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Lienerts Dietrich-Testimonien - http://archiv.twoday.net/stories/156272722/ - sind auch im Bereich der Bildüberlieferung alles andere als vorbildlich. Sie werden eher stiefmütterlich abgehandelt und in der Einleitung nicht berücksichtigt.

Katalogartig erfasst werden 24 Zeugnisse (B1 bis B24), gefolgt von nicht gesicherten und zweifelhaften Bildzeugnissen (Z1 bis Z25). Positiv zu vermerken ist, dass die vielen Jagdszenen und Drachenkämpfe, die vor allem Wolfgang Stammler spekulativ ins Spiel gebracht wurde, nun ausgegrenzt sind.

Stammlers RDK-Artikel von 1954 über Dietrich von Bern ist online:

Link

Auch in diesem Bereich erweist sich Lienerts Team als nicht sonderlich recherchierfreudig, was Nedoma in seiner konstruktiven und weiterführenden Rezension allzu zurückhaltend formuliert ("dass Lienert und Mitarbeiterinnen bei entlegeneren Quellen manchmal die Flinte zu früh ins Korn geworfen haben", PBB 2012, S. 129).

Schon die Auswahl überzeugt nicht so recht. Es gibt ja von Theoderich nicht nur die eine Münze (B1, das Goldmedaillon von Morro d'Alba) - was ist mit den anderen [siehe z.B.
http://www.smb.museum/ikmk/object.php?id=18201433 ]? Stammler erwähnt im RDK Sp. 1490 ein Elfenbeinrelief des 13./14. Jh. im GNM - Lienerts Team hatte wohl keine Lust, sich darum zu kümmern und beim Museum nachzufragen.

Am "Glockenturm der Johanneskirche zu Schwäb. Gmünd", phantasierte Stammler im RDK Sp. 1488, befinde sich unterhalb einer Muttergottes das Relief einer Hirschjagd, das wohl ebenfalls als Dietrichs Höllenritt angesehen werden dürfe. Das Relief befindet sich nicht am Glockenturm, sondern an der Südwestecke der Kirche. Ich habe 1987 (Ring der Herzogin S. 127 Anm. 23) Stammlers Deutung als abwegig zurückgewiesen. Zur Ikonographie der Johanniskirche vergleiche man Richard Strobels großes Inventar der Schwäbisch Gmünder Kunstdenkmale (Bd. II, 1995), sein Johanniskirchenbuch von 1997 und jüngst den Aufsatz Strobels in der ZWLG 71 (2012), S. 327ff. Auch dieses Denkmal fehlt im Katalog der fraglichen Bild-Testimonien Lienerts.

Die Madonna an der Johanniskirche ist heute durch eine Kopie ersetzt (Foto 2012)

Beim Andlauer Fries (Bilder auf Commons) vermisst man den Aufsatz von Robert Will: Die epischen Themen der romanischen Bauplastik des Elsaß, in: Baukunst des Mittelalters in Europa. Hans Erich Kubach zum 75. Geburtstag, Stuttgart 1988, S. 323-336, auch wenn dieser methodisch abzulehnen ist.

Schäbigerweise hat der Niemeyer-Verlag gerade einmal 12 schlechte Schwarzweiß-Abbildungen dem knapp 90 Euro teuren Buch spendiert, wobei allerdings drei unverständlicherweise für in bester Qualität im Netz befindliche Heidelberger Handschriften geopfert wurden.

In der Regel sind die Abbildungen im Internet von erheblich besserer Qualität. Ich trage zusammen, was ich zu B1 bis B24 fand, wobei ich vorzugsweise Wikimedia Commons verlinke.

B1. Goldmedaillon von Morro d'Alba
http://archeoroma.beniculturali.it/musei/museo-nazionale-romano/palazzo-massimo/medagliere/collezione-francesco-gnecchi
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Teodorico_re_dei_Goti_(493-526).png

B2. Relief von Sant'Ellero, Galeata
Gute Farbabbildung auf empfehlenswerter Informationsseite zum Theoderich-Palast
http://www.archeobo.arti.beniculturali.it/galeata/terme_teodorico.htm

B3. Relief von San Zeno Maggiore, Verona
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Basilica_di_san_zeno_protiro,_pannelli_dx_della_scuola_di_niccol%C3%B2_01.JPG
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:VeronaSZenoMaggScultureDx.jpg
und weitere

B4. Karlsruher Theoderich-Initiale
BLB Karlsruhe U.H. Fragm. 16, 12. Jh.
Der moderne Handschriftenkatalog aus dem Jahr 2000 wird von Lienert nicht zitiert (wie man Handschriftenkataloge auch sonst bei den Handschriftenabbildungen vermisst):
http://www.manuscripta-mediaevalia.de/hs/katalogseiten/HSK0545_b482_jpg.htm
Farbabbildung auf dem Schutzumschlag des Lienert-Buchs und
http://shop.blb-karlsruhe.de/images/BigImage/nib_05.gif
[ = http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theoderich_karlsruhe.gif
SW:
http://www.manuscripta-mediaevalia.de/hs/katalogseiten/HSK0545_b171_jpg.htm ]

B5. Leidener Federzeichnung 'Theodericus rex'
UB Leiden, Cod. VUL 46
Große SW-Abbildung:
https://socrates.leidenuniv.nl/R/-?func=dbin-jump-full&object_id=680928
Kleine Farbabbildung:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Gesta_Theodorici_-_Theodoric_the_Great_(455-526).jpg

B6. 'Chronica Theodericiana', Federzeichnung: Kampf Theoderichs mit Odoaker
BAV Rom, Cod. Pal. Lat. 927, Bl. 122r von 1181 aus dem Kloster Mons Olivetus in Verona
Im Netz von mir nicht gefunden, siehe jetzt
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theoderich_odoaker_bav_cpl_927.jpg

B7. Miniaturen zur 'Expositio in Apocalypsim' des Alexander Minorita
Genannt werden Dresden Mscr. A 117, Breslau, UB, Cod. I Q 19 und Prag, Metropolitankapitel Cim. 5, abgebildet Breslau Bl. 45r (Abb. 5), Dresden Bl. 36r (Abb. 6).
Unverzeihlich ist das Fehlen von Schmolinskys Monographie (1991), siehe
http://www.geschichtsquellen.de/repOpus_00101.html
Im Netz nichts gefunden.
[In Breslau und auf manuscriptorium.com ist der Breslauer Codex vom Ende des 13. Jahrhunderts online:
http://www.bibliotekacyfrowa.pl/dlibra/doccontent?id=72&from=PIONIER%20DLF (Djvu!)
Bl. 45r daraus in Farbe:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theoderich_alexander_minorita.jpg
Dresden (nach Lienert):
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theoderich_alexander_minorita_dresden.jpg
Zu den Bildern die Ausgabe Wachtels 1955:
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00000626/image_48
]



B8. Londoner Apokalypsenaltar
Auf den leider nicht sehr großen Farbabbildungen des VAM
http://collections.vam.ac.uk/item/O89176/altarpiece-with-45-scenes-of-altarpiece-master-bertram/
habe ich die Szene nicht identifiziert.
[Es muss sich um
http://media.vam.ac.uk/media/thira/collection_images/2009CR/2009CR8206_jpg_l.jpg
handeln.]

B9. Fresken auf Schloss Runkelstein
Dietrich im Netz jedenfalls nicht auf Anhieb zu finden, siehe etwa
http://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Runkelstein_Castle
[Nachtrag: Via Wikipedia gefunden die Triade mit Dietrich, Siegfried und Dietleib:
http://www.runkelstein.info/images_big/triade_6x.html
Demzufolge:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Runkelstein_Castle_22.jpg ]

B10. Laurin-Fesken in Schloss Lichtenberg, Vinschgau
Der grundlegende Aufsatz von Thali in den Wolfram-Studien 2006 (nicht bei Lienert!) ist wenigstens in Auszügen online:
http://books.google.de/books?id=jtl7iRFibmAC
SW-Abbildung aus dem RDK:
http://rdk.zikg.net/rdkdaten/sca/03/03-1489.jpg

B11. Heinrich von München, 'Weltchronik', Dietrich-Miniatur in der New Yorker Handschrift
Pierpont-Morgan-Library M 769, Bl. 331r, farbig und mit Detail der Miniatur:
http://utu.morganlibrary.org/medren/single_image2.cfm?imagename=m769.331r.jpg&page=ICA000189330
Vgl. zur Hs. http://www.mr1314.de/8573 (der Handschriftencensus wird von Lienert nirgends zitiert!)

B12. Rosengarten-Miniaturen im Cpg 359
Digitalisat wird von Lienert genannt:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg359

B13. 'Virginal'-Miniaturen im Cpg 324
Digitalisat wird von Lienert genannt:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg324

B14. 'Sigenot'-Miniaturen im Cpg 67
Digitalisat wird von Lienert genannt:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg67

B15. 'Dresdner Heldenbuch', Titelminiaturen
Farbdigitalisat liegt inzwischen vor:
http://digital.slub-dresden.de/id274282186
Vgl. http://www.handschriftencensus.de/6805

B16. Gedrucktes Heldenbuch (Erstausgabe 1479), Holzschnitte
Farbdigitalisat des Darmstädter Exemplars des Straßburger Drucks liegt inzwischen vor:
http://tudigit.ulb.tu-darmstadt.de/show/inc-iii-27
Nicht zitiert ist, obwohl maßgeblich GW 12185
http://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/GW12185.htm

B17. Albertus Pictor, Fresko in der Floda Kyrka, Södermanland (Schweden)
SW-Abbildung des um 1479 entstandenen Freskos:
http://kmb.raa.se/cocoon/bild/show-image.html?id=16000200094528

B18. 'Sigenot'-Druck, Holzschnitte
Nicht zitiert ist der GW 12794 zur Erstausgabe in Augsburg (vor 1487)
http://www.gesamtkatalogderwiegendrucke.de/docs/GW12794.htm
Digitalisiert liegen nur die Münchner Probebögen vor:
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00017547-9
Man vergleiche aber auch
http://archive.org/details/dietrichvonbern00heitgoog
Die Bilder sind im PDF, nicht aber im Viewer vorhanden:
https://ia700408.us.archive.org/29/items/dietrichvonbern00heitgoog/dietrichvonbern00heitgoog.pdf

B19. Linhart Scheubels Heldenbuch, Titelminiatur zur 'Virginal'
Wien Cod. 15478, Bl. 1v
http://www.handschriftencensus.de/3627 mit Hinweis auf die Online-SW-Abbildung im Katalog der illustrierten Handschriften (angesichts von http://archiv.twoday.net/stories/115270340/ spare ich mir die Mühe, die Bilddatei in ManuMed als jpg direkt zu verlinken.)

B20. Wiener Federzeichnung eines Theoderich-Standbildes
Indiskutabel ist die Literaturauswahl zur sog. Köldererrolle von 1512/13 (nur Oberhammer 1935), siehe nur den Katalog Hispania Austria 1992 S. 363 Nr. 177, vermutlich gibt es noch jüngere Ausstellungskataloge zum Stück.
Dietrich in Farbe:
http://bilddatenbank.khm.at/images/500/KK_5333_21401.jpg
Kontext:
http://bilddatenbank.khm.at/viewArtefact?id=91340

[Nachtrag: http://archiv.twoday.net/stories/219025120/ ]

B21. Peter Vischer d.Ä., Bronzestatue Theoderichs, Hofkirche Innsbruck
Gute Farbabbildungen:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Innsbruck_1_268.jpg
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Theoderich_(Vischer).JPG

B22. 'Ehrenpforte' für Kaiser Maximilian I.
Das Exemplar des Braunschweiger Museums ist online:
http://kk.haum-bs.de/?id=a-duerer-wb2-h0279-0h1-036
Dietrich:
http://kk.haum-bs.de/?id=a-duerer-wb2-h0279-016

B23. Burg Wildenstein (bei Sigmaringen), 'Sigenot'-Freskenzyklus
Nachzutragen ist zum literarischen Kontext zuletzt Kragl in den Wolfram-Studien 22 (2012), S. 537f. und zum historischen der Katalog "Mäzene Sammler Chronisten" (2012), S. 194 (Bernd Konrad), siehe aber auch das Register des Bandes s.v. Wildenstein.
Farbige Bilddokumentation von Henrike Lähnemann:
http://www.staff.ncl.ac.uk/henrike.laehnemann/sigenot/

B24. 'Berliner Rosengartenspiel', Federzeichnungen
Zu mgf 800 siehe
http://www.handschriftencensus.de/4412
Online sind die Abbildungen im Katalog der deutschsprachigen illustrierten Handschriften sowie Bl. 2v
http://books.google.de/books?id=4Sz4f9YS53EC&lpg=PA236&q=rosengartenspiel
[= http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Berliner_rosengartenspiel_sw.jpg ]

Ein Online-Projekt zu den Dietrich-Testimonien wäre aus meiner Sicht hundertmal sinnvoller als die in Lienerts Dietrich-Testimonien getroffene Entscheidung, die Bildzeugnisse (zu denen, wie gezeigt, oft schlecht recherchiert wurde) in fragwürdiger Auswahl mit schlechten Schwarzweißabbildungen zu dokumentieren.

[Nach weiterer Suche lässt sich feststellen: Von allen 24 Bildzeugnissen ist wenigstens eine Abbildung im Netz.

Unverständlich ist, dass die Abbildungen Dietrichs von Bern im Hundeshagenschen Codex (um 1440) Berlin mgf 855
http://www.handschriftencensus.de/3622
ausgeklammert wurden.
So zeigt
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dietrich_von_Bern_ueberwaeltigt_Hagen_Kriemhild_betrachtet_die_Szene_Hundeshagenscher_Kodex.jpeg
Dietrich von Bern, desgleichen
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Hildebrand_warnt_die_Burgunder_an_der_Mauer_warten_Kriemhild_Dietrich_Hundeshagenscher_Kodex.jpeg ]

Nachtrag: Ein fragliches Testimonium (Mantegnas Wolkenreiter)
http://archiv.twoday.net/stories/156945336/

#forschung

Leidener Federzeichnung (Fulda, vor 1176)
Lönnendonker, Norbert, Dr. (Gast) meinte am 2012/12/27 19:47:
Die Identität des "Dietrich von Bern" (Thidrek af Berne, Ths)
Sehr geehrte Damen und Herren

Es ist mutmaßlich und in der Tat schon oft versucht worden, die Identität des Dietrich von Bern genauer zu klären. Ferdinand Wachter beschrieb in seinen Artikeln in der Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dass die Sagen um Dietrich von Bern jeder Historizität entbehren. Der Verfasser dieses Mails ist dieser Frage seit etwa zwanzig Jahren nachgegangen und meint, allerdings im Gegensatz zur gesamten bisher erschienenen Literatur, dass Dietrich von Bern der germanische Name eines Gottes ist der in der keltischen Sprache Toutiorix genannt wird. Dieser Toutiorix wurde in der "interpretatio romana" "Apollo genannt, und folgerichtig wird auch über Thidrek af Berne in der Thidrekssaga geschrieben: Er bekam keinen Bart so lange er lebte. Einen Bart trägt DvB allerdings auf Abbildungen aus dem MA, als die Verwechslung des Theoderich mit dem Toutiorix schon lange in die Rezeptionsgeschichte eingegangen war. Mehrere Autoren - zuletzt Heinz Ritter - bringen DvB mit "Bonn" in Verbindung. Er - Ritter - beschreibt DvB als "Rheinischen Kleinkönig", Im völligen Gegensatz zu Ritter und zu allen anderen Autoren ist der Autor dieser Zeilen sich sicher, dass erstens die Zuordnung zu "Bonn" einen völlig anderen Grund hat. Toutiorix ist der keltische Name des Gottes, den die Römer als Apollo identifizierten. In Bonn gibt es im Ortsteil Dietkirchen die Grundmauern einer "Dietkirche" in denen vormals ein Weihestein an einen Apollo Livix, oder Livicus verbaut war. (Bitte kreuzigen Sie mich nicht, wenn ich diesen Apollo falsch geschrieben habe. Nach meiner Hypothese ist dieser Apollo identisch mit dem Toutiorix des Weihesteines aus Wiesbaden Schützenhof, der aber nicht nur ein "untergeordneter Quell. und Heilgott von ehemals weitreichenderer Bedeutung war", sondern eben ein "übelabwehrender Gott", der auch das Übel Krankheit in der Lage war zu bekämpfen, weswegen den "Apollos" fast automatisch Heilbäder zufielen. Da Apollo in der Endphase der römischen Religion auch Sonnengott war, resultierten die eigenartigen Züge des Dietrich von Bern, der - wenn er in Zorn gerät - in der Sage die Rüstungen der Gegner (Ecke) durch seinen Atem derart erhitzt, dass die Panzerringe glühen. usf.

Mit freundlichen Grüßen


Dr. Norbert Lönnendonker 
 

twoday.net AGB

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