzen sind mehr Personalausgaben im Archivwesen jedoch eher illusorisch, ja beinahe utopisch.

Dass das Nützliche-Idioten-Gefühl entsteht, ist völlig nachvollziehbar und m. E. ein weiterer negativer Aspekt an dem Einfrieren dieser Kooperation. Es geht eben nicht nur um die Wirkung in das deutsche Archivwesen, sondern auch um die Wirkung auf die Wikipedianer, vielleicht sogar auf die gesamte Web 2.0-Gemeinde: "wir" bestätigen das Bild des fortschrittsskeptischen Archivierenden im grauen Kittel mit Spinnweben im Bart ...... 
KlausGraf antwortete am 2010/11/13 18:17:
Web 2.0 - im deutschen Archivwesen ein Fremdwort
Eine inzwischen so weit verbreitete Technik wie RSS wird im Archivwesen nicht eingesetzt, auch nicht im Bundesarchiv, obwohl die Vorteile klar auf der Hand liegen.

Nach wie vor ist das Weblog des Hochschularchivs der RWTH Aachen soweit mir bekannt das einzige institutionelle im deutschsprachigen Raum, von der "Monopolstellung" von Archivalia als Weblog einmal ganz abgesehen.

Benutzerbeteiligung via Internet: Fehlanzeige! 
KlausGraf meinte am 2010/11/17 22:53:
Siehe Interview mit Schindler
http://archiv.twoday.net/stories/8445523/ 
 

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