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Die Mainzer Martinus-Bibliothek verwahrt als Hs. 205 einen umfangreichen Sammelband des 17. Jahrhunderts mit handschriftlichen Pasquillen und Liedern, der gelegentlich die Aufmerksamkeit der Forschung gefunden hat. (Ich habe die Handschrift nicht eingesehen.)

Er stammt aus der Büchersammlung Fritz Schlossers (1780-1851) und gehörte im 18. Jahrhundert Johann Michael von Loen.

Strassburger Provenienz der Handschrift ist wahrscheinlich. Sie wurde nach 1620 angelegt. Bl. 147v wurde die Jahreszahl 1628 nachgetragen. Anscheinend ein Originalbrief an den Rat der Stadt Strassburg 1622 ist Bl. 458r zu finden.

Die umfangreichste Erschließung im Handschriftenarchiv ist online:

http://www.bbaw.de/forschung/dtm/HSA/mainz_700386260000.html

Detailliert beschreibt die Handschrift auch der jetzt online als PDF verfügbare masch. Katalog von M. Dörr:

http://www.blogs.uni-mainz.de/handschriftencensus/files/2012/05/Doerr_MainzMB_Hsskat.pdf

Vermutlich war M. Dörr der Aufsatz des berüchtigten FWE Roth zur Handschrift nicht bekannt, sonst hätte sie ihn angeführt.

Aus einer Straßburger Sammlung von Volksliedern des 15./17. Jahrhunderts. In: Jahrbuch für Geschichte, Sprache und Litteratur Elsaß-Lothringens 16 (1899), S. 201-204
http://www.archive.org/stream/JahrbuchFuerGeschichteSpracheUndLiteraturElsass-lothringens14-16#page/n719/mode/2up

Roth nennt die Mainzer Seminarbibliothek als Quelle und macht Angaben zu 47 Stücken/Liedern, aber ohne Seitenzahlen.

Bemerkenswert ist, dass er bei den Nrr. 43, 44 und 45 auf eigene Abdrucke verweist. Es handelt sich um

Volkslieder auf die Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm und Friedrich V. In: Mitteilungen des Historischen Vereins der Pfalz 22 (1898), S. 71-76
http://www.archive.org/stream/MitteilungenDesHistorischenVereinsDerPfalz22-23#page/n81/mode/2up

Dort hatte er die drei Texte aus einer "Sammelhandschrift in Privatbesitz" mitgeteilt.

Nr. I ist Bl. 409r-410r der Handschrift, abgesehen von der Aufteilung der 15 Strophen auf zwei Gedichte von Roth wörtlich abgedruckt (nach Ausweis der HSA-Beschreibung S. 43
http://www.bbaw.de/forschung/dtm/HSA/700386260043.html )

Nr. II entspricht Bl. 452r.

Bl. 442r-443v ist bei Roth Nr. III, der nach Angabe der HSA-Beschreibung zu den Strophenanfängen den Text wörtlich abdruckte.

[Hans Lambel stellte im Euphorion 8 (1901), S. 152 klar, dass Nr. III keineswegs unbekannt, sondern mehrfach gedruckt war.

https://archive.org/stream/euphorionzeitsch08leipuoft#page/152/mode/2up

Übrigens war das nicht das erste Mal, dass Roth anderweitig bereits Gedrucktes ohne den Druckort zu nennen erneut mitteilte.]

Nun schreibt Roth 1899 aber bezugnehmend auf Roth 1898: "Ebenda abweichend S. 73". Eine solche Abweichung ist zumindest nach den Angaben des HSA überhaupt nicht nachvollziehbar.

Mit dem "abweichend" wollte Roth offenkundig suggerieren, dass seine Vorlage 1898 eine andere war als die Mainzer Handschrift. Das kann man aber eigentlich ausschließen, denn der mutmaßlich Strassburger Sammelband stellt eine einzigartige individuelle Zusammenstellung von Zeitgedichten dar. Von einer Abschrift ist nichts bekannt. Dass es gerade diese drei Stücke noch in einer weiteren Handschrift gegeben hat, die Roth vorlag, ist kaum denkbar.

Roth hat - das erscheint mir nach allem, was ich über ihn als Fälscher inzwischen weiß, am plausibelsten - 1898 die Herkunft seiner Quelle bewusst verschleiert und dieses Versteckspiel durch den Hinweis auf Abweichungen auch 1899 beibehalten. Ihm ging es - wie schon bei der Nichtnennung der Würzburger Inschriftenüberlieferung Gamans' in den "Fontes" (vgl. Arens, Deutsche Inschriften ... Mainz, 1958, S. 19) - darum, dass er ohne lästige Konkurrenten den spannenden Sammelband erst einmal allein ausbeuten konnte. Für das Strassburger "Jahrbuch" gab er dann einen kursorischen Überblick über den Inhalt mit Angabe des Lagerorts.

Wenn es auf

http://www.blogs.uni-mainz.de/handschriftencensus/mz-mb/

heißt, Roth habe teilweise verschollene Handschriften beschrieben, so muss man mit der Möglichkeit rechnen, dass er diese in Wirklichkeit erfunden hat.

Bl. 500r-502v überliefert die Mainzer Handschrift die mittelalterliche Prophezeiung des Dietrich von Zengg, sie gehört also eigentlich in den Handschriftencensus.

https://de.wikisource.org/wiki/Dietrich_von_Zengg

Die Identifizierung nahm vor Frances Kneupper: German Identity and Spiritual Reform at the End of Time: Eschatological Prophecy in Late Medieval Germany. Dissertation Northwestern University Evanston 2011, S. 363. Sie stellte S. 377 auch fest, dass auch die "Veniet aquila"-Prophezeiung im gleichen Kontext erscheint: "Mainz, Priesterseminar 205 (17th c), fol. 498; (attached
to a astrological proph apparently from Smaragdo Abbas
Torquenorum to the priests and clerics of Rome, said to be written
1271)". Dazu die HSA-Beschreibung:

http://www.bbaw.de/forschung/dtm/HSA/700386260054.html

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