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Wissenschaftsbetrieb

http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,772670,00.html

http://www.zeit.de/2011/28/Althusmann-Dissertation-Plagiat-2 mit Downloads des Prüfberichts (LESEN!) durch die ZEIT und der Original-Dissertation.

Update:
http://www.stern.de/panorama/niedersachsens-kultusminister-althusmann-zitierte-sogar-doktorvater-falsch-1704292.html

http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Forum:Zeit-Online:%22Plagiat-Verdacht%22

http://idw-online.de/pages/de/news431812

Der Promotionsausschuss der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen hat nach intensiver Prüfung der Dissertation sowie nach einer schriftlichen Anhörung des Betroffenen in seiner Sitzung am 5. Juli 2011 beschlossen, Matthias Christoph Pröfrock den Doktortitel zu entziehen. Sie hat dabei mit Einverständnis des Betroffenen Erkenntnisse der zentralen Kommission der Universität Tübingen zur Untersuchung von Fehlverhalten in der Wissenschaft, die den Betroffenen auch mündlich angehört hat, in ihre Prüfung einbezogen. Die Untersuchung der Dissertation hat ergeben, dass sie in nicht unerheblichem Maße fremde Texte wörtlich übernimmt, ohne dass dies kenntlich gemacht wurde. Damit lag bei Verleihung des Doktorgrades keine „selbständige wissenschaftliche Arbeit“ vor, die nach § 38 Abs. 3 S. 1 LHG Voraussetzung für eine Promotion ist. Stellt sich das Fehlen der Promotionsvoraussetzungen wie im vorliegenden Fall erst nachträglich heraus, legt § 48 Abs. 1 S. 1 LVwVfG den Entzug des Doktortitels in das Ermessen des Promotionsausschusses.

Von der ihm damit eingeräumten Möglichkeit, den Doktortitel nachträglich zurückzunehmen, hat der Promotionsausschuss der Juristischen Fakultät Gebrauch gemacht. Er geht aufgrund der Schilderungen des Betroffenen zu seiner Arbeitsweise bei der Abfassung der Dissertation davon aus, dass die Übernahme der fremden Texte jedenfalls grob fahrlässig erfolgte. Diese Sicht wird von der Kommission zur Untersuchung von Fehlverhalten in der Wissenschaft der Universität Tübingen geteilt. Da gleichzeitig die Integrität wissenschaftlichen Arbeitens und das Vertrauen der wissenschaftlichen Gemeinschaft, der Studierenden und der Öffentlichkeit in die Richtigkeit wissenschaftlicher Veröffentlichungen bei der Duldung von Verstößen der geschilderten Art erheblichen Schaden nähme, hielt der Promotionsausschuss der Juristischen Fakultät den Entzug des Doktortitels trotz der Schwere der Maßnahme für unausweichlich.

Um Plagiatsfälle in Zukunft besser aufdecken zu können, hat die Juristische Fakultät ihre Promotionsordnung um die Verpflichtung erweitert, Dissertationen künftig auch elektronisch abzugeben. Damit wird eine elektronische Plagiatskontrolle ermöglicht. Die Regelung ist im Juni in Kraft getreten.
(Hervorhebung KG)

§ 8 Abs. 2 lautet:

Die Dissertation ist in zwei gedruckten Exemp-laren sowie in elektronischer Form einzureichen. Der Bewerber hat zu versichern, dass die ge-druckte und die elektronische Fassung identisch sind. Zur Ermittlung von Täuschungsversuchen kann die Fakultät elektronische Hilfsmittel einsetzen und personenbezogene Daten elektronisch verarbeiten. Mit der elektronischen Einreichung einer Dissertation willigt der Bewerber ein, dass die Datei in dem für die Überprüfung erforderli-chen Umfang verarbeitet wird.

http://www.jura.uni-tuebingen.de/studium/normen/promo88-2011.pdf

Damit wurde die Chance vergeben, auch in Deutschland ein Theses-Open-Access-Mandat, wie es zahlreiche ausländische Universitäten kennen, einzuführen.

Die miese Open-Access-Feindlichkeit der deutschen Juristen wird aus der Open-Access-Warnung in § 19a der PromO (zur elektronischen Veröffentlichung auf dem Hochschulschriftenserver) deutlich:

Vorher ist der Doktorand schriftlich darüber zu belehren, dass die Einräumung dieses Rechts eine spätere anderweitige Publikation der Dissertation verhindern oder erschweren kann.

Via G+

Die dreiste Verteidigung wird auseinandergenommen:

http://deplagio.wordpress.com/2011/07/03/chatzimarkakis-und-die-%E2%80%9Eharvard-zitierweise%E2%80%9C/

[Preprint] Ulm und Oberschwaben. Zeitschrift für Geschichte, Kunst und Kultur. Im Auftrag des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben e.V. und der Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur e.V. hrsg. von Andreas Schmauder und Michael Wettengel in Zusammenarbeit mit Gudrun Litz und Sarah-Maria Schober Bd. 56. Ulm: Süddeutsche Verlagsgesellschaft Ulm im Jan Thorbecke Verlag 2009. 335 S. mit zahlreichen Abbildungen

Durch seine - nicht selten farbigen - Abbildungen ist der Zeitschriftenband entschieden attraktiver als seine Vorgänger. Die 14 chronologisch angeordneten Aufsätze klammern eigenartigerweise das 20. Jahrhundert weitgehend aus.

Norbert Kruse stellt “Ein spätmittelalterliches Ave-Maria-Gedicht in deutscher Sprache aus dem Kloster Weingarten” vor (S. 9-25). Das von Kruse abgedruckte und übersetzte Stück aus der Stuttgarter Handschrift HB I 227 wurde bereits 1912 von Karl Löffler ediert. Ohne großen Erkenntnisgewinn bleibt auch der Beitrag von Hans Göggelmann: Die Stadt Ulm, Ulrich Tengler und Streitpunkte mit Herzog Georg dem Reichen von Bayern-Landshut in einem Strafverfahren 1493/94. Ein Beitrag zu 500 Jahre Tenglers Laienspiegel (1509). Es handelt sich um ein Verfahren gegen vier “Landzwinger”, dokumentiert im Stadtarchiv Ulm A [6523] (S. 26-34). Um Frieden, Ordnung und Freiheit geht es in dem Vortrag von Peter Blickle: Die Werte des Alten Europa (S. 35-45). Er verzichtet gänzlich auf Nachweise.

Der 1607 in Ulm verstorbene Lehrer Hieronymus Harder und seine Tätigkeit als Botaniker wird porträtiert von Werner Dobras: Hieronymus Harder und seine zwölf Pflanzensammlungen (S. 46-82). Nicht weniger als zwölf handschriftliche Kräuterbücher Harders vermochte Dobras weltweit zu ermitteln. Das Exemplar der Staatsbibliothek München kann auch online betrachtet werden (urn:nbn:de:bvb:12-bsb00011834-3). “Der Dreißigjährige Krieg in Oberschwaben. Drei Ego-Dokumente” überschrieb Ulrich Ufer seinen etwas hochgestochen formulierten Beitrag (S. 83-110), in dem er die Autobiographien des Salemer Zisterziensers Sebastian Bürster und des Hans Conrad Lang aus Isny sowie das Tagebuch des Überlinger Ratsherrn Johann Heinrich von Pflummern auswertet. Zurecht wurde im Internet kritisiert, dass die Online-Verfügbarkeit des Lang’schen Selbstzeugnisses in Wikisource (seit 2006!) mit keiner Silbe erwähnt wird ( http://mannigfaltigkeiten.twoday.net/stories/6090241/ ). Der japanische Historiker Shin Demura beleuchtet den Umgang der Ulmer Stadtobrigkeit mit den Flüchtlingsströmen, die ab 1634 die Reichsstadt überfluteten: Im Schutz der sicheren Stadt. Flüchtlinge in Ulm in der zweiten Hälfte des Dreißigjährigen Krieges (S. 111-125). Ein kulturgeschichtliches Thema traktiert Hans Holländer: Ein Konversationsspiel. Das “Grosse Königs=Spiel” Christoph Weickhmanns (S. 126-145). Der Ulmer Patrizier und Handelsherr Christoph Weickhmann (1617-1681) publizierte 1664 in Ulm ein Strategie-Brettspiel (2009 digitalisiert: http://diglib.hab.de/wdb.php?dir=drucke/5-6-pol-2f ). Rund ein Meter Akten im Ulmer Stadtarchiv zum Kampf der Ulmer Obrigkeit gegen pietistisch-separatistische Bestrebungen 1712, 1713 und 1716 bilden die Quellengrundlage von Hans-Eberhard Dietrich: “Die Schälke von Schalkstetten”. Der Umgang mit abweichenden Glaubensmeinungen im Ulmer Territorium am Beginn des 18. Jahrhunderts (S. 146-160).

Die Qualitätssicherung der Herausgeber hat versagt bei Markus Dewald: Die Welfensage - ein Historienspiel zur Fastnacht. Vom Klosterdrama zum bürgerlichen Schauspiel (S. 161-182). Abgesehen davon, dass sich jemand, der Leander Petzoldt als Autorität der Sagenforschung zitiert, als Anhänger obsoleter Forschungsansätze disqualifiziert, ist die Traditionsbildung der nach 1826 häufig in Weingarten aufgeführten sogenannten “Welfensage” nicht ansatzweise angemessen dargestellt. Da es eine Sage der Brüder Grimm betrifft, hat man zunächst zu Hans-Jörg Uthers Ausgabe von 1993 (Bd. 2, S. 595 zu Nr. 521) zu greifen, wo weiterführende Literatur zum Mehrlingsgeburten-Motiv angegeben ist. Dass die Welfensage in frühneuzeitlicher gedruckter Literatur nicht selten aufgegriffen wurde, belegen auch die Predigtmärlein der Barockzeit, hrsg. von Elfriede Moser Rat (1964, S. 506f.). Reineccius, die Quelle der Brüder Grimm, beruft sich auf einen Chronisten Atranus Gebula und einen Poeten Michael Lindner. Mehr erfährt man zur Herkunft des Stoffs bei Dewald nicht (S. 163). Schon eine simple Google-Suche nach Atranus Gebula hätte auf die richtige Spur führen müssen: Dass der dubiose Literat Michael Lindener die ganze Geschichte (und den angeblichen Gewährsmann Atranus Gebula) erfunden hat. Inzwischen liegt die “Wunderbarliche Hystoria” Lindeners (ca. 1560) digitalisiert vor (urn:nbn:de:bvb:12-bsb00038563-2), aber schon vor dem Aufkommen des Internets konnte man bei solider Recherche den Namen Lindeners in Literaturlexika auffinden. Dewalds Aufsatz hätte in dieser Form nie gedruckt werden dürfen, denn es geht bei dieser Kritik nicht um ein belangloses Detail, das man übersehen darf, sondern um die Herkunft des behandelten Stoffs.

Auf einen Vortrag geht zurück der eher unterhaltsame Beitrag von Marie-Kristin Hauke: Ulmer Alltagsleben im Spiegel des Ulmer Intelligenzblattes 1752-1820 (S. 183-202). “Die Landwirtschaft fördern und pflegen” war das gelebte Motto des Reform-Herrschers Wilhelm I. von Württemberg, wie Rainer Loose zeigt (S. 203-228): Ohne Viehzucht kein Ackerbau. Wilhelm I. von Württemberg und die Erneuerung der Landwirtschaft (bis ca. 1848 und mit Berücksichtigung Oberschwabens). Der Lithograph Eberhard Emminger, der vor allem durch seine Stadtveduten bekannt wurde, ist das Thema von Markus Dewald (S. 229-248): Nach der Natur gezeichnet und lithographiert. Das lithographische Werk Eberhard Emmingers (1808-1885). Wer sich für die Rezeption mittelalterlicher Kunst im 19. Jahrhundert interessiert, wird in der Studie von Evamaria Popp fündig: Und Gott weiß welches Schicksal dieser herrlichen Skulptur noch harret - in Ulm ist alles möglich. Friedrich Dirr (1841-1884), ein Ulmer Maler-Restaurator des 19. Jahrhunderts (S. 249-278). Ein frühes Klein-Elektrizitätswerk war ab 1911 die Marbacher Mühle, die ihren Mahlbetrieb 1957 einstellte. “Die Technik-Geschichte der Marbacher Mühle bei Saulgau” stellt Albert Haug dar (S. 279-300).

Den etwas beliebig wirkenden abschließenden Rezensionsteil würde ich gern gegen ein gutes Register eintauschen.

Klaus Graf

Nachtrag: Zu Atranus Gebula siehe
http://archive.org/stream/oberbayerisches04obergoog#page/n41/mode/2up
Biographie Lindeners (Schluss fehlt)
http://www.libreka.de/9783110143393/558


Wenig kompetent auch Kruppa im Nds. Jb. 2008, S. 276 bei Besprechung eines Steingadener Bildzeugnisses

http://www.historische-kommission.niedersachsen.de/download/77566

Abdruck der Rezension: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 46 (2010), S. 206-208


http://faz-community.faz.net/blogs/antike/archive/2011/07/02/woerterbuch-trifft-wikipedia-das-greek-english-lexicon-als-offener-text-und-gefangener-seiner-geschichte.aspx

Wörterbuch trifft Wikipedia: Das „Greek-English Lexicon“ als offener Text und Gefangener seiner Geschichte

Der Blogartikel macht deutlich, wie sehr das klassische Nachschlagewerk eine Gemeinschaftsarbeit war, bei der die einzelnen Beiträger nicht auf Attribution hoffen konnten.

http://www.heise.de/tp/blogs/6/150069



http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/VroniPlag_Wiki

Update zu:

http://archiv.twoday.net/stories/29750775/

Brüssel - Es ist die Kehrtwende von einer politischen Instinktlosigkeit: Silvana Koch-Mehrin hat nach deutlicher Kritik deutscher Wissenschaftsorganisationen ihren Rückzug vom Forschungsausschuss des EU-Parlaments verkündet. Die FDP-Politikerin werde in einen anderen Ausschuss wechseln, teilte ihr Sprecher am Samstagabend mit. Erst vor zwei Wochen war Koch-Mehrin der Doktortitel von der Universität Heidelberg wegen massiver Plagiate aberkannt worden . Der Spott unter Parlamentskollegen der ehemaligen europäischen FDP-Frontfrau war groß.

Doch nicht nur die politischen Rivalen kritisierten den Schritt Koch-Mehrins - auch die Allianz der großen Wissenschaftsorganisationen in Deutschland, zu der unter anderem die Max-Planck-Gesellschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft gehören, stellte sich nun gegen sie. In ihrer gemeinsamen Stellungnahme vom Samstag erklärten sie im Wortlaut: "Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten sind alles andere als ein Kavaliersdelikt. Deshalb hält die Allianz es für nicht akzeptabel, wenn Frau Koch-Mehrin im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments Deutschland vertritt."


http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,770584,00.html

http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/sprachlog/kultur/2011-06-22/das-ende-der-l-gen findet das Verhalten von Silvana Koch-Mehrin mit Recht nicht gut.

Achja: GuttenPlag hat einen der Grimme Online-Awards gewonnen:

http://www.focus.de/digital/internet/grimme-online-award-2011-guttenplag-wiki-gewinnt-internetpreis_aid_639411.html

Update: http://archiv.twoday.net/stories/29759028/

Von Kaden et al. und recht abgehoben:

http://libreas.wordpress.com/2011/06/20/informationswissenschaft-2011/

Eine Präsentation von Tim Bartel:

http://wikipedistik.de/plagiate-reaktionen.pdf

 

twoday.net AGB

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